Predigtthema: Gott hat sein Volk besucht
Zur Gottesdiensteinleitung: Ps 130,1-8 oder 72,1-18
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
- Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Im Blick auf den 3. Advent und der Erinnerung an das Kommen Jesu, wollen wir uns mit dem Lobgesang Zacharias beschäftigen. Wir bekommen dabei einen tiefen Einblick in die Erfüllung alttestamentlicher Ankündigungen über das Kommen des Messias.
Das Lied ist ein Dank- und Lobeslied über Gottes Treue und Gnade, der sein Wort erfüllt und sein Volk besucht hat, um es von seinen Sünden zu retten. Vgl. Psalm 72,1-18
Zacharias, der selbst ein gottesfürchtiger und gläubiger Mann war (Lk 1,6f) und viele Jahre vergeblich auf einen eigenen Sohn (Nachkomme) wartete, erlebte das Unglaubliche. Trotz Elisabeths natürlicher Unfruchtbarkeit schenkte Gott ihnen einen Sohn. Dabei bekam er selbst Besuch von höchster Stelle. Als er nach der besonderen Priesterordnung im Tempel von Jerusalem das Räucherwerk darbrachte, erschien ihm im Heiligtum der Engel Gabriel und kündigte ihm die wundersame Geburt von seinem Sohn Johannes an, der zum Wegbereiter für den Messias wurde.
Ähnlich erlebte es das Volk Israel. Vergeblich wartete das Volk auf die kommende Erlösung, stattdessen erlebten sie die Unterdrückung verschiedener Nationen (Griechen und Römer). Doch trotz ihrer geistlichen Unfruchtbarkeit erlebten sie die Geburt des verheißenen Retters und damit, wie Gott persönlich sein Volk besuchte (Lk 2,10-14).
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
* Fritz Grünzweig. Die Bergpredigt: Antworten auf Fragen von heute. Hänssler, 1985 (S. 187-196).
* Gerhard Maier. Lukas-Evangelium 1.Teil. Edition C-Bibelkommentar 1
* William Barclay, Lukasevangelium, Auslegung des Neuen Testamentes, Neukirchen – Vluyn, 1968 ab Seite 29
* Wiersbe, W.Warren Kommentar NT Band 1 Matthäus bis Apostelgeschichte, CV Dillenburg
Über diesen Text gibt es bereits sehr gute Predigthilfen, die zur Vorbereitung dienen:
vom 25.12.2006 – Lukas 1, 67-79 (Eckhard Löffler) https://www.christusbund.de/predigthilfen/predigthilfe-vom-25-12-2006-lukas-1-67-79/
vom 20.12.2009 – Lukas 1, 57-80 (Thomas Richter) https://www.christusbund.de/predigthilfen/predigthilfe-vom-20-12-2009-lukas-1-57-80/
vom 21. Dezember 2014 – Lukas 1, 57-80 (Sebastian Blank) https://www.christusbund.de/predigthilfen/predigthilfe-vom-21-dezember-2014-lukas-1-57-80/
Die angeführten Punkte sind somit nur ergänzende Gedanken.
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Gott hat sein Volk besucht – ein Grund, Gott zu danken.
V 67 Zacharias singt diesen Lobgesang nicht aus seinem eigenen Herzen, sondern erfüllt vom Geist Gottes. Was er hier singt ist ganz und gar von Gottes Geist getriebene und inspirierte Offenbarung.
Schon vor der eigentlichen Menschwerdung Jesu stellt der Heilige Geist immer Jesus als den Retter in den Mittelpunkt. Der Heilige Geist hat kein anderes Ziel, als auf Christus zu weisen (Joh. 16,14).
V 68-70 Das irdische Volk Israel steht hier primär als Empfang des kommenden Messias im Zentrum. Israel hat die Verheißungen des kommenden Retters bekommen, ganz so wie es im Davidbund verheißen wurde (2Sam 7,26; Röm 9,2). Jesus selbst sagte: „er sei nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt“ (Mt 15,24). Nach der Totenauferweckung des Jünglings von Nain erkannten sie Jesus als den von Gott Gesandten (Lk 7,14).
Das Horn des Heils ist ein bildhafter Ausdruck und steht:
- für den Messias (Gesalbte), der mit dem Öl aus einem Horn gesalbt wird
- für die Macht und Kraft der Erlösung
- für die Erfüllung der Verheißung durch Hannas Lobgesang (Vgl. 1Sam 2,10)
Auch andere Propheten kündigten den Besuch Gottes bei seinem Volk an:
- Geburt eines Kindes (Jes 9,5-6)
- Geburt durch eine Jungfrau (Jes 7,14)
- Geburt eines Nachkommen Davids, der sein Volk JUDA retten wird (Jer 23,5-6)
V 71-75 Der Lobgesang gründet sich ebenso auf die Erfüllung des Bundes mit Abraham. Hier dürfen wir nicht vergessen, dass auch diese sich primär auf das Volk Israel und die natürlichen Nachkommen bezieht:
- Israel wurde Land und Segen verheißen, nicht der Kirche/Gemeinde (1Mo 12,1-3)
- Die Nationen sollten durch den aus Israel kommenden Segen (Messias) Anteil am Segen und Heil bekommen (Joh 4,22)
Inhalt dieser Prophezeiungen ist unter anderem die äußerliche Befreiung von den Feinden Israels, ganz im Sinne der alttestamentlichen Vorhersagen Gottes:
- Besitztum des Landes und Frieden (Jes 14,1-2)
- Sammlung Israels auf Grund der Gnade und Barmherzigkeit Gottes (Jes 54,8-10)
- Sicherheit und Schutz vor den Feinden (Jes 54,15-17)
Inhalt dieser Prophezeiungen ist unser anderem die äußerliche Befreiung von den Feinden Israels, ganz im Sinnen der alttestamentlichen Vorhersagen Gottes.
- Besitztum des Landes und Frieden (Jes 14,1-2; 32,17)
- Sammlung Israels auf Grund der Gnade und Barmherzigkeit Gottes (Jes 54,8-10)
- Sicherheit und Schutz vor den Feinden (Jes 54,15-17)
- Der Herr wird alle Angst und Furcht nehmen (Zep 3,16)
- Israel wird Gott von Herzen dienen, ohne Furcht mit geheiligten und gerechtfertigten Herzen. Hinweis auf den Neuen Bund mit Israel (Jes 31,33-34; Hes 36,24-27)
V 76-79 Berufung von Johannes dem Täufer als Prophet des Höchsten. Hintergrund ist ein orientalischer Brauch, dass Könige auf ihren Reisen zuerst Boten voraussandten, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen, Gehwege zu schaffen, unebene Straßen, Hügel und Täler zu ebnen (vgl. Jes 45,1.2):
- Johannes sollte aber nicht Vorbote irgendeines Königs sein, sondern Bote des Allerhöchsten. Diese Bezeichnung finden wir in 1Mo 14,18 bei Melchisedek, der ein Bild auf Jesus ist (Heb 5,10; 6,20; 7,1ff). Bei der Ankündigung durch den Engel Gabriel wird Jesus selbst als Sohn des Höchsten bezeichnet (Lk 1,32) und damit dem Allerhöchsten gleichgesetzt.
- Johannes ist der verheißene Wegbereiter des Messias (Jes 40,3-5; Mal 3,1; 4,5)
- Johannes hatte die Aufgabe, das Volk für die Ankunft des Messias bereit zu machen
- Der „Aufgang aus der Höhe“ ist ein Bild auf den kommenden Messias. Er wird im
Alten Testament als Licht und Sonne beschrieben (Ps 19,5-7; 36,10; Mal 3,20; vgl.Off 22,5)
- Leider hat die Finsternis dieses Licht nicht erkannt (Joh 1,6-9)
- Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Wichtig zu beachten ist, dass der Lobgesang von Zacharias eine direkte Fortsetzung der prophetischen Lobgesänge des Alten Testamentes ist:
- Lied Moses 2Mose 15,1ff
- Lied Deborahs Richter 5,1ff
- Lied/Gebet Hannas 1Sam 2,1ff
- Lied Marias Lk 1,46ff
Zacharias greift die Verheißungen über das Kommen des Messias auf, wird durch den Besuch Gottes und der Geburt seines Sohnes als Vorläufer für den Messias bestärkt und gewiss, dass sich alle Verheißungen in Zukunft noch vollständig erfüllen werden.
Mit dem ersten Kommen Jesu haben sich noch nicht alle Verheißungen des Alten Testamentes erfüllt.
Die Erfüllung der äußerlichen und innerlichen Rettung des Volk Israels, von der Zacharias singt, steht noch aus und wird sich erst ganz erfüllen, wenn Jesus sichtbar wiederkommt.
Bis dahin hat Gott sich den Nationen zugewandt und gebraucht die Gemeinde als Werkzeug, um Menschen zum Heil zu rufen. Mit Jesus kam das Licht in die Finsternis, um unsere Füße auf den Weg des Friedens zu richten.
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Gutes Beispiel kann eine Beschreibung sein, wie Kaiser Wilhelm II. mit seiner Gattin Auguste Victoria am 29. Oktober 1898 auf Schimmeln nach Jerusalem einritt. Bevor der Kaiser zur Einweihung der Erlöserkirche anreiste, wurden extra Straßen und Gehwege gebaut und sogar ein Graben am Javator zugeschüttet, damit er mit Kutsche und Pferd, ohne abzusteigen, anreisen konnte. https://www.spiegel.de/fotostrecke/kaiser-wilhelm-ii-und-seine-pilgerfahrt-nach-jerusalem-fotostrecke-107676.html
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
- Wo sitze ich in Dunkelheit und Gefangenheit fest?
- Wo bedrücken mich Feinde, Sünde und Angst?
- Jesus möchte dich genau in diesen Umständen besuchen:
- in unserer Alltagssituation eintreten und Licht sein
- uns die Angst nehmen
- Vergebung schenken
- Frieden auf unserem Weg geben
- Jesus ist bereits gekommen, hat uns besucht
- Haben wir unsere Herzenstüren für ihn geöffnet?
- Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Zuhörer sollen erkennen, dass…
- das Kommen Jesu eine Erfüllung der Ankündigungen Gottes ist
- Gott selbst die Rettung der Menschen längst auf dem Herzen hat
- Gott heilige Menschen dazu gebrauchte, um sein Heil zu verkündigen
Darum sollen auch wir ermutigt werden, dass…
- Jesus gekommen ist, um Sünder zu retten
- wir die Vergebung Jesu annehmen
- wir uns als Werkzeuge gebrauchen lassen, dass die Botschaft der Rettung Kreise zieht
- wir Gott von Herzen für sein Heilswerk loben und preisen
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Jesus ist der verheißene Retter, den Gott von Anbeginn der Erde ersehen hat.
Er wurde in seinem Wort verheißen, durch Propheten angekündigt und doch nicht beachtet. Es liegt an jedem Einzelnen selbst, die Ankunft des Retters nicht zu missachten, sondern die Barmherzigkeit und Rettung Gottes zu ergreifen.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
- Vorbereiten – Jesus der Retter kommt
- Verstehen – Jesus kommt, um Barmherzigkeit zu zeigen
- Vergeben – Jesus will Frieden geben
Gott hat sein Volk besucht (Jesus kommt…)
- um der Verheißungen Gottes wegen
- um Barmherzigkeit Gottes zu zeigen
- um Vergebung der Sünden zu erweisen
(Klaus Eberwein)