Jahresthema: Gebet – in allen Lebenslagen im Gespräch mit Gott
Predigtthema: Wenn du am Tiefpunkt bist – Beten aus der Verzweiflung
Gottesdienst Einleitung: Psalm 116,1-6
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Passend zu unserem Jahresthema „Gebet – in allen Lebenslagen im Gespräch mit Gott“ findet Jona in einer Situation, die wohl in seinem Glaubensleben zur härtesten und zugleich hoffnungsvollsten Bewährungsprobe wurde.
Wir neigen vielleicht dazu, das Gebet als ein Privileg zu sehen – wenn man geistlich auf der Höhe ist, um seine Beziehung zu Gott pflegen und eh alles richtig machen will. Aber Jona zeigt uns: Gebet ist gerade dort lebensnotwendig, wo wir durch eigenes Versagen und bewusste Sünde die Beziehung mit Gott aufs Spiel setzten. Jona steckt hier in einer Krise, die er sich komplett selbst eingebrockt hat. Er ist nicht aus Versehen im Meer gelandet – er war auf der Flucht vor Gottes Auftrag.
Aber das Hoffnungsvolle an unserem Gott ist: Selbst, wenn wir durch eigenes Versagen, Sünde oder Sturheit im Tiefpunkt landen, hört Er uns noch. Gott nutzt Jonas selbstverschuldeten „Sinkflug“, um ihm in der Tiefe ganz neu zu begegnen.
Das Gebet im Fischbauch ist kein schönes, frommes Ritual, sondern ein echtes, ehrliches Schreien aus der Not heraus. Sein Bußgebet macht uns Mut: Es gibt keine Tiefe, die so tief ist, dass wir Gott dort nicht mehr erreichen könnten – ja, umgekehrt, dass Gott uns nicht mehr erreichen und retten könnte. Auch wenn wir uns von Gott weggedreht haben – Gott hat sich nicht von uns weggedreht. Er wartet schon am Grund unseres Lebens, um aus dem Tiefpunkt einen Wendepunkt zu machen.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
- Stanley A. Ellisen. „Von Adam bis Maleachi – das Alte Testament verstehen“, CLV
- Maier, Gerhard. „Der Prophet Jona“, Wuppertaler Studienbibel AT9, Brockhaus Verlag
- Wiersbe, Warren. W. „Sei erstaunt“ Studien des Alten Testamentes – Jona, CLV
- Walvoord, John F. Zuck, Roy F. „Das Alte Testament erklärt und ausgelegt. Band 3 Jesaja bis Maleachi, Hänssler
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Bitte beachtet, dass dies hier nur eine verkürzte Predigthilfe ist.
Gern verweisen wir auf die bereits vorhandenen und ausführlichen Predigthilfen.
Predigthilfe vom 9. August 2020 – Jona 2, 1-11 von Klaus Eberwein
Predigthilfe vom 8.6.2008 – Jona 2, 1-11 von Eckhard Löffler
Funkstille beendet – wenn das Gebet zur Rettungsleine wird
- Am Tiefpunkt angelangt (V.1):
Warum uns Gott durch Tiefpunkte führt?
Die Sünde in unserem Leben und die Abkehr von Gott ist die Ursache, warum Gott den Menschen manchmal an den Rand der Verzweiflung führt. Es war Gottes verborgenes und doch auch gnadenvolles Eingreifen, dass Jona am Tiefpunkt ankommt. Er war tief gefallen, aber dennoch von Gott gehalten, bewahrt und gerettet.
Das erste U-Boot wurde von Gott als Rettungskapsel geschaffen.
Jona wird sogar zum Sinnbild für die Erlösung in JESUS, der drei Tage und Nächte im Grab war aber dann auferstanden ist (Mt,12,40).
- Der Schrei aus der Tiefe (V. 2-4):
Warum Gott manchmal das Schweigen zulässt, bis wir am Ende unserer Möglichkeiten sind?
Not lehrt beten, dass sahen wir schon bei den Schiffleuten in Jona 1,6+14. Gott führt uns an Tiefpunkte im Leben, in denen wir nur noch zu Gott schreien können.
Gott war immer bei Jona – hat ihn nie aus den Augen verloren. Weder hat er ihn einfach laufen noch ertrinken lassen (Heb 13,5).
- Die Sprache der Ohnmacht (V. 5-7):
Warum biblische Worte (Psalmen) uns helfen, ehrlich vor Gott zu klagen?
Am Rande der Verzweiflung und am Tiefpunkt seines Lebens rief Jona zu Gott – er tut Buße und erlebt seinen Wendepunkt. Jona scheint, selbst keine eigenen Worte mehr zu haben. Sein Gebet ist eine Zusammensetzung verschiedener Psalmworte.
Jona 2,3 vgl. Psalm 18,7; 120,1
Jona 2,4 vgl. Psalm 42,8
Jona 2,5 vgl. Psalm 31,23
Jona 2,6 vgl. Psalm 18,5
Jona 2,7 vgl. Psalm 30,4
Jona 2,8a vgl. Psalm 142,4; 143,3
Jona 2,8b vgl. Psalm 5,8, 18,7
Jona 2,9 vgl. Psalm 31,7
Jona 2,10 vgl. Psalm 42,5
Wie kraftvoll ist doch gerade in notvollen Situationen Gottes Wort und werden uns zur großen Hilfe und Zuspruch.
- Das „Dennoch“ im Dunkeln (V. 8-10):
Warum entscheidet sich Jona Gott zu danken, bevor sich die Umstände ändern?
Der Fischbauch wurde zur Gebetskammer – und Gott antwortet bereits auf sein Gebet, durch den in ihm entstandenen Glauben. Jona fasst im Glauben Hoffnung, dass Gott eingreifen wird. Es ist ein von Gott geschenkter „Dennoch-Glauben“ (Ps 73,23).
Gott erhörte sein Gebet und weckte in ihm Hoffnung und Glaube.
- Das Landungsmanöver (V. 11):
Gott greift ein und handelt – der Neuanfang als Geschenk der Gnade.
Gott gebraucht die Tiefpunkte im Leben seiner Kinder, um sie wieder an sein Herz zu ziehen. Es sind Umkehrzeiten, Reinigungszeiten, Bewährungszeiten und Vorbereitungszeiten. In der Tiefe wird der Knecht Gottes neu zum Dienst für den HERRN vorbereitet.
Der HERR hört die Gebete, die wir aus der Tiefe unserer Verzweiflung zu ihm rufen – sie werden zu einer tiefen Gotteserfahrung im Leben, die uns Gottes unbegreifliche und unverdiente Gnade ganz persönliche erfahren lässt. Es war Gott, der Jona führte, bewahrte und ans Land brachte und für seine Ziele befähigte.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Beachte den christologischen Hinweis in der Geschichte Jonas. Sein Aufenthalt im Fischbauch, wird zur Typologie auf die Auferstehung Jesu, der nicht im Grab blieb, sondern zum Leben erweckt wurde und damit Gottes Heilsauftrag erfüllt.
Detailliere Auslegung findest du in der alten Predigthilfe von Klaus Eberwein.
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Hier kann vielleicht eine eigene persönliche tiefe Glaubenserfahrung ein guter Einstieg sein.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
Jonas Gebet im Bauch des Fisches ist kein formelles Ritual, sondern ein Überlebensschrei. Es markiert den Moment, in dem der „Sinkflug“ (nach Japho, ins Schiff, ins Meer) gestoppt wird.
- Beten mit Gottes Wort: Jona nutzt in der Not Psalmen (u.a. Ps 18, 31, 42). Wenn uns die eigenen Worte fehlen, bietet die Bibel das Vokabular für unsere Verzweiflung. Können wir Bibelverse abrufen und haben wir Bibelworte auswendig gelernt?
- Nimm dir vor wieder bewusst Bibelworte auswendig zulernen, sie werden dir in Zeiten der persönlichen Not und Zweifel nützlich sein.
- Dank vor der Rettung: Das Wunderbare ist, dass Jona Gott dankt, während er noch im Dunkeln sitzt. Gebet im tiefsten Punkt ist ein „Dennoch-Glaube“: Ich sehe das Land noch nicht, aber ich kenne den Retter.
- Lies 1Pet 1,6-12: Mit der Gewissheit, was JESUS für uns vollbracht hat, dass er Tod und Grab – und auch meine persönlichen Tiefpunkte gesühnt und überwunden hat – darf ich nach vorne Blicken – er wird mich sicher ans Ziel bringen.
- Der Wendepunkt: Gott nutzt den Tiefpunkt nicht zur Vernichtung, sondern zur Neuausrichtung. Das Gebet ist die Brücke vom „Weglaufen vor Gott“ zum „Ankommen bei Gott“.
- Haben wir uns vielleicht dem Willen Gottes entzogen, andere Wege eingeschlagen und uns verrannt? Gott möchte uns an unseren Tiefpunkten zum Wendepunkt bringen.
Gott ist nicht unerreichbar, sondern oft nur ein Gebet weit entfernt.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Wir wollen aufzeigen: Wer gefallen ist oder vor Gott wegläuft, der bekommt auch manchmal die Konsequenzen zu spüren (Sturm und Fischbauch).
Aber Gott lässt uns niemals ins Bodenlose fallen – das Gebet ist die Rettungsleine, die immer hält – egal, wie schuldig wir geworden sind oder in welche Lage wir uns gebracht haben oder von anderen in so eine Lage gebracht wurden.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Wir wollen den Zuhörer Mut machen: Gott hört nicht auf, unser Gott zu sein, nur weil wir aufgehört haben, gehorsam zu sein. Jonas Gebet im Fischbauch beweist, dass es keine Tiefe gibt, die tief genug ist, um Gottes „Hörweite“ zu verlassen.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
Funkstille beendet – Wenn das Gebet zur Rettungsleine wird
1. Der Schrei aus der Tiefe (V. 2-4)
2. Die Sprache der Ohnmacht (V. 5-7)
3. Das „Dennoch“ im Dunkeln (V. 8-10)
4. Das Landungsmanöver (V. 11)
(Klaus Eberwein)