2.Chronik

Predigthilfe vom 24. September 2017 – 2. Chronik 17

Predigtthema: Persönliche Reformation: „Sein Herz gewann Mut auf den Wegen des Herrn“
(König Joschafat)

Predigttext: 2Chronik 17

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Finden wir z.B. in „Das Neue Testament“ erklärt und ausgelegt von John Walvoord und Roy Zuck (Hänssler-Verlag) und natürlich in diversen Studienbibeln, von denen man als Verkündiger verschiedene haben sollte.

Gerade bei alttestamentlichen Texten ist es wichtig, sich einen groben Überblick über die Geschichte Israels zu verschaffen. Dies findet man z.B. in einigen Studienbibeln (z.B. Genfer Studienbibel) als Einleitung zu den jeweiligen Bibelbüchern. Auch ist es hilfreich, sich die geographische Situation mit einem Bibelatlas vor Augen zu führen.

Geschichtlicher Abriss:

Nach Salomos Tod zerfällt das Königreich Israel in ein Nordreich (Israel) und ein Südreich (Juda) (2Chr 10). Die Geschichte der zwei Reiche ist von da ab von Kriegen und Auseinandersetzungen geprägt.

Über diese Zeit berichten sowohl das Buch der Könige als auch das Buch der Chronik. Das zweite Chronikbuch beschäftigt sich hauptsächlich mit den Königen von Juda, wohingegen das Buch der Könige von beiden Reichen berichtet, aber einen Schwerpunkt auf Israel legt. Im Buch der Könige wird Joschafat als Nachfolger seines Vaters Asa erwähnt (1Kö 15,24) und eine gemeinsame Geschichte von König Ahab (Israel) und König Joschafat wird berichtet (1Kö 22,41-51). 2Chronik widmet König Joschafat die Kapitel 17-20.

Der Vater Joschafats, König Asa, lebte mit Gott und handelte nach seinen Geboten (14,1). Er begann sehr umfangreiche Reformen in Juda: Er zerstörte viele heidnische Kultstätten in Jerusalem und in vielen Städten Judas (14,2-4; 15,8). Doch hielten diese Bemühungen nicht sein Leben lang an (15,17). Asa führte das Volk in Juda zu einer Erneuerung des Bundes mit Gott (15,12-19). Juda lebte unter der Regierung Asas in Frieden. Asa befestigte einige Städte während der Friedenszeit. Am Ende seines Lebens verbündete sich Asa gegen den Willen Gottes mit Syrien und hörte nicht auf den Propheten Gottes (16,1-10). Er wurde schwer krank und suchte nicht Gottes Hilfe, sondern die Hilfe von Heilern (16,12).

Joschafat regierte von 872-848 in Juda. Sehr wahrscheinlich regierte er 3 Jahre  noch zu Lebzeiten seines Vaters Asa mit ihm zusammen, da dieser schwer krank war.

Insgesamt regierte Joschafat 25 Jahre über Juda (20,31).

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Bräumer, Hansjörg.  Das zweite Buch der Chronik. Maier, Gerhard [Hrsg.] 1. Aufl.. Wuppertaler Studienbibel, Reihe: Altes Testament. – Wuppertal : R. Brockhaus Verlag. 2002.

Anmerkungen:

V1:

(A)„wurde mächtig gegenüber Israel“ (Luther 2017, Elberfelder, NEU)

bzw.

(B) „wurde mächtig in Israel“ (Einheitsübersetzung, GN):

Beides ist möglich.

(A) ist eher wahrscheinlich, da die Auseinandersetzungen zwischen Juda und Israel ein großes Thema sind.

(B) ist möglich. Dabei würde der Autor betonen, dass Juda das „wahre Israel“ ist. Dies ist auch an anderen Stellen der Fall (vgl. 15,17 und Parallele in 1Kö 15,14 – wobei auch diese Stellen genau untersucht werden müssen)

V3:

„Denn er ging auf den früheren Wegen seines Vaters David“ (Elb)

„denn er wandelte auf denselben Wegen wie vormals sein Vater David“ (Lut 2017)

„er folgte den früheren Wegen seines Vaters“ (EinheitsÜS)

„er folgte den früheren Wegen seines Vorfahren David“ (NEU)

Es ist nicht eindeutig, wie der Begriff „frühere Wege“ zu verstehen ist. Luther versteht es als „das Leben Davids damals“. 1.Sam 13,14 und Apg 13,22 betonen, dass David, ein Mann nach dem Herzen Gottes war.

Nach NEU und Elb ist eher zu verstehen, dass das Leben Davids in eine positive erste Phase und eine negative zweite Phase (der Ehebruch mit Batseba, Ermordung Urias (2Sam 11) und die verbotene Volkszählung (1Chr 21)) eingeteilt wird. Diese Einteilung ist aber eher schwierig.

In einigen alten hebr. Manuskripten findet sich das Wort „David“ nicht (vgl. EinheitsÜS). Dann wäre hier Asa gemeint. Dies passt sehr gut zur Geschichte Asas, der am Ende seines Lebens durch das Bündnis mit Syrien und die Weigerung, Gottes Hilfe in seiner Krankheit zu suchen, negativ beurteilt wird. Dies geht dem Kapitel unmittelbar voraus. In 2Chr 20,32 wird noch einmal herausgestellt, dass Joschafat „in dem Wege seines Vaters Asa“ wandelte.

„Baal“:

wörtl. „Herr“. Der Gott des Sturmes, die dominierende Gottheit in der kaananäischen Religion. Galt als Regenbringer und war damit eine Fruchtbarkeits-Gottheit.

Hier die Mehrzahl, da es versch. Repräsentationen von Baal an versch. Orten gab.

(Siehe auch Artikel in Bibellexika)

V4:

„nicht wie in Israel“:

  • Baals-Kult unter Ahab und Isebel (1Kö 16,29-33 und die Elia-Geschichten)
  • Anbetung von „Kälbern und Böcken“ (2Chr 11,15)

Der Autor der Chronikbücher stellt oft den Gegensatz her zwischen dem Nordreich Israel, das fremden Göttern dient und dem Südreich Juda, in dem es einige positive Könige gab, die sich an Gottes Gebote hielten.

V5

„Darum bestätigte der HERR das Königtum in seiner Hand“

In den Chronik-Büchern wird großen Wert darauf gelegt deutlich zu machen, dass Gott es segnet, wenn sein Volk – unter der Führung des Königs – nach seinen Geboten lebt. Dieser Segen zeigt sich in außenpolitischer Ruhe bzw. Sieg über die Feinde und Wohlstand. Hingegen wird ein König, der sich nicht nach Gott richtet mit militärischer Niederlage, Krankheit etc. bestraft. Diese Zusammenhänge werden sehr deutlich herausgestellt.

Dies ist mit Vorsicht auf unsere Situation zu übertragen. Auch heute noch segnet es Gott, wenn wir nach seinem Willen leben bzw. eine Gemeinde sich nach Gottes Willen richtet. Doch zeigt sich Gottes Segen nicht unbedingt in Wohlstand, Gesundheit und Erfolg. V.a. der Rückschluss, dass mangelnder Erfolg, Krankheit, fehlender Wohlstand auf Sünde zurückzuführen ist, sollte nicht gezogen werden. Jesus selbst hatte vordergründig nach außen zunächst wenig „Erfolg“, er wurde getötet. Auch die Apostel wurden zum großen Teil verfolgt und getötet. Auch wurden von Krankheiten nicht verschont.

Es ist wichtig, sich an dieser Stelle über diese komplexe Thematik Gedanken zu machen.

„Und ganz Juda gab Joschafat Geschenke“:

Die freiwilligen Geschenke – zusätzlich zu den Zwangsabgaben – der Judäer sind ein Zeichen ihrer Liebe zu Joschafat.

V6

„Aschera“

kanaanäische Muttergöttin, Göttin der Fruchtbarkeit – siehe Lexikon

„So ließ er in Juda die Opferhöhen und die Aschera-Pfähle wieder beseitigen.“:

scheint im Gegensatz zu stehen zu 20,33:

„Nur die Opferhöhen bestanden weiter, denn das Volk war noch nicht von Herzen auf den Gott seiner Väter ausgerichtet.“

Dies ist ähnlich wie bei seinem Vater Asa (s.o.). Am besten lässt sich dieser scheinbare Gegensatz damit erklären, dass das Volk diese Kultstätten immer wieder aufgebaut hat und Joschafat nicht „hinter her kam“, diese wieder zu zerstören (vgl. Unkraut, das wächst). Dies ist auch ein Beispiel dafür, dass das Volk Gottes eine ständige Reformation braucht und Reformation nicht ein einmaliger Akt ist.

V7-9

„im dritten Jahr“:

wahrscheinlich das erste Jahr als alleiniger Regent (s.o. „Geschichtlicher Abriss“)

„Obersten“ bzw. „Beamte“:

sie führten die „Lehr-Reise“ an und gaben der Unterweisung einen offiziellen Rahmen. Sie zeigten, dass diese Unterweisungs-Mission vom König angeordnet war.

„Leviten und Priester“:

Es war von Anfang an die Aufgabe der Leviten und Priester, das Volk Gottes im Wort Gottes zu unterrichten (3Mo 10,11; 5Mo 33,10; 2Chron 15,3)

„Gesetzbuch“:

Wahrscheinlich die 5 Bücher Mose

V10:

„Schrecken des Herrn“:

An den militärischen Erfolgen und seinem Reichtum erkannten die Völker um Juda herum, dass Gott mit Joschafat und dem Volk Juda war und erkannten die Macht Gottes.

  1. 13-19:

Eine Truppe von über 1 Millionen Soldaten scheint sehr hoch zu sein. Evtl. kann man es damit erklären, dass das Wort für „Tausend“ ein Fachbegriff sein kann, der sich auf wesentlich kleinere militärische Einheiten bezieht.

  1. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für situative Überlegungen

siehe „Geschichtlicher Abriss“

2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen

Es handelt sich bei unserem Text um eine alttestamentliche Geschichte des Volkes Israel (bzw. Juda). Dabei ist es wichtig, zuerst einmal die Geschichte in ihrer Zeit zu verstehen, ohne sofort zur Anwendung heute zu springen. So ist ein alttestamentlicher König eben nicht gleichzusetzen mit z.B. einem Gemeindeleiter in Deutschland.

Geistliche Prinzipien, die wir im Text entdecken, sollten daher immer am Neuen Testament geprüft werden. (Siehe auch die Anmerkung zu V5)

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen

Der Text ist nicht in einen fortlaufenden Predigttext eingebettet, sondern als Thema herausgegriffen.

Dies stellt uns als Prediger vor die Herausforderung, zum besseren Verständnis des Textes zumindest einen sehr groben geschichtlichen Abriss geben zu müssen. Gleichzeitig soll die Predigt keine Unterrichtsstunde in Geschichte Israels werden.

  1. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Ich halte diese Predigt…

… um die Gemeindeglieder zu ermutigen, mutige Leiter zu sein (und zu bleiben), durch die Gott die Welt segnen kann.

Als „Leiter“ wird nicht nur jemand verstanden, der Gemeindeleiter oder Gruppenleiter o.ä. ist. Auch eine Mutter oder ein Vater sind „Leiter“ ihrer Kinder. Es geht grundsätzlich darum, Verantwortung für andere Menschen zu haben, egal in welchem Umfeld und egal wie viele Menschen das sind.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

„Persönliche Reformation: Das Leben eines mutigen Leiters“

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

  • Ein mutiger Leiter achtet zuerst auf sein persönliches geistliches Leben (V3-5)
    • 1Ti 4,16 (Timotheus); Apg 20,28 (Älteste), Joh.21 (Petrus lässt sich von Jesus ansprechen)

 

  • Ein mutiger Leiter wird stark und mutig durch das Leben mit Gott (V6)
    • Apg. 2+3+4+5 (Petrus)

 

  • Ein mutiger Leiter kümmert sich um das geistliche Leben derer, die ihm anvertraut sind (V7-9)
    • Mt 28,19-20 (Jesus, Jünger); 1Ti 4,16 (Paulus); Apg 20,28 (Paulus)

 

  • Ein mutiger Leiter sorgt für eine kompetente Organisation und Versorgung (V2, 12-19)
    • Apg 6 (Apostel); Lk 9,14-17 (Jesus)

 

  • Ein mutiger Leiter zeigt der Welt, wer Gott ist und wer nicht (V6-11)
    • Apg.14,8-20 (Paulus); 1.Joh.4 (Johannes)

 

  • Ein mutiger Leiter weiß sich in allem von Gott abhängig (V3, 5, 10)
    • der „Erfolg“ Joschafats hing letztlich nicht an ihm, sondern am Segen Gottes
    • Phil 2,13, Eph 2,10

 

  • (Auch ein einst mutiger Leiter kann sich „verstricken“ (vgl. Kap.18-20))
    • Gal. 2 (Petrus)

(Günther Ott)