Hesekiel

Predigthilfe vom 7. Juni 2026 – Hesekiel 2,1-3,3

Predigtthema (ursprünglicher Vorschlag): Gottes Wort „essen“ und weitergeben

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

Unter Umständen kann sich auch mal der Blick in eine englische Übersetzung lohnen, weil auch in modernen deutschen Übersetzungen manchmal „fromm-deutsche“ Begriffe benutzt werden, die im Englischen viel direkter und „normaler“ übersetzt sind.

1.1 Allgemeine Hinweise zu Predigt und Predigttext

Mit diesem Sonntag beginnt eine kurze Reihe zu dem Prophetenbuch Hesekiel. In den nächsten zwei Monaten werden in 6 Predigten Abschnitte aus Hesekiel gepredigt werden. Der hier behandelte Abschnitt bildet also den Einstieg in die kurze Reihe zum Propheten Heskiel

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Der erste Gang sollte immer das Selbststudium sein, sich anhand von verschiedenen Bibelübersetzungen und Studienbibeln eine eigene Vorstellung davon zu erarbeiten, welche geistlichen Wahrheiten, in einem Abschnitt stehen und was die Ereignisse rund um diese Aussagen tatsächlich sind.

Dann liest man im zweiten Durchgang Auslegungshilfen von anderen Auslegern. Im Sinne von Apg 17,11 darf man dabei durchaus prüfend lesen, ob die Argumente und Schlussfolgerungen der Autoren wirklich schlüssig und überzeugend sind.

Als Hilfen zur Auslegung empfehle ich dabei jedem Verkündiger, sich folgende Studienbibeln zuzulegen: Elberfelder erklärt, MacArthur (gibt es auch als PDF zum kostenlosen Download), Ryrie, Genfer Studienbibel (gute theol. Ergänzung zu den Vorherigen), Die Bibel mit Erklärungen von Hans Bruns.

Weitere gute Hilfen:

# Die Thompson-Studienbibel liefert zwar keine (leicht ins Auge springenden) Texterklärungen, bietet aber mit ihren Kettenbegriffen direkt neben jedem Vers eine gute Übersicht, welche Themen ein Vers grundsätzlich behandelt, die dann in einer Predigt angesprochen werden können, und dann im Kettenverzeichnis im hinteren Teil entsprechend weitere Bibelverse zu jedem dieser Themen.

# Die entsprechenden Bände der Edition C und der Wuppertaler Studienbibel.

# „Das NEUE/ALTE Testament“ ausgelegt von Walvoord und Zuck (Hänssler-Verlag) ist eine weitere sehr gute Ergänzung im Sinne einer Studienbibel-Kommentierung.

# In diesem Jahr kam eine neue Studienbibel raus, die sehr zu empfehlen ist: „Elberfelder Bibel. Die große Studien – und Kommentarausgabe

# Die Kompaktkommentare von Warren Wiersbe (gibt es z.T. als englische pdf frei im Internet)

# Es kann sich auch lohnen, nach dem Selbststudium dann auf sermon-online oder auch Youtube Predigten anderer Verkündiger zum Predigttext zu hören.

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

1.3.1. Grundlegendes zum Propheten Hesekiel

Zu Beginn der Predigt (vielleicht in dem ersten Gliederungspunkt?) wäre es sicherlich sinnvoll eine kurze, generelle Einleitung zum Propheten Hesekiel zu unternehmen. Eine gute Grundlage ist wichtig um den Rest des Buches gut verstehen zu können. Im Folgenden also eine kurze Zusammenstellung der Wichtigsten Informationen zum Propheten:

Hesekiel ist sowohl der Name des Propheten aus dem 6. Jh. v. Chr. als auch der Titel des Buches, das seine Botschaften festhält. Sein Name bedeutet „Gott stärkt“ – passend für einen Propheten, der zunächst unnachgiebiges Gericht und später Erneuerung verkündete, beides um Gottes Ehre willen. Hesekiel wirkte unter den nach Babylon verschleppten Judäern, stammte aus einer Priesterfamilie und war verheiratet (24,15–24), hatte aber vermutlich keine Kinder.

War Hesekiel bei seiner Berufung 30 Jahre alt (1,1), dann empfing er seine letzte Vision im 25. Jahr des Exils (40,1) im Alter von 50 – genau der Zeitraum, den 4Mo 4 als aktive Dienstzeit der Priester nennt. Da er im Exil keinen Tempeldienst ausüben konnte, könnten seine Visionen symbolisch das „Priesterleben“ markieren, das er in Jerusalem gehabt hätte.

Im Unterschied zu Jesaja (Jes 8,16) und Jeremia (Jer 36) gibt es keine Hinweise auf Schüler, die seine Worte sammelten. Der stark autobiografische Stil zeigt, dass Hesekiel selbst eng an der schriftlichen Überlieferung beteiligt war. Die Bewahrung seiner Schriftrolle deutet jedoch auf eine Unterstützergruppe hin, die möglicherweise auch redaktionell mitwirkte.

Thema und Absicht

Hesekiel sprach zu einem Volk, das Gott untreu geworden war und nun im Exil lebte. Seine Botschaft verteidigt die Heiligkeit Gottes. Am deutlichsten zeigt sich dies in Hes 36,22–23: Gott handelt „nicht um euretwillen … sondern um meines heiligen Namens willen“. Ziel ist die Wiederherstellung von Gottes Herrlichkeit vor den Nationen. Gleichzeitig ruft Hesekiel zur Umkehr auf (18,31–32).

Seine Sprache ist hart und kompromisslos, was zur Schwere seiner Botschaft passt. Die überwältigende Vision Gottes lässt die Sünde Israels umso deutlicher hervortreten. Die angemessene Reaktion ist Reue und die Sehnsucht nach Wiederherstellung.

Historischer Hintergrund

597 v. Chr. deportierten die Babylonier König Jojachin und viele Angehörige der Oberschicht nach Babylon (2Kö 24,10–16). Auch Hesekiel war unter ihnen, vermutlich etwa 25 Jahre alt. Während Jojachin im Exil lebte, setzten die Babylonier Zedekia als König in Jerusalem ein. Wie schon im Nordreich traten auch jetzt in der Krise Propheten auf. Hesekiel war ein jüngerer Zeitgenosse Jeremias und kannte dessen Botschaft, auch wenn unklar ist, ob sie sich je begegneten.

Hesekiels Hauptadressaten waren die Exilierten, doch seine Worte erreichten wahrscheinlich auch Juda. Er blieb bis zu seinem Lebensende im Exil. Seine große Tempelvision (Kap. 40–48), die ein erneuertes Israel beschreibt, fällt in die Zeit des langen Exils, das Jeremia angekündigt hatte (Jer 25,8–14).

Heiligkeit Gottes und Sünde des Volkes  

Als Priester lag Hesekiels Schwerpunkt auf der Heiligkeit Gottes und der Sünde Israels. Reinheitsfragen durchziehen daher das ganze Buch. Seine Darstellung der Geschichte Israels (Kap. 20) zeigt die Tiefe der Schuld besonders deutlich. Selbst die Vision des erneuerten Israel (Kap. 40–48) enthält Regelungen, wie das Volk in der Gegenwart des heiligen Gottes bestehen kann.  

Diese Ausrichtung erklärt die vielen Bezüge zu den priesterlichen Texten des Pentateuch, besonders zu 3. und 4. Mose, sowie die Parallelen zwischen Hesekiels Tempelvision (Hes 40–42) und dem Zeltheiligtum aus 2. Mose.

Themen des Buches

Gottes universale Herrschaft  

Israel stand unter Gottes Regierung, doch Hesekiel zeigt Gott nicht als Stammesgott, sondern als Herr aller Nationen. Selbst Nebukadnezar war nur ein Werkzeug in Gottes Hand (21,24–28; 30,25). Gottes Überlegenheit wird besonders im Gericht über Gog sichtbar (Kap. 38–39), wo Gott allein den Feind vernichtet.

Verantwortung des Einzelnen und der Gemeinschaft  

Hesekiel betont sowohl die persönliche als auch die gemeinschaftliche Verantwortung. Kapitel 18 (vgl. Jer 31,29–30) gilt vielen als wichtiger Schritt im biblischen Denken über individuelle Schuld. Dennoch formuliert Hesekiel auch klare Anforderungen an das Volk als Ganzes.

Gericht und wahre Hoffnung  

Die Struktur des Buches zeigt Gericht über falsche Hoffnung und echte Hoffnung für diejenigen, die Gottes Urteil annehmen (37,11). Hesekiel verkündete Erneuerung sowohl vor als auch nach der Zerstörung Jerusalems. Diese Hoffnung gründet allein auf Gottes Eingreifen: ein neues Herz und ein neuer Geist (36,22–32).

Die Fürsten Israels und der kommende Fürst  

Die Verurteilung der gegenwärtigen „Fürsten“ (z. B. Kap. 19) wird durch die Verheißung eines zukünftigen gerechten „Fürsten“ beantwortet, der das Volk leiten und zwischen Gott und Israel vermitteln wird (34,23–24; 46,1–18).

Wirkungsgeschichte

Hesekiel steht an der Schwelle zwischen vorexilischer Gerichtsbotschaft und nachexilischer Erneuerungshoffnung. Seine Visionen beeinflussten die Entwicklung der apokalyptischen Literatur, wie sie später in Sacharja, Daniel und der Offenbarung erscheint.

Mehrere seiner Themen prägen das NT weiter, etwa das Bild des guten Hirten (34,11–24) oder das lebendige Wasser (47,1–14; vgl. Offb 22,1–2). Auch negative Motive wie die „Hurerei“ (Hes 16; 23) oder Gog von Magog (Offb 20,8) werden aufgenommen.  

Ein wichtiger Beitrag zur biblischen Theologie ist zudem die Andeutung der Auferstehung in der Vision der Totengebeine (37,12–13).

1.3.2. Hinweise zu einzelnen Abschnitten

Wenn das zweite Kapitel des Buches Hesekiel beginnt, wird der Prophet beauftragt, Gottes Wort zu einem Volk zu bringen, das sich als rebellisch, starrsinnig und hartherzig erweist. Doch Hesekiel soll sich nicht fürchten, denn Gott selbst wird ihm sowohl die Botschaft als auch die Kraft geben, sie weiterzugeben. In vieler Hinsicht unterscheidet sich Hesekiels Berufung nicht von unserer eigenen (Mt 28,18–20). Wie er sind auch wir gesandt, Gottes Wort weiterzutragen – mit der Zusage, dass Gott mit uns geht. Anders als Hesekiel sollen wir jedoch alle Nationen erreichen und überall Jünger machen. Am Ende von Kapitel 1 wurden wir nicht durch das beeindruckt, was Hesekiel sah, sondern durch das, was er hörte. Er berichtet, dass er eine Stimme vernahm (1,28) – und dann endet das Kapitel wie eine spannende Serie mit einem „Fortsetzung folgt“. Nun erfahren wir endlich, was Hesekiel hörte. Diese Botschaft erschütterte ihn so sehr, dass er sieben Tage lang wie betäubt war – und sie veränderte sein Leben dauerhaft.

Zucht und Strafe führen nicht automatisch zur Umkehr. Obwohl Gottes Volk bereits fünf Jahre im Exil lebte, rebellierte es weiterhin gegen Ihn. Gott sagte zu Hesekiel, dass die Israeliten „bis zum heutigen Tag“ gegen Ihn verstoßen hätten. Sie waren zwar bedrückt über ihre Lage (Ps 137), aber noch nicht zerbrochen über ihre Sünde. An dieser Stelle wird deutlich: Die Vision, die Hesekiel empfing, war nicht dazu gedacht, ihm die intensivste stille Zeit seines Lebens zu bescheren. Nein, Gott hatte einen Auftrag für ihn. Wenn Gottes Volk über seine Sünde überführt werden sollte, musste jemand Gottes Wort zu ihnen bringen (Apg 2,37). Gottes Antwort auf ein Volk, das hartköpfig und hartherzig ist, lautet: Er sendet seinen Boten mit seiner Botschaft auf seinem Weg. Gott sagt zu Hesekiel: „Ich sende dich zu den Israeliten, zu den rebellischen, die gegen mich aufbegehrt haben. … Du sollst zu ihnen sagen: So spricht der Herr, HERR“ (2,3–4). Und erneut: „Menschensohn, geh zum Haus Israel und rede zu ihnen mit meinen Worten. … Ich sende dich nicht zu vielen Völkern mit unverständlicher Sprache“ (3,4.6). Die gute Nachricht: Hesekiel wird nur zu seinem eigenen Volk gesandt. Die schlechte: Sie wollen nicht hören. Gott beschönigt nichts. Er sagt Hesekiel offen, dass sein Publikum ein „rebellisches Haus“ sei und dass ihre Worte ihn einschüchtern und ihre Blicke ihn entmutigen könnten. Was hätten die Zuhörer wohl gesagt, das Hesekiel hätte fürchten lassen? Sie wollten nicht auf ihn hören, weil sie letztlich nicht auf Gott hören wollten (3,7). Um sicherzugehen, dass Hesekiel die Lage versteht, verwendet Gott sechsmal das Wort „rebellisch“ und einmal „rebelliert“. Wenn Gott uns siebenmal mit einem einzigen Wort beschreiben würde – welches wäre es? Wie würde Er unsere Bereitschaft charakterisieren, Sein Wort anzunehmen? Hast du schon einmal gezögert, jemandem etwas weiterzugeben, das Gott dir aufgetragen hat? Nathan war vermutlich nicht begeistert, als er David konfrontieren musste (2Sam 12). Und Hesekiel war anfangs ebenfalls nicht voller Freude über seinen Auftrag – er gesteht selbst, dass er verbittert und innerlich aufgewühlt war (3,14). An einem scheinbar gewöhnlichen Tag erschien Gott und gab ihm einen außergewöhnlichen Auftrag: eine Botschaft zu überbringen, die niemand hören wollte. Als Gottes Botschafter hatte Hesekiel keine Befugnis, seinen Auftrag oder sein Publikum zu ändern. Und wir auch nicht. Dienst ist schwer, weil Menschen schwer sind. Die einzige Hoffnung, harte Herzen und harte Köpfe zu durchbrechen, ist dieselbe wie in Hesekiels Tagen: Gottes Wort. Jesu Zuhörer sagten schreckliche Dinge über Ihn, und als Seine Botschafter sollten wir nichts anderes erwarten (Mt 10,25). Wie sieht dein „Publikum“ aus? Wie begeistert hören deine Arbeitskollegen von Christus? Und deine nichtchristlichen Familienmitglieder an Feiertagen? Bitten sie dich darum, die Botschaft des Evangeliums noch einmal zu wiederholen? Lass dich nicht entmutigen. Und fürchte dich nicht. Gott überwindet feindliche (Kol 1,21), verfinsterte (Eph 4,18) und vergebliche Gedanken (Eph 4,17) – das tut Er jeden Tag, und das hat Er auch bei uns getan. Wir waren selbst einmal ein schwieriges Publikum, doch Seine Gnade hat die Härte unserer Herzen durchbrochen (Eph 4,18). Denk daran, wie Er dich gerettet hat, und geh zu denen, die Christus noch nicht kennen, mit Seinen Worten des Lebens.

Zu wissen, dass unsere Zuhörer eigentlich gar nicht hören wollen, was wir ihnen sagen sollen, kann uns leicht in die Versuchung bringen, die Botschaft abzuschwächen oder zu verändern. Doch wie bei Hesekiel haben auch wir keinerlei Vollmacht, die Botschaft Gottes umzuschreiben. Neben einem schwierigen Dienst erhielt Hesekiel auch eine schwierige Botschaft – eine Botschaft voller Klage, Trauer und Wehe (2,10). Begeisternd klingt das nicht gerade. Aber genau das sollte er verkündigen. Seine Aufgabe war es, jedes Wort Gottes aufmerksam aufzunehmen und tief in seinem Herzen zu bewahren (3,10). Danach sollte er dem Volk sagen: „So spricht der Herr, HERR“ (3,11). Paulus forderte die Gemeinde in Kolossä auf, das Wort Christi reichlich in sich wohnen zu lassen, damit sie einander in Weisheit lehren und ermahnen konnten (Kol 3,16). Für Hesekiel war die Verinnerlichung der Botschaft kein Problem – Gott sorgte selbst dafür. Er ließ den Propheten die Schriftrolle essen, die voller Klage, Trauer und Wehe war, und dennoch schmeckte sie süß wie Honig (3,3). Thomas bemerkt dazu treffend: „Der Herr wollte Hesekiel lehren, dass Gottes Wort ein Teil von uns werden muss, wenn wir in unserem Dienst wirklich wirksam sein wollen“ (Thomas, God Strengthens, 38). Hier lohnt sich ein kurzer Zwischenstopp: Fließt Gottes Wort in unsere alltäglichen Gespräche hinein? Wenn andere uns nach unserer Meinung fragen, bringen wir dann Gottes Wahrheit ein – oder nur unsere Lebenserfahrung? Jesus sagte: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“ (Mt 12,34). Was ist unser Plan, Gottes Wort in uns aufzunehmen? Verstecken wir es bewusst in unserem Herzen? Für Gottes Botschafter darf Psalm 119,11 nicht nur ein Vers aus der Kinderbibelwoche bleiben. Der sicherste Weg, die richtige Botschaft in eine verlorene Welt zu tragen, besteht darin, sie – wie Hesekiel – zu „essen“ und ihre Süße zu entdecken.

Hesekiel erwies sich als treuer Überbringer. Über fünfzigmal sagt er: „Das Wort des HERRN geschah zu mir“, und mehr als 122-mal: „So spricht der HERR.“ Ganz gleich, wie sein Publikum reagierte – Hesekiel veränderte die Botschaft nie. Gott weiß immer, was Sein Volk hören muss. Unsere Aufgabe ist nicht, kreativ zu sein, sondern treu, wenn es um die Weitergabe Seines Wortes geht. Auch heute gibt es Stimmen, die das Evangelium verändern möchten, um es angenehmer klingen zu lassen. Manche stören sich an der Exklusivität des Evangeliums oder an der Realität der Hölle. Andere lehnen die Vorstellung ab, dass Christi Tod freiwillig und stellvertretend war. Doch wie Hesekiel sollen wir alle Worte Gottes zu Herzen nehmen. In unserer Sendung hat Jesus uns beauftragt, Menschen zu lehren, „alles zu halten“, was Er geboten hat (Mt 28,20). Wir haben keine Vollmacht, die Botschaft zu verändern. Mein Gebet ist, dass wir mit Paulus sagen können: „Ich bin rein vom Blut aller; denn ich habe nicht unterlassen, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen“ (Apg 20,26–27). Wenn unsere Zuversicht irgendwo anders liegt als im Kreuz Christi, werden wir versucht sein, die Botschaft zu verwässern. Wenn uns die Anerkennung Gottes in Christus nicht kostbar ist, werden wir die Botschaft anpassen, um menschliche Zustimmung zu gewinnen. Wenn die Liebe Gottes nicht unser Denken bestimmt, werden wir vielleicht Teile des Evangeliums zurückhalten, damit wir sympathischer wirken. Doch wer die Botschaft verändert oder Teile davon verschweigt, riskiert, das lebensrettende Evangelium in ein Wort des Todes zu verwandeln. Paulus findet dafür scharfe Worte (Gal 1,8–9). Möge das Kreuz Christi uns freimachen, das Evangelium mutig, klar, treu und unverfälscht zu verkünden.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Wenn wir Hesekiel 2,1–3,3 in unsere heutige Welt übertragen, wird schnell deutlich, wie zeitlos die Dynamik zwischen Gottes Wort, menschlicher Berufung und menschlicher Rebellion ist. Auch wir leben in einer Art „Exil“ – nicht geografisch, aber kulturell. Viele Menschen empfinden eine tiefe Entfremdung: von Gott und von Gemeinschaft. Die Welt des 21. Jahrhunderts ist geprägt von Orientierungslosigkeit, Überforderung, moralischer Fragmentierung und einer ständigen Flut von Stimmen, die um Aufmerksamkeit kämpfen. In diese Situation hinein spricht Gott – nicht trotz der Krise, sondern inmitten der Krise. Genau wie Hesekiel erfahren wir, dass Gottes Reden nicht an heilige Orte oder ideale Umstände gebunden ist. Gott begegnet Menschen heute in Krankenhäusern, Büros, Klassenzimmern, auf Social Media, in Krisen, Burnout, Einsamkeit und Überforderung. Die Distanz zwischen Gottes Heiligkeit und unserer Menschlichkeit ist nicht kleiner geworden. Und doch beruft Gott uns, mitten in unserer Zerbrechlichkeit. Die Beschreibung Israels als „rebellisches Haus“ hat ebenfalls eine moderne Entsprechung. Viele Menschen heute wollen nicht hören, was Gott sagt – nicht, weil sie intellektuell unfähig wären, sondern weil Gottes Wort ihre Selbstbestimmung, ihre Komfortzone oder ihre moralischen Überzeugungen herausfordert. Die Ablehnung des Evangeliums ist selten ein Wissensproblem, sondern ein Herzensproblem. Das gilt für die Menschen damals wie heute. Und es erklärt, warum Christen im 21. Jahrhundert oft auf Widerstand, Gleichgültigkeit oder sogar Spott stoßen, wenn sie Gottes Wahrheit aussprechen. Der Auftrag an Hesekiel, die Botschaft nicht zu verändern, ist heute vielleicht aktueller denn je. In einer Zeit, in der alles relativiert, angepasst, weichgespült oder marktfähig gemacht wird, ist die Versuchung groß, auch Gottes Wort zu „optimieren“. Wir leben in einer Kultur, die Authentizität feiert, aber Wahrheit nur akzeptiert, wenn sie nicht stört. Doch wie Hesekiel haben wir keine Vollmacht, die Botschaft zu verändern. Unsere Aufgabe ist nicht, das Evangelium attraktiver zu machen, sondern es treu weiterzugeben. Die Wirkung liegt nicht bei uns, sondern bei Gott. Die  Handlung des Essens der Schriftrolle spricht tief in unsere heutige Lebenswelt hinein. In einer Zeit, in der Menschen täglich tausende Worte konsumieren – Nachrichten, Posts, Videos, Meinungen – stellt sich die Frage: Welche Worte prägen uns wirklich? Gottes Wort muss nicht nur gelesen, sondern verinnerlicht werden. Es muss unser Denken, Fühlen, Entscheiden und Reden durchdringen. Nur dann kann es in einer Welt voller Lärm und Ablenkung wirklich Frucht bringen. Die Schriftrolle schmeckt süß, obwohl sie Gericht enthält – ein Hinweis darauf, dass Gottes Wahrheit selbst dann gut ist, wenn sie uns herausfordert. Schließlich erinnert uns Hesekiels Berufung daran, dass wir nicht für die Reaktion der Menschen verantwortlich sind. Wir säen – Gott lässt wachsen. Wir sprechen – Gott öffnet Herzen. Wir sind Boten – Gott ist der Retter. So zeigt Hesekiel 2,1–3,3, dass Gottes Wort auch heute in eine Welt voller Widerstand, Zerbruch und Orientierungslosigkeit hinein gesprochen wird. Und wie damals gilt: Gott beruft gewöhnliche Menschen, um eine außergewöhnliche Botschaft zu verkünden – nicht aus eigener Kraft, sondern getragen von Gottes Gegenwart und Autorität.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Die Predigt wird im Rahmen eines „gewöhlichen“ Sonntaggottesdienstes gehalten. Hier könnten örtliche Informationen und Hinweise aus den einzelnen Gemeinden hilfreich sein.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Der Text fordert heraus, die Nachfolge ernst zu nehmen und dabei leidensbereit zu sein. Hesekiels Auftrag ist heilsgeschichtlich natürlich in seiner Zeit verankert. Allerdings ist der Grundauftrag Gottes Wort weiterzusagen bei uns ebenfalls vorhanden. Genauso wie Heskiel wurden wir von Gott durch Christus berufufen seine Botschafter zu sein. Genauso wie Heskiel haben wir eine Botschaft die der verfinsterte Mensch nicht hören will. Genauso wie Hesekiel brauchen wir selber das Wort Gotte um es Anderen zu bringen.  

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Gottes Wort „essen“ und weitergeben

3.2 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

1. Wir sind in eine Wiederspenstige Welt gesandt
2. Als Botschafter Gottes sind wir zu einem schwierigen Dienst berufen
3. Als Botschafter Gottes brauchen wir gute Nahrung für diesen Dienst

4. Einige Tips für die Verkündigung

# Arbeite (und bete) in der Vorbereitung so lange mit dem Abschnitt, bis er wirklich mit seinen Punkten dein eigenes Herzensanliegen ist!

# EVA – E=erkläre den Text gründlich / V=veranschauliche deine Predigtpunkte mit einem Bild / A – Anwendung: Zeige praktische Beispiele, wie dieser Punkt im Alltag (in deinem Alltag) Anwendung finden kann bzw. findet.

# Halte Blickkontakt! – vor allem an Anfang und Ende der Predigt (Lerne Einleitung und Zusammenfassung möglichst auswendig!)

# Eine „Predigt“ ist mehr als ein Vortrag/Referat, sie ist Zuspruch, der von Herzen kommt und zu Herzen gehen soll, sei es Ermutigung oder Ermahnung.

# erzähle aus deinem Leben – ausgewogen – wo dir das eine oder andere vorbildlich gelingt, wo aber auch mal etwas nicht so gelungen ist, wie es sein sollte.

(Daniel Litau)