Predigtthema: Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erde – „VATER UNSER“ Teil 4
Predigttext: Mat 6,10b und Mat 7,16-21 (Vorschlag zur Textlesung)
Einleitende Gedanken – Was soll man da bloß predigen?
Mancher fragt sich vielleicht: Warum muss man 9 Sonntag lang über das Vater unser (sechs Verse der Bibel) predigen? Wie soll man eine Sonntagspredigt gefüllt bekommen, wenn man nur einen Teil eines Verses oder Satzes als Textgrundlage zur Verfügung hat?
Keine Angst – die Bibel gibt uns genügend Material!
Lass Dich darauf ein, sei gespannt und staune selbst – was Gott Dir in der Vorbereitung schenken will.
Die Themenpredigt – was ist das?
Die Predigtreihe über das VATER UNSER gibt uns einen Einblick in die verschiedenen Themenbereiche, die Jesus in seiner Gebetsanleitung für seinen Jünger anspricht. Dazu dienen die jeweiligen Versteile des Textes als Ausgang. Verbunden mit weiteren Parallelstellen aus anderen Büchern der Bibel, wird sich das Verständnis und die Bedeutung des VATER UNSER vertiefen und uns praktisch Anwendungen geben.
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes.
Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
- Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum „VATER UNSER“.
- Das „VATER UNSER“ ist eine Lehrstunde über das Gebet
Das Gebet ist immer ein Indikator für die Gottesbeziehung. Es ist das natürliche Gespräch zwischen einem Kind Gottes mit seinem Vater im Himmel. Wer nicht betet, schwächt seine geistliche Beziehung zu Gott und vergisst welch ein Vorrecht es ist mit dem heiligen Gott reden zu dürfen.
Jesus und sein Gebetsleben ist daher ein Vorbild für uns und lehrt uns die rechte Art und Weise des Gebetes. In den Evangelien erleben wir Jesus in seiner tiefen und lebendigen Beziehung zum heiligen Gott. Jesus betete in vielen Situationen – oft auch allein (Lk 6,12, 9,28-29). Sein vertrautes und vollmächtiges Gespräch (Gebet) mit dem Vater, war der Anlass, dass die Jünger selbst lernen wollten, so zu beten wie Jesus. (Lk. 11,1)
Das Vater UNSER ist also eine Antwort auf die Frage – wie man richtig betet.
- Das „VATER UNSER“ ist eine Anleitung zum Gebet
Jesus sagt in Mt 6,9 „Deshalb sollt ihr auf diese Weise beten“. Jesus betont damit, dass das VATER UNSER kein vorformuliertes Gebet sein möchte, das man wörtlich runterbetet oder gar runterleiert. Vielmehr ist es eine Gebrauchsanweisung, die uns aufzeigt, welche Motivation, Inhalte und Ziele ein Gebet enthalten soll. Wir finden in Matthäus 6:
Mt 6,5 Motivation des Gebets – aufrichtig, nicht wie die Heuchler
Mt 6,6 Orte des Gebets – verborgen, nicht zur öffentlichen Show
Mt 6,7 Form des Gebets – überlegt, nicht wie die Gottlosen
Das VATER UNSER zeigt also die wesentlichen Inhalte eines Gebetes: (In Klammer der Aufbau unserer Predigtreihe):
Mt 6,9 Adressierung : An Gott den Vater
V.9a Gottes Wesen (Predigt Teil 1: Vater unser im Himmel)
Mt 6,9-10 Orientierung: Zuerst kommen die Anliegen des Schöpfers
V.9b Gottes Name (Predigt Teil 2: Geheiligt werde dein Name)
V.10a Gottes Reich (Predigt Teil 3: Dein Reich komme)
V.10b Gottes Wille (Predigt Teil 4:
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden)
Mt 6,11-13 Konkretisierungen: dann die Anliegen der Geschöpfe
V.11 Gegenwart: Versorgung (Predigt Teil 5: Unser tägliches Brot gib uns heute)
V.12 Vergangenheit: Vergebung (Predigt Teil 6: Und vergib uns unsere Schuld)
(Predigt Teil 7: Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern)
V.13 Zukunft: Versuchung (Predigt Teil 8: Und führe uns nicht in Versuchung
(Predigt Teil 9: Erlöse uns von dem Bösen)
- Das „VATER UNSER“ ist ein prophetisches Gebet
Das Gebet greift die alttestamentlichen Verheißungen für das Volk Israel auf und richtet den Blick auf das kommende messianische Königreich auf Erden. Es ist ein weitreichendes Gebet, das über unser gegenwärtiges Gemeindezeitalter hinausgeht und seine Erfüllung durch das zweite Kommen Jesu erbittet (Mt 10a Dein Reich komme…).
Das VATER UNSER ist eingebettet im Kontext der Bergpredigt (Mt 5,1ff bis 7,28f), die eben dieses kommende irdische Königreich verkündigt. Wenngleich sich das Gebet vor allem an einen jüdischen Jüngerkreis richtet, so ist es kein ausschließliches Gebet für Israel. Auch die Gemeinde erwartet das zweite Kommen des Herrn und die Aufrichtung des 1000jährigen messianischen Königreichs hier auf Erden, in dem dann sein Wille wie im Himmel, so auch auf Erden geschehen wird (Mt.10b).
- Das „Vater Unser“ ist kein frommes Gebetsritual
In Matthäus 6 spricht sich Jesus gegen eine falsche Frömmigkeit aus, die den Glauben vor den Menschen zur Schau stellen aber nicht im Herzen tragen. Jesus spricht
- vom „rechten Almosen“ Mt 6,1-4
- vom „rechte Beten“ Mt 6,5-15
- vom „rechten Fasten“ Mt 6,16-18, welches im Verborgenen geschieht.
Das VATER UNSER soll eben nichts Aufgesetztes sein, das man in der Öffentlichkeit oder im Gottesdienst einfach betet um von Anderen gehört oder gesehen zu werden. Nur weil jemand das VATER Unser betet ist das noch kein Anzeichen von echter Frömmigkeit. Es besteht eher die Gefahr, dass das VATER UNSER durch eine feste Gottesdienstliturgie nur oberflächlich als ein traditionelles Gebetsritual herunter geplappert wird. Hier stellt sich die Frage, ob Jesus das wörtliche VATER UNSER für die Gemeinde wirklich angeordnet hat.
Wenn, dann kann das VATER UNSER nur im selben Sinn ein wörtliches Gebet sein, wie es die Psalmen (z.B. Ps. 23) auch sein können. Bibelabschnitte auswendig zu lernen oder Gottes Wort betend zu lesen ist eine wertvolle Hilfe – nicht nur in persönlichen Notzeiten. Doch die Motivation des Gebets ist und bleibt der entscheidende Faktor.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Sorg, Theo „Wenn ihr aber betet…“ 1989, Verlag Junge Gemeinde Stuttgart
Platte, Eberhard „Lehre uns beten, Herr (Gedanken zum Vater unser)“ 2011, Eigenverlag E.Platte, Wuppertal
Wasserzug, Gertrud „Vater-Unser-Betrachtungen über das Gebet des Herrn“ 1994, Schriftenmission Bibelheim Böblingen
Barclay, William: Matthäusevangelium 1 – Auslegung des Neuen Testamentes, Aussaat Verlag; Neukirchen Vluyn
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des aktuellen Predigttextes
Die dritte Bitte im VATER UNSER eröffnet dem Beter einen Einblick in das Herz Gottes. Der Beter soll ein Verständnis für den Willen Gottes bekommen und sich im Gebet mit dem Willen Gottes auseinander setzen. Grundgedanke ist, dass im Gebet nicht Gott tun muss was ich will, sondern, dass ich Gottes Wille erkennen und seinen Willen zu meinem werden lasse. Wie schon Jesus selbst im Garten Gethsemane betete: „doch nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe!“ (Lk 22,42).
Prüfend könnten wir uns im Gebet also fragen:
- Wird durch mein Gebet Gottes Name geheiligt?
- Enthält mein Gebet die Anliegen vom Reich Gottes?
- Beinhaltet mein Gebet die Bitte, dass Gottes Wille geschehen soll?
Was ist der Wille Gottes?
Das „Ich will“ Gottes wird in großer Häufigkeit in der Bibel genannt. Ein kurzer Einblick in eine Konkordanz lohnt sich und zeigt auf, wie vielfältig Gottes „ich will“ beschrieben wird.
Gottes Wille war der Anlass zur Schaffung des Himmels und der Erde. Gott hat somit die Erde gewollt und Gottes Wille bestimmt auch deren Naturgesetze und Abläufe (Off, 4,11). Gottes Wille ist die Kraft die diese Schöpfung trotz aller menschlichen Zerstörung existieren lässt (Heb 1,3). Und Gottes Wille ist es auch dieser gefallenen Welt ein Ende zu machen (Jes 34,4; 2Pet 3,12).
Von der Schöpfung bis zur Vollendung lässt sich Gottes Wille durch alle Heilszeiten hindurch erkennen. Gottes Wille erwählte Abraham und das Volk Israel als Heilsträger für diese Welt. Gottes Wille sandte seinen Sohn Jesus Christus auf diese Erde. Gottes Wille ist der Opfertod Jesu am Kreuz. Gottes Wille war und ist die Erlösung des Menschen.
Man kann zu recht sagen: Gottes Wille ist der Ursprung und das Ziel aller Dinge.
Gottes expliziter Willensausruck steht in Verbindung mit der Erschaffung des Menschen. Das erste Mal genannt mit den Worten: „lasst uns Menschen machen“ (1Mo 1,26) und „Ich will ihm eine Gehilfin machen“ (1Mo 2,18).
Auf den letzten Seiten der Bibel finden wir explizit die Worte: „ich will dir die Frau, Braut des Lammes zeigen“ (Off 21,19) und „lasst uns fröhlich sein und jubeln und ihm die Ehre geben! Denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereit gemacht!“ (Off 19,7)
Auch hier wird deutlich, dass der Kern von Gottes Wille die Beziehung des Menschen zu seinem Schöpfer ist. Gott will die Wiederherstellung des Menschen in seinen Willen.
Weitere explizit genannte Willensausdrücke Gottes:
Die Errettung des Menschen: 1Tim 2,4; 2,25
Die Heiligung des Gläubigen: 1Thess 4,3
Die Dankbarkeit des Christen: 1Thess 5,18
Die Verkündigung der Erlösung: Mat 28,19; Mk 16,16; Apg 1,8
Die ewige Gegenwart bei Jesus: Joh 17,24
Die ewigen Segnungen in der Herrlichkeit: Off 21,6
Gottes Wille ist das Beste für den Menschen, denn Gottes Wille war das Leben und nur wer sich unter Gottes Willen stellt lebt wirklich (Joh 10,10).
Helmut Thielicke sagte: „Wo der Mensch an Gottes Willen vorbei lebt und sich seinem eigenen Willen anvertraut, verspielt er das Glück seines Lebens und verfehlt den Sinn seines Menschseins.“
Was ist der Wille Gottes nicht?
Man kann das Gebet „Dein Wille geschehe“ in verschiedenen Tonlagen beten.
Ein vielleicht oft auch falsches Verständnis vom Willen Gottes ist die Ansicht, dass der Menschen seinem Schicksal überlassen sei und einer falschverstandenen Souveränität Gottes unterworfen ist. Die Gefahr besteht, dass manche meinen der Wille Gottes ist ein…
- sich ergehen lassen in Gottes Schicksal
Nach dem Motto: Gottes Wille ist unser Schicksal. Damit macht der Mensch alle Geschehnisse im Leben zum Willen Gottes. Doch nicht alles was in dieser Welt geschieht oder uns persönlich zustößt ist Gottes Wille. Da die Welt von Gottes gutem Willen abgefallen ist treffen uns oft Dinge in unserem Leben, die weniger mit Gottes Wille zu tun haben, sondern Folge von Sünde sind oder gar Auswirkungen sind von unserem Eigenwillen. Wenn ich den Führerschein verliere, weil ich zu schnell gefahren bin oder meiner Ehefrau untreu geworden bin, ist das eine Folge meines Eigenwillens und nicht Gottes Wille. Falsch verstanden könnte „ich am Morgen noch gebetet haben: „dein Wille geschehe“ und mich nun gelassen zurücklegen und sagen: Gott hatte es ja so gewollt. Nicht auszudenken, wäre es ein mutwillig ausgelöster Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang, ein Verbrechen oder eine andere widergöttliche Tat. Wenngleich auch Gott das Unglück – gemeint ist die Folge von Sünde und Schuld – gebraucht (Am 3,6; Jes 45,7), Unheil zulässt und bewusst auch schafft, damit der Mensch zur Umkehr kommt – so können wir weder Gott für das Böse verantwortlich machen noch unseren Eigenwillen oder Sünde entschuldigen und mit Gottes souveränem Willen rechtfertigen.
Andere meinen es ist ein…
- leidvolles Ertragen von Gottes Willen
Zu oft und zu schnell werden böse Dinge wie Sünde, Streit, Spaltung, Krieg, Schmerz oder Leid Gott in die Schuhe geschoben. Warum lässt Gott das zu? Wie kann Gott das wollen? Wir können nicht beten: „Dein Wille geschehe“ und innerlich Gott für das leidvolle Erdulden unserer Situation beschuldigen. Wir werden dem VATER UNSER nicht gerecht, wenn wir enttäuscht und hinabsinkend beten „dein Wille geschehe“. In diesem Sinne verstehen oft Muslime die bekannte Aussage „Inschalla“ (so Gott will). Es wird zur schicksalhaften Vorherbestimmung Gottes, bei dem Gott jedem Menschen sein bestimmtes Maß an Glück, Leid, Freude oder Traurigkeit und Schmerz festgesetzt hat.
Gerade das VATER UNSER stellt uns schon in der Anrede den liebenden Vater vor Augen, der das Wohl seiner Kinder auf dem Herzen trägt (vgl. Mt 6,8f; Lk 11,9-11; Phil 4,6).
Wo soll Gottes Wille umgesetzt werden?
„Wie im Himmel so auf Erden“ macht deutlich, dass Gottes Wille bereits im Himmel umgesetzt wird. Wo der Wille des Herrn geschieht, da ist der Himmel, da ist das Reich Gottes. Im Himmel geschieht Gottes Wille und alles muss ihm dienen. Alle Wesen gehorchen seiner Stimme (Ps 103,20-21). Gott, der Schöpfer des Himmels und er Erde, hat sich alles untertan gemacht (5Mo 10,14; Neh 9,6; Jes 37,16).
Doch „wie im Himmel so auch auf Erden“ macht auch deutlich, dass Gottes Wille auf Erden noch nicht umgesetzt wird. Die Menschheit in dieser Welt ist von Gottes Willen abgefallen und der Fürst (Satan) dieser gegenwärtigen Weltzeit beeinflusst und beherrscht diese Menschheit mit seinem Willen (Eph 2,2). Dennoch steht Gottes Herzenswunsch und Wille fest, dass er seine Schöpfung wieder in den Urzustand zurückbringen wird. Gottes Ziel geht einher mit dem Kommen seines Reichs. Mit Jesus kommt der Wille Gottes auf Erden, kommt das Reich Gottes und wird der Himmel auf Erden Wirklichkeit werden.
Heute stehen wir in der Zwischenzeit – wo Gottes Wille im Himmel regiert aber eben noch nicht auf Erden umgesetzt wird. Noch ist die Erde geprägt vom „Ich will nicht“.
Rebellion gegen den Willen Gottes
Gott schuf den Himmel und die Erde, doch im Garten Eden kam das „Nein“ gegenüber Gott zur Welt. Dieses Nein ist die Rebellion gegenüber Gottes Wille und Wort. Bis dahin war im Garten Eden der Himmel auf Erden (daher das Paradies genannt). Doch nun waren Ungehorsam und das Nein gegen Gott die prägende und bestimmende Macht auf Erden. Bis heute leidet die Menschheit unter der Macht der Sünde (Sünde = Nein gegen Gottes Willen) und verschafft sich selbst viel Herzeleid und Unglück. Da dieses „Nein“ bereits schon einem Kind in die Wiege gelegt ist, benötigt es die Erneuerung unseres Herzens, das bereit ist Gottes Willen und Wort zu hören und zu tun (Lk 11,28).
Wie erkenne ich Gottes Willen?
Es möchte uns nochmals sehr bewusst werden, dass die Bibel nicht nur eine Geschichtsbeschreibung der Entstehung des Menschen, des Volkes Israels, des Lebens Jesu und der Ausbreitung der Gemeinde ist. Vor allem und das sollten wir nicht vergessen ist die Bibel die Verkündigung und Veröffentlichung des Willen Gottes an den Menschen. „Es ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert. Was anders als Recht tun, Liebe üben und demütig wandeln mit deinem Gott? (Mi 6,8)
Jemand sagte mal, als er auf der Suche nach Gottes Willen war: „Kann Gott nicht einfach einen Zettel vom Himmel fallen lassen, auf dem steht was ich tun soll?“ Darauf sagte ein anderer: „Gott gab nicht nur einen Zettel, sondern ein ganzes Buch!“
Klar, ganz so einfach ist es nicht, aber die Bibel gibt doch einige Hinweise wie ich Gottes Willen für mein persönliches Leben erkennen kann.
- Sei bereit und offen für Gottes Willen und Weg (Ps 86,11, 27,11). Wer nicht bereit ist sich von Gott etwas sagen zu lassen, wird Gottes Willen nicht annehmen können.
- Lies Gottes Wort und bete.
- Mache Jesus zu deiner ersten Priorität und setze dich für Gottes Sache ein (Mt 6,33)
- Frage um Rat bei geistlichen Menschen (Älteste der Gemeinde, reife Christen, Jugendleiter, usw.)
- Prüfe deine Motivation durch folgende Rückfragen:
- Ist das, was ich tun will im Einklang mit Gottes Wort?
- Fördert es meinen Glauben und meine Beziehung zu Jesus?
- Ist es für andere Menschen ein Vorbild für die Jesusnachfolge?
- Würde Jesus das auch tun wollen, was du willst?
- Wird dadurch Gott geehrt?
- Hast du einen inneren Frieden und eine Gewissheit darüber?
- Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Das VATER UNSER möchte uns ein Bewusstsein schaffen für den Willen Gottes.
Die Bibel offenbart und gibt Einblick in das Herz Gottes, in seine Ziele, Pläne und sein Verlangen.
Gottes Wille wird sichtbar in…
- Gottes Schöpfungswille – er will, dass es dich gibt
Gott ist der Anfänger und Vollender, das A und das O. Er ist der Schöpfer, der dich geliebt und gewollt hat. Unter seinem Willen ist die Welt geworden, unter seinem Willen wurde der Mensch geschaffen.
- Gottes Helferwille – er will, dass du gerettet wirst
Es gibt keinen Menschen auf Erden über den Gott nicht den guten Willen seiner Rettung hätte. Weil mit dem Sündenfall das menschliche Herz von Geburt an ein Nein gegenüber Gottes Willen hat, war es Gottes Wille, die Menschheit mit dem Tod seines Sohnes zu erlösen. „Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ (1Tim 2,4).
- Gottes Wille zur Vollendung – er will, dass du bist wo er ist
Gott will die völlige Wiederherstellung des gefallenen Menschen. Wer sich seinem Willen unterstellt, umkehrt, Buße tut und seinem Wort gehorcht und glaubt, ist auf dem Weg zur Herrlichkeit. Der Christ heute ist gerettet aber wird noch vollendet. Er ist erlöst von der Schuld der Sünde – aber Gottes Wille ist seine absolute Gegenwart (Joh 17,24; Off 21,3).
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
An diesem Sonntag, den 1.Oktober ist Erntedank!
Ein Bezug zum Willen Gottes lässt sich evtl. so herstellen.
Eine reichliche Ernte ist nicht allein der Tüchtigkeit der Menschen zu verdanken. Klar, wer nicht sät, der wird auch nicht ernten. Aber bei aller Mühe der Bauern und Landwirte ist es am Ende doch Gott, der das nötige Wetter und das Gedeihen schenkt. Erntedank erinnert uns, dass es Gottes Wille ist, der den Lauf der Jahreszeiten, sowie das Naturgesetz von säen und ernten bestimmt hat. „Von nun an soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht, solange die Erde besteht!“ (1Mo 8,22)
Gottes Wille gib uns Grund zur Dankbarkeit, denn Gottes Wille ist gut und nützlich zum Leben. Ohne Gottes Wille würde der Mensch aufhören zu existieren.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
Das Gebet „Dein Wille geschehe, wie im Himmel und auf Erden“ ist die Bitte, dass sich Gottes Wille zu allererst in meinem Leben geschieht. Da ich Teil der Erde bin, ist die Bitte eine konkrete Aufforderung, mich selbst dem Willen Gottes zu unterstellen.
Dein Wille geschehe in meinem Leben
Dein Wille bestimme mein Denken
Dein Wille leite mich in meinem Handeln
Einige praktische Anwendungen für Christen in Bezug auf Gottes Willen:
- Das Tun des Willen Gottes ist Kennzeichen wahrer Nachfolge (Mt 7,21)
- Gehorsam ist Kennzeichen der Familie Gottes (Mt 12,50)
- Gehorsam ist Nahrung, Stärke und Kraft (Joh 4,34)
- Gehorsam ist ein Begehren des wiedergeborenen Herzens (Ps 40,9)
- Es erfordert Erneuerung der Sinne um Gottes Willen zu erkennen (Röm 12,2)
- Wir sollen bitten, dass wir Gottes Willen noch mehr verstehen und tun (Kol 1,9)
- Wir möchten den Willen Gottes von Herzen tun (Eph 6,6)
- Gottes Wille steht im Gegensatz zu den Lüsten und moralischen Maßstäben der Welt (1Pet 2,15; 4,2)
- Sagen, wo es hingeht
- Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Anleitung zum Gebet im Vater Unsere möchte bewirken, dass wir uns in unseren Gebeten mehr auf Gottes Willen ausrichten.
Im Wort Gottes und im Gebet wird mein Wille an Gottes Willen reflektiert und wo nötig korrigiert.
Sich im Gebet Gottes Willen bewusst zu machen hilft mir zu begreifen, dass…
- Gott ein festes Ziel mit der Menschheit hat
- Gott eine feste Absicht hat mit der Menschheit an dieses Ziel zu kommen
- Gottes Plan und Ziel für uns offenbar ist, damit wir Trost und Orientierung darin finden
Die Predigt soll die Zuhörer herausfordern sich zu hinterfragen:
Verfolge ich Gottes Ziel oder mein Ziel?
Lebe ich nach Gottes Willen oder lebe ich im Eigenwillen?
Ist mein Denken und Handeln mit Gottes Willen im Einklang oder benötige ich Korrektur.
Mit welcher Haltung unterstelle ich mich Gottes Willen?
Wir können nicht beten Herr, dein Wille geschehe und doch tun und lassen was wir wollen!
Als Christen haben wir uns freiwillig dem Willen Gottes unterstellt. Gottes Willen im Alltag auszuleben bedarf unserer täglichen Hingabe zum Gehorsam und eine tägliche Erneuerung durch seine Gnade und Vergebung.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Der Gott der Bibel, wie er sich uns in Jesus Christus offenbart, hat einen Willen.
Dieser Wille ist für uns erkennbar und lässt sich in der Bibel finden.
Das VATER UNSER möchte deutlich machen, dass der einzelne Mensch das Ziel von Gottes Wille ist. Gottes Wille gilt mir, Gottes Wille will das Beste für mich, Gottes Wille hat für mich alles gegeben.
„Dein Wille geschehe“ ist nicht, sich dem Schicksal willenlos ergeben, sondern aktiv sich für Gottes Willen einsetzen und selbst sich ihm zu unterstellen und nach Gottes Willen leben zu wollen. Dein Wille geschehe ist ein Blick in Gottes Herz, ist der Wiederstand gegen den Eigenwillen und der Wunsch nach dem Himmel auf Erden.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
Um Himmelswillen
- Dein Wille geschehe in meinem Leben
- Dein Wille bestimme mein Denken
- Dein Wille leite mich in meinem Handeln
- Der Blick in Gottes Herz
- Der Wiederstand gegen den Eigenwillen
- Der Wunsch nach dem Himmel auf Erden
- Gottes Schöpfungswille – er will, dass es dich gibt
- Gottes Helferwille – er will, dass du gerettet wirst
- Gottes Wille zur Vollendung – er will, dass du bist wo er ist
Nach Theo Sorg:
- Gott und sein Wille
- Gottes Wille und der Gegenwille
- Gottes Wille und unser Wille
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Eine gläubige Frau brachte einmal einer Freundin gegenüber zum Ausdruck, dass sie unmöglich die Bitte „Dein Wille geschehe“ aussprechen könne, und wie sehr sie sich davor fürchte, es tun zu müssen. Sie hatte einen einzigen kleinen Jungen, der ein großes Vermögen erben sollte; er war der Götze ihres Herzens. Als sie ihre Schwierigkeiten beschrieben hatte, sagte ihre Freundin: „Angenommen, dein kleiner Charly käme morgen zu dir gelaufen und sagt: Mutti, ich habe mich entschlossen, dass du von jetzt an mit mir tun kannst, was du willst. Ich will dir immer gehorchen und einfach das tun, was du für das Beste hältst. Ich will deiner Liebe vertrauen.‘ Was wäre wohl deine Reaktion? Würdest du zu dir selbst sagen: So, jetzt habe ich die Gelegenheit, Charly unglücklich zu machen. Ich werde ihm seine Vergnügungen nehmen und sein Leben mit allem Schweren und Unangenehmen füllen, was ich nur finden kann. Ich werde ihn zwingen, das zu tun, was ihm am schwersten fällt und ihm unmögliche Befehle aller Art geben‘?“
„O nein, nein, nein!“ rief die empörte Mutter. „Du weißt, dass ich das nicht tun würde. Ich würde ihn an mein Herz ziehen und ihn mit Küssen bedecken und mein Teil tun, um sein Leben mit dem Schönsten und Besten zu erfüllen.“
„Und liebst du mehr und herzlicher, als Gott es tut?“, fragte ihre Freundin. „O nein! Ich sehe es ein. Natürlich brauchte ich keine Angst mehr davor zu haben, zu sagen: ,Dein Wille geschehe‘, genau so wenig wie ich will, dass Charley Angst hat, es zu mir zu sagen.“
Am Ende gibt es nur zwei Arten von Menschen: Die, die zu Gott sagen: „Dein Wille geschehe“, und die, zu denen Gott am Ende sagt: „Dein Wille geschehe“. Alle, die in der Hölle sind, wählen sie. Ohne diese Selbstwahl könnten sie nicht in der Hölle sein. Keine Seele, die ernstlich und inständig nach Gott verlangt, wird ihn verfehlen. Die, welche suchen, finden. Denen, die anklopfen, wird aufgetan. (C. S. Lewis, 1898-1963)
Klaus Eberwein