1.Korinther

Predithilfe vom 30. Juni 2019 – 1. Korinther 7, 32-38

Jahresthema: Geistlich leben in verschiedenen Lebensphasen          

Predigtthema: Mit Jesus zu zweit unterwegs sein: Als Single leben

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext/Thema

„Als Alleinstehender oder umgangssprachlich als Anglizismus als Single wird eine erwachsene Person bezeichnet, die ohne feste soziale Bindung an eine Partnerin oder einen Partner sowie ohne minderjährige Kinder im Haushalt lebt.“ Wikipedia. Doch diese Aussage trifft nur die halbe Wahrheit. Ein Jesusnachfolger lebt auch als Unverheirateter in einer festen Beziehung mit Gott und auch mit den Geschwistern in der Gemeinde. Paulus verwehrt sich dagegen zu denken, man ist nur in der Ehe vollständig. Seiner persönlichen Meinung nach ist das nicht verheiratet sein sogar die bessere Wahl. Auch die Ehe ist angefochten und umkämpft und kann schwierige Situationen mit sich bringen. Siehe Hanna in 1. Samuel 1. Ihr Glück hat sie erst in der Hingabe und im Vertrauen auf Gott gefunden.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

* Bibelkommentar Band 11, Erster Korintherbrief von Heiko Krimmer

* Wuppertaler Studienbibel

* Das Neue Testament von John F Walvoord

* Anmerkungen zum Predigttext bietet auch die MacArthur Studienbibel

* Wichtig: die Auslegung zu 1. Korinther 7,1-9 vom 18.6.2017 von Klaus Eberwein. Darin sind viele Voraussetzungen auch für die Verse 28-32 bereits gelegt.

https://www.christusbund.de/predigthilfen/predigthilfe-vom-18-juni-2017-1-korinther-7-1-9/

Ich will mich deshalb im Wesentlichen auf die o.g. Verse beschränken.

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Die Situation in Korinth: Korinth ist Handelsstadt, Hafenstadt, Dreh- und Angelpunkt der antiken Welt. Ost-West, und Nord-Südachse, der Warenverkehr läuft über diese Landenge. Den Kanal von Korinth gab es damals noch nicht, die Waren und sogar kleinere Schiffe wurden über eine Art Rollenbahn (die dolkios) vom Westhafen in den Osthafen gebracht und umgekehrt. Deshalb gab es in Korinth viele reiche Einheimische, es gab Sklaven, die die schwere Arbeit in den Häfen verrichten mussten und es gab Durchreisende, Fremde und Seeleute. Es war gesellschaftlich normal eine Ehefrau zu haben, sie war Hausdame und daneben die Geliebte. Es gab Tempelprostituierte, Mädchen, die ein „freiwilligen soziales Jahr“ absolvierten und den Männern im Namen der Liebesgöttin Aphrodite zu Diensten waren.

In Korinth gab es zwei Richtungen

  1. wilde Ausschweifungen
  2. gesetzliche Askese

In 1. Kor. 5 beklagt Paulus die ausufernde Unzucht: „schlimmer als bei den Heiden“. In der Gemeinde hat sich dieser zweifache Extremismus entwickelt. Die völligen Freidenker, mit meinem Körper kann ich machen was ich will, der wird zu Erde, wichtig ist nur die geistliche Seite, das waren die Gnostiker.

Das andere Extrem: Völlige Askese, heiraten ist schlecht, eine Frau berühren ist verboten.

  1. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

In Korinth gab es eine überzogene Lehrmeinung (evtl. aus einer falschen und überhöhten Geistlichkeit heraus), dass es besser ist, auf jegliche Sexualität mit einer Frau zu verzichten. Wenn Paulus für sich selbst die Ehelosigkeit vorgezogen hat, wertet er sie nicht als qualitativ besser, geistlicher oder gibt sie als Ideal vor. An keiner Stelle lehrt die Bibel ein Zölibat (Ehelosigkeit für Geistliche) wie es bis heute in der kath. Kirche vertreten wird.

V 6-7: Paulus betont, dass unter diesen Umständen die Ehelosigkeit durchaus ein Geschenk Gottes ist. Die Hauptaussage besteht darin, weder die Ehe noch die Ehelosigkeit als etwas Besseres oder Schlechteres darzustellen. Dennoch sieht Paulus im ledig sein viele positive und wünschenswerte Aspekte und führt diese an:

  • Ledigsein entbindet von den ehelichen Pflichten und deren Verantwortung 7,3-5
  • Ledigsein ist eine Gnadengabe Gottes 1. Kor. 7,7. Gott schenkt diese Lebensform und die dazu benötigte Kraft und Enthaltsamkeit.
  • Ein Lediger ist in Zeiten der Not und Verfolgung 7,26 nur für sich selbst verantwortlich. Der persönliche Druck und Schmerz bleibt erspart, wenn Familien durch Gewalt entzweit werden oder die eigenen Kinder und Frau in Bedrängnis kommen (Apg 8,3). Paulus wusste wovon er sprach).
  • Ledigsein gibt die Möglichkeit und Freiheit, sich vermehrt für das Reich Gottes einzusetzen 7,32-33. Denken wir an die vielen ledigen Missionare oder Diakonissen und das größere zeitliche Potenzial, sich für Jesus einzusetzen. In Matthäus 19,12 nennt Jesus Ledigsein eine freiwillige Entscheidung um Jesus zu dienen. Vorbilder sind gerade Jesus oder auch Paulus

Nun weiß ich sehr wohl um den Wunsch und die Sehnsucht von vielen ledigen Menschen nach einem Partner und nach einer Heirat. Und ich habe keine Antwort auf die Lebensführung des Einzelnen, der sich nach Ehe sehnt und Gott schenkt es nicht. Manchmal kann es ein bitterer Trost sein, wenn ich sage Paulus hat das als das Bessere angesehen. Es gilt grundsätzlich, Gott macht keine Fehler, auch wenn ich manches menschlich nicht verstehe. Es ist deshalb wichtig, Menschen die den Wunsch haben zu heiraten, aber alleine leben, seelsorgerlich, verständnisvoll und liebevoll zu begegnen, sie zu begleiten und mit hineinzunehmen in das Leben und nicht nur als Babysitter für Familien. Leider vermitteln wir manchmal diesen Eindruck, erst wenn du verheiratet bist, bist du komplett.

Ich glaube es ist entscheidend, zu erkennen und zu akzeptieren wie Gott mich führt. Paulus sagt: „Ich wünschte alle (viele) wären wie ich: aber beides ist eine Gnadengabe, verheiratet sein und ledig sein. Beides ist ein von Gott gesegneter Stand, jeweils mit Verpflichtungen und Verantwortungsbereichen. Ein wiedergeborener Christ soll jeden Familienstand als Möglichkeit sehen, Gott in seinem jeweiligen Stand bestmöglich zu verherrlichen.

In Psalm 23 beschreibt David Lebenssituationen die durch dunkle Täler führen, Wege die nicht gefallen. In dieser Situation zeigt uns David, wie er an der Liebe Gottes festhält. Er hat seinen Herrn als den guten Hirten erkannt. Kann ich das annehmen, auch in Situationen, die mir weniger gefallen. Viele Christen sind betroffen von Situationen, die wir uns anders wünschen würden, dazu gehören schwierige Lebenssituationen, Krankheiten,

Lasten, die Familien zu tragen haben und auch eine Lebensführung als lediger Mensch

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Vers 32: Für Paulus war die Verkündigung des Evangeliums die wichtigste Sache überhaupt und er war überzeugt, die Zeit drängt. Deshalb macht er Mut, sich nicht in den alltäglichen Sorgen zu vergraben. „Ich möchte, dass ihr ohne Sorgen seid“. Paulus hat für sich wichtigeres erkannt als die alltäglichen Dinge und dazu zählt er auch das verheiratet sein. Deshalb kann der Unverheiratete freier um die Sache des Herrn besorgt sein. Für ihn hat der Unverheiratete weniger „Sorgenfelder“, die ihn beschäftigen können als der Verheiratete. Beispiel: Der Reiche Kornbauer, er war nur besorgt um seine Ernte und seine Scheunen und hatte keine Zeit für die Sache Gottes.

Vers 33 und 34: Paulus schreibt in einer Art und Weise, die wir uns erst wieder vergegenwärtigen müssen. Die unverheiratete Frau und die Jungfrau sind frei, zuerst um die Sache Gottes besorgt zu sein. „Sie will heilig sein an Leib und Seele“. Das sollten Verheiratete selbstverständlich auch, aber sie haben eben noch die ganzen Dinge, die eine Ehe mit sich bringt. Vers 34a: sie sind geteilt.

In 1. Mose 17,1 spricht Gott Abraham an und sagt: „Wandle vor mir und sei ein Ganzer, ungeteilt“

Und Jesus sagt am Ende der Bergpredigt: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere zufallen.“ Matth. 6,33

Sind wir frei so zu denken oder sind wir gefangen in den persönlichen Sorgen. Es ist schon radikal, wenn Jesus fordert „Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich, und folge mir nach.“ Lukas 9,23.

Das gilt natürlich für Verheiratete und für Ledige. Paulus sieht aber deshalb für sich den Weg des Ledigseins als den in dieser Hinsicht besseren an.

Vers 35: Das sage ich aber nur zu eurem Besten und nicht um euch eine Last aufzulegen. Paulus will die „gute Sitte“, und die Vorzüge des Ledigseins hervorheben.

Ledigsein ist kein Makel und keine Schande, wie es damals und auch heute manchmal suggeriert wird.  Es bietet die bessere Möglichkeit dem Herrn zu dienen.

Die Verse 36 bis 38 beschreiben eine besondere Situation aus dem Familienleben der damaligen Zeit. Der Vater war verantwortlich für die Verheiratung seiner Tochter, war der Vater verstorben so übernahm der älteste Sohn diese Aufgabe.

Wieder stellt Paulus Verheiratetsein und Ledigsein gegenüber. Wenn Vater oder Bruder eine Jungfrau verheiratet (im heiratsfähigen Alter oder auch als ältere Jungfrau), dann ist das in Ordnung. Es soll nur nicht aus Zwang oder durch eine Zwangslage geschehen. Und wieder sagt Paulus, sie nicht zu verheiraten ist für ihn der bessere Weg.

Für mich ist in der Verkündigung über diesen Text wichtig, Vorzüge des Ledigseins deutlich zu machen. Wir sollten dabei seelsorgerlich darauf achten, dass wir unverheiratete, geschiedene oder verwitwete Menschen vor uns haben, die unter ihrer Situation leiden, darauf muss in diesem Abschnitt unser Augenmerk liegen.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen

Es gibt Menschen, die sich ganz bewusst für ein Lebensmodell als Single entscheiden. Die meisten Singles tun sich aber schwer damit und können ihre Situation auch nicht unbedingt ändern. Was ich ändern kann ist, wie ich damit umgehe. Sehe ich meinen Weg als Belastung und Schwierigkeit oder bin ich bereit Gottes Perspektive und seine Möglichkeiten zu entdecken.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Die Herausforderung besteht darin, dass keiner der beiden Lebensformen, sowohl das ledig sein als auch das verheiratet sein gegeneinander aufgewogen werden kann. Beide haben ihre jeweilige Berechtigung und beides ist eine Gnadengabe Gottes. Beide haben ihre Vorteile und Nachteile, ihre Vorrechte und auch Verpflichtungen. Sowohl die Ehe als auch die Ehelosigkeit bedarf einer ganz persönlichen Willensentscheidung, zu der Gott das Gelingen schenken möchte. Beide sollen den Vorzug ihres jeweiligen Standes erkennen und darin bleiben, um Gott zu verherrlichen.

Hier sollte unbedingt dabei erwähnt werden, dass die Gemeinde Gottes im Gegensatz zur ungläubigen Gesellschaft andere Werte- und Moralvorstellungen vertritt und leben möchte. Gläubige Christen stehen in ihrer Gesinnung im Kontrast zur Gesinnung dieser Welt (Röm 12,1ff; 1Kor 6,15-20; 1Kor 2,12+16; Eph 2,1ff; 1Joh 2,15-17; 1Thes 4,3).

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Ich möchte seelsorgerlich und feinfühlig herausstellen – ledig sein muss kein Nachteil sein und ist auf keinen Fall eine Zurücksetzung. Beide Wege sind Gabe Gottes. Geistlichkeit wird nicht am jeweiligen Familienstand gemessen, sondern daran wie ich mich im jeweiligen Stand verhalte und lebe.

3.2 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

  1. Seid ohne Sorge
  2. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes
  3. Lebt zur Ehre Gottes

Oder:

  1. Sei ohne Sorge
  2. Sei ungeteilt
  3. Das Ja zu Gottes Führung

(Hans Pfau)