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Jahresthema: In Gottes Nähe leben
Predigtthema: Vorhang auf!
Predigttext: Offenbarung 1,9-20
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise zur Verkündigung, ersetzt aber nicht ein eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext (Offb 1,9-20) vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung / Neue Genfer Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
„Glücklich, wer aus diesem Buch vorliest, und glücklich, wer diese prophetische Botschaft hört und sich danach richtet! Denn was hier angekündigt ist, wird sich bald erfüllen“ (Offb 1,3).
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung von Offb 1,9-20 bieten z.B.
* Fritz Grünzweig: Johannesoffenbarung 1. Teil. Edition C Bibelkommentar NT Bd. 24. Hänssler (S. 46-63).
* Gerhard Maier: Die Offenbarung des Johannes. Kap 1-11. Historisch Theologische Auslegung. SCM R. Brockhaus (S. 105-132).
* Adolf Pohl: Die Offenbarung des Johannes. 1. Teil. Wuppertaler Studienbibel NT. R. Brockhaus (S. 83-100).
* John MacArthur. Kommentare zur Offenbarung: Denn die Zeit ist nahe. Mitternachtsruf (S. 35-48).
* Hellmuth Frey: Das Ziel aller Dinge: Das letzte Wort des Erhöhten an seine angefochtene Gemeinde – seelsorgerliche Auslegung der Offenbarung. Verlag der Liebenzeller Mission (S. 49-54).
* Walvoord / Zuck (Hg.): Das Neue Testament erklärt und ausgelegt. Bd. 5: 1Kor – Offb. Hänssler (S. 565-568).
* Theodor Zahn: Die Offenbarung des Johannes (unter http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_18_Buecher_66_1924.pdf; S. 179-219).
Hilfreiche Anmerkungen zum Predigttext bieten z.B. die MacArthur Studienbibel (unter http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/66-Die_Offenbarung_Christi_Durch_Johannes.pdf; S. 1919-1921).
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Johannes hat am Tag des Herrn (= Sonntag) eine Christusbegegnung. Mit welcher Erwartung sind wir heute im Gottesdienst?
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Der Sinn der Offenbarung Jesu liegt in der tröstenden und ermutigenden Unterweisung seiner Nachfolger (Offb 1,17f). Johannes hat bisher auf die Worte Jesu gehört und sie gehorsam geglaubt (z.B. Joh 16,33; Mt 28,18-20). Nun lässt Jesus ihn schauen, damit die Gemeinde im Glauben gestärkt wird. Jesus hält sein Wort!
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Johannes Gerloff: „Die Herausforderung einer Predigt über Offb 1,9ff besteht darin, dem Gottesdienstbesucher etwas mitzugeben von der atemberaubenden Erfahrung des Johannes; ihm den Jesus vor Augen zu malen, der selbst den Lieblingsjünger Jesu ‚wie tot‘ erstarren ließ“ (Johannes Gerloff. „Begegnung mit dem Auferstandenen“ Bibel und Gemeinde H. 2/113 (2013): S. 19-28).
3. Sagen, wo es hingeht
Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Winrich Scheffbuch vom 13.02.2000 mit dem Titel „Wie Jesus Mut macht“ (Offb 1,9-18), vom 21.01.1997 / 31.03.1987 mit dem Titel „Auftrag an Johannes“ (Offb 1,9-20), von Konrad Eißler vom 10.10.1989 (Offb 1,9-20) und von Hans Peter Royer mit dem Titel „Offenbarung des Johannes – Teil 3/18“ (Offb 1,9-19). Diese Botschaften findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. Offenbarung 1] und „Autor“ [z.B. Scheffbuch, Winrich bzw. Eißler, Konrad bzw. Royer, Hans Peter] ausfüllt.
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Leitfrage ist die Situation von Johannes: Was hat der Glaube nun am Ende gebracht? – wir folgen der Grundlinie der Offenbarung: Vorhang auf! (= Enthüllung)
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Wohin Jesus führt, wer Jesus ist und wie und wozu er Menschen begegnet.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
Nach Gottfried Voigt
Ihn sehen
a) das vereint
b) das vernichtet
c) das richtet auf
oder nach Wilhelm Wagner
Jesus in Schlüsselposition
a) betrifft mein Leben
b) betrifft seine Gemeinde
c) betrifft unsere Zukunft
bzw.
a) Jesus ist die Schlüsselperson
b) Jesus besitzt die Schlüsselgewalt
c) Jesus hat die Schlüsselposition
oder nach Friedhelm Schröder
a) Jesus ist der Herr der Weltgeschichte
b) Jesus ist der Herr über Leben und Tod
c) Jesus ist der Herr der Gemeinde
d) Jesus ist der Trost der Gemeinde
oder nach Otto Michel
a) Die Stimme
b) Das Gesicht
c) Das Wort
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Alfred Christlieb: „Hier wird von einer merkwürdigen Verbannung berichtet. Was ist daran merkwürdig?
* Wer ist der Verbannte? Wer wurde auf jene einsame, öde Insel verbannt? Ein Verbrecher? Ein politischer Verschwörer oder Aufrührer? Nein, der Lieblingsjünger Jesu, der reich gesegnete Apostel Johannes. In seinem Alter traf ihn noch dieses harte Los. Von vielen lieben Gefährten und Brüdern musste er sich trennen. Auf seine Heimat musste er verzichten. Als einer, der nicht wert erschien, in der menschlichen Gesellschaft zu leben, wurde er ausgestoßen. In jungen Jahren gewöhnt man sich verhältnismäßig leicht an einen neuen Wohnort und an neue Verhältnisse. Aber noch im Alter in fremde Gegenden auswandern müssen, ist schwer. Die Ruhe des Alters wurde Johannes versagt. Statt Ehre und Anerkennung bei der Welt zu genießen, traf ihn die Verbannung durch den römischen Kaiser. Wundern wir uns, dass gerade solch ein Mann so schwer betroffen wurde? Das Wort »Ich, Johannes, war auf der Insel Patmos« gibt uns zu denken. Es sagt uns: Auch die besten und treuesten Jünger Jesu können schwer heimgesucht werden. Niemand von uns hat einen Anspruch auf ein bequemes, dem Fleisch angenehmes Leben. Seine nächsten Freunde lässt Jesus durch Wüsten und Dornen gehen. Fort mit der törichten Meinung, als ob die Liebe Gottes weichlich sei und den treuen Bekennern alles Unangenehme erspare! Wenn ein Johannes nicht von Trübsalen verschont wurde, wer will dann meinen, sein Weg müsse ohne Ungemach sein?
* Warum wird er verbannt? Was war denn die Ursache jener furchtbaren Strafe der Verbannung? Hatte Johannes eine unvorsichtige Äußerung gegen die römische Obrigkeit getan? Hatte er einem Mitmenschen irgendwelche Kränkung zugefügt? Nichts davon war der Fall. Vielmehr war er nach Patmos verbannt worden »um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses Jesu Christi«. Es hat je und je Christen gegeben, die sich durch einen Fehltritt eine berechtigte Strafe von Seiten der Obrigkeit zugezogen haben. Aber das Vergehen des Johannes bestand darin, dass er die schönste und beste Tätigkeit ausgeübt hatte, die es auf Erden gibt. Er hatte Gottes Wort verkündigt und den Heiland bezeugt. Hätte er die Welt in Ruhe gelassen mit diesem Zeugnis von Jesus, so hätte er sich manches Leid ersparen können. Aber das durfte er nicht, weil Jesu Wort die Jünger zu Zeugen bestimmt hatte und sein Geist sie dazu antrieb. Gern fügte sich Johannes allen Anordnungen der römischen Obrigkeit. Aber wenn es galt, den Worten seines Heilandes gehorsam zu sein, so wich er auch vor dem römischen Kaiser nicht zurück. Das heilige Wächteramt, das der Herr ihm gegeben hatte, wollte er treu ausrichten. Von seiner Heimat konnte er sich trennen, aber von dem Willen seines Meisters niemals. Lieber ging er in die Verbannung, als dass er ein »stummer Hund« wurde. Wie beschämt dieser um seines treuen Zeugnisses willen verbannte Johannes uns ängstliche, furchtsame Christen! Lasst uns aus seinem Anblick neu Mut und Freudigkeit schöpfen, unsern Heiland allezeit zu bekennen!
* Welcher Segen kommt aus der Verbannung? Darauf wollen wir abschließend achten. Johannes wird in Patmos im Geist an den Tag des Herrn versetzt. Er hört den, der das A und das O, der Erste und der Letzte ist (V. 11). Ihm wird die Geschichte des Reiches Gottes bis in weite Ferne hinaus enthüllt. Nicht in der Heimat in Jerusalem, sondern im öden Verbannungsort sollte Johannes die wunderbaren Blicke tun, die Gott ihm bestimmt hatte. Der Strafort verwandelt sich für ihn in den herrlichsten Platz der Welt. Die öde Insel wird zum Bethel, wo Engel auf- und niedersteigen. Als er das irdische Jerusalem nicht mehr sehen darf, zeigt ihm Gott das neue Jerusalem im Himmel. Da wo er spärlich oder fast nie eine Nachricht von der Christengemeinde erhält, gibt Gott ihm Nachricht von der Kirche Christi bis in die letzte Zeit hinein. Da wo er von allem Einfluss auf andere ausgeschaltet ist, übt er den aller größten Einfluss aus durch das Buch, das Gott ihn schreiben heißt. Wahrlich, die Feinde haben sich verrechnet, als sie Johannes nach Patmos schickten. Sie konnten ihn wohl verbannen. Aber statt ihn zu schädigen, mussten sie ihm zu neuen Erquickungen und Segnungen verhelfen. Johannes stand eben in einer höheren Hand. Jener vom Hass eingegebene Befehl des römischen Kaisers wurde ihm zur Segensführung seines Gottes. Das ist bis heute die Art unseres Herrn: Er nimmt den Seinen die Angst vor dem Hass der Christusfeinde, indem er sie stärkt und ihre Wege zum besten wendet. Er macht aus einem öden Patmos in unserm Leben eine Stätte, wo wir seine Herrlichkeit sehen“ (Alfred Christlieb: Licht von oben Bd. 3).
Walter Tlach: „Weil der Bischof Johannes der Versuchung nicht erlegen war, hatte es die damalige staatliche Religionspolitik derart gemacht, dass sie den Bischof verhaften ließ, damit die Gemeinde im Kirchenkampf ohne den führenden Kopf war: ‚Dann bekommen wir die Gemeinde schon klein‘! So wurde Johannes also verhaftet und ins ‚KZ‘ nach Patmos gebracht: Er hatte sich bewährt. ‚Ich, Johannes‘, beginnt er, ‚der auch euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrückung ist und am Reich und an der Standhaftigkeit, die Jesus Christus schenkt, war auf der Insel, die da heißt Patmos, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus Christus‘. Dort, auf Patmos, hat Johannes an einem Sonntag eine Christusvision. Nun lächeln Sie bitte nicht; hier taucht eine andere Wirklichkeit auf, die naturwissenschaftlich nicht zu begreifen, die rational nicht erfassbar ist. Ich weiß das aber auch von gefangenen Christen in der Sowjetunion, dass sie in den schwersten Stunden, als sie weich werden wollten, eine Begegnung mit Christus hatten. Wir Satten haben das nicht, diese aber haben’s: eine Christusbegegnung in der Tiefe! Der Bischof Johannes hat eine Christusvision, in der er einen Auftrag erhält: ‚Schreibe das auf, was du jetzt von der tieferen Wirklichkeit siehst, die hinter diesem Kirchenkampf, hinter diesem römischen Statthalter und seiner geheimen Staatspolizei steht und die ich dir zeigen werde! Schreibe es auf, schmuggle es zum Lager hinaus und sorge dafür, dass es als Rundschreiben in den Hauptgemeinden der kleinasiatischen Kirche vorgelesen wird‘! Der Sinn dieses Büchleins ist, dass die Gemeinden dadurch die Kraft erhalten sollen, im Kirchenkampf durchzuhalten – bis zum Martyrium. […]. Diese Kirche ist nicht in sich selbst kräftig – zu meinen, sie sei stark, ist völlig falsch -, sondern sie besteht aus Menschen, die in einer ganz persönlichen Bindung sind, in der Bindung an Jesus Christus, in einer rational nicht fassbaren Bindung, in einer Bindung an den, dem sie – weil er ihnen gegenüber treu ist – die Treue einfach nicht brechen können. So sagte ein Bischof von Kleinasien etwa 40 Jahre nach dieser Verfolgung: ‚Wie sollte ich dem die Treue brechen können, der mir ein Leben lang so treu war‘? – und er wurde dann verbrannt. Das Geheimnis der Kirche ist ein Muss, das nicht ein äußerer Zwang ist – also gerade nicht wie bei Sartre, der sagt: ‚Entweder lebt Gott, dann bin ich gezwungen; oder ich bin frei, dann gibt’s keinen Gott‘ (Das ist die existentialistische Philosophie). Diese Christen müssen treu sein, doch das ist kein äußerer Zwang! Deshalb sagte der Bischof Johannes: ‚Seid euch darüber im klaren: Nicht ich fasste den Beschluss, den Kirchenkampf durch dieses Büchlein auszulösen, das euch jetzt vorgelesen wird. Es ist nicht etwa mein heroischer Entschluss – wenn es darauf stehen würde, ginge es schief -, sondern ich musste! Der Herr legte seine Hand auf mich; ich war überwältigt! Ich musste – gebunden an den Herrn – dieses Büchlein schreiben, und ihr müsst nun den Kirchenkampf führen, wenn ihr diesen Herrn liebhabt‘! Das Fundament der Kirche, die Widerstand leistet, ist also nicht rational begründbar – absolut nicht -, ist aber andrerseits auch keine heiße Schwärmerei.- Die Forschung an den Propheten des Alten Testaments hat in den letzten 30 Jahren genau dies gezeigt: Diese Propheten gehorchen weder rational begründbar noch schwärmerisch, ekstatisch! Es gibt hier etwas Drittes, etwas sehr Nüchternes. Sie sagen: ‚Dem Herrn kann ich die Treue nicht brechen‘ (Walter Tlach: Predigten in der Ordnung des Kirchenjahres).
Konrad Eißler: „Tatort Patmos. Mitten im Mittelmeer. Vierzehn Schiffsstunden vor der afrikanischen Küste. Dort sitzt Johannes. Inhaftiert, weil er für den römischen Gottkaiser keinen Weihrauch verbrennen wollte. Interniert, weil er auf den römischen Himmelskönig keine Hymne anstimmen wollte. Isoliert, weil er Gott Gott sein ließ. Wer den Mund aufmacht, wird mundtot gemacht, so wie Johannes auf Patmos. Und dort bekommt er hohen Besuch. Genau wie damals, als der Auferstandene trotz verriegelter Schlösser vor den Jüngern stand, so steht er jetzt wieder trotz Vergitterter Fenster vor dem Apostel. Und dann sagt er nicht: ‚Ich habe einen richtigen Osterhasen. Der ist echt süß und rein Schoko. Damit dir`s wieder einmal richtig schmeckt‘. Dann sagt er auch nicht: ‚Ich habe ein paar Ostereier. Sie sind bunt und hart gekocht. Damit Abwechslung in deinen Blechnapf kommt‘. Er sagt auch nicht: ‚Ich habe ein Sträußchen Osterglocken. Sie sind frisch geschnitten und hübsch gebunden. Damit dir der Frühling mit dem blauen Band wieder durch die Zelle flattern‘. Was nützen ihm Hasen, Eier und Blumen, wenn er im Knast schmachtet und nach Freiheit dürstet? Der auferstandene Herr sagt ihm jenen Satz, der ihn buchstäblich zu Boden wirft: ‚Fürchte dich nicht. Ich habe den Schlüssel‘ (Offenbarung 1,18). – Dein Fenster bleibt nicht ewig vergittert. Deine Tür bleibt nicht für immer verriegelt. Keine Gefangenschaft ist ewig, weil der sich zu Wort meldet, der die Schlüsselgewalt in der Welt hat. Sein Hauptschlüssel schließt alles auf, auch das Gefängnis der Krankheit, auch den Kerker des Leidens, auch die Hölle des Todes. Jesus, der Schlüsselmann, lebt“ (zit. nach idea spektrum 16/1996 – S. 19).
(Thomas Richter)