Matthäus

Predigthilfe vom 8. Oktober 2017 – Matthäus 6, 11

Predigtthema:         Unser täglich Brot gib uns heute – „VATER UNSER“ Teil 5

Predigttext:              Mat 6,11 und Ps. 104,10-24 oder Joh 6,26-36 (Vorschlag zur Textlesung)

Die Predigthilfe zum Vater Unser enthält eine Einleitung und eine jeweils aktuelle Auslegung zum Text bzw. Thema. Wer bereits die Einleitung von den vorherigen Sonntagen gelesen und bearbeitet hat, kann direkt weiter gehen zu: 1.3 Anmerkungen zum Verständnis des aktuellen Predigttextes

Einleitende Gedanken – Was soll man da bloß predigen? 

Mancher fragt sich vielleicht: Warum muss man 9 Sonntag lang über das Vater unser (sechs Verse der Bibel) predigen? Wie soll man eine Sonntagspredigt gefüllt bekommen, wenn man nur einen Teil eines Verses oder Satzes als Textgrundlage zur Verfügung hat?

Keine Angst – die Bibel gibt uns genügend Material!

Lass Dich darauf ein, sei gespannt und staune selbst – was Gott Dir in der Vorbereitung schenken will.

Die Themenpredigt – was ist das?

Die Predigtreihe über das VATER UNSER gibt uns einen Einblick in die verschiedenen Themenbereiche, die Jesus in seiner Gebetsanleitung für seinen Jünger anspricht. Dazu dienen die jeweiligen Versteile des Textes als Ausgang. Verbunden mit weiteren Parallelstellen aus anderen Büchern der Bibel, wird sich das Verständnis und die Bedeutung des VATER UNSER vertiefen und uns praktisch Anwendungen geben.

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes.

Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum „VATER UNSER“.

  • Das „VATER UNSER“ ist eine Lehrstunde über das Gebet

Das Gebet ist immer ein Indikator für die Gottesbeziehung. Es ist das natürliche Gespräch zwischen einem Kind Gottes mit seinem Vater im Himmel. Wer nicht betet, schwächt seine geistliche Beziehung zu Gott und vergisst welch ein Vorrecht es ist mit dem heiligen Gott reden zu dürfen.

Jesus und sein Gebetsleben ist daher ein Vorbild für uns und lehrt uns die rechte Art und Weise des Gebetes. In den Evangelien erleben wir Jesus in seiner tiefen und lebendigen Beziehung zum heiligen Gott. Jesus betete in vielen Situationen – oft auch allein (Lk 6,12, 9,28-29). Sein vertrautes und vollmächtiges Gespräch (Gebet) mit dem Vater, war der Anlass, dass die Jünger selbst lernen wollten, so zu beten wie Jesus. (Lk. 11,1)

Das Vater UNSER ist also eine Antwort auf die Frage – wie man richtig betet.

  • Das „VATER UNSER“ ist eine Anleitung zum Gebet

Jesus sagt in Mt 6,9 „Deshalb sollt ihr auf diese Weise beten“. Jesus betont damit, dass das VATER UNSER kein vorformuliertes Gebet sein möchte, das man wörtlich runterbetet oder gar runterleiert. Vielmehr ist es eine Gebrauchsanweisung, die uns aufzeigt, welche Motivation, Inhalte und Ziele ein Gebet enthalten soll. Wir finden in Matthäus 6:

Mt 6,5             Motivation des Gebets       – aufrichtig, nicht wie die Heuchler

Mt 6,6             Orte des Gebets                  – verborgen, nicht zur öffentlichen Show

Mt 6,7             Form des Gebets                – überlegt, nicht wie die Gottlosen

Das VATER UNSER zeigt also die wesentlichen Inhalte eines Gebetes:

(In Klammer der Aufbau unserer Predigtreihe):

Mt 6,9             Adressierung            : An Gott den Vater

V.9a    Gottes Wesen (Predigt Teil 1: Vater unser im Himmel)

Mt 6,9-10       Orientierung: Zuerst kommen die Anliegen des Schöpfers

V.9b    Gottes Name (Predigt Teil 2: Geheiligt werde dein Name)

V.10a Gottes Reich  (Predigt Teil 3: Dein Reich komme)

V.10b Gottes Wille   (Predigt Teil 4:
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden)

Mt 6,11-13    Konkretisierungen: dann die Anliegen der Geschöpfe

 

V.11    Gegenwart: Versorgung  

(Predigt Teil 5: Unser tägliches Brot gib uns heute)

V.12    Vergangenheit: Vergebung

(Predigt Teil 6: Und vergib uns unsere Schuld)

(Predigt Teil 7: Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern)

V.13    Zukunft: Versuchung

(Predigt Teil 8: Und führe uns nicht in Versuchung

(Predigt Teil 9: Erlöse uns von dem Bösen)

  • Das „VATER UNSER“ ist ein prophetisches Gebet

Das Gebet greift die alttestamentlichen Verheißungen für das Volk Israel auf und richtet den Blick auf das kommende messianische Königreich auf Erden. Es ist ein weitreichendes Gebet, das über unser gegenwärtiges Gemeindezeitalter hinausgeht und seine Erfüllung durch das zweite Kommen Jesu erbittet (Mt 10a Dein Reich komme…).

Das VATER UNSER ist eingebettet im Kontext der Bergpredigt (Mt 5,1ff bis 7,28f), die eben dieses kommende irdische Königreich verkündigt. Wenngleich sich das Gebet vor allem an einen jüdischen Jüngerkreis richtet, so ist es kein ausschließliches Gebet für Israel. Auch die Gemeinde erwartet das zweite Kommen des Herrn und die Aufrichtung des 1000jährigen messianischen Königreichs hier auf Erden, in dem dann sein Wille wie im Himmel, so auch auf Erden geschehen wird (Mt.10b).

  • Das „Vater Unser“ ist kein frommes Gebetsritual

In Matthäus 6 spricht sich Jesus gegen eine falsche Frömmigkeit aus, die den Glauben vor den Menschen zur Schau stellen aber nicht im Herzen tragen. Jesus spricht

  • vom „rechten Almosen“ Mt 6,1-4
  • vom „rechte Beten“ Mt 6,5-15
  • vom „rechten Fasten“ Mt 6,16-18, welches im Verborgenen geschieht.

Das VATER UNSER soll eben nichts Aufgesetztes sein, das man in der Öffentlichkeit oder im Gottesdienst einfach betet um von Anderen gehört oder gesehen zu werden. Nur weil jemand das VATER Unser betet ist das noch kein Anzeichen von echter Frömmigkeit. Es besteht eher die Gefahr, dass das VATER UNSER durch eine feste Gottesdienstliturgie nur oberflächlich als ein traditionelles Gebetsritual herunter geplappert wird. Hier stellt sich die Frage, ob Jesus das wörtliche VATER UNSER für die Gemeinde wirklich angeordnet hat.

Wenn, dann kann das VATER UNSER nur im selben Sinn ein wörtliches Gebet sein, wie es die Psalmen (z.B. Ps. 23) auch sein können. Bibelabschnitte auswendig zu lernen oder Gottes Wort betend zu lesen ist eine wertvolle Hilfe – nicht nur in persönlichen Notzeiten. Doch die Motivation des Gebets ist und bleibt der entscheidende Faktor.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Sorg, Theo „Wenn ihr aber betet…“ 1989, Verlag Junge Gemeinde Stuttgart

Platte, Eberhard „Lehre uns beten, Herr (Gedanken zum Vater unser)“ 2011, Eigenverlag E.Platte, Wuppertal

Wasserzug, Gertrud „Vater-Unser-Betrachtungen über das Gebet des Herrn“ 1994, Schriftenmission Bibelheim Böblingen

Barclay, William: Matthäusevangelium 1 – Auslegung des Neuen Testamentes, Aussaat Verlag; Neukirchen Vluyn

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des aktuellen Predigttextes

Wir haben in den letzten Sonntagen die ersten drei Bitten im VATER UNSER behandelt. Dabei ging es in erster Linie um Gebetsanliegen, die sich auf Gott bezogen haben.

Wir sagten in der Einführung, dass diese Bitten zur Orientierung unserer Gebetsausrichtung und -motivation dienen.

  • Zuerst kommen die Anliegen des Schöpfers Mt 6,9-10 (Sein Name werde geheiligt! Sein Reich komme! Sein Wille geschehe!)

Bei den letzten fünf Bitten geht es jetzt um persönliche Anliegen des Beters. Es ist die Konkretisierung unserer Gebetsinhalte für was wir bitten sollen.

  • Jetzt geht es um die Anliegen der Geschöpfe Mt 6,11-13.

Es geht um die Gegenwart: die tägliche Versorgung (V.11), die Vergangenheit: die Vergebung der Schuld (V.12) und die Zukunft: die Bewahrung vor der Versuchung (V.13)

Die erste Bitte des Geschöpfes ist die Bitte um die Versorgung der Grund- und Lebensbedürfnisse des Menschen – es geht um die Existenzgrundlage!

„Unser täglich Brot gib uns heute“ möchte zunächst im wörtlichen Sinn verstanden sein.

Das Brot zum Leben – eine irdische Speise

Der Mensch besteht aus Erde, ist irdisch und isst irdisch. Er benötigt Nahrung (Brot). In der Brotbitte geht es um die tägliche Versorgung des Menschen. Es geht um das gemahlene Korn, das in die Erde gesät wurde, aufwächst und nach der Ernte zu Brot und Nahrung des Menschen verarbeitet wird. Es ist von jeher das Grundnahrungsmittel des Menschen. Martin Luther schreibt im kleinen Katechismus:

„DIE VIERTE BITTE – Unser tägliches Brot gib uns heute. Was ist das? Gott gibt das tägliche Brot auch ohne unsere Bitte allen bösen Menschen; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er’s uns erkennen lasse und wir mit Danksagung empfangen unser tägliches Brot.“

Gott ist der Geber des Brotes, der das Korn gedeihen und wachsen lässt, der in seiner Treue und Güte versprochen hat, dass weder Saat noch Ernte aufhören wird (1Mo 8,22).

Auch das alttestamentliche Beispiel von der wunderbaren Versorgung beim Auszug des Volkes Israel zeigt Gott als den Geber des himmlischen Brotes (vgl. 2.Mo 16, das Manna).

Ebenso die beiden wunderbaren Brotvermehrungen der 4000 und 5000 Männer in den Evangelien bezeugen Jesus als den Versorger und Erhalter des Lebens (Mk 6,35-44; 8,1-9). Aus Mitleid und Erbarmen gab er den Menschen das nötige Brot. Gott ist der Lebensspender und Lebenserhalter. Hinweis: Das Wunder von der Speisung der 5000 ist das einzige Wunder das in allen vier Evangelien steht (Joh 6).

Die Brotbitte enthält vielfache Gedanken

  1. Die Bitte bekennt, dass Gott der Vater den Menschen versorgt und wir von seiner Versorgung abhängig sind. Wenngleich er auch keinen Unterschied macht ob der Mensch gläubig oder ungläubig ist, ob er dafür bittet und dankt, oder es sein lässt (Mt 5,45). Aber Gott will für die einfachsten Dinge gebeten sein, auch wenn er weiß, dass der Mensch es benötigt (Mat 6,8f).
  2. Die Bitte um das tägliche Brot der Nahrung drückt Wertschätzung und Dankbarkeit zugleich aus. Es ist die Würde des Menschen, dass wir den Schöpfer um Brot bitten dürfen – das unterscheidet uns vom Tier, das ohne bitten und danken frisst. Nicht umsonst lehren wir unsere Kinder Bitte und Danke zu sagen. Dadurch drücken wir Dankbarkeit und Respekt gegenüber dem Schöpfer aus und dadurch wird unsere Beziehung zum himmlischen Vater familiär und freundschaftlich.
  3. In einer Gesellschaft in der die Äpfel im Regal liegen, das Geld auf´s Konto kommt, die Lebensmittel reichlich bei Aldi und Co zuhaben sind, die Pizza geliefert wird, das Gemüse im gefrorenen Fertigpäckchen jederzeit erreichbar oder auftaubar ist – da hat der Mensch kaum mehr einen Bezug zur Entstehung der Lebensmittel und der Natur. Dadurch lebt er in einer scheinbaren Unabhängigkeit! Doch Gott ist es, der das Gedeihen schenkt, die Natur gebraucht und zum Nährboden des Menschen macht und somit unsere Verantwortung gegenüber der Natur und den Früchten fordert.
  4. Die Bitte bekennt, dass die Versorgung keine eigene Errungenschaft ist, sondern eine Gabe der Güte Gottes (5Mo 8,16-18). Alle guten Gaben und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, dem Vater (Jak 1,17). Heute ist das für viele Menschen in der Zeit des Wohlstandes kaum nachvollziehbar. Schließlich hat man für Nahrung und Wohlstand selbst gesorgt und gearbeitet. Das tägliche Brot ist der Lohn für unsere Leistung, darum gönnt man sich das Schmausen und Schlämmen. Das überaus üppige Fressen ist ein Zeichen des Gerichtes Gottes über eine reiche Gesellschaft, die im Reichtum ihren Geber vergessen hat (vgl. Jak 5,5; Am 6,1.4-6; Jes 5,11ff;) Daher auch die Warnung von Paulus in Röm 13,13-14. Bei all den vielen Kochsendungen und Schlämmerangeboten will das VATER UNSER an den Geber erinnern.
  5. Die Bitte bekennt einen gemeinsamen Auftrag. Es heißt ja nicht mein täglich Brot, sondern unser täglich Brot gib uns heute. Somit verweist die Bitte auf die Versorgung der Lebensbedürfnisse aller Menschen hin. In Anbetracht der weltweiten Hungersnot und dass 2/3 der Menschheit sich nie sattessen kann, beinhaltet die Bitte, die Verantwortung und Notwendigkeit, die von Gott gegebenen Nahrungsmittel unter den Menschen weltweit gerecht zu verteilen. Hier versagt unsere Gesellschaft und unsere Menschheit, weil sich jeder selbst am nächsten ist. Wer die vierte Bitte im VATER UNSER ernsthaft betet, kann mit Lebensmittel nicht einfach verantwortungslos umgehen, sondern übernimmt Mitverantwortung vom Einkauf bis hin zum Verzehr und dem was er wegwirft.

 

Das Brot des Lebens – eine geistliche Speise

Wenn auch in erster Linie das VATER UNSER den wörtlichen Sinn vom täglichen Brot beinhaltet, so dürfen wir sicher auch den geistlichen Aspekt dahinter sehen. Der Mensch besteht eben aus Leib, Seele und Geist. Er ist irdisch und geistlich und benötigt daher irdische und geistliche Nahrung. Gott kümmerst sich um beides, um…

  • die leibliche Fürsorge für den äußeren Menschen durch die leibliche Speise/ Brot
  • die geistliche Seelsorge für den inneren Menschen durch die geistliche Speise/ Brot

Es wäre verkehrt die geistliche Bedeutung als die eigentliche Auslegung zu betonen. Eine geistliche Anwendung hebt die wörtliche Auslegung nicht auf! Beides gehört immer zusammen.

  1. Die Bibel sagt: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort das aus dem Munde Gottes hervorgeht“ (Mt 4,4; vgl. 5Mo 8,3) Wie das irdische Brot, so ist die geistliche Speise ein notwendiges Lebensbedürfnis. Das Wort Gottes ist unsere tägliche Nahrung, von dem ein Christ lebt, sich nährt und stärkt.
  2. Jesus selbst nennt sich das Brot des Lebens (Joh 6,35.48). Gott der Herr hat dieses Brot den Menschen zur Erlösung und Rettung geschenkt. Er wurde wie ein Korn in den Erdboden gelegt, begraben und zermahlen (Joh 12,24). Aus seinem Leib ist das wahre Brot des Lebens geworden (Joh 6,58).
  3. Oft macht die Bibel eine reale Situation zu einer geistlichen Lehrstunde. So lässt Gott z.B. Not- und Kriegszeiten, Katastrophen oder eben auch Hungersnöte zu (3Mo 26,26; Ps. 105,16; 5Mo 8,3f; Jes 3,1), weil er damit teils Züchtigung, Gericht oder die Umkehr der Menschen beabsichtigt. Der Prophet Amos spricht von einer wahren und doch auch geistlichen Hungersnot: „Siehe, es kommen Tage, spricht Gott, der HERR, da ich einen Hunger senden werde ins Land, nicht einen Hunger nach Brot, noch einen Durst nach Wasser, sondern darnach, das Wort des HERRN zu hören;“ (Am 8,11)

Die Brotbitte beinhaltet somit beides – dass der Vater uns das irdische Brot zum Leben und das geistliche Brot des Lebens täglich gibt.

Das tägliche Brot des Lebens eine nötige Grundversorgung

Es geht in der Bitte darum, dass Gott uns das Notwendige im Leben geben möchte.

  1. Die Bitte richtet sich einmal gegen das tägliche Sorgen (Mt 6,25; Phil 4,6; 1Pet 5,7; Ps 55,23). Der Mensch kann wie gelähmt werden in den Besorgungen des Lebensunterhaltes. Gott hat sich uns zugesagt und ermutigt, sich mit dem Vorhandenen zu begnügen (Heb 13,5-6). Die Bitte sagt dem Sorgengeist den Kampf an und ist gleichsam das Anliegen, dass der Herr Tag für Tag Sorge für uns trägt. Wir sind Empfänger und Verwalter, sei es viel oder wenig. Aber nur weil wir vielleicht nicht alles haben, fehlt uns etwas. Wir haben mehr als genug und vielleicht will Gott, dass wir mehr lernen zufrieden zu sein mit dem was er uns gibt (Phil 4,11ff. 18-19).
  2. Die Bitte beinhaltet auch ein aktives Arbeiten wollen. Wir sollen nicht nur beten und dabei das Arbeiten seinlassen. Beten und Arbeiten gehören zusammen. (Brot entsteht durch Gottes Gaben und menschliche Arbeit). Die Arbeit ist eine schöpferische Notwendigkeit und keine Folge des Sündenfalls (1Mo 2,5+15). Nur die Mühe und der Schweiß der Arbeit sind dessen Folgen aber nicht die Arbeit an sich (1Mo 3,19). Daher gehört das Arbeiten für den Lebensunterhalt wie auch das Gebet zusammen (2Thes 3,10).
  3. Die Bitte umschließt alle täglichen Bedürfnisse des Menschen und beinhaltet alle tägliche Notdurft. Martin Luther sagt dazu. „Was heißt denn tägliches Brot? Alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromm Gemahl, fromme Kinder, fromm Gesinde, fromme und treue Oberherren, gut Regiment, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.“

Ob am Arbeitsplatz, in der Ehe und Familie oder in der Gemeinde und Gesellschaft – die tägliche Brotbitte beinhaltet alles was wir täglich zum Leben benötigen.

Wir bitten und beten für…

  • unsere tägliche Arbeit und unsere Arbeitgeber und die Arbeitskollegen
  • die tägliche Dankbarkeit, Wertschätzung und Anerkennung für das was wir haben
  • einen täglichen Frieden und Schutz unserer Gesellschaft
  • die tägliche Luft zum Atmen und das Wasser zum Trinken (Landwirtschaft)
  • täglich für unsere Obrigkeit, die Regierung oder aktuell die Regierungsbildung usw.
  1. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Der wörtliche Sinn vom irdischen Brot steht im Vordergrund der Brotbitte. Man darf im Zusammenhang vom Bibeltext und der Bergpredigt den geistlichen Aspekt nicht voranstellen, wenn gleich er auch dazugehört und den Sinn vertieft.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Manche Gemeinden feiern den Erntedank-Gottesdienst evtl. erst an diesem Sonntag. Dann ließe sich der Bezug zur Bitte um das „tägliche Brot“ gut und einfach herstellen.

Man könnte aktuelle Zahlen über die weltweite Hungersnot nennen: Z.B. leiden momentan in Somalia, Südsudan, Kenia, Äthiopien und besonders im Jemen viele Millionen Menschen an akutem Nahrungsmittelmangel. Wie das Deutsche Rote Kreuz berichtet ist das Weideland verdorrt, Nutzvieh ist abgemagert oder verendet und Saatgut ist kaum vorhanden. Daher wird immer wieder auch zu Spenden aufgerufen. Hier wäre nach unserer Verantwortung im Umgang mit Lebensmitteln gefragt.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Unser Glaubens- und Gebetsleben lässt sich durch praktische Fragen prüfen. Manche falschen Gewohnheiten können dadurch hinterfragt und korrigiert werden.

  • Übe ich mich in Dankbarkeit und Fürbitte für die tägliche Versorgung von Nahrungsmittel, Arbeitsplatz, Gehalt und finanzieller Versorgung (1Thess 5,16)?
  • Wie ist das mit dem Tischgebet zu den Mahlzeiten (5Mo 8,10ff)?
  • Bin ich dankbar für Speisen, auch wenn ich sie nicht so mag?
  • Gehe ich verantwortlich mit Lebensmittel um, esse ich meinen Teller leer?
  • Achte ich darauf wie meine Kinder mit Lebensmittel umgehen, z.B. was geschieht mit den Pausenbroten?
  • Kauft man zu viel und falsch ein, quillt der Kühlschrank über und wirft deshalb verdorbenes Essen weg?
  • Essen wir über die Maßen oder auch ungesund?
  • Übe ich mich in der Verantwortung und Verpflichtung zum Allgemeinwohl in der Gesellschaft?
  • Gebe ich etwas von dem ab was ich habe, kann ich teilen, damit andere haben Apg. 20,35?
  • Beteilige ich mit bei Gemeindeessen und bring auch was mit oder komme ich nur zum Essen?
  • Gibt es Möglichkeiten die in meinem Rahmen liegen, Bedürftige zu unterstützen?
  1. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Dem Zuhörer sollen die konkreten Bitten im Blick auf die Gegenwart klar werden.

  • Es geht um das Bewusstwerden, dass wir von Gott dem Vater und seiner Güte abhängig sind. Er ist der Versorger!
  • Gottes Fürsorge für mein äußerliches Leben und Gottes Seelsorge für mein geistliches Leben möchte uns zur Dankbarkeit ermutigen.
  • Auch das tägliche Gebet für alles Notwendige, was wir zum Leben brauchen soll sich in einer freundlichen und familiären Beziehung zum Vater im Himmel ausdrücken.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Dass wir Gott den Vater um unsere täglichen Bedürfnisse bitten und dafür danken dürfen ist die Würde und das Vorrecht des Menschen und sollte daher auch unser Anliegen sein.

Die Bitte ist ein ernsthaftes Bewusstmachen meiner Abhängigkeit von Gottes Gaben und ein Realisieren, dass Gott das Selbstverständliche, Alltägliche und Lebensnotwendige ohne Bedingung gibt.

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

Das Gebet um das tägliche Brot

  • Ist eine Bitte für das Selbstverständliche
  • Ist eine Bitte für das Alltägliche
  • Ist eine Bitte für die Lebensnotwendige

Das Brot des Lebens

  • Ist eine leibliche Speise
  • Ist eine geistliche Speise
  • Ist eine tägliche Speise

Die Bitte um das tägliche Brot ist ein Bekenntnis

  1. Bekenntnis zur Leibhaftigkeit unserer menschlichen Existenz
  2. Bekenntnis zu den Schöpfungsordnungen Gottes
  3. Bekenntnis zur Verpflichtung und Mitverantwortung für Hungernde

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Liedvers:

Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand: der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf und träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf.

Refr.: Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!

(Entnommen aus dem Lied von Matthias Claudius (1783): „Wir pflügen und wir streuen (Alle gute Gabe)“)

Gedicht:

Sorg ängstlich nicht ums täglich Brot!

Gedenk, wie oft half Gott in Not!

Gib gläubig Gott die Ehre!

 

Sorg recht ums wahre Lebensbrot,

sei fest, wenn dir Versuchung droht,

hüt‘ dich vor falscher Lehre!

(Verfasser Unbekannt)

 

Zitate:

Ein Kassierer eines Missionswerkes sagte: „Der Herr zwingt mich immer wieder auf die Knie: Wir haben nie Geld in der Kasse, aber wenn eine Rechnung kommt, ist genau der Betrag da!“

 

„Ich habe nicht viel zum Leben, aber ich habe nie Mangel gehabt“

(aus „Lehre uns beten, Herr!“ Eberhard Platte)

 

Klaus Eberwein