Lukas

Predigthilfe vom 25.12.2006 – Lukas 1, 67-79

Monatsthema: Gott bleibt treu – dem, der versagt
Predigtthema: treu im Loben

Bibelstelle: Lukas 1, 67-79

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkungen:
Schon der dritte Psalm in Lukas 1: Lobpreis der Elisabeth (V 25); Magnificat der Maria ((V 46-55).
Zacharias Lobpsalm (1) ist voller Zitate aus dem AT mit 4 Hauptgedanken:
1. Er fordert die Menschen auf, Gott zu LOBEN (V 68a).
2. Er nennt den GRUND, weshalb das Gotteslob angebracht ist (V68b).
3. Er beschreibt die Erlösung Israels durch den MESSIAS (V 69-75). Wichtig ist hier die Erwähnung des heiligen BUNDES, des Eides, den Gott geschworen hat unserem Vater Abraham ((V 72f; vgl. 1. Mo 22, 16ff).
4. Zacharias hat den Engel verstanden. Er beschreibt den Weg seines künftigen Sohnes Johannes: Dem Herrn vorangehen und seinen Weg bereiten (vgl. Jes 40, 3; Mal 3, 1). Er soll Prophet des Höchsten heißen (V 76; vgl. V 32). V 77 bezieht sich wohl eher auf den Herrn, aber auch Johannes verkündigte die Botschaft von der Vergebung der Sünden (vgl. 3, 3).

Textbausteine – einige Aussagen werden mehrfach aufgegriffen, deshalb nur „Blitzlichter“:
V 67 Vom Geist erfüllt wie Elisabeth (V 67) (2), redet Zacharias was Gott will (2. Petr 1, 21); wörtl. „ er prophezeite“. (3) Woher wusste Lukas, was Zacharias gebetet hatte? (4)
V 68 Dieser Satz reicht bis V 75! Der Gott des AT ist der Vater Jesu, also auch der Gott der Gemeinde Jesu. LOB ist angebracht. Aber nicht aus Berechnung (5), sondern BEGRÜNDET.
„hat besucht“: Prophetie sieht auch das Noch-nicht-Geschehene mit Gottes Augen.
Gott macht Visitation. BESUCHE waren in damaliger Zeit deutliche Hinweise auf ein Zusammengehören und Unter-einer-Decke-stecken, vgl. Jesus bei Zachäus (Luk 19) und Vorwürfe der Gegner „Warum isst euer Meister mit … (Mt 9, 11; Luk 5, 30). Auch das Wort Gottes „besucht“ uns und soll wohnen bleiben (Kol 3, 16). Die Gemeinde glaubt nicht ins Blaue hinein, sondern auf sein Wort.
Erlöst: Wörtl. „gemacht eine Erlösung“, was auch die Bezahlung von Lösegeld bedeuten kann und bedeutet das „Freiwerden von irdischen und außerirdischen Mächten“ (G. Maier).
V 69 Zacharias und Johannes gehören dem Stamm Levi an (6), Jesus dem Stamm Davids. Die Messiasverheißungen konzentrieren sich auf das Haus Davids. Hier hat das „Horn der Rettung/Erlösung“ seinen Platz (siehe Konkordanz + Lexikon) (7).
Leider haben die Juden bis heute nicht erkannt, dass JESUS dieses Horn des Heils ist.
V 71 Die Hoffnung auf den Messias/Erlöser wurde gern mit politischen, äußeren Erwartungen verbunden. Er wird die römischen Besatzer endlich vertreiben; er wird mich gesund machen, usw.
Zuerst wird aber der Hauptfeind, die Sünde besiegt, DANN erst die Rettung vor äußeren Feinden (Offb 19+20).
V 72f Gott denkt an seinen Eid. Der Bund ist komplett SEINE Tat (siehe Predigttipp 1. Mo 17, 1-27). ER macht das Wesentliche ganz allein. (8)
Übrigens hängt der Begriff Bund mit „binden“ zusammen, ebenso wie im Deutschen das Verb „bitten“.
Weil Gott sich an seine Zusagen GEBUNDEN hat, dürfen wir ihn erinnern und die „logischen Folgen“ aus Mt 7, 7.8 (Wer bittet, wird…) erfahren.
Wir leben HEUTE: Juden werden als Anhänger des Alten Bundes verfolgt, Christen als Gemeinde des Neuen Bundes. (9) Erst wenn der Antichrist besiegt ist, wird der Herr nach dem 1000jährigen Reich (Offb 20; siehe aber auch Predigttipp Jes 65, 17-25, wo das 100jährige Reich leider nur beschrieben, aber noch nicht benannt wird) das Dienen ohne Furcht in jeder Beziehung ermöglichen.
Gottesfriede, letztlich die Sehnsucht aller Menschen. Schalom sagen die Juden.
Hier „furchtlos aus der Hand der Feinde gerettet“ (V 74 wörtl.). Siehe auch im Vaterunser die sechste Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung“ (Mt 6, 13). Luther (Kleiner Katechismus): Gott versucht zwar niemand; aber wir bitten im Gebet, dass uns Gott wolle behüten und erhalten, auf dass uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge und verführe in Missglauben, Verzweiflung und andere große Schande und Laster…“.
V 75 „Gott dienen“ ist ein großes Ziel der Gottesleute (Offb 22, 3) und Sinn unseres Lebens.
V 78 Man könnte übersetzen „des sich erbarmenden Herzens“ (F. Rienecker) oder „Eingeweide des Erbarmens unseres Gottes“ (G. Maier). Gott ist ein sehr lebendiges, mit uns fühlendes und leidendes Gegenüber.
Der „Aufgang…“, ein Begriff aus der Astronomie. Gestirne, Mond und Sterne „gehen auf“ (10) (s. möglichst versch. Übersetzungen) hat im AT seine Hauptstellen in 4. Mo 24, 17; Jes 60, 1f; Mal 3, 20, schließlich in Offb 22, 16, wo Jesus das Bild auf sich bezieht.
V 79 Hauptpunkt der Zacharias-Rede ist nicht sein Sohn, sondern Gottes Sache.
Das letzte Wort des Lobgesangs ist FRIEDE: Christusfriede, unangreifbarer, ewiger, göttlicher Friede.
Da geht es nicht mehr um die ABWESENHEIT von Krieg und Verfolgung, sondern um die ANWESENHEIT des Friedens selbst. Christus ist unser Friede (Eph2, 14; Joh 14, 27).

Gliederungsvorschlag (nach Gerhard Maier):
Hoffnung, die man nicht nur erhofft.
1. Die Geschichte ist voller zerbrochener Hoffnungen.
2. Wo Gott ist, ist Hoffnung.
3. Aus der begründeten Hoffnung wird Realität.

Themenvorschlag 2 (nach Pfr. Rudolf Bösinger):
Ein kleiner Junge und eine große Geschichte
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Fußnoten
(1) Dieser Zacharias-Text ist bekannt als Benedictus (von benedeien = loben, preisen).
(2) Vor Pfingsten wohnte der Geist noch nicht auf Dauer in Gottes Leuten. Er erfüllte sie für bestimmte Aufträge „auf Zeit“.
(3) Prophetie erstreckt sich auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, d.h. gestern, heute und morgen mit Gottes Augen sehen. Auch den Schöpfungsbericht können wir als „prophetische Rückschau“ erfassen. Gott teilt seine Sicht den Propheten mit (Am 3, 7; vgl. Jes 42, 9; 46, 10). Auch das Evangelium des NT wurde zuvor verheißen und geschaut (Röm 1, 1f; 1. Petr 1, 10-12).
(4) Adolf Schlatter: „Ein weissagender Spruch von ihm (= Zacharias) ist im Kreis der Jünger aufbewahrt worden, sodass ihn der Wissenschaftler Lukas wiederholen kann“. Damals lief die Erinnerung über Hören – Einprägen – Wiederholen.
(5) Menschen loben oft, weil sie damit etwas bezwecken, erreichen wollen. Beispiele genug.
Zacharias lobt Gott, weil Gott IST. „Eine Viertelstunde Lobpreis vor der Predigt“ hätte hier nicht gereicht…
(6) Unter den Leviten gab es zwar auch Priester aus der Familie des Aaron, sie waren aber überwiegend für Tempeldienste eingeteilt und en Priestern unterstellt.
(7) Horn ist hier nicht das „Geweih“ oder ein Musikinstrument. Wir kennen noch den Begriff „Füllhorn“ als einen Vergleich für Reichtum und Überfluss, z.B. in Bildern von Frühling oder Ernte.
(8) Nirgends wird unser Stolz so zerbrochen wie in der Einsicht: Gott ganz allein! Deutlich zeigt sich das am Kreuz.
(9) Die politisch prekäre Lage der Juden wird fast täglich in der Zeitung beschrieben. Die blutigsten Christenverfolgungen aller Zeiten fanden im 20. Jahrhundert statt. 200 Millionen leiden 2006 unter Diskriminierung und Verfolgung, 2005 starben weltweit mind. 170.000 ihres Glaubens wegen (idea). Allerdings erlebe das Christentum außerhalb der westlichen Welt ein phänomenales Wachstum. In China gingen sonntags mehr Menschen in Gottesdienste als in ganz Europa zusammen (ideaSpektrum 38/2006, S. 14).
(10) Kanon: „Vom Aufgang der Sonne, bis zu ihrem Niedergang sei gelobet…“.
Die „überalterten Kritiken am angeblich biblischen Bild des Kosmos“ (Erde = Scheibe) haben bis heute trotzdem fast alle Völker übernommen: Sonne und Mond gehen auf und unter.