Matthäus

Predigthilfe vom 17. September 2017 – Matthäus 6, 10a

Predigtthema:         Dein Reich komme – „VATER UNSER“ Teil 3

Predigttext:              Mat 6,10a und 1Chr 29,10-12; Off 11,15-19 (Vorschlag zur Textlesung)

Einleitende Gedanken – Was soll man da bloß predigen? 

Mancher fragt sich vielleicht: Warum muss man 9 Sonntag lang über das Vater unser (sechs Verse der Bibel) predigen? Wie soll man eine Sonntagspredigt gefüllt bekommen, wenn man nur einen Teil eines Verses oder Satzes als Textgrundlage zur Verfügung hat?

Keine Angst – die Bibel gibt uns genügend Material!

Lass Dich darauf ein, sei gespannt und staune selbst – was Gott Dir in der Vorbereitung schenken will.

Die Themenpredigt – was ist das?

Die Predigtreihe über das VATER UNSER gibt uns einen Einblick in die verschiedenen Themenbereiche, die Jesus in seiner Gebetsanleitung für seinen Jünger anspricht. Dazu dienen die jeweiligen Versteile des Textes als Ausgang. Verbunden mit weiteren Parallelstellen aus anderen Büchern der Bibel, wird sich das Verständnis und die Bedeutung des VATER UNSER vertiefen und uns praktisch Anwendungen geben.

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes.

Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum „VATER UNSER“.

  • Das „VATER UNSER“ ist eine Lehrstunde über das Gebet

Das Gebet ist immer ein Indikator für die Gottesbeziehung. Es ist das natürliche Gespräch zwischen einem Kind Gottes mit seinem Vater im Himmel. Wer nicht betet, schwächt seine geistliche Beziehung zu Gott und vergisst welch ein Vorrecht es ist mit dem heiligen Gott reden zu dürfen.

Jesus und sein Gebetsleben ist daher ein Vorbild für uns und lehrt uns die rechte Art und Weise des Gebetes. In den Evangelien erleben wir Jesus in seiner tiefen und lebendigen Beziehung zum heiligen Gott. Jesus betete in vielen Situationen – oft auch allein (Lk 6,12, 9,28-29). Sein vertrautes und vollmächtiges Gespräch (Gebet) mit dem Vater, war der Anlass, dass die Jünger selbst lernen wollten, so zu beten wie Jesus. (Lk. 11,1)

Das Vater UNSER ist also eine Antwort auf die Frage – wie man richtig betet.

  • Das „VATER UNSER“ ist eine Anleitung zum Gebet

Jesus sagt in Mt 6,9 „Deshalb sollt ihr auf diese Weise beten“. Jesus betont damit, dass das VATER UNSER kein vorformuliertes Gebet sein möchte, das man wörtlich runterbetet oder gar runterleiert. Vielmehr ist es eine Gebrauchsanweisung, die uns aufzeigt, welche Motivation, Inhalte und Ziele ein Gebet enthalten soll. Wir finden in Matthäus 6:

Mt 6,5             Motivation des Gebets       – aufrichtig, nicht wie die Heuchler

Mt 6,6             Orte des Gebets                  – verborgen, nicht zur öffentlichen Show

Mt 6,7             Form des Gebets                – überlegt, nicht wie die Gottlosen

Das VATER UNSER zeigt also die wesentlichen Inhalte eines Gebetes:

(In Klammer der Aufbau unserer Predigtreihe)

Mt 6,9             Adressierung            : An Gott den Vater

V.9a    Gottes Wesen (Predigt Teil 1: Vater unser im Himmel)

Mt 6,9-10       Orientierung: Zuerst kommen die Anliegen des Schöpfers

V.9b    Gottes Name (Predigt Teil 2: Geheiligt werde dein Name)

V.10a Gottes Reich (Predigt Teil 3: Dein Reich komme)

V.10b Gottes Wille (Predigt Teil 4: Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden)

Mt 6,11-13     Konkretisierungen: dann die Anliegen der Geschöpfe

V.11    Gegenwart: Versorgung  (Predigt Teil 5: Unser tägliches Brot gib uns heute)

V.12    Vergangenheit: Vergebung  (Predigt Teil 6: Und vergib uns unsere Schuld)

(Predigt Teil 7: Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern)

V.13    Zukunft: Versuchung (Predigt Teil 8: Und führe uns nicht in Versuchung

(Predigt Teil 9: Erlöse uns von dem Bösen)

  • Das „VATER UNSER“ ist ein prophetisches Gebet

Das Gebet greift die alttestamentlichen Verheißungen für das Volk Israel auf und richtet den Blick auf das kommende messianische Königreich auf Erden. Es ist ein weitreichendes Gebet, das über unser gegenwärtiges Gemeindezeitalter hinausgeht und seine Erfüllung durch das zweite Kommen Jesu erbittet (Mt 10a Dein Reich komme…).

Das VATER UNSER ist eingebettet im Kontext der Bergpredigt (Mt 5,1ff bis 7,28f), das eben dieses kommende irdische Königreich verkündigt. Wenngleich sich das Gebet vor allem an einen jüdischen Jüngerkreis richtet, so ist es kein ausschließliches Gebet für Israel. Auch die Gemeinde erwartet das zweite Kommen des Herrn und die Aufrichtung des 1000jährigen messianischen Königreiches hier auf Erden, in dem dann sein Wille wie im Himmel, so auch auf Erden geschehen wird (Mt.10b).

  • Das „Vater Unser“ ist kein frommes Gebetsritual

In Matthäus 6 spricht sich Jesus gegen eine falsche Frömmigkeit aus, die den Glauben vor den Menschen zur Schau stellt, aber nicht im Herzen ist. Jesus spricht vom

  • „rechten Almosen“ Mt 6,1-4
  • „rechte Beten“ Mt 6,5-15
  • „rechten Fasten“ Mt 6,16-18, welches im Verborgenen geschieht.

Das VATER UNSER soll eben nichts Aufgesetztes sein, das man in der Öffentlichkeit oder im Gottesdienst einfach betet um von Anderen gehört oder gesehen zu werden. Nur weil jemand das VATER Unser betet, ist das noch kein Anzeichen von echter Frömmigkeit. Es besteht eher die Gefahr, dass das VATER UNSER durch eine feste Gottesdienstliturgie nur oberflächlich als ein traditionelles Gebetsritual herunter geplappert wird. Hier stellt sich die Frage, ob Jesus das wörtliche VATER UNSER für die Gemeinde wirklich angeordnet hat.

Wenn, dann kann das VATER UNSER nur im selben Sinn ein wörtliches Gebet sein, wie es die Psalmen (z.B. Ps. 23) auch sein können. Bibelabschnitte auswendig zu lernen oder Gottes Wort betend zu lesen ist eine wertvolle Hilfe – nicht nur in persönlichen Notzeiten. Doch die Motivation des Gebets ist und bleibt der entscheidende Faktor.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Sorg, Theo „Wenn ihr aber betet…“ 1989, Verlag Junge Gemeinde Stuttgart

Platte, Eberhard „Lehre uns beten, Herr (Gedanken zum Vater unser)“ 2011, Eigenverlag E. Platte, Wuppertal

Wasserzug, Gertrud „Vater-Unser-Betrachtungen über das Gebet des Herrn“ 1994, Schriftenmission Bibelheim Böblingen

Barclay, William: Matthäusevangelium 1 – Auslegung des Neuen Testamentes, Aussaat Verlag; Neukirchen Vluyn

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des aktuellen Predigttextes

Das VATER UNSERS richtet den Beter in der zweiten Bitte auf das Endziel Gottes aus. Oft stolpern wir mit unseren Bitten, Sorgen und Problemen ins Gebet. Hoffen, dass Jesus sich schnellstens unserer Wünsche und Anliegen annimmt. Doch hier geht es darum, dass der Beter sich der Anliegen Gottes annimmt und sich der Ziellinie Gottes bewusst wird.

Unsere Gebete benötigen Orientierung, darum geht es zuerst um:

  1. Geheiligt werde dein Name.
  2. Dein Reich komme.
  3. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.

Endziel von Gottes Heilsplan ist die Wiederherstellung des Reiches Gottes. Wenn nun Jesus seine Jünger im Gebet anleitet zu beten, dass das Reich Gottes kommen soll, stellen sich uns folgende Fragen:

Was ist das Reich Gottes? Wo ist das Reich Gottes? Wann kommt das Reich Gottes?

Hierzu wollen wir einige Zusammenhänge der Bibel betrachten (siehe auch in der Einleitung oben unter: 1.1. Das „Vater unser“ – ein prophetisches Gebet).

Was ist das Reich Gottes?

Das griechische Wort „basileia“ bedeutet Königreich oder Herrschaft und beinhaltet den Herrschaftsbereich einer Regierungsgewalt, die den Willen und Gehorsam von Untergebenen einfordert. Dazu benötigt jedes Königreich:

  • einen herrschenden König (Person)
  • eine königliche Macht bzw. Regierungsgewalt (Autorität)
  • ein Territorium bzw. ein Herrschaftsgebiet (Zeit und Ort)
  • ein Volk, welches dieser Königsherrschaft unterstellt ist (Untergebene)

Im Alten Testament wird Begriff Königreich im Zusammenhang mit irdischen Königsherrschaften der Welt verwendet. Insbesondere auch auf das Königreich Israels (1Sam 15,28; 24,21; 2Sam 7,16; 1Kön 2,12; 1Kön 11,35-37).

Dieses irdische Königreich, in dem der Herr und Messias selbst König sein soll, hat Gott in seinem Wort dem Volk Israel versprochen (1Mo 49,10; 1Mo 24,17).

In besonderer Weise wurde dieses Reich dem König David fest zugesagt (2.Sam 7,16-29; Ps 89,36ff).

David wusste, dass dieses Reich nicht in seinem Sohn Salomo bestand, sondern in Gott selbst (1Chr 29,11-16).

Von den Propheten wurde das Kommen des Königreiches einheitlich vorhergesagt (Jes 9,5-6; Jer 23,6; Dan 2,44; 3,33; 7,14; Ps 2,6-8; 68,33ff usw.).

Im Neuen Testament wird das Reich Gottes von Johannes dem Täufer als frohe Botschaft verkündigt (Mt 3,1-6). Das Wort „basileia“ wird in Matthäus mit Reich der Himmel übersetzt. Mit Jesu Menschwerdung wurde der König des Himmelreichs auf Erden geboren (Mt 2,2-3).

Das Reich wurde durch das Kommen des Herrn von Jesus selbst angeboten (Mt 4,23).

Die Bergpredigt ist das Regierungsprogramm und wird hier vorgestellt (Mt 5-7).

Das Reich finden in den Gläubigen, die Jesus annehmen seinen Anfang (Lk 17,20-21).

Das Reich war mit Jesus für die Zeit seines Erdenlebens sichtbar gekommen (Mt 12,28).

Das sichtbare Reich Gottes wurde aber durch die Verwerfung des sichtbaren Königs vorerst wieder von dieser Erde weggenommen (Lk 19,14; Mk 15,12).

Das Reich Gottes ist nicht von dieser Erde, sondern kommt vom Himmel (Joh 18,36).

Das Reich Gottes gleicht heute einem Geheimnis (siehe die Gleichnisse Mt 13).

Eingang in das Reich Gottes findet der Mensch durch Buße, Glaube und Wiedergeburt (Mt 3,2; Joh 3,3-5).

Das sichtbare Reich Gottes kommt mit dem sichtbaren Wiederkommen (2.Kommen Jesu, Mt 24,30) zur Aufrichtung des 1000jährigen Königreiches (Off 20,1-6).

Jesus wird dann erfüllen und vollenden wozu er gekommen ist und über Israel regieren (Lk 1,33).

Jesus wird als König der Welt die Völker richten (Mt 25,31; Ps 9,9; 96,13; Sach 14,9).

Die Jünger werden dann (nach ihrer Auferstehung) auf Thronen sitzen um Israel zu richten (Lk 22,29) und Jesus mit seinen Jüngern wieder vom Gewächs des Weinstocks trinken (Mt 26,29).

Wo ist das Reich Gottes?

Einfach und schlicht kann man sagen:

Das Reich Gottes ist immer da wo der König ist!

Gottes Reich ist dort wo Jesus Christus gegenwärtig ist und das Sagen hat. Gottes Reich ist der Be-Reich in dem Jesus als Herr und König herrscht, seine Liebe und Gerechtigkeit regiert und sein Wille geschieht und umgesetzt wird.

Das äußerliche und sichtbare Reich (Herrschaft) Gottes wurde abgelehnt und kam somit auf Erden noch nicht zur völligen Entfaltung. Darum steht die gegenwärtige Welt noch nicht unter Gottes sichtbarer Herrschaft, wenngleich auch der HERR die Fäden der Weltgeschichte in seiner Hand hält.

Mit dem ersten Kommen Jesu, seiner Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt existiert das Reich Gottes dennoch innerlich und verborgen in den Herzen der Gläubigen, die Jesus als Herrn und König ihres Lebens angenommen haben. Im einzelnen Gläubigen und in der Gemeinde wohnt und regiert Jesus. Hier wird stückweise Gottes Reich in aller Schwachheit sichtbar und erlebbar (Mt 5,14-16).

Die Gemeinde selbst hat heute den Auftrag Gottes Reich zu verkündigen und Menschen unter den Herrschaftsbereich Jesu einzuladen. Die Gemeinde geht und lebt dem kommenden Reich Gottes entgegen. Somit ist die Gemeinde nicht das Reich Gottes, sondern nur ein Teil des Reiches Gottes. Erst wenn Jesus sichtbar und äußerlich wiederkommt, wird das Reich Gottes auf Erden zu seiner ganzen Entfaltung kommen. Darum sollen wir im VATER UNSER bitten: „dein Reich komme“.

Wann kommt das Reich Gottes?

Die Jünger warteten auf die Wiederherstellung des Reiches, aber Jesus vertröstete sie auf eine spätere Zeit (Apg 1,6)

Petrus verkündigte die Wiederherstellung des Reiches und macht deutlich, dass mit der Zeit der Gemeinde das Reich Gottes noch nicht gekommen ist (Apg 3,21).

Paulus lehrte und verkündigte das Kommen des Reiches Gottes (Apg 28,31).

Der Schreiber es Hebräerbriefs weist darauf hin, dass Gottes Herrschaft noch nicht sichtbar durchgebrochen ist, sondern noch aussteht.

                   „…alles hast du seinen Füßen unterworfen. Indem er ihm aber alles unterworfen hat, hat er nichts übriggelassen, das ihm nicht unterworfen wäre. Jetzt aber sehen wir noch nicht, dass ihm alles unterworfen ist;…“  Hebr 2,8

Das VATER UNSER ist die Bitte, dass Gottes Herrschaft auf Erden sichtbar anbrechen soll. Die Bibel macht klar, dass erst mit dem Kommen des Königs, dem zweiten sichtbaren Kommen unseres Herrn Jesus Christus das Reich Gottes auf Erden aufgerichtet werden wird. Das VATER UNSER ist somit die ernsthafte Bitte auf das Wiederkommen des Herrn, so wie es der Geist Gottes selbst in den letzten Versen der Bibel erbittet (Off 22,17. 20).

Wie vorhergesagt kommt das Reich Gottes auf dieser Erde also erst noch (Off 12,10)!

  1. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Die heilsgeschichtliche Einordung des Reiches Gottes ist von wichtiger Bedeutung. Die Gegenwärtige Zeit verkörpert nicht das Reich Gottes oder schon gar nicht die sichtbare Herrschaft Jesu. Wenn in Mat 5,3 und 5,5 steht: „Glückselig sind die geistlich Armen, denn ihrer ist das Reich der Himmel!“ Oder: „Glückselig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben!“ – dann ist das eben noch nicht heute, sondern die Bekanntmachung für das kommende irdische messianische Reich des Sohnes und seiner Herrschaft hier auf Erden. Man kann schwer behaupten, dass sich dieses Reich Gottes momentan in der Gemeinde erfüllt. Denn die Gemeinde besitzt weder irdische Verheißungen, noch ein Erdreich oder gar erfüllt sich in der Gemeinde eine derart sichtbare Gottesherrschaft, wie es Jesus zu seiner Erdenzeit demonstrierte.

Die Propheten erkannten damals noch nicht die Zeit zwischen dem ersten und zweiten Kommen des Messias – sprich, die Zeit der Gemeinde wurde von den Propheten nicht beschrieben. Ihr Augenmerk lag auf dem sichtbaren Reich Gottes und eben nicht auf der Zeit der Gemeinde. Wenige Beispiele die hilfreich zum Verständnis sind und den Unterschied des ersten und zweiten Kommens Jesu verdeutlichen:

1. Kommen Jesus:

        Angebot des Reiches

Ablehnung des Messias –Es folgt die Zeit der Gemeinde 2. Kommen Jesu:

         Aufrichtung des Reiches

Jes 9,5    Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben; …

(Erster Versteil hat sich erfüllt und nun folgt eine zeitliche Unterbrechung)

Jes 9,6    Die Mehrung der Herrschaft und der Friede werden kein Ende haben auf dem Thron Davids und über seinem Königreich, …

(Zweiter Versteil, wird sich noch erfüllen)

Jes 11,1-2    Und es wird ein Zweig hervorgehen aus dem Stumpf Isais und ein Schössling hervorbrechen aus seinen Wurzeln… (erfüllt) Jes 11,3-4 …Er wird nicht nach dem Augenschein richten, noch nach dem Hörensagen Recht sprechen, sondern er wird die Armen mit Gerechtigkeit richten und den Elenden im Land ein unparteiisches Urteil sprechen… (nicht erfüllt)
Jes 61,1-2    Der Geist des HERRN, des Herrschers, ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden; …       um zu verkündigen das angenehme Jahr des HERRN… (Vgl. Lk 4,18f hat sich erfüllt, darum bricht Jesus hier das Zitat ab) Jes 61,2-3 …und den Tag der Rache unseres Gottes, und um zu trösten alle Trauernden; um den Trauernden von Zion zu verleihen, dass ihnen Kopfschmuck statt Asche gegeben werde… (noch nicht erfüllt)

 

Jer 23,5a          Siehe, es kommen Tage, spricht der HERR, da werde ich dem David einen gerechten Spross erwecken;
(erfüllt)
Jer 23,5b …der wird als König regieren und weise handeln und wird Recht und Gerechtigkeit schaffen auf Erden (noch nicht erfüllt)
Mal 3,1a  Siehe, ich sende meinen Boten, der vor mir her den Weg bereiten soll;

(Vgl. Mat 11,10 Jesus bricht das Zitat ab, weil es erfüllt ist)

Mal 3,1b und plötzlich wird zu seinem Tempel kommen der Herr, den ihr sucht; und der Bote des Bundes, den ihr begehrt, siehe, er kommt! spricht der HERR der Heerscharen (noch nicht erfüllt)
Sach 9,9 …Siehe, dein König kommt zu dir; ein Gerechter und ein Retter ist er, demütig und reitend auf einem Esel, und zwar auf einem Füllen, einem Jungen der Eselin.

(Vgl. Mt 21,4 das Zitat hört auf, weil es sich bis hierher erfüllt hat)

Sach 9,10    Und ich werde die Streitwagen aus Ephraim ausrotten und die Pferde aus Jerusalem; und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden; und Er wird den Völkern Frieden gebieten; und seine Herrschaft wird reichen von einem Meer zum anderen und vom Strom bis an die Enden der Erde (noch nicht erfüllt)

 

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Am kommenden Sonntag den, 24 September 2017 ist Bundestagswahl. Hier gibt sich die Gelegenheit zu einem Bezug oder Einstieg.

Wer wird Deutschland regieren?

Ein langer und harter Wahlkampf geht zu Ende und die große spannende Frage ist – wer übernimmt die Herrschaft im Bundeskanzleramt? Wessen Regierungsprogramm wird sich durchsetzen und wer wird in Zukunft das Geschehen bestimmen. Wessen Reich kommt?

Als Bürger wollen wir unsere Verantwortung vor Gott und der irdischen Obrigkeit wahrnehmen und unserem Wahlrecht nachgehen!

Doch genauso gilt, dass wir als Christen unserer Verantwortung und Pflicht gegenüber der himmlischen Obrigkeit nachkommen. Neben den irdischen Weltreichen existiert die Realität des himmlischen Reiches. Jeder Mensch steht vor der Wahl, nach welchem Regierungsprogramm er lebt und unter welche Herrschaft er sich stellt und nach welchem Reich er trachtet.

Jesus sagt: „Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden!“  Mt 6,33

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Neben dem Grundverständnis über das Reich Gottes ist die Charakterbeschreibung des Reiches für uns heute von aktueller Bedeutung. Wenn also das Reich Gottes in der Gemeinde angebrochen ist, wenn auch verborgen und nicht so sichtbar wie es mit Jesu Kommen sich erfüllt, so lässt sich das Wesen des Reiches Gottes wie folgt beschreiben.

  • Das Reich Gottes steht im Gegensatz zu den Reichen dieser Welt. Die Herrscher der Welt regieren mit Gewalt, Macht und lassen sich bedienen und fordern oft Menschenleben. Der himmlische Herrscher dagegen kam um zu dienen und sein Leben für andere zu geben (Mk 10,42-45). Weltliche Reiche werden von außen auf den Menschen aufgezwungen. Das Reich Gottes ist ein Angebot und breitet sich von innersten des Herzen nach außen hin sichtbar aus.
  • Das Reich Gottes will in mir persönlich aufbrechen. Es ist eine Erneuerung von innen. Jesus bietet jedem Menschen die Möglichkeit zur Buße und Umkehr (Mt 3,2). Diese ist Voraussetzung zur Erlösung und somit zum Eingang in das Reich. Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht ererben (1Kor 15,50). Darum braucht es eine Veränderung unsers Herzens, eine geistliche Wiedergeburt (Joh 3,3.5).
  • Das Reich Gottes zeigt sich im Halten von Gottes Willen. Wo Gottes Charakter gelebt wird offenbart sich Reich Gottes. Wo Christen bereit sind zur Vergebung, sich von der Liebe Gottes bestimmen lassen und Gerechtigkeit leben (Röm 14,7), erfahren die Menschen etwas von Gottes Kraft (1Kor 4,20). Wer nach Gottes Reich trachtet (Mt 6,33) trachtet nach der Umsetzung des Willens Gottes in seinem Leben. Das eigene Ich tritt in den Hintergrund und die Herrschaft Jesu im persönlichen Leben wird zur Tat am Nächsten.
  • Das Reich Gottes ist nicht für jeden Menschen. Menschen, die Gottes Herrschaft und Willen ablehnen oder bewusst ethisch und moralisch im Widerspruch zu Gottes Charakter leben, schließen sich von Gottes Gegenwart und Reich aus (1Kor 6,9-10; Eph 5,5; Gal 5,21).
  • Das Reich Gottes benötigt einen Herrschaftswechsel im Leben des Menschen. Jesus bietet den Wechsel vom Reich der Finsternis in das Reich des Lichts an (Kol 1,13). Wer Jesus als neuen Herrn des Lebens annimmt wird Teil seines Reiches, wird Mitarbeiter des Reiches (Kol 4,11). Er verhält sich so als wäre er schon im Reich Gottes (1Thes 2,12). Der Christ in der Gemeinde ist zwar noch nicht im Reich der Himmel, wenngleich wir geistlich bereits dazugehören bzw. dort hin versetzt sind (Eph 2,6; Phil 3,20). Aber als Kinder Gottes und Teilhaber seines Reichs, wollen wir unter der neuen Herrschaft, unter dem neuen Herrn und König bereits jetzt schon ein neues Leben für Christus leben. Ganz so wie es dem Wesen vom Reich der Himmel entspricht (1Thes 4,1.12; Eph 5,2.8; Kol 1,10; 2,6; 1Joh 1,6-7).
  1. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Wenn wir für das Kommen des Reiches Gottes beten, hat das drei Aspekte.

1) Es ist eine Bitte für mein Leben, dass sich Gottes Herrschaft in meinem Leben durchsetzt. Reich Gottes soll bei mir persönlich zuerst anbrechen. Es ist eine Bitte, dass ich persönlich befreit werde von Süchten und Zwängen, die mich evtl. noch unter der Herrschaft der Sünde gefangen nehmen (Röm 6,16-18).

Wer sitzt auf dem Thorn meines Lebens? Regiert noch mein Stolz, meine Bequemlichkeit, meine eigenen Maßstäbe, meine eigenen Ziele, mein Handeln und Denken?

  • Mein Leben benötigt einen Herrschaftswechsel, damit Gottes Reich in meinem Leben aufbricht.

2) Die Welt liegt im Reich der Finsternis und wird von Gewalt, Krieg, Terror und Tod beherrscht. Die Mächtigen der Welt ringen um die Weltherrschaft, bemühen sich um Frieden aber die Spannungen unter den großen Nationen (USA, Russland, Nordkorea, Europa, Türkei und der Nahe Osten) nimmt spürbar zu. Es scheint ein aufbäumen der irdischen Weltreiche zu sein, weil der verheißene Herrschaftswechsel und das Kommen des Reiches Gottes bald bevorsteht. Was keine Weltregierung bisher geschafft hat – den Frieden auf der Erde zu bringen – das wird Jesus mit seinem Reich vollbringen. Keine Menschen bewirken das Friedensreich auf Erden, sondern allein der wiederkommende Herr.

  • Die Welt benötigt einen Herrschaftswechsel, damit Gottes Friedensreich auf Erden anbrechen kann.

3) Die Bitte „Dein Reich komme“ fordert uns auf Gottes Herrschaft anzukündigen, unter den Menschen die frohe Botschaft der Erlösung bekannt zu machen und sie unter die Herrschaft Gottes einzuladen. Das Gebet kann und darf uns nicht regungslos lassen. Das Gebet beinhaltet die Aktivität am Reich Gottes teilzuhaben, nicht darauf zu warten, zu erbeten, sondern sich arbeitswillig dem Auftrag Gottes zur Verfügung zu stellen. Die Zeit zwischen dem ersten und zweiten Kommen Jesu ist Gottes Gnadenzeit für die Befreiung der Menschen. Wir sind gerufen stellvertretend verlorene Menschen in Gottes Reich einzuladen, damit sie gerettet werden.

  • Die Gemeinde benötigt einen Prioritätenwechsel, damit Gottes Reich und Evangelium zu den Menschen kommt.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Der Mensch lebt oft in seinem eigenen Reich, ist Herr und König seines eigenen Lebens. Will Eigentümer und Besitzer sein vom eigenen Gelände, Haus oder Auto. Mancher baut sich seinen eigenen Herrschaftsbereich in Familie, Beruf oder der digitalen Welt auf.

Die Predigt ruft zum Herrschaftswechsel auf, so dass mein eigenes Ich vom Thorn gestoßen wird und Jesus den Platz einnimmt, der ihm als König und Herr zusteht.

Nur dann wird ein Stück von Gottes Reich mitten in dieser Erde in meinem Leben und der christlichen Gemeinde sichtbar.

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

Der notwendige Herrschaftswechsel

  • Der Herrschaftswechsel meines Lebens
  • Der Herrschaftswechsel in der Welt
  • Der Prioritätenwechsel in der Gemeinde

Herrschaftszeiten

  • Eine neue Herrschaft
  • Ein neuer König
  • Ein neues Leben

Mach Gottes Anliegen zu Eigen

  • Ein Herzensanliegen Gottes – die Herrschaft seines Reiches
  • Ein Gebetsanliegen der Gemeinde – das Kommen seines Reiches
  • Ein Missionsanliegen des Christen – die Verkündigung seines Reiches

Dein Reich komme

  • Die Einladung ins Reich Gottes
  • Die Annahme des Reiches Gottes
  • Das Trachten nach dem Reich Gottes

Das Reich Gottes

  • Gestern – mit dem 1. Kommen Jesu angekündigt
  • Heute – in der Gemeinde gelebt
  • Morgen – mit der Wiederkunft Jesu auf Erden verwirklicht

Gottes Reich (nach Theo Sorg)

  • Betrifft dein Leben
  • Betrifft unsere Welt
  • Betrifft unsere Zukunft

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Dass Gottes Reich in Jesus Christ da ist, das glauben wir. Damit Gottes Reich durch den Dienst der Gemeinde wächst, darum arbeiten wir. Dass der Tag der sichtbaren Ankunft nach Gottes Verheißung erscheint, darauf hoffen wir. So glauben, arbeiten und hoffen wir mit dem Blick auf dieses Reich – und beten voller Zuversicht: „Dein Reich komme“.   (entnommen: Theo Sorg aus „Wenn ihr aber betet…“ S. 74)

DIE ZWEITE BITTE – Dein Reich komme.

Was ist das?

Gottes Reich kommt auch ohne unser Gebet von selbst, aber wir bitten in diesem Gebet,

dass es auch zu uns komme.

Wie geschieht das?

Wenn der himmlische  Vater  uns  seinen  Heiligen  Geist  gibt,  dass  wir  seinem  heiligen  Wort durch seine Gnade glauben und danach leben, hier zeitlich und dort ewiglich  (entnommen: Martin Luther, Kleiner Katechismus).

2006 war ich auf Missionsreise durch das riesige Land China. Unter anderem besuchte ich einige einheimische Kirchen und Gemeinden, darunter auch die staatlich anerkannte Dreiselbstkirche. Trotz ihres offiziellen Status ist jegliche Kinderarbeit verboten. Doch nicht nur das, sondern auch die Verkündigung oder die Predigt über das Zweite Kommen Jesu wurde untersagt. Die Botschaft vom kommenden König zur Aufrichtung seines irdischen Königreichs wurde von der chinesischen Regierung als Angriff auf die staatliche Obrigkeit interpretiert. China, das Reich der Mitte sieht somit das kommende Reich Gottes als Konkurrenz, wie einst Herodes der Große als er von der Geburt des Königs der Juden in Bethlehem hörte (von Klaus Eberwein).

Klaus Eberwein