Monatsthema: Jesu Blick der Liebe
Predigtthema: Liebe hat Geduld
Bibelstelle: Lukas 13,1-9
Verfasser: Matthias Köhler
1. Der Zusammenhang
ist uns gegeben in Lk 12, 57: „Warum richtet ihr aber auch von euch selbst aus nicht, was recht ist?“
Mit unserem Abschnitt zusammen und mit Lk 7,29f bekommt das einen ernsten Sinn: Die Juden (und wir?) richteten alles mögliche, nur nicht, was recht ist: nämlich sich selbst. Deshalb muss es Gott tun.
Aber, und darum soll’s in unserer Predigt gehen: Gott selbst tut in Jesus alles Erdenkliche, um echte Frucht, d.h. Umkehr zu Jesus, zu ermöglichen.
2. Biblische Parallelen
Zu 13,1-5:
Kl 3,22: „Die Güte des Herrn ist’s, dass wir nicht gar aus sind“
Hi 4,7ff (und viele andere Hiob-Stellen aus den Reden der Freunde)
Joh 9,1ff
Zu 13,6-9:
Mi 7,1ff; Joh 15,1ff; Jes 5,1ff
Zur Bedeutung von Weinberg und Feigenbaum (beides ist ein Bild für das Volk Israel) siehe Bibellexikon
3. Der Aufbau des Textes
2 Teile, die eng zusammengehören:
13,1-5: Ist Leid und Unglück folge der Sünde? Ja und Nein. Ja, weil Sünde Leid nach sich ziehen kann (nicht muss). Nein: Weil es für niemand einen Grund gibt, wenn ihm Schlimmes nicht widerfährt. Wer nicht umkehrt, wird genauso enden.
Wo liegt die Schuld des Volkes Israel?
13,6-9 gibt die Antwort:
Es ist keine Frucht, d.h. keine echte Bekehrung da. Der Umstand, dass der Weingärtner so viel für den Feigenbaum tut, macht diese Tatsache nur noch schlimmer.
4. Einzelerklärungen
V. 1 Welches konkrete Ereignis hinter dieser Erzählung stand, ist nicht mehr sicher bekannt. Wichtig ist auch nur: Es gab offensichtlich eine Auseinandersetzung der Truppen des Pilatus mit einer Gruppe Galiläern, die schon als rebellisch und „leicht entflammbar“ bekannt waren und gerade dabei waren, ihre Opfertiere zu schlachten. Diese Auseinandersetzung endete für viele der Galiläer tödlich.
Die Frage soll Jesus zu einer Aussage gegen die Römer provozieren.
V. 2 Jesus geht nicht auf die politische Frage ein, sondern stellt gleich die Gottesbeziehung der Fragenden in den Mittelpunkt: Das Wort „Sünde“ beschreibt diese Beziehung.
Jesus sieht auch Übeltaten von Menschen (hier von Pilatus) nicht als Taten von Menschen, sondern als göttliches Gericht.
V.3 Es geht Jesus um Bekehrung der Israeliten. Nicht um Politik.
„ebenso umkommen“. Kann heißen: Auch durch dir Römer umgebracht. Das wurde im Jüdisch-Römischen Krieg um 70 n.Chr. wahr.
Kann aber auch heißen: Ebenso durch Gottes Gericht. Wir müssen uns nicht für eines der beiden Möglichkeiten entscheiden: Gottes Gericht war durchaus die Niederlage der Juden im Römisch-Jüdischen Krieg.
V.4+5 Auch die von diesem Unglück betroffenen waren nicht schuldiger als die andern. „Aber auch nicht unschuldiger! Wenn alle Menschen Sünder sind, dann haben sie alle miteinander kein Recht auf Leben. Jeder muss damit rechnen, dass Gott ihm sein Leben nimmt.“ (Gerhard Maier)
Der erste, körperliche Tod ist dabei nicht einmal das Schlimmste. Das Umkommen im Endgericht, der zweite Tod ist weitaus schlimmer. Da gibt es aber nur ein Entrinnen: Umkehr, oder anders gesagt: Bekehrung.
V.6 Es war tatsächlich üblich, im Weinberg auch Bäume zu pflanzen.
Weinberg und Feigenbaum sind gebräuchliche biblische Bilder für das Volk Israel.
Frucht findet man am Feigenbaum beinahe das ganze Jahr über: Im Winter und Frühjahr die sog. Winterfeigen, im Frühsommer die Frühfeigen, danach die Sommer- und Spätfeigen bis zum Dezember. Außerdem ist der „Feigenbaum“ so fruchtbar, dass es selten vorkommt, dass ein normal belaubter Baum nichts trägt.“
Umso schlimmer, dass keine Frucht da war – bei Israel! – Und bei uns?
Frucht meint übrigens: Bekehrung. (Und nicht z.B. die Frucht des Geistes, die Folge der Bekehrung ist.)
V.7 Nach 3. Mo 19,23ff durfte bei neugepflanzten Bäumen 3 Jahre lang nichts geerntet werden. Wenn der Gutsbesitzer schon drei Jahre nach Frucht sucht, dann ist der Baum mindestens 6 Jahre alt. Welche Geduld!
Hau ihn um. Genauer: „Hau ihn heraus“. Mitsamt den Wurzeln. Es soll nichts mehr davon im Bode bleiben (und ihn „aussaugen“), und es soll nichts drin bleiben, das vielleicht neu treiben könnte.
V. 8 Warum sind wir noch nicht „gar aus“?
Antwort: „Die Güte des Herrn ist’s“ (Kl 3,22). Oder hier: Der Weingärtner tritt für den fruchtlosen Baum ein. Jesus will’s noch einmal mit Israel versuchen, ihm noch einmal besondere Zuwendung zukommen lassen. Nochmal große Geduld! Es gibt noch eine zweite Chance.
„Um ihn herum graben“ und „Mist werfen“ (so wörtl.) tut man normalerweise nicht bei normalen Bäumen. Auch ein Hinweis auf die besondere Mühe, die sich Jesus mit Israel macht.
V. 9
Es gibt die zweite Chance (s. V. 8). Aber eben auch die letzte! Umhauen bedeutet Endgericht, Verdammnis, wie in Joh 15, 6 „hinausgeworfen,… verdorrt; ….gesammelt und ins Feuer geworfen, … verbrennen“
5. Die Spitze des Textes
2. Thess 3,5: Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi.
Röm 2,4: Weißt Du nicht, dass die Güte Gottes dich zur Umkehr leitet?
6. Der Text heute
Der Text spricht deutlich zu Israel. Gott sei Dank gilt für uns nicht mehr: Wer keine Frucht bringt, wird rausgehauen. Aber das gilt immer noch: Wer in mir bleibt der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun (Joh 15,5).
Herausfordernd bleibt für unsere Predigt, dass wir nicht gesetzlich „Du musst Frucht bringen!“ predigen, als könnten wir das tun. Andererseits aber nicht zu anspruchslos werden, als könnte Jesus in und durch uns nichts tun.
Die Hilfe für diese Ausgewogenheit ist uns im Thema gegeben: Wir schauen nicht auf die (fehlende) Frucht des Feigenbaums, sondern auf die sehr geduldige, liebevolle Mühe des Weingärtners (= Jesus). Und es ist unser tiefster Wunsch und Zutun, dass diese Mühe an uns nicht vergeblich ist.
Obwohl der Zusammenhang zwischen Schuld und als Strafe verstandene Leiderfahrung wohl in jeder Predigt über dieses Thema ausdrücklich verneint wird, sitzt in vielen Christen dieses Denken noch sehr fest. Da braucht es klare, seelsorgerliche Worte im Sinn von Jes 53,5.
7. Beispiele und Verdeutlichungen
7.1. Die Situation in Israel vor der Zerstörung des zweiten Tempels war sehr ähnlich mit der vor der Zerstörung des ersten. Vgl. Mi 7,1ff
7.2. Lk 7,29.30 ist gutes Anschauungsbeispiel, wie man sich selbst rechtfertigt, und dabei den „Ratschluss Gottes für sich selbst wirkungslos“ macht, was zweifellos Gericht bedeutet – oder eben Gott Recht gibt in seinem Urteil über mich, und dadurch gerechtfertigt wird.
Kurz gesagt: Wer sich selbst richtet, wird von Gott gerechtfertigt. Wer sich selbst rechtfertig, wird von Gott gerichtet.
D.h. aber:
7.3. Woran erkennt man, ob man selbst echt Christ ist? Nicht daran, dass man nicht mehr sündigt. Sondern daran, dass man unter seiner Sünde leidet. (- und damit wieder Gott rechtfertig. siehe 7.2)
7.4. „Steter Tropfen höhlt den Stein.“
Biblisch müssten wir sagen: „Stete Liebe erweicht das Herz.“
7.5. Zu Röm 2,4: Weißt Du nicht, dass Gottes Güte Dich zur Umkehr leitet.
In einem Dorf lebte ein Christ, mit dem man allerhand Schabernack trieb. Man wollten den „Frommen“ ärgern und ihn auf die Probe stellen. Eines Tages trieben es die Dorfjungen besonders arg. Jemand kam auf die Idee: „Decken wir dem Sepp das Dach ab. Mal sehen, wie fröhlich er bleibt, wenn er morgens aufwacht und sein Dach ist fort!“ –
Gesagt, getan. In aller Vorsicht deckten sie über Nacht das Dach ab, blieben aber doch nicht unbemerkt. Der Sepp überlegte: „Schimpfen, die Polizei rufen, alle verhaften lassen?“ Nein, der Christ entschied anders. Als das Unternehmen beendet war und die jungen Leute sich verziehen wollten, stand plötzlich der Sepp in der Tür und sagte zu ihnen: „Ihr habt die ganze Nacht so schwer gearbeitet, jetzt braucht ihr erst mal ein ordentliches Frühstück. Kommt herein, ich habe alles gerichtet!“
Selbstverständlich haben die Burschen nach dem ausgiebigen Frühstück die Dachziegel wieder eingedeckt. So war das Dach wieder heil. Die Beziehung war nicht durch Hass oder Rache vergiftet. Und mancher der jungen Leute kam durch das Verhalten des Sepp zum Glauben an Jesus Christus. Was doch die Liebe vermag.
(Nach Axel Kühner, aus „Überlebensgeschichten für jeden Tag“, 12.8.)
Diese Geschichte ist sicher nur ein schwaches Bild: Wenn schon liebevolle Taten von Menschen uns umdenken lassen, wie viel mehr, wenn wir die Geduld der Liebe Jesu betrachten.
8. Material und Gliederung zur Predigt
Monatsthema: Jesus Blick der Liebe
Predigtthema (leicht verändert): Die Liebe Jesu hat Geduld
1. Keine Chance – zur Beurteilung fremden oder eigenen Leides
Wir müssen und dürfen das Leid oder auch das Glück, das uns widerfährt, nicht beurteilen. Es ist unabhängig von unserem Glauben, unserem frommen Verhalten oder unserer moralischen Über- oder Unterlegenheit. Die Frage in einem Unglück: „Warum geschieht mir das?“ ist falsch gestellt. Jeder Sünder, dem kein Unglück widerfährt, müsste sich eigentlich immer fragen: „Warum geschieht mir das?“. Und es gibt nur eine Antwort: Die Güte des Herrn ist’s, dass wir nicht gar aus sind.
Ernste Rede Jesu: Wir werden alle so enden! Wenn wir nicht die zweite Chance ergreifen:
2. Zweite Chance – Jesus ist Geduldig
Jesus gibt sich unendlich viel Mühe. Mit Israel – aber eben auch mit uns. Und es geht ihm nur um das eine: Frucht. Er weiß: Wir können keine Frucht bringen. Auch das muss er tun. Und er tut es. Deshalb können wir Buße tun, uns bekehren. Das ist die Frucht, die er sehen möchte. Und die allein uns rettet.
Die Liebe Jesu anschauen, darum soll’s uns gehen (Beispiele)
Es gibt die zweite Chance, weil Jesus vor dem Gutsbesitzer (Gott) eintritt für uns. Aber es gibt eben auch die letzte Chance:
3. Letzte Chance – auch sie geht zu Ende.
Die Situation des Volkes Israels vor der ersten und vor der zweiten Tempelzerstörung.
Und wie sieht’s bei mir aus?
Frucht ist dann sofort da, wenn wir Gott in seinem Urteil recht geben: „Hau ihn um“.
Bsp. aus Lk 7,29f.
Frucht ist dann da, wenn ich aufhöre, Frucht vor Gott „selbst“ zu erzeugen. Wenn ich beginne, nur noch auf die Frucht zu sehen, die Jesus hervorgebracht hat, damit ich sie als meine annehme.
Schluss:
Wer sich selbst rechtfertigt, wird von Gott gerichtet. Wer sich selbst richtet, wird von Gott gerechtfertigt.