Monatsthema: Jesu Blick der Liebe
Predigtthema: Liebe wirkt
Bibelstelle: Lukas 13, 18-21
Verfasser: Matthias Köhler
1. Der Zusammenhang
Jesus muss diese beiden Gleichnisse nicht im Anschluss an die Ereignisse von V. 10-17 gesprochen haben. Der Bibeltext gibt keinen eindeutigen Hinweis für einen Zusammenhang.
Eher müssten wir diese Gleichnisse in den Zusammenhang mit den anderen Reich-Gottes-Gleichnissen stellen.
2. Biblische Parallelen
Reich-Gottes-Gleichnisse:
Mt 13,3-8; 24-30; 31-32; 33; 45-46; 47-48 und Parallelen und Mk 4,26-29
Zu den Vögeln im Senfbaum: Hes 17,23; 31,1-6
3. Der Aufbau des Textes
Zwei ziemlich parallel formulierte Gleichnisse, jeweils eingeleitet mit einer das Interesse weckenden Frage.
4. Einzelerklärungen
Zum ersten Gleichnis (v. 18 und 19):
Senfkorn: „Einige Gelehrte erwägen, dass hier der schwarze Senf (Brassica nigra) gemeint ist, dessen Saat wegen ihres Ölgehaltes sowie wegen ihrer kulinarischen Verwendungsmöglichkeiten z. Zt. Des NT kultiviert wurde. Die Pflanze kann mitunter eine Höhe bis zu 5 m erreichen, obwohl sie gewöhnlich viel kleiner ist.“ (Das Große Bibellexikon S. 1180)
Der Same des schwarzen Senfs ist nur 1 mm groß, und seine Kleinheit war in damaliger Zeit sprichwörtlich.
Einen Baum, der groß wird und in dem die Vögel nisten, kennen wir aus dem Alten Testament: Hes 31,16; Hes 17,23ff; Dan 4,7ff. Jesus nahm sicher diese Stellen in seinem Gleichnis auf. In ihnen steht der Baum für ein sehr großes Reich. Die Vögel stehen für andere Reiche, die unter der Herrschaft (und Schutz und Sicherheit) des großen stehen.
Mit diesem Gleichnis gibt Jesus denen eine Antwort, denen die sichtbaren Auswirkungen des Wirkens Jesu noch nicht deutlich und groß genug sind. Es ist nicht entscheidend, wie klein etwas beginnt, sondern wie groß es einmal sein wird.
Zum zweiten Gleichnis (V. 21-21):
„untermischen“: wörtl: „hinein verstecken“. Da wird deutlich: Der Sauerteig kann nicht mehr unterschieden werden vom restlichen Teig. Unscheinbar und unsichtbar wirkt er, bis der ganze Teig von ihm durchdrungen ist.
Als „Sauerteig“ benutzte man alten, gegorenen Teig, den man unter den neuen Teig mischte. Da Ganze wird abgedeckt und stehen gelassen. Am nächsten Tag ist der ganze Teig durchsäuert, und das Brot kann gebacken werden. Ein wenig des Teiges nahm man vor dem Backen weg – es diente als Sauerteig für den nächsten Backvorgang.
Die meisten Ausleger gehen davon aus, dass Jesus hier eine „Ausnahme“ in der Bedeutung des Sauerteigs macht. An allen Stellen in der Bibel, an denen von Sauerteig die Rede ist (siehe Konkordanz), steht er als Bild für etwas unreines (weil Gärendes an Verwesendes erinnert), negatives, heuchlerisches (vgl. der Sauerteig der Pharisäer). Dann müsste man das Gleichnis so verstehen, als wollte Jesus warnen bzw. vorhersagen, dass das Reich Gottes durch falsche Lehre o.ä. durchmischt werden würde.
Aber – so die meisten Ausleger: Es geht hier nicht um den Sauerteig, sondern darum, dass das Wenige langsam und unsichtbar das Viele durchdringt und verändert. Es geht um die Wirkung des Sauerteigs, die beim Brotbacken eben nicht schlimm sondern erwünscht und gut ist.
Die Deutung für uns ist nicht schwierig:
Das Himmelreich entsteht aus kleinsten Anfängen
· Es wirkt zunächst unbemerkt
· Es wirkt von innen her. Von innen geschieht die Veränderung.
· Die Macht zur Veränderung wächst dem Teig von außen zu. Von sich aus kann er sich nicht verändern. Aber wenn „der Sauerteig“ untergemengt wird, wird sich der ganze Teig verändern.
5. Die Spitze des Textes
Die Liebe Jesu wirkt! Klein oft, auch unscheinbar, oft unbemerkt. Aber nicht vergeblich. Am Ende bleibt: Herrlichkeit.
6. Der Text heute
Zwei Ermutigungen liegen für unsere Zeit in diesen Versen:
· Ermutigung, an das Wirken Gottes zu Glauben, auch dann, wenn nichts sichtbar wird. (Der Sauerteig wirkt!)
· Oft bekommen wir gesagt, Glaubensmut zeigt sich darin, Gott die großen Dinge zuzutrauen. Richtig! Glaubensmut ist aber auch: Mut zu kleinen Dingen. Es ist durchaus die Gottes-Reichs-Art, klein zu beginnen.
Vor einem Missverständnis sollten wir uns hüten: Dass der große Baum schon in unserer Zeit in Vollkommenheit sichtbar wird. Wir sehen heute den großen Baum in manchen Stücken, z.B. dass das Evangelium in viele Nationen gekommen ist und angenommen wird.
Dass sich aber ganze Nationen in diesem Baum nisten, das wird erst in der Herrlichkeit Vollendung finden.
Das Durchdringen des Sauerteigs meint auch nicht, dass wir Christen einen immer größeren politischen oder gesellschaftlichen Einfluss bekommen. Sondern dass die von uns weitergegebene Liebe Jesu mächtig wirken und Veränderung schaffen wird.
7. Beispiele und Verdeutlichungen
7.1. Schwaben haben ein großes Problem: Sie wollen alles 150-prozentig machen. Und weil das nicht geht, machen sei oft nichts. 80 Prozent, die man tut, sind besser als 150, die man nicht tut. Wir wollen wirken, auch wenn nicht die Aussicht besteht, dass sich alles zu 150 Prozent verändern lässt.
7.2. Sind wir bereit, geistlich „kleine Brötchen“ zu backen? Das ist eine Ermutigung Jesu für die kleinen Kreise und die kleinen Gemeinschaften zu glauben, dass der Herr Jesus auch dadurch stark wirken will. Es gibt manche Kreise (Jugend- oder Hauskreise) und Gemeinden bei uns, die sehr klein sind. Das sagt aber noch lange nichts über ihre Wirksamkeit aus. Vgl. Sendschreiben an Philadelphia: „Siehe, ich habe eine geöffnete Tür vor dir gegeben die niemand schließen kann, denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet.“ Offb 3,8
7.3. Wenn wir diese Gleichnisse hören, dürfen wir nicht gleich an die weltweiten und weltgeschichtlichen Auswirkungen des Reiches Gottes denken. Alles beginnt zuerst einmal in mir: Da muss sich der Sauerteig erst einmal in meinem Herzen und Leben durchwirken. Sein Wort muss zuerst in uns gestalt bekommen.
7.4. In der Geschichte vom Blinden Bartimäus (Mk 10,46ff) wollen die Begleiter Jesu den Bartimäus zur Ruhe zwingen. Vielleicht weil sie dachten: Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem um die Weltherrschaft anzutreten. Da hat der große Meister keine Zeit mehr für den einzelnen Bettler am Wegesrand. Und doch ruft Jesus den Blinden zu sich. Jesus opfert die einzelnen nicht den großen weltgeschichtlichen Zielen. So kommt Jesus zu seinem Ziel.
8. Material und Gliederung zur Predigt
Monatsthema: Jesu Blick der Liebe
Tagesthema: Jesu Liebe wirkt.
8.1. Jesu Liebe wirkt – indem sie klein beginnt.
Das war schon zu Erdentagen Jesu so: Man hätte von ihm mehr erwartet. Mehr Sichtbares. Mehr Gesellschaftsrevolutionierendes. Aber Jesus wirkt anders.
Bsp. von Bartimäus.
Auch heute wirkt Jesus noch so: Durch die „kleinen“ Dienste der Liebe an andern wird das Reich Gottes gebaut. Durch Senfkörner und Sauerteige. Es werden keine Mammutbäume gepflanzt.
Haben wir ganz neu Mut zu den geringen Dingen! Mut für unsere kleinen Kreise. Mut für die Dinge, die wir in unserer kleinen Kraft tun. Mut und Ausdauer gerade auch für die Dinge, deren Auswirkung nicht schnell sichtbar wird. Das hat mehr Substanz als die schnell aufblühenden Aktionen, die aber auch schnell wieder verdorren.
Wir halten die drei Dinge fest:
Das Reich Gottes
– wirkt zunächst und oft unbemerkt
– wirkt von innen her. Es muss hinein in die Gesellschaft. Wir werden nicht von außen auf die Gesellschaft einwirken können. Und es muss hinein in uns, damit es in uns wirken kann.
– Die macht zur Veränderung kommt immer von außen. Das gilt für eine Gesellschaft genauso wie für mein eigenes Herz. Wir können uns nicht selbst verändern. Gott schenkt den Sauerteig.
8.2. Jesu Liebe wirkt – indem sie unser Inneres durchdringt
Wir wollen unsere beiden Gleichnisse ganz im Focus auf uns persönlich verstehen. Da kommt das Wort Gottes als Sauerteig in unseren „Lebensteig“. Und es ist Verheißung, dass der Sauerteig uns durchdringt. Das Wort Gottes will gestalt in uns bekommen und alles durchsäuern. Ein Teig braucht die rechten Umstände, um zu „gehen“ (Ruhe und Wärme). Auch wir brauchen diese Umstände, dass das Wort Gottes uns durch und durch verändern kann. An dieser Stelle mühen wir uns nicht vergeblich! Die Frage tut uns bestimmt gut: Wie weit werden wir schon vom Wort Gottes bestimmt? Gerade auch in den kleinen Dingen unseres Alltages.
8.3. Jesu Liebe wirkt – und wird in der Herrlichkeit vollendet
In den Kleinheiten unseres Lebens, auch unseres Gemeindelebens wollen wir uns den Blick auf die Herrlichkeit richten lassen. Das bewahrt uns vor beidem: 1. Dass wir uns mit allem Kleinen hier zu schnell zufrieden geben. Aber 2. auch: Dass wir uns immer nach dem Großen ausstrecken und das Kleine gering achten. Es kommt die Zeit (nach der Zeit eben – in der Ewigkeit), da werden sich viele Vögel im Reich-Gottes-Baum wiederfinden.
Dankbar sind wir, dass wir das jetzt schon zeichenhaft sehen. (Mission in der ganzen Welt). Noch dankbarer sind wir, dass wir das jetzt schon in Vollkommenheit glauben dürfen.