Predigtthema: Von Jesus reden
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com.
1.1 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Krimmer, Heiko.1.Petrusbrief (Edition C)
- Holmer, Uwe. Der erste Brief des Petrus (Wuppertaler Studienbibel)
- Jobes, Karen. 1.Peter (Baker Exegetical Commentary)
1.2 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Vers 8-9:
- Nachdem Petrus über das Miteinander zwischen Frau und Mann in der Ehe gesprochen hat (V.1-7), wendet er sich wieder der ganzen Gemeinde zu.
- Petrus fordert die Christen auf, gleichgesinnt zu sein. Diese Einheit, die auch an anderen Stellen des NT gefordert wird (z.B. Joh 17,21; Röm 12,16), kann schlussendlich nur Gottes Geist wirken.
- Mitleid beschreibt das Anteilnehmen am Schweren, das der andere erleben muss. In 1.Kor 12, wo Paulus die Gemeinde mit einem Leib vergleicht, führt er dieses Mitleiden ebenfalls als Kennzeichen der Gemeinde Jesu an (vgl. 1.Kor 12,26).
- Echtes Mitleid und echte Einheit ist nur da möglich, wo die Gemeinde von Liebe untereinander geprägt ist. Besonders der 1.Johannesbrief macht deutlich, dass die Liebe zu Gott nicht von der Liebe zu den Glaubensgeschwistern zu trennen ist.
- Barmherzigkeit geht in die gleiche Richtung wie Mitleid: Es geht darum tiefes Mitgefühl für den anderen zu haben und seine Not zur eigenen zu machen. Petrus hat am Anfang seines Briefes von der großen Barmherzigkeit Gottes geschrieben, die zu unserer Wiedergeburt geführt hat. (vgl. 1.Petr 1,3)
- Petrus schließt die Aufzählung mit Demut ab. In Phil 2 fordert Paulus die Christen auf in Demut den anderen höher zu achten als sich selbst. Jesus selbst bezeichnet sich als von Herzen demütig (Mt 11,29).
- In Vers 9 beschreibt Petrus, wie diese Liebe, die in der Gemeinde gelebt werden soll, auch Auswirkungen über die Gemeinde hinaus haben muss. Nachfolger Jesu sollen das Prinzip, das Böse mit Bösem zu vergelten, durchbrechen und stattdessen auch den Menschen Gutes tun, die einem Schlechtes getan haben. Schon Jesus hat diese Feindesliebe von seinen Nachfolgern gefordert (vgl. Lk 6,27ff).
- Statt es den Gegner heimzuzahlen, sollen Christen für sie um Gottes Segen bitten, den Segen Gottes, den sie in ihrem Leben selbst erfahren haben und noch erfahren werden.
Vers 10-12:
- Petrus zitiert hier Psalm 34: Psalm 34 hat David in einer der schwierigsten Situationen in seinem Leben geschrieben. Er war auf der Flucht vor Saul und versteckte sich bei den Philistern. Er musste sich vor dem König dort wahnsinnig stellen. David redet in diesen Versen die jungen Menschen an. Er will ihnen die Furcht Gottes lehren. Und ein Leben in Gottesfurcht zeigt sich für David auch im Umgang mit den Feinden.
- Die Macht der Zunge spricht auch Jakobus in seinem Brief sehr deutlich an (vgl. Jak 3,5ff).
- Die Zunge ist ein Indikator dafür, wie es im Herzen aussieht (vgl. Mt 12,34ff)
- In Vers 11 macht Petrus deutlich, dass die Zunge nur ein Teil der Herausforderung ist. Es geht ihm um das ganze Leben des Christen, das sich durch Gutes tun und dem dauerhaften Streben nach Frieden auszeichnen soll.
- Ein solches Leben steht unter dem wohlwollenden Blick Gottes (vgl. 2.Chr 16,9).
Vers 13-15a:
- Petrus geht noch weiter der Frage nach, wie Christen mit erlittenem Unrecht umgehen sollen.
- Vers 13 scheint eine rhetorische Frage von Petrus zu sein. Petrus selbst hat erlebt, dass ihm viel Böses getan wurde, obwohl er nach dem Guten strebte. Genau dasselbe hat vor ihm schon Jesus erlebt und der hat seine Jünger auf diese Ablehnung vorbereitet (Mt 10,22).
- Auf der einen Seite könnte man diese Frage also damit beantworten, dass es viele gibt, die denen Böses tun, die nach dem Guten streben. Vielleicht möchte Petrus seinen Lesern durch diese Frage aber auch bewusst machen, dass niemand wirklich in der Lage ist, den Nachfolger Jesu zu schaden, wenn sie wirklich nach dem Guten streben (vgl. Krimmer, S.112).
- Vers 14 klingt ähnlich wie Mt 5,10. Petrus unterstreicht hier, dass ein solches ungerechtes Leiden zum Leben des Christen dazugehören kann. Solches Leiden ist eben kein Zeichen dafür, von Gott verlassen zu sein. Im Gegenteil, ein Christ, der um des Guten willen, um seines Glaubens Willen leidet, ist glücklich zu preisen.
- Gleichzeitig erinnert Petrus seine Leser daran, wer ihr Leben wirklich in der Hand hält. Der zweite Teil von Vers 14 erinnert an Mt 10,28. Die Christen müssen vor ihren Gegnern und dem Schrecken, den sie verbreiten, eben nicht verzagen, weil ihr Herr größer ist.
- Darum sollen sie ihr Leben auch nicht nach den Maßstäben dieser Welt leben, sondern sich ganz auf Jesus Christus ausrichten. Sie sollen Jesus Christus durch ihr Leben die Ehre geben.
Vers 15b-16:
- Petrus ermutigt seine Leser sich nicht von der Menschenfurcht bestimmen zu lassen, sondern stattdessen in echter Gottesfurcht zu leben.
- Diese äußert sich auch in einem klaren Bekenntnis. Christen sollen immer klar bekennen können, warum sie in Jesus Christus eine lebendige Hoffnung (vgl.1.Petr 1,3) haben.
- Die Haltung, wie Nachfolger Jesu gegenüber anderen Menschen auftreten, ist Petrus dabei wichtig. Sie sollen Gottes Botschaft klar und deutlich weitergeben, aber auf eine liebevolle und demütige Art und Weise, die den anderen wirklich achtet (vgl. Kol 4,5f).
- Petrus betont stark das gute, liebevolle Verhalten von Christen gegenüber anderen Menschen. Sie sollen ihnen keinen berechtigten Grund zur Ablehnung liefern. Petrus ist sich bewusst, dass Christen aufgrund ihrer Botschaft von Menschen abgelehnt werden. Aber durch ihr Verhalten sollen Christen anderen Menschen keinen Grund zur Ablehnung liefern.
- Durch ein solches gutes und liebevolles Verhalten stellen Nachfolger Jesu schlussendlich die Menschen bloß, die sie mit falschen Anschuldigungen angreifen.
Vers 17:
- Von diesem Hinweis auf das Verhalten von Christen, kommt Petrus zu einem grundsätzlichen Prinzip, das für ein Leben in der Nachfolge Jesu gilt.
- Es kann sein, dass Christen, obwohl sie Gutes tun, oder vielleicht sogar, weil sie Gutes tun leiden. Ein solches Leiden, kann der Wille Gottes für seine Kinder sein. Das bedeutet nicht, dass wir immer verstehen, warum Gott solche Dinge zulässt.
- Petrus ist es aber sehr wichtig, dass Christen nicht Leiden auf sich ziehen, weil sie Böses tun.
Vers 18:
- Jesus Christus selbst ist das Vorbild für ein solches Leiden um des Guten willen. Er hat das Beste für uns getan und dies war mit dem tiefsten Leiden verbunden.
- Petrus betont, dass der Tod am Kreuz das irdische Leben von Jesus beendet hat. Aber er ist zu einem neuen Leben im Geist leibhaftig auferstanden. Die Auferstehung von Jesus ist eben nicht nur eine Wiederbelebung, seine Auferstehung ist von einer neuen Art. Paulus nennt Jesus den Erstling der Auferstehung aus den Toten (vgl. 1.Kor 15,20ff). Und alle die an Jesus glauben, werden an dieser Auferstehung Anteil haben (vgl. 1.Kor 15,44ff).
Vers 19-20:
- Die Verse 19 und 20 sind sehr schwierig einzuordnen. Von Vers 18 ausgehend scheint Petrus etwas zu beschreiben, was auf Sterben und Auferstehung von Jesus folgte.
- Die großen Fragen in diesen Versen sind: Wann ist das, was hier erwähnt wird geschehen? Wo ist Jesus hingegangen? Mit welcher Art der Verkündigung haben wir es zu tun? Also zu wem hat Jesus gesprochen und was war der Inhalt der Verkündigung? Wie hängt Vers 19 mit 1.Petr 4,6 zusammen?
- Es gibt für diese Verse drei Hauptauslegungsvarianten
1) Die Auslegung als „Höllenfahrt“ Jesu: Hier werden die Verse so verstanden, dass die körperlose Seele Jesu nach seinem Tod in das Totenreich gefahren ist und dort den Menschen, die gestorben sind, ohne das Evangelium zu hören, eben dies verkündigt hat.
2) Petrus spricht hier von Christus vor seiner Geburt, der durch Noah die Menschen zur Umkehr aufforderte. Die haben die Botschaft nicht angenommen, und wurden dann durch die Sintflut gestraft.
3) In diesen Versen wird beschrieben, wie der Sieg Jesu nach seiner Auferstehung den gefallenen Engeln im Gefängnis verkündet wurde, als er in den Himmel fuhr um dort seinen rechtmäßigen Platz als Herrscher über alle einzunehmen.
- Die dritte Auslegungsvariante, wird aktuell wohl von den meisten Auslegern vertreten. Folgende Gründe werden oft angeführt.
- Von Vers 18 her scheint es, als ob das, was in Vers 19 angesprochen wird, nach dem Sterben und Auferstehen Jesu geschehen ist.
- Es steht in Vers 19 nicht hinabgestiegen, sondern einfach nur hingegangen.
- Es wird kein Wort für das Totenreich verwendet, sondern einfach Gefängnis. Das Totenreich wird im NT sonst nicht als Gefängnis bezeichnet.
- „pneumata“ (Geister) ohne nähere Qualifikation, wird eigentlich nicht für die Beschreibung von menschlichen Seelen gebraucht. Das passende griechische Wort wäre „psyche“. „pneumata“ passt besser für die Beschreibung von übernatürlichen Wesen, und würde an dieser Stelle eben böse, übernatürliche Wesen bezeichnen.
- Die Verbindung mit der Zeit Noahs könnte auf die geheimnisvollen Ereignisse um die Göttersöhne in 1.Mose 6 hinweisen.
- Wenn diese Auslegung zutrifft, würden die Verse folgendes bedeuten: Jesus hat nach seinem Tod den gefangenen, von Gott abgefallenen geistlichen Wesen, seinen Sieg verkündet und damit klargemacht, dass sein Tod auf Golgatha eben nicht der Sieg des Teufels und des Todes war, sondern der Sieg des lebendigen Gottes.
- In Vers 20 stellt Petrus heraus, wie groß die Gottlosigkeit zur Zeit Noahs war. Gott hat in seiner Treue und Geduld gewartet, bis die Arche fertig war und dann die acht Menschen gerettet, die auf ihn vertraut haben und ihm gehorsam waren. Der Rest der Menschheit ging in der Flut unter.
Vers 21-22:
- Vom Wasser der Sintflut kommt Petrus zur Taufe. Petrus stellt eine Verbindung zwischen der Rettung aus den Wasserfluten, die Noah und seine Familie erlebt haben, und der Taufe her.
- Das Wasser der Sintflut bedeutete für die meisten Menschen den Tod, aber Noah und seine Familie wurden von dieser Todesbedrohung gerettet.
- Genau dies kommt in der Taufe zum Ausdruck. Der Täufling stirbt mit Jesus, er wird in den Tod Jesu mit hineingenommen, durch den Jesus die Schuld des Täuflings stellvertretend getragen hat.
- Doch der Täufling bleibt nicht im Tod. Er hat im Glauben Anteil an der Auferstehung Jesu (vgl. Röm 6,3-5, Kol 2,12).
- So geschieht die Errettung, die in der Taufe zum Ausdruck gebracht wird, durch die Auferstehung Jesu Christi.
- Dabei macht Petrus deutlich, dass es bei der Taufe nicht um eine äußerliche Reinigung geht, sondern dass sie ein inneres Geschehen zum Ausdruck bringt. Der Täufling kommt vor Gott mit der Bitte um ein reines Gewissen.
- Dieses reine Gewissen kann er nur da entstehen, wo durch Jesu Tod am Kreuz und durch seine Auferstehung die Schuld wirklich vergeben ist. (vgl. Hebr 10,22)
- Petrus schließt den Abschnitt, indem er noch einmal betont, dass Jesus wirklich der Sieger ist. Er ist der Auferstandene Herr, der alle Macht im Himmel und auf der Erde hat (vgl. Mt 28,18). Jesus sitzt jetzt zur Rechten des Vaters.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Wir predigen diesen Abschnitt am Pfingstsonntag. Wir feiern, dass Gott seinen Heiligen Geist ausgegossen hat. Wenn wir die Ereignisse am Pfingstfest betrachten, wie sie uns in der Apostelgeschichte berichtet werden, dann sehen wir, wie Jesu Gemeinde damit beginnt, das Evangelium ihres Herrn weiterzusagen. Petrus bezeugt Jesus Christus vor vielen Menschen und viele kommen zum lebendigen Glauben.
Wenn Petrus uns in unseren Versen auffordert, Menschen Gutes zu tun, auch wenn sie böse an uns handelt, dann können wir das nur in der Kraft des Heiligen Geistes tun, der in uns wohnt.
Auch wenn es darum geht, die Hoffnung, die wir haben, auf eine liebevolle Art und Weise zu bezeugen, sind wir ganz auf das Wirken des Geistes Gottes in unserem Leben angewiesen.
2.2 Hinweise für hermeneutische & homiletische Überlegungen
Besonders die Verse 19 und 20 in diesen Abschnitt sind schwer zu verstehen und werden unterschiedlich ausgelegt. Es ist wichtig, dass wir, wenn wir in der Predigt zu diesen Versen kommen, diese Herausforderung erwähnen. Allerdings ist es in der Predigt weniger sinnvoll ausführlich auf die verschiedenen Auslegungsmöglichkeiten einzugehen.
Es sollte vielmehr gezeigt werden, wie diese Verse die Rettung, die wir in Jesus haben groß machen. Jesus ist der Sieger von Golgatha und nur durch seinen Tod und seine Auferstehung sind wir gerettet und können wir wirklich lebendige Hoffnung haben.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
In dieser Predigt wollen wir dazu ermutigen, ein Leben zu führen, durch das Jesus Christus verkündigt und geehrt wird. Das beinhaltet Wort und Tat und kann auch Leiden zur Folge haben. Wir wollen dazu ermutigen, wirklich auf Gott zu vertrauen, dass er uns durch seinen Geist mit all dem ausrüstet, was wir brauchen, um ein klares lebendiges Zeugnis in dieser Welt zu sein.
So soll die Predigt helfen, den Blick wieder neu auf die wunderbare Rettung und die Hoffnung zu lenken, die uns in Jesus Christus geschenkt sind, so dass wir immer mehr in der Lage sind, Menschen Rechenschaft über die Hoffnung in uns zu geben.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Von Jesus reden
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
Von Jesus reden – indem wir seine Liebe weitergeben (V.8-12)
Von Jesus reden – indem wir bereit sind für die Gerechtigkeit zu leiden (V.13-17)
Von Jesus reden – indem wir unsere Hoffnung klar bezeugen (V.15b)
Von Jesus reden – weil wir wissen, dass er der Sieger ist (V.18-22)
(Tobias Schurr)