Monatsthema: Jesu Blick der Liebe
Predigtthema: Liebe lädt ein
Bibelstelle: Lukas 14, 15-24
Verfasser: Matthias Köhler
1. Der Zusammenhang
Der große Zusammenhang: Mit Lk 12,35 (Gleichnis vom treuen und untreuen Knecht) beginnen die Reden Jesu über das Thema: Wer darf teilhaben am Reich Gottes. Lk 12,49-53: Der Schnitt wird mitten durch die Familie gehen. Lk 13,1ff: „wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen“. Lk 13,22ff: Die enge Pforte.
Und im Anschluss an unser Gleichnis: Bedingungen der Nachfolge.
In diesem großen Zusammenhang wird eines aber ganz deutlich: Jesus sucht alle, mit allem Aufwand und mit aller Liebe. In Lk 15, dem großen Kapitel des Suchens Jesu, findet diese Wahrheit ihren stärksten Ausdruck.
Der engere Zusammenhang in Kap. 14: Unser Gleichnis schließt sich zwei anderen Reden an, die auch das Verhalten bei einem Festmahl zum Thema haben. In V. 12-14 fordert Jesus von uns nichts anderes, als was Gott selbst nach V. 15-24 auch tut.
Der Gastgeber der äußeren Handlung ist immer noch der „Oberste der Pharisäer“ aus 14,1.
2. Biblische Parallelen
Mt 22,1-4. Auch wenn dieses Gleichnis ein anderes ist als Lk 14, ist es doch inhaltlich sehr parallel.
Zum Festmahl als Bild des messianischen Freudenmahls:
Lk 13,28ff; Jes 25,6ff (Wichtig! Bitte lesen!); Mt 8,11; Lk 12,37; (Offb 19,7-9)
3. Der Aufbau des Textes
V. 15: Einleitende Frage eines Gastes.
V. 16+17: Fest und Einladung dazu durch den „Mensch“.
V. 18-20: Absagen der Geladenen
V. 21-23: Andere werden eingeladen: Von den Straßen und Gassen der Stadt und von den Wegen und Zäunen.
V. 24: hartes Urteil über die, die sich entschuldigten.
4. Einzelerklärungen
V. 15:
– „Glückselig…“ bedeutet: „Zu beneiden ist der, der…“; „Der hat’s gut, der…“
– „essen im Reich Gottes“: wörtl: „Brot essen“. Gemeint ist das große Abendmahl des Messias, das die Juden erwarteten für die Zeit, in der Gott geschichtlich in Erscheinung tritt. Vgl. oben angegebene Parallelstellen.
V. 16
Jesus nimmt als „Schauplatz“ für sein Gleichnis die Situation, in der er und seine Zuhörer sich gerade befinden. Wenn Jesus „großes Mahl“ sagt, denken die Zuhörer gleich an Jes 25,6ff. Mit dem „Menschen“, der einlädt, ist daher für alle erkennbar Gott gemeint.
V. 17
– Man muss wissen, dass im Orient solch ein Fest von langer Hand geplant wurde. Eingeladen wurde auf zwei mal: Die erste Einladung mit Festsetzung des Tages erfolgte weit im Voraus. Die Stunde, zu der die Gäste erscheinen sollten, wurde dann noch nicht mitgeteilt. Erst wenn am festgesetzten Tag alle Vorbereitungen getroffen waren, wurden Diener ausgesandt, um die bereits eingeladenen Gäste an ihr Kommen zu erinnern. Dass es sich im Gleichnis Jesus um genau solch einen Vorgang handelt, zeigt der Ausdruck: … um den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles Bereit.“
– „Kommt, denn schon ist alles bereit“. Da klingt schon das Wort Jesu vom Kreuz hervor „Es ist vollbracht“. In diesem Satz wird Evangelium deutlich: Gott bereitet uns alles zum Heil, wir müssen nur kommen.
V. 18-20
– Eine Einladung zunächst anzunehmen und ihr dann am festgesetzten Tage nicht zu folgen, galt als schwere Beleidigung des Gastgebers.
– Die Entschuldigungen sind sämtlich Vorwände und Ausreden. Der Termin war schon lange bekannt. Außerdem erscheint seltsam, dass keine der Ausreden wirklich eilt: Der Acker wird morgen noch der gleiche sein, die Ochsen auch. Auch die Frau wir am andern Tag noch da sein. Im Übrigen schaut man sich Ochsen oder einen Acker an, bevor man sie kauft.
– „halte mich für entschuldigt“ ist ein interessanter Ausdruck, über den wir nicht weggehen sollten: Manche Menschen stehen vor Gott und wollen sich entschuldigen. Es ist und bleibt aber nur ein Weg, sich vor Gott zu entschuldigen: Der des Glaubens daran, dass Gott es ist, der mich entschuldigt, nicht ich mich vor Gott.
V. 21
– Der Hausherr wird nicht traurig, sondern „zornig“. Das zeigt, dass es in diesem Gleichnis nicht um ein Abendessen geht oder um einen gesellschaftlichen Event, sondern um die Ehre Gottes. Er muss erleben, wie ihm andere Dinge und Personen vorgezogen werden.
Gerhard Maier: „Jesus rechnet also ganz klar mit dem Zorn Gottes, der alle seine Widersacher trifft (vgl. Röm 1,18ff; 1. Thes 1,10). Unser Zerrbild vom „lieben Gott“, der niemals zornig werden kann, ist das totale Gegenbild von dem Gott, den Jesus verkündigt hat.
– „die Straßen und Gassen der Stadt“. „Stadt“ meint die Stadt Jerusalem und damit ganz Israel. Angesprochen sind also die aus Israel, die nicht zu dem vornehmen Kreis gehören, die zuerst eingeladen waren. Auf den Straßen und Gassen sitzen die Bettler, auch sind wohl die Zöllner und Sünder gemeint. Nur im Gleichnis erscheint es so, als seien die Armen und Kranken nur deshalb eingeladen, weil die andern, die Reichen, nicht kommen wollten. Gott wollte alle, von Anfang an, ohne Unterschied zwischen Arm und Reich. In diesem Gleichnis hebt Jesus nicht ab auf die Armen, die als „Lückenbüßer“ eingeladen werden, sondern auf die Vornehmen, die die Einladung ablehnen!
V. 22 + 23
– „es ist noch Raum“ … „dass das Haus voll werde“. Im Himmel ist genug Platz für jeden.
– „die Wege und Zäune“: Damit weist Jesus hinaus auf die Fremden, d.h. die Heiden.
– „nötige sie, hereinzukommen“. Mit dieser Stelle ist in der Kirchengeschichte viel Unheil angerichtet worden, weil man das „Nötigen“ als „Zwingen“ verstanden hat. Nötigen meint aber das Überzeugen, liebende Werben, jemanden dazu bringen, ein Geschenk anzunehmen, das er aus Scheu ablehnen möchte.
– Wir haben hier eine der Stellen, in denen Jesus die Grundlage für die Heidenmission selbst gelegt hat. Obwohl für seine irdische Wirkungszeit galt: „Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafe des Hauses Israel.“ (Mt 15,24)
V. 24
Das ist eine klare Gerichtsaussage Jesu. Es gibt eben bei Gott dieses Nein, dieses Zuspät, das Verloren-Gehen.
5. Die Spitze des Textes
Die Liebe Jesu lädt ein, mit großer Geduld. Wir sind in erster Linie die geladenen Gäste. Erst in zweiter Linie sind wir „der Knecht“, der die Einladung an andere zu überbringen hat.
6. Der Text heute
6.1. In unserer „Multioptions-Gesellschaft“ (d.h. einer Gesellschaft, in der wir ständig die Qual der Wahl haben) ist die Gefahr auch für uns Jesus-Jünger groß, den Ruf und die Einladung Gottes an die zweite Stelle zu setzen.
6.2. Wo gehen wir an die Wege und Zäune. Wir glauben doch, was Jesus z.B. in Mt. 11,25+26 sagt: …vor Weisen und Verständigen verborgen … Unmündigen geoffenbart…
7. Beispiele und Verdeutlichungen
7.1. Jeder kennt die Enttäuschung und kann davon erzählen, wenn Gäste sich kurz vor einem gemeinsamen Fest oder Essen abmelden. Was, wenn wir Gottes Einladung kurzfristig absagen??
7.2. Was ziehen wir der Pflege unseres Gottesverhältnisses vor? Wohl nicht den Acker. Aber die Arbeit, den Handel. Man könnte in unseren Kreisen manchmal den Eindruck gewinnen, als hätte die Familie (=“die Frau“ in unserem Gleichnis) Gott schon längst den ersten Rang abgelaufen.
7.3. „Wo Liebe ist, da ist Gott“ – so las ich’s wieder einmal. In einer Zeitung wurde von einem Gottesdienst anlässlich des Valentinstag mit der Überschrift „Ti amo“ berichtet. Die Bibel sieht es anders: Wohin wir von Gott eingeladen sind, da ist Gott. V. 24 spricht da eine deutliche Sprache!
7.4. Vor einiger Zeit kam mit ein lichthupender Autofahrer entgegen. Ich fuhr sofort langsamer, da sah ich auch schon die Radaranlage. Ich war dem entgegenkommenden Autofahrer sehr dankbar! Deshalb reden auch wir sehr deutlich von der Einladung Jesu und von der Konsequenz, diese Einladung hinter die vordergründigen, zeitlichen Interessen zu stellen.
8. Material und Gliederung zur Predigt
Monatsthema: Jesu Blick der Liebe
Predigtthema: Liebe lädt ein
8.1. Ein sehnsüchtiges Wort
V. 15. Da hat’s einer kapiert. Und dazu noch einer, der wohl von den von uns so schlecht angesehenen Pharisäer. Er kannte die Verheißungen auf das messianische Freudenmahl.
Wir sollten hier dieses Mahl ausführlich schildern (vgl. die oben angegebenen Bibelstellen), vor allem Jes 25,6ff!
Aber für den Juden eine Aussicht mit langer Wartezeit und mit ungewissem Ausgang. Und mancher unserer Zeitgenosse wird ähnlich sehnsüchtig nach solch einer „irrealen“ Zukunft ausschauen.
8.2. Ein herrliches Wort
V. 17+21-23
„Kommt, denn schon ist alles bereit“: Wir müssen nicht nur sehnsüchtig darauf warten. Es ist schon bereit. Wir müssen auch nicht zusehen, wie andere auf dieses Fest dürfen. Wir(!) sind eingeladen.
An vielen Stellen in der Bibel finden wir die Wahrheit, dass alles bereit ist (z.B. Ps. 23,5; Jes 26,12(!)). Bis hin zu Golgatha, wo uns der Herr Jesus entgegenruft: Es ist (alles) vollbracht. (Joh 19,30, Ps. 22,32)
Wie unerwartet und unverdient kommt diese Einladung auf uns zu. Das muss uns wieder bewusst werden! Noch unerwarteter trifft es uns, die wir von den Wegen und Zäunen kommen und mit einer Einladung zum Festmahl Gottes gar nicht rechnen durften!
8.3. Ein tödliches Wort
V. 18-20+24
Beides ist tödlich: Die Ausreden der Eingeladenen – und das Gerichtswort Gottes über diese.
Wir wollen ohne es aufzubauschen aber deutlich auch darüber reden. (Bsp. mit dem warnenden Autofahrer)
Es ist eben nicht so, dass da, wo Liebe ist, auch Gott ist. Gott ist eben nur dort, wo er ist, und wohin er uns einlädt.
Wir müssen unsere Prioritäten überprüfen! Ziehen wir andere Dinge Gott vor – vielleicht auch nur als Ausrede?
Dabei keine platten Ranglisten machen. Sondern deutlich machen: Gott will nicht der Erste sein, danach die Familie, danach die Arbeit, danach die Gemeinde.
Sondern: Gott will an jeder Stelle, bei Gemeinde, bei Familie, bei der Arbeit an erster Stelle stehen.
8.4. Ein Wort mit Auftrag
Zuerst müssen wir unbedingt sehen, dass wir (nach Israel) die eingeladenen in diesem Gleichnis sind! Dann erst wird der Knecht zum Vorbild für uns:
Der Knecht kommt zurück und kann sagen: „Herr, es ist geschehen, wie du befohlen hast …“. Werden wir das auch sagen können in unserem Auftrag, an die Wege und Zäune zu gehen.
Uns ist dieser Auftrag theoretisch bewusst, dass wir gerade auch die, die nicht so an der Sonnenseite des Lebens stehen, einladen sollen. (Die andern natürlich auch!)
Schenke es der Herr, dass dieses Gleichnis nicht wieder ein Appell unter vielen bei uns wird, sondern ein mit Gottes Kraft gefüllter Befehl, der uns aufstehen lässt zum Zeugnis für Jesus. Wir wollen die Menschen nötigen. Nicht zwingen. Denn die Liebe des Christus drängt uns! (2. Kor 5,14)