Lukas

Predigthilfe vom 9.3.2003 – Lukas 13,10-17

Monatsthema: Jesu Blick der Liebe
Predigtthema: Liebe hilft

Bibelstelle: Lukas 13,10-17

Verfasser: Matthias Köhler

1. Der Zusammenhang
Im Textabschnitt vor dem heutigen (12,57-13,9) zeigt Jesus den Juden auf, wie selbstgerecht aber fruchtlos ihre Religiosität sei.
Unser Abschnitt ist ein eindrückliches Beispiel davon, das Jesus mit einem Wort betitelt: „Heuchler“.

2. Biblische Parallelen
– Alle Heilungswunder Jesu.
– Heilungswunder, die Jesus am Sabbat tat Lk 4,31-37; 38-39; 6,6-11; Lk 14,1-6; Joh 5,1-16; 9,1-41
– Sabbatfrage allgemein: Mk 2,23-28: Ährenraufen am Sabbat Joh 7,22-23; Röm 14,5; Kol 2,16
– Heuchler: Mt 6,2.5.16; 7,5; 15,7; 22,8; 23,1ff; Lk 12,1

3. Der Aufbau des Textes
10+11: Die kranke Frau
12: Jesus sieht sie an und spricht sie an und spricht ihr Heilung zu
13a: Jesus legt die Hände auf
13b: Die Reaktion der Frau: Heilung und Verherrlichung Gottes

14: die Reaktion des Synagogenvorstehers: „Frommer“, d.h. heuchlerischer Einwand
15+16: Antwort Jesu
17: Die Widersacher sind beschämt, das Volk freut sich über die herrlichen Dinge, die durch Jesus geschahen.

4. Einzelerklärungen
V. 11 Der Zustand der Frau wird auf dreifache Weise beschrieben:
– Sie hatte einen „Geist der Schwachheit“. Aus V. 16 wird deutlich, dass es sich hier wirklich um eine Geist aus dem Machtbereich der Finsternis handelt. Wichtig: In der Bibel werden Krankheiten nicht automatisch einer dämonischen Auswirkung zugeschrieben – aber hier war es so.
– Sie war zusammengebeugt.
– Sie war völlig unfähig, sich wieder aufzurichten.
Wir sehen darin durchaus ein Bild des hilflosen Sünders, dessen Blick sich immer nach unten richtet und nicht mehr nach oben sehen kann, der nicht mehr gerade und aufrecht gehen kann. Und der nach biblischer Sicht durchaus von Satan gebunden ist.

V. 12 Interessant ist, dass die Frau nicht auf Jesus zugeht, sondern er spricht sie an, als er sie sieht.
Für uns heißt das: Unser Heiland Jesus sieht uns in unserer (geistlichen) Krankheit, ruft uns an, spricht sein Wort und hilft dadurch. Jesus will in Nöten helfen und kann auch helfen. Er hilft durch das Wort: „Frau, du bist gelöst von deiner Schwachheit“ (übrigens in einer Zeitform geschrieben, die die Handlung als ganz gewiss abgeschlossen beschreibt)

V. 13a Jesus legt die Hand auf. Das tat er manchmal aber nicht immer. Die Handauflegung ist ein Zeichen der persönlichen Zuwendung Jesu zu seiner Frau. Die Heilung findet aber durch das Wort statt.

Die Reaktion der Frau ist bemerkenswert:
V. 13b
– Sofort wurde sie „aufgeradet“.
Salomo stellt in Pred. 1,15 fest: Gekrümmtes kann nicht gerade werden…
Er hat recht: Das Krumme wird in dieser Welt nicht gerade; Sünde, die den Menschen vom geraden Weg abgebracht hat und unter ihrer Last beugt, lässt sich nicht mehr ungeschehen machen.
Jesus durchbricht das von Salomo richtig beobachtete Gesetz. Wir haben eine im wahrsten Sinne frohe Botschaft. Bringen wir sie auch so rüber!
– Sie verherrlichte Gott
Das ist Gottes höchstes Ziel und Absicht: Erlöst „zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade“, Eph 1,6, „Damit wir zum Preise seiner Herrlichkeit seien.“ Eph 1,12.14

V. 14 Seltsam, dass der Synagogenvorsteher weder Jesus noch die Frau tadelt, sondern die Menge, die das ganze verfolgte. Warum? Da könnten wir nur spekulieren.

Er hat ein „biblisches“ Argument: Zitat aus 2. Mose 20,9.

V. 15+16 Jesus hält ihnen (Jesus redet in der Mehrzahl) „Schauspielerei“ vor (das griechische Wort wir an anderen Stellen oft mit „Ihr Schauspieler“ übersetzt. Wörtlich heißt es: „Herunter-Urteiler“). Die Heuchelei kritisiert Jesus mit zwei Argumenten:
1. ist Krankenheilung keine Arbeit
2. sind am Sabbat einige Dinge durch Ausnahmeregelung erlaubt.
Gerhard Maier:
„Stellt man das losbinden von Vieh ( »Ochse« / »Esel« ) und Mensch einander gegenüber, dann gibt es im Fall dieser Frau viele gute Gründe für ihre Heilung: a) Wenn schon Tiere – dann erst recht ein Mensch (vgl. Lk 12,24). b) Wenn schon von menschlicher »Fessel« dann erst recht von teuflischer Fessel. c) Wenn schon zur Lebenserhaltung (»tränken«) – dann erst recht zur Lebensbesserung (»heilen«). d) Wenn schon bei täglichem Bedarf – dann erst recht bei achtzehn Jahre dauernder Not. e) Wenn schon ein Wesen ohne Verheißung (»Ochse« / »Esel«) – dann erst recht ein Wesen unter den Verheißungen »Abrahams«.“

5. Die Spitze des Textes
„Das Krumme wird in dieser Welt nicht gerade (Pred. 1,15)“ – Diese Aussage Salomos stimmt seit Jesus so nicht mehr. Für alle gebeugten unter uns ist das ermutigende, frohmachende Botschaft!

6. Der Text heute
Wichtig ist, dass wir Jesu Macht über körperliche Krankheit ernst nehmen, aber nicht so tun, als wäre das der Normalfall. Er kann heilen, muss aber nicht. Und wenn er’s nicht tut, liegt darin der Trost: Er könnte, wenn er wollte. Und wenn er nicht will, dann ist’s auch sein guter Wille. Das zu sagen ist für alle die unter uns wichtig, die eben keine spontane körperliche Heilung erleben – und das sind wohl die allermeisten!
Dass Jesus aber uns in unserer inneren, geistlichen Not helfen will, dass hat er verheißen. Das dürfen und müssen wir auch mit großer Gewissheit verkündigen!

Dass Jesus die Denkweise des Synagogenvorstehers als „Heuchlerei“ bzw. „Schauspielerei“, oder ganz wörtlich: „Herunterkritisierer“ verurteilt, sollte uns nicht zu der Meinung bringen, aufgrund einer falschen „Nettigkeit“ und „Toleranz“ nichts mehr prüfen oder auch kritisieren zu dürfen. Nach wie vor haben wir den Auftrag zu prüfen (1. Thess 5,21). Aber eben mit liebendem Herz: Liebe zu Jesus und Liebe zu den Menschen. Dann werden wir keine „Herunterkritisierer“, sondern „Hinaufkritisierer“, was sicher besser mit „Ermutiger“ übersetzt werden kann.

7. Beispiele und Verdeutlichungen
Die angegebenen Bibelverweise und die Geschichte selbst bieten genügend Anschauung.

8. Material und Gliederung zur Predigt
Überschrift: Die Liebe Jesu hilft!

1. Die Hilflosigkeit der Frau – Die Hilflosigkeit des Sünders
Zusammengekrümmt (Blick nach unten, nicht mehr nach oben). Unfähig, sich selbst aufzurichten und damit unfähig, sich selbst zu helfen. Gebunden vom Satan seit vielen Jahren.
Bemerkenswert: Sie sucht Jesus nicht (wenigstens wird uns davon nichts berichtet). Wir lesen auch nicht, dass sie ihn anblickt.
Aber er blickt sie an:

2. Der helfende Blick Jesu
a) Jesus blickt sie an. Darin liegt schon die Hilfe. (Vgl. der Blick Jesu dem Petrus gegenüber (Lk 22,61))
b) Er ruft ihr zu
Wie dem Zachäus (Lk 19,5); wie der Maria (Joh 20,16)
Jesus ist gekommen, nicht um Gerechte zu rufen, sondern Sünder (Mt 9,13)
Siehe auch Mt 11,28.
c) Er spricht zu ihr und löst (erlöst) sie
Im und durchs Wort wirkt der Herr. Schon ganz am Anfang („Es werde Licht“ – und es ward Licht) Auch heute noch. Wer Heilung sucht, muss sich seinem Wort aussetzen.
d) Die Heilung setzt sogleich ein – Kraft des Wortes Jesu!

3. Zwei Reaktionen
Die Frau wird auf der Stelle aufgerichtet und fängt gleich an, Gott zu preisen. Das können und sollen wir auch tun. Ein Christ ist ein von Gott aufgerichteter Mensch, weil sein Gottesverhältnis in Ordnung gekommen ist. Was nicht heißt, dass es nicht manche Anfechtung gibt. – Aber: Zwischen Gott und mir ist durch den Heiland alles geregelt.

Der Synagogenvorsteher ist empört. Er muss Gottes Sache (Gottesdienstablauf und Sabbatgebot) hochhalten. Zunächst wollen wir das nicht schlechtreden. Aber Jesus, der das Herz ansieht, sieht nicht nur das Äußere: Er sieht die wahren Motive. Wir wollen für Jesus und die Bibel eintreten. Nichts verweichlichen. Aber immer Wahrhaftig bleiben. D.h. Dem andern den Anspruch und Zuspruch Jesu vorhalten: Ihm zum Besten!

Schluss:
Mit der rhetorischen Frage bietet sich Jesus uns heute wieder neu zur Hilfe an:
Jes 50,2: Warum bin ich gekommen, und kein Mensch war da, habe gerufen, und niemand antwortet? Ist meine Hand etwa zu kurz zur Erlösung? Oder ist in mir keine Kraft, um zu erretten?
Ganz bestimmt ist seine Hand nicht zu kurz und seine Kraft nicht zu klein. Auch heute noch!