Jahresthema: Geistlich leben in verschiedenen Lebensphasen
Predigtthema (ursprünglicher Vorschlag): Glauben heißt, nicht mehr Sklave, sondern Kind Gottes sein
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
- Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Der Abschnitt bildet den direkten Anschluss an den Text der Vorwoche.
Der Gedanke des „Erben“ wird in 3,29 eingeführt und bildet dann für unseren Text vor allem im Blick auf die „Sohnschaft“ hier die Grundlage
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
* Hilfreiches Basiswissen findet sich z. B. in „Das Neue Testament“ erklärt und ausgelegt von John Walvoord und Roy Zuck (Hänssler-Verlag)
* Studienbibel John McArthur: http://www.sermon-online.de/search.pl?lang=de&id=9146 (freier Downlaod!)
* weitere Studienbibeln (Verkündiger sollten mehrere haben: z.B. Ryrie, Genfer Studienbibel, Elberfelder Bibel mit Erklärungen…)
* Wuppertaler Studienbibel, Band Galater von Hans Brandenburger
* Edition C Kommentar Galaterbrief von Heiko Krimmer
* Der Brief an die Galater von W.J.Ouweneel (CLV) – sehr ausführlich, sehr günstig, sehr gut!!!
Bitte studiert auch die hilfreiche Predigthilfe von Walter Günter vom 25.12.2017 über Galater 4, 1-11 unter https://www.christusbund.de/predigthilfen/predigthilfe-vom-25-dezember-2017-galater-4-1-11/
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Im Abschnitt vorher war der Gedanke des Testamentes eingeführt worden, dass das, was für die Zeit nach dem Tod festgelegt ist, nicht geändert werden kann. „Testament“ beinhaltet auch, dass die Nachkommen dann eben „erben“.
Vers 3,29 bringt das noch einmal deutlich auf den Punkt, dass wir nun Erben (nach) der Verheißung sind.
Vers 1-2: „unmündig“ – immer wieder verbindet Paulus den Gedanken der „Unmündigkeit“ mit der Zeit des Gesetzes bzw. des Judentums (Röm 2,20; 13,11). Im wörtlichen Sinne steht es für die „Säuglingsphase“, in der der Mensch auf Milch angewiesen ist und keine feste Speise verträgt (voll abgestillt wurde man damals aber z. T. erst zwischen drei und fünf Jahren!) Es ist die Lebensphase, die geprägt davon ist, dass man abhängig ist und aus eigener Kraft nichts schafft bzw. durch einen „Mittler“ seine Nahrung empfängt. Man ist nicht in der Lage, Verantwortung zu übernehmen. Für diese Phase gilt dann natürlich das, was Paulus hier schreibt.
Vers 3: „Elemente der Welt“ stehen hier für Gesetz und Sünde, sie sind sozusagen die „Mittler“ des Heils. Dies betrifft letztlich aber nicht nur Juden(Christen), sondern auch Heidenchristen, die ihre Gesetze halten und Opfer an den Tempel bringen mussten. Die Zeit der Unmündigkeit war die Zeit der Religiosität.
Vers 4: … aber dann kam eben der festgesetzte Zeitpunkt …
Vers 5: … und durch Christus wurden wir zu (mündigen) Söhnen! In Röm 8,23 wird deutlich, dass sich die „Sohnschaft“ erst im Himmel wirklich vollkommen erfüllt. Erst dort treten wir dann wirklich letztgültig unser Erbe an! Aber wir gehören jetzt schon in die Linie Abrahams mit rein. Nun haben wir auch direkten Kontakt zu Gott und zum Leben, durch das, was er direkt gegeben hat.
Vers 6: Deshalb dürfen und sollen wir zu Gott „Vater“ sagen und dazu brauchen wir den Heiligen Geist. (Vor jüdischem Hintergrund haben wir hier auch eine Erfüllung von Joel 3,1ff vgl. Apg 2,14ff).
Vers 7: Ein erstes Zwischenfazit: Nicht mehr Sklave, sondern Sohn und deshalb auch Erbe (in Gegenwart und Zukunft).
Vers 8: Hier sehen wir deutlicher, dass es Paulus nicht nur um eine Kritik am jüdischen Verständnis geht, sondern dass er allgemein Religiosität bzw. Selbsterlösungsversuche kritisierte!
Vers 9: Nachdem sie einmal erkannt haben, dass Gott SELBER alles zur Rettung getan hat, dass also letztlich GOTT sie erkannt hat, wollen sie jetzt wieder zurück zur alten Religiosität!
„Erkennen“ ist in der Bibel nicht (nur) Wissen, sondern es ist tiefe Gemeinschaft. Wenn „Gott uns erkennt“, dann wird darin sein tiefer Wunsch nach Gemeinschaft mit uns deutlich!
Vers 10: Hier scheinen vor allem die jüdischen Fest- und Feiertage im Blick zu sein, aber es ist ja durchaus plausibel, dass sich auch Heidenchristen (ohne jüdisch geprägte Vergangenheit) nun in jüdisches Gedankengut hineinziehen ließen, denn immerhin war Jesus Jude und die schriftliche Grundlage für den Glauben war in dieser Zeit vor allem das Alte Testament.
Vers 11: Dieser Rückfall in die Gesetzlichkeit wirft die Frage auf, ob Paulus „vergeblich“ in Galatien gewirkt hat. An dieser Stelle muss man nicht diskutieren, ob man nun vom Glauben abfallen kann oder nicht, denn es kann auch sein, dass Paulus in Frage stellt, ob sie überhaupt wirklich jemals zum Glauben gekommen sind. Paulus stellt hier aber letztlich gar keinen Glauben in Frage, sondern seine „harte Arbeit“ (so!) unter den Galatern. Das lässt die Frage offen, ob nun zwischendurch mal echte Frucht da war oder eben nicht.
Vers 12: Paulus sucht den Schulterschluss, er erinnert noch einmal an die Einheit, die sie hatten als Paulus vor Ort war!
Vers 13: Paulus muss äußerlich/körperlich sehr schwach dahergekommen sein und das „Evangelium“ verkündigt haben.
Vers 14: Diese äußere Schwachheit war überhaupt nicht hinderlich oder gar abstoßend, sondern Paulus war als ein „Bote Gottes“ voll akzeptiert!
Vers 15: Die „Glückseligkeit“ muss wohl über Röm 4,6 verstanden werden, wo Psalm 32,1-2 zitiert wird: Die „Glückseligkeit“ steht dafür, dass Gott die Sünde nicht zurechnet und das alles aber ohne Werke bzw. Opfer. Als Paulus vor Ort war, hätten sie sich für ihn „die Augen rausgerissen“ (viele Ausleger deuten das auf eine Augenkrankheit als Teil der „Schwachheit“ von Vers 13).
Vers 16: Nun schreibt Paulus nichts anderes, aber scheint auf einmal zumindest von manchen als Feind betrachtet zu werden – was hat sich geändert?
Vers 17: Der Eifer der „Judaisten“ ist nicht gut, sondern letztlich eifern sie für sich selber, zu diesem Zweck „schließen sie aus“. Das könnte bedeuten, dass Gemeindeausschluss angedroht wird (oft waren Juden aufgrund ihres tieferen Wissens im Alten Testament dann auch in leitenden Funktionen in der Gemeinde), es könnte aber auch für eine Trennung stehen bzw. einen „Keil“, den sie zwischen Paulus und die Gemeinde treiben wollen: Paulus wird (quasi) „ausgeschlossen“.
Vers 18: Das Evangelium ist gut, die Entwicklung vor Ort offensichtlich nicht!
Vers 19: Christus hat noch nicht genug Gestalt gewonnen, das geht für Paulus so weit, dass er das Gefühl hat, noch einmal bei Null anzufangen!
Vers 20: Paulus wäre gerne da und würde gerne mehr mit der Stimme arbeiten. Evtl. würde er seine Stimme (streng) erheben, damit sie einfach merken, wie ernst es ihm ist, evtl. würden sie auch Traurigkeit/Verzweiflung hören?
- Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Die religiöse Ausgangslage auf die Paulus hier eingeht, war damals in der Gesellschaft anders als heute: Der Gedanke, dass Ungehorsam den Zorn Gottes bzw. der Götter auslöste und dieser dann mit Opfer wieder „gestillt“ werden konnte, war damals fest in der Gesellschaft verankert. Das „Evangelium“ war tatsächlich „auf den ersten Blick“ Evangelium (wobei die Realität auch zeigt, dass die Menschen damals tatsächlich nur schwer ihre Religiosität aufgaben), weil es das Schuldproblem löste, das den Menschen (immer) bewusst war.
Heute dagegen haben wir den Atheismus oder zumindest Agnostizismus, indem ein zorniger Gott gar nicht geglaubt wird und den man erst einmal neu verkündigen muss, dem Menschen muss das Schuldproblem erst einmal klargemacht (aus ihrer Sicht „eingeredet“) werden oder Menschen haben eine völlig verzerrte Vorstellung von einem „lieben“ Gott, der gar nicht erst zornig wird, sondern bei dem Sünde von vornherein scheinbar gar keine Konsequenzen mehr hat. Es gibt also auch kein wirkliches SchuldPROBLEM, das gelöst werden müsste.
Die Botschaft von der Heiligkeit Gottes mit all ihren Konsequenzen muss also ganz neu verkündigt und darf nicht vorausgesetzt werden.
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Der Sonntag ist am Ende der Pfingstferien und eines langen Wochenendes, es könnte sein, dass weniger im Gottesdienst sind.
Der Begriff „Gotteskind“ ist in der heutigen Zeit sehr „ausgelutscht“, weil die landläufige Meinung ist, dass alle Menschen (irgendwie) „Gotteskinder“ sind.
Die Predigt muss also deutlich herausarbeiten, was Paulus mit „Gotteskind“ tatsächlich meint, der Schlüssel ist die Wiedergeburt, die ja z. B. in den „Geburtswehen“ in Vers 19 anklingt.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
Der Abschnitt bietet folgende Punkte für die Anwendung:
– Vers 1-7: Wir sind Söhne/Kinder Gottes!
– Vers 1-7: Wir sind Erben!
– Vers 8-11: Christen sind nicht religiös!
– Vers 12-20: Wir waren uns doch einig!
– Vers 11+19+20: Hast du es wirklich begriffen?
– Vers 12-14: Lass dich nicht von Äußerlichkeiten abschrecken!
– Vers 10: Gnade ALLEIN!
– Vers 7+9a+19b: Gott will Beziehung
- Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Weil die Hörer ein vertieftes Verständnis von der Gnade bekommen sollen, bzw. von dem, was Gott eigentlich will, nämlich Kinderschaft, Beziehung und Zusammengehörigkeit.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Gott will keine Religion!
- Gott will Kinder! (Vers 1-7)
- Regeln sind kein Weg (Vers 8-11)
- Gottes Gnade ist „unglaublich“ (Vers 12-20)
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
In der Einleitung kann kurz in das religiöse Denken damals und in das religiöse Denken heute eingeführt werden, um dann neugierig darauf zu machen, dass Gott ein völlig anderes Angebot für uns hat: Gott will keine Religion!
Dann folgt die Textlesung
- Gott will Kinder! (Vers 1-7)
Gott will keine Sklaven, die gehorchen müssen und am Ende doch nicht wissen, ob sie am nächsten Tag der Willkür des Herren erliegen …
Gott will, dass wir heute wissen, dass wir zu ihm gehören, zu seiner Familie, als Kinder Gottes.
„Kind Gottes“ im Sinne von „geistlich gezeugt ALLEIN durch Gnade von Gott selber“ – hier ist Raum für das Evangelium!
- Regeln sind kein Weg (Vers 8-11)
Paulus greift das Wesen von „Religion“ auf: Die Menschen müssen tun …
Der christliche Glaube ist anders: Die Menschen dürfen sein …
Warum wollen die Menschen zurück unter die Religion?
Die „Befürchtung“ von Paulus (Vers 11) zeigt, dass Gnade und Werke in keiner Weise vereinbar sind. Es geht hier ja „nur“ um die Einhaltung von ein paar Feiertagen (Vers 10), was ist da so schlimm dran? Feiertage erinnern doch an Gott und SEIN Handeln.
– Wer Jesus vertraut, der muss für sein Heil nichts mehr selber tun! Und wer doch wieder selber etwas tut, der setzt alles aufs Spiel.
Schon das kleinste Werk stellt Jesus komplett in Frage! Er beansprucht den Ruhm ganz für sich allein!
Dieser Punkt muss gut erklärt werden, denn es liegt in der Natur des Menschen nicht mit komplett leeren Händen dazustehen, sondern irgendwie „seinen guten Willen zu beweisen“, irgendwie zu „antworten“ – aber wie empfinden wir es selber, wenn jemand ein wirkliches Geschenk von uns nicht annehmen will oder den Eindruck erweckt als stünde er dann irgendwie uns gegenüber in einer „Schuld“? Stellt er damit nicht unsere Beziehung in Frage? Kränkt uns das nicht auch, wenn jemand ein ehrliches 100% Geschenk nicht voll annehmen kann?
- Gottes Gnade ist unglaublich (Vers 12-20)
Offensichtlich fällt es den Galatern schwer, bei dieser Gnade zu bleiben, sie ist „unglaublich“ – aber Gott besteht auf diese Gnade.
Paulus kam damals äußerlich unattraktiv und es war damals wie heute, dass man äußerlich erfolgreichen Leuten eher glaubte. Aber obwohl das Evangelium eben „unglaublich“ war, weil eben Paulus äußerlich so unglaubwürdig erschien, hat es sie doch damals total überzeugt – warum jetzt nicht mehr?
Wichtig ist aber, dass man den Glauben, das Vertrauen in Gottes Gnade, nicht einfordern kann, der „Glaube“ darf nicht wieder zu einer Leistung werden, die ich „bringen muss“, sondern es geht darum, dass (unter Gottes Hilfe) das Herz sich öffnet und man tatsächlich (immer mehr) erkennt, DASS Gott gnädig ist, dass ER alles für mich getan hat, dass ER mein neues Leben beginnen lässt durch das, was Jesus für mich getan hat. Es darf also nicht Glaube „gefordert“ werden, sondern der Schlüssel ist, die Wahrheit des Evangeliums zu bekennen und darin die wahre Größe Gottes zu verkündigen.
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Evtl. ein Beispiel über ein Geschenk, das jemand nicht annehmen wollte oder das vielleicht auch mir selber schwer gefallen ist, anzunehmen.
Im Bezug auf das Verhältnis Glaube und Werke, kann man auch noch einmal das Beispiel von Verliebten oder auch guten Freunden bringen, die nicht das Empfinden haben etwas tun zu müssen, damit diese Beziehung entsteht oder bestehen bleibt, sondern die es einfach aus Freundschaft bzw. Liebe tun, sie tun es gerne bzw. aus Verbundenheit ohne dass ein „Müssen“ im Raum steht.
(Mirko Lau)