Matthäus

Predigthilfe vom 10. September 2017 – Matthäus 6,9

Predigtthema:         Geheiligt werde dein Name – „VATER UNSER“ Teil 2

Predigttext:              Mat 6,9ff und Joh.14,13-14; 16,23-24 (Vorschlag zur Textlesung)

Einleitende Gedanken – Was soll man da bloß predigen? 

Mancher fragt sich vielleicht: Warum muss man 9 Sonntag lang über das Vater unser (sechs Verse der Bibel) predigen? Wie soll man eine Sonntagspredigt gefüllt bekommen, wenn man nur einen Teil eines Verses oder Satzes als Textgrundlage zur Verfügung hat?

Keine Angst – die Bibel gibt uns genügend Material!

Lass Dich darauf ein, sei gespannt und staune selbst – was Gott Dir in der Vorbereitung schenken will.

Die Themenpredigt – was ist das?

Die Predigtreihe über das VATER UNSER gibt uns einen Einblick in die verschiedenen Themenbereiche, die Jesus in seiner Gebetsanleitung für seinen Jünger anspricht. Dazu dienen die jeweiligen Versteile des Textes als Ausgang. Verbunden mit weiteren Parallelstellen aus anderen Büchern der Bibel, wird sich das Verständnis und die Bedeutung des VATER UNSER vertiefen und uns praktisch Anwendungen geben.

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes.

Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum „VATER UNSER“.

  • Das „VATER UNSER“ ist eine Lehrstunde über das Gebet

Das Gebet ist immer ein Indikator für die Gottesbeziehung. Es ist das natürliche Gespräch zwischen einem Kind Gottes mit seinem Vater im Himmel. Wer nicht betet, schwächt seine geistliche Beziehung zu Gott und vergisst welch ein Vorrecht es ist mit dem heiligen Gott reden zu dürfen.

Jesus und sein Gebetsleben ist daher ein Vorbild für uns und lehrt uns die rechte Art und Weise des Gebetes. In den Evangelien erleben wir Jesus in seiner tiefen und lebendigen Beziehung zum heiligen Gott. Jesus betete in vielen Situationen – oft auch allein (Lk 6,12, 9,28-29). Sein vertrautes und vollmächtiges Gespräch (Gebet) mit dem Vater, war der Anlass, dass die Jünger selbst lernen wollten, so zu beten wie Jesus. (Lk. 11,1)

Das Vater UNSER ist also eine Antwort auf die Frage – wie man richtig betet.

  • Das „VATER UNSER“ ist eine Anleitung zum Gebet

Jesus sagt in Mt 6,9 „Deshalb sollt ihr auf diese Weise beten“. Jesus betont damit, dass das VATER UNSER kein vorformuliertes Gebet sein möchte, das man wörtlich runterbetet oder gar runterleiert. Vielmehr ist es eine Gebrauchsanweisung, die uns aufzeigt, welche Motivation, Inhalte und Ziele ein Gebet enthalten soll. Wir finden in Matthäus 6:

Mt 6,5             Motivation des Gebets       – aufrichtig, nicht wie die Heuchler

Mt 6,6             Orte des Gebets                  – verborgen, nicht zur öffentlichen Show

Mt 6,7             Form des Gebets                – überlegt, nicht wie die Gottlosen

Das VATER UNSER zeigt also die wesentlichen Inhalte eines Gebetes:

(In Klammer der Aufbau unserer Predigtreihe):

Mt 6,9             Adressierung            : An Gott den Vater

V.9a    Gottes Wesen (Predigt Teil 1: Vater unser im Himmel)

Mt 6,9-10       Orientierung: Zuerst kommen die Anliegen des Schöpfers

V.9b   Gottes Name (Predigt Teil 2: Geheiligt werde dein Name)

V.10a Gottes Reich (Predigt Teil 3: Dein Reich komme)

V.10b Gottes Wille   (Predigt Teil 4: Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden)

Mt 6,11-13     Konkretisierungen: dann die Anliegen der Geschöpfe

V.11    Gegenwart: Versorgung  (Predigt Teil 5: Unser tägliches Brot gib uns heute)

V.12    Vergangenheit: Vergebung (Predigt Teil 6: Und vergib uns unsere Schuld)

(Predigt Teil 7: Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern)

V.13    Zukunft: Versuchung (Predigt Teil 8: Und führe uns nicht in Versuchung

(Predigt Teil 9: Erlöse uns von dem Bösen)

  • Das „VATER UNSER“ ist ein prophetisches Gebet

Das Gebet greift die alttestamentlichen Verheißungen für das Volk Israel auf und richtet den Blick auf das kommende messianische Königreich auf Erden. Es ist ein weitreichendes Gebet, das über unser gegenwärtiges Gemeindezeitalter hinausgeht und seine Erfüllung durch das zweite Kommen Jesu erbittet (Mt 10a Dein Reich komme…).

Das VATER UNSER ist eingebettet im Kontext der Bergpredigt (Mt 5,1ff bis 7,28f) die eben dieses kommende irdische Königreich verkündigt. Wenngleich sich das Gebet vor allem an einen jüdischen Jüngerkreis richtet, so ist es kein ausschließliches Gebet für Israel. Auch die Gemeinde erwartet das zweite Kommen des Herrn und die Aufrichtung des 1000jährigen messianischen Königreiches hier auf Erden, in dem dann sein Wille wie im Himmel, so auch auf Erden geschehen wird (Mt.10b).

  • Das „Vater Unser“ ist kein frommes Gebetsritual

In Matthäus 6 spricht sich Jesus gegen eine falsche Frömmigkeit aus, die den Glauben vor den Menschen zur Schau stellen aber nicht im Herzen tragen. Jesus spricht vom

  • vom „rechten Almosen“ Mt 6,1-4
  • vom „rechte Beten“ Mt 6,5-15
  • vom „rechten Fasten“ Mt 6,16-18, welches im Verborgenen geschieht.

Das VATER UNSER soll eben nichts Aufgesetztes sein, das man in der Öffentlichkeit oder im Gottesdienst einfach betet um von anderen gehört oder gesehen zu werden. Nur weil jemand das VATER Unser betet ist das noch kein Anzeichen von echter Frömmigkeit. Es besteht eher die Gefahr, dass das VATER UNSER durch eine feste Gottesdienstliturgie nur oberflächlich als ein traditionelles Gebetsritual herunter geplappert wird. Hier stellt sich die Frage, ob Jesus das wörtliche VATER UNSER für die Gemeinde wirklich angeordnet hat.

Wenn, dann kann das VATER UNSER nur im selben Sinne ein wörtliches Gebet sein, wie es die Psalmen (z.B. Ps. 23) auch sein können. Bibelabschnitte auswendig zu lernen oder Gottes Wort betend zu lesen ist eine wertvolle Hilfe – nicht nur in persönlichen Notzeiten. Doch die Motivation des Gebetes ist und bleibt der entscheidende Faktor.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Sorg, Theo „Wenn ihr aber betet…“ 1989, Verlag Junge Gemeinde Stuttgart

Platte, Eberhard „Lehre uns beten, Herr (Gedanken zum Vater unser)“ 2011, Eigenverlag E.Platte, Wuppertal

Wasserzug, Gertrud „Vater-Unser-Betrachtungen über das Gebet des Herrn“ 1994, Schriftenmission Bibelheim Böblingen

Barclay, William: Matthäusevangelium 1 – Auslegung des Neuen Testamentes, Aussat Verlag; Neukirchen Vluyn

  • Anmerkungen zum Verständnis des aktuellen Predigttextes

Nach der Adressierung des Gebetes (1. Predigtteil) folgt nun im zweiten Versteil die Orientierung mit der ersten von drei Bitten.

Mt 6,9             „Deshalb sollt ihr auf diese Weise beten:

Unser Vater, der du bist im Himmel!       (Teil 1. Adressierung)

Geheiligt werde dein Name.“                 (Teil 2. Orientierung)

Beachte: Alle drei ersten Bitten beziehen sich zuerst auf das Anliegen Gottes!

  • Dein Name werde geheiligt
  • Dein Wille geschehe
  • Dein Reich komme

Erst anschließend ab Mt 6,11 geht es um die Anliegen des Menschen.

Dein Name – Gott ist kein Namenloser:

Die erste Bitte beginnt nicht ohne Grund mit dem Hinweis auf dem Namen Gottes. Gott ist weder anonym noch will er unerkannt bleiben. Schon bei Mose am Dornbusch (2Mo 3,13-14) offenbarte er seinen herrlichen Namen JHWH (Jahwe = ich werde sein, der ich sein werde). Mit seinem Namen schafft Gott der HERR die Möglichkeit persönlich angesprochen zu werden. Mit seinem Namen lädt Gott zur persönlichen Begegnung ein! Mit seinem Namen tritt er in den Bund der Erlösung mit dem Menschen.

  • Sein Name lädt zur Anbetung ein: „DEIN NAME“ weist darauf hin, dass im Gebet zuerst von uns weggewiesen werden soll. Nicht ich, nicht mein, nicht wir und nicht unser steht am Anfang der Anbetung, sondern Sein Name, Sein Wesen, Seine Person und Seine Größe! (Ps 66,4; 96,2; 138,2)
  • Sein Name zeugt von einer Persönlichkeit: Nur Persönlichkeiten tragen Namen. Gott ist eine Person und kein ES, sondern eben ein ER. Es gibt große Namen und Persönlichkeiten in dieser Welt, was aber sind sie im Vergleich zu dem großen Namen der über alle Namen ist – JESUS. Mit dem Namen Gottes tritt die göttliche Person in den Mittelpunkt der Menschheit (Joh 1,14). Gott offenbart sich in Jesus und kommt dem Menschen entgegen. Name und Person lassen sich nicht trennen – wer über einen Namen spricht, spricht über seine Person.
  • Sein Name zeugt von Gottes Charakter: Mit Namen verbindet man auch gewisse Eigenschaften oder Wesensmerkmale. Die zahlreichen Namen Gottes sind eine Fundgrube über Gottes Wesen und Charakter. Beispiele verdeutlichen das:
    • Jahwe        „HERR“; Erlösergott                                   1Mose 2,4
    • Adonai         „Adon“ = Meister; „Adonai“ = mein Herr 1Mose 15,2
    • El Schadai „der allmächtige/allgenugsame Gott“      Mose 17,1
    • El Elijon „der höchste Gott“                                       Mose 14,19
    • El Roi „der Gott der mich sieht“                           Mose 16,13
    • Jahwe- jireh „der HERR wird ersehen“ Mose 22,13-14
    • Jahwe- rapha „der HERR der heilt“ Mose 15,16
    • Jahwe- shalom „der HERR unser Frieden“                Richter 6,24
    • Jahwe -raah, „der HERR mein Hirte“                       Psalm 23
    • Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Ewig-Vater, Friedefürst Jes 9,5

Kein Wunder, wenn der Psalmist sagt: „Groß ist sein Name“ (Ps 76,2; vgl. Jer 10,6).

  • In seinem Namen ist Heil und Rettung: Eigentlicher Höhepunkt ist, dass der Namen Gottes uns den Erlösergott offenbart (Ps 54,3; 79,9; Spr 18,10). Im Neuen Testament legt Jesus dar, dass er dieser Erlöser ist (Lk 2,11; Mat 18,11).
    • Auf seinen Namen hoffen die Heiden (Mat 12,21)
    • Der Name Jesus ist der Inhalt des Glaubens (Joh 1,12; 2,23; Apg 3,16)
    • Im Namen Jesu, sollen wir beten (Joh 14,12-13; 15,16; 16,23-24)
    • Allein in seinem Namen „Jesus Christus“ ist das Heil (Apg 4,12)
    • Im Namen Jesu haben wir Vergebung (Apg 10,43)
    • Seinen Namen sollen wir bekennen (Heb 13,15)
    • An seinem Namen sollen wir festhalten (Off 2,13)

Im VATER UNSER wird uns im Gottesnamen Jesus der Retter vor Augen gestellt.

Geheiligt – Gott gebührt die Ehre

Die erste Bitte enthält das Anliegen Gottes, dass der sündhafte Mensch angemessen und würdevoll mit seinem heiligen Namen umgehen soll.

Das Wort „geheiligt“ bedeutet so viel wie jemanden oder etwas als heilig, besonders zu behandeln oder als heilig oder besonders zu achten. Daraus lässt sich ableiten:

  • Heiligkeit schafft Herrlichkeit: Gott ist schon immer heilig (3Mo 11,44ff.). Gott ist Licht und ohne jegliche Finsternis (1Joh 1,5), er ist völlig rein, sündlos und makellos. Diese Heiligkeit zeigt sich sowohl in seinem Namen, als auch in seiner Person. Jesus Christus, der als Licht der Welt (Joh 1,5; 8,12) in unsere Finsternis kam, ist der Makellose und Sündlose (1Pet 2,22). In Ihm wurde die Herrlichkeit des Vaters (Joh 1,14) sichtbar. Wo Gottes Heiligkeit herrscht wird Gottes Herrlichkeit sichtbar (2Mo 15,11; Jes 6,3). Gläubige sollen Gottes Namen Ehre machen und den Namen, den sie tragen, heiligen – denn „Christen“ kommt von Christus! Geheiligt wird Gottes Name da, wo seine Kinder in der Heiligung leben (1Thess 4,3; 1Pet 1,16), denn nur so können sie Salz und Licht in dieser Welt sein (Mat 5,13+16) damit ein Stück von Gottes Herrlichkeit sichtbar wird. In dieser Bitte geht es also nicht darum Gott heiliger zu machen, sondern dass der Name Gottes, der schon heilig ist, nun auch bei uns persönlich geheiligt wird (3Mo 20,7f; 1Pet 3,15).
  • Heiligkeit schafft Respekt/ Ehrfurcht: Dazu gehört, dass der Mensch Gott als den Heiligen und Gerechten Richter fürchtet, weil er weiß, dass Gott jede Sünde verurteilt und jeden Menschen einmal zur Rechenschaft fordern wird (Röm 14,12; Jes 5,16; Ps 9,9). Wo Gott als heilig und der Mensch als Sünder erkannt wird, löst es Ehrfurcht aus (1Mo 3,10; Lk 5,8) und Ehrfurcht ist bekanntlich der Anfang der Erkenntnis Gottes (Spr 1,7+29; Ps 111,9-10). „Geheiligt werde sein Name“ bedeutet, Gott den gebührenden Respekt zu erweisen und sich als Beter auf die Seite Gottes zu stellen indem man Sünde und das Böse ablehnt, weil es Gottes Namen nicht entspricht (Spr 8,13; Jes 50,10). Ehrfurcht ist eine heilige Scheu, die Gott nicht als Kumpel sieht sondern als den heiligen Herrn. In dieser Haltung sollen auch wir Gott dienen (Heb 12,28).
  • Heiligkeit führt zur Anbetung: Was b Wahre Anbetung zeigt sich weniger im äußerlichen und punktuellen Lobpreis sondern vielmehr in einer Lebenseinstellung die Gott ehrt. Wer im alltäglichen Leben Gott den ersten Platz einräumt, ihn heiligt und achtet, dessen Leben ist Anbetung Gottes. Das Gebet enthält die Bitte, dass mein Leben Gott Ehre macht (Eph 1,12; 1Kor 10,31; Röm 15,7; 2Thess 2,11-12).

Werde – Gott wird sich noch mehr verherrlichen  

Das VATER UNSER ist ein Gebet, welches Gottes Anliegen und Ziel für diese Welt erbittet. Gottes Name soll den Platz einnehmen, der ihm als Schöpfer der Welt und Erretter der Menschheit zusteht (Gal 1,5; Jud 1,25; Off 5,13; 7,12).

  • In der Welt geschieht es noch nicht: Dein „Name werde geheiligt“, deutet darauf hin, dass Gott noch nicht die Ehre und das Lob empfängt, welche IHM zusteht. In der gegenwärtigen Weltzeit wird Gottes Name verspottet und verlästert (Jak 2,7; 2Pet 2,10; Off 13,6). Christen auf Grund ihres Glaubens verfolgt. Wie leichtsinnig wird oft der Name Jesus gebrauch und für alles Mögliche missbraucht. Was Gott heilig ist wird teils selbst von „Christen“ und „Kirchen“ entheiligt und entweiht. (z.B. Ablehnung vom biblischen Eheverständnis, verdrehter Umgang mit Enthaltsamkeit, Ablehnung vom Alleinanspruch Jesu als alleinigen Retter).
  • In der Gemeinde hat es angefangen: Gottes Ziel, seinen Namen heilig zu machen, erfüllt sich heute schrittweise in der Gemeinde. Hier nimmt der Name Jesus bereits jetzt schon eine besondere Stellung ein (Eph 3,21; Phil 1,11; 2Kor 4,15). Wenn auch noch in Schwachheit und mit Begrenztheit, so ist Gottes Reich in der Gemeinde angebrochen. In der Gemeinde soll Gottes Name geheiligt und verherrlicht werden (2Thess 1,12; 1Kor 6,20). Doch Paulus warnt vor der Tendenz und der Gefahr, dass Christen Gottes Name vernachlässigen (Röm 2,24; 1Tim 6,1; Tit 2,5ff; 1Pet 3,16). Wie sehr hat die Gemeinde heute diesen Hinweis nötig! Über die Gemeinde in Pergamus sagt Jesus: „Ich kenne deine Werke und [weiß,] …dass du an meinem Namen festhältst und den Glauben an mich nicht verleugnet hast,“  (Offb 2,13)
  • Im messianischen Reich Gottes wird es auf Erden vollendet: Das VATER UNSER ist die Bitte, dass einmal alle Völker auf Erden erkennen wer Gott der HERR ist. Der Herr Jesus Christus wird sich dann als der HEILIGE erweisen, wenn er sichtbar wiederkommen wird um sein Reich auf Erden aufzurichten. Dann werden sich die alttestamentlichen Verheißungen erfüllen und sein Name unter allen Völkern geheiligt sein (Ps 46,11; Hes 38,22f; Mal 1,11; Jes 5,16; Joel 4,17; Micha 5,3; Off 15,4). Aus der Geschichte wissen wir, dass durch ein unwürdiges Verhalten des Volkes Gottes sein Name entheiligt wurde (Hes 36,23). Doch dann wird Gott sich auch an Israel als der Heilige erweisen (Hes 28,22). Paulus sagt im Blick auf das kommende messianische Reich, dass „alle Knie sich beugen werden…und alle Zungen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters“ (Phil 2,10-11). Diese Erfüllung steht also noch aus!
  1. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Zu beachten ist, dass das VATER UNSER heilsgeschichtlich einzuordnen ist. Die letztendliche Erfüllung wird sich mit dem Kommen Jesu ereignen.

Für die Gemeinde ist das Gebet:

  • Eine Ausrichtung auf den wiederkommenden Herrn und sein irdisches Reich.
  • Eine Orientierung für das geistliche Reich Gottes, das in der Gemeinde schon angebrochen ist. Wo Jesus im Glauben aufgenommen wird ist Reich Gottes und daher soll auch in der Gemeinde sein Name geheiligt und in Ehre gehalten werden.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Begriffe wie Heilig, Ehrfurcht oder auch die Bedeutung des Namens sollten gut und verständlich erklärt werden. Beim Begriff „Heiligkeit“ mag der eine oder andere vielleicht an das „heilige Blechle“ der Schwaben (Mercedes) denken.

Als Einstieg in das Thema könnte eine Frage dienen: Was ist dem Menschen heilig?  Z.B. der Feierabend, der Jahresurlaub, das Auto, das Haus.

Veranschauliche die Bedeutung von großen Namen in der Welt durch Beispiele bekannter Persönlichkeiten. Womit versuchen sich Menschen heute einen bleibenden Namen zu machen?

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Die erste Bitte im VATER UNSER rückt den Namen Gottes in den Mittelpunkt.

Viele beten heute nur noch zum lieben Gott, doch unser Gott hat einen Namen – Jesus Christus, diesen sollten wir im Gebet nennen und bekennen (Mt 10,32).

Viele beten und bringen zuerst ihre Anliegen und Sorgen vor Gott, anstatt zuerst den Namen Gottes anzubeten. Zuerst sollte uns bewusst werden, dass wir im Namen Jesu Rettung, Vergebung und Zugang zum Vater haben.

Viele beten schnell und unüberlegt, vielleicht aus einer falschen Motivation heraus. Im Namen Jesus werden unsere Anliegen in Gottes Heiligkeit beurteilt, gefiltert, gereinigt.

Kann ich das was ich bete im Namen Jesu beten?

Ist das was ich von Gott erbitte etwas was Ihm Ehre macht?

Dient mein Anliegen dazu, dass Gottes Namen geheiligt wird?

Im Namen Jesu zu beten (Joh.14,13-14; 16,23-24) ist keine magische Gebetsformel sondern das Einswerden mit dem Willen und den Anliegen Gottes.

  1. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Vergessen wir nicht, das VATER UNSER ist eine Gebetsanleitung.

Im Zweiten Teil der Predigtreihe geht es um Orientierung.

Zuerst kommen die Adressen – wir beten zum Vater, dann wollen wir um Gottes Herzensanliegen bitten (sein Name, sein Wille und sein Reich).

Bevor wir im Gebet unsere Bitten, Nöte und Wünsche äußern, sollten wir seinen Namen heiligen, anbeten und unseren Blick von uns weg zuerst auf Jesus richten. Damit machen wir Gottes Anliegen zu unserem Anliegen.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Wenn wir beten dürfen wir uns an die Reihenfolge halten:

  • Gottes Name an die erste Stelle zu setzen – im Gebet geht es nicht um meinen Namen oder um meine Ehre.
  • Um Gottes Ehre und Heiligkeit bitten – unsere Herzenshaltung und unsere Anliegen sollen in der Heiligkeit Gottes geprüft werden.
  • Unsere Anliegen sollen sich dem Anliegen Gottes unterstellen.

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

Geheiligt werde Dein Name

  • Jesu Name wurde geoffenbart
  • Jesus Name ist geheiligt
  • Jesus Name wird verherrlicht/angebetet

Navigation im Gebet

  • Stelle dich dem Namen Jesu
  • Stelle dich der Heiligkeit Jesu
  • Stelle dich den Anliegen Jesu

Das Protokoll für eine Audienz bei Gott

  • Einlass – im Namen Jesu
  • Anlass – zu seiner Ehre

 

  • Heiligkeit schafft Herrlichkeit
  • Heiligkeit schafft Ehrfurcht
  • Heiligkeit führt zur Anbetung

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Lieder:

Groß ist dein Name, Herr, wir loben dich (43 Ich will dir danken)

Herr öffne Du mir die Augen

Vater im Himmel

Sag kennst Du wohl den wunderbaren Namen (Namen über alle Namen)

Heilige oder Scheinheilige – welcher Name wird denn hier geheiligt?

„Italien stellt die meisten Heiligen“ – das waren die Schlagzeilen eines Artikels, den ein holländischer Jesuitenpater 1974 verfasst hatte. Von den 1848 registrierten Heiligen waren 626 Italiener, 576 Franzosen und 271 Engländer. 1000 davon waren katholische Priester, 15 ehemalige Päpste, 14 verheiratete Frauen und 8 Witwer. (J. Blanchard, Was ist eigentlich ein Christ, Francke, 1974)

2004 wurde das Martyrologium Romanum aktualisiert, worin 6650 Heilige und Selige verzeichnet sind, sowie 7400 Märtyrer. Auch die katholische Kirche kennt nicht die genaue Zahl, denn das Heiligenwesen in seiner heutigen Form wurde erst 1588 von Papst Sixtus V. geregelt. Ab dem Beginn des 17. Jahrhunderts versuchte man, die katholischen Heiligen enzyklopädisch zusammenzufassen, nach Kalendertagen geordnet (Acta Sanctorum). Papst Johannes Paul II. hat 1338 Personen selig- und 482 Personen heiliggesprochen. In den 300 Jahren davor gab es insgesamt nur etwa 300 Heiligsprechungen. (Wikipedia)

 

Wessen Namen wir Ehre machen sollen

Es liegt in uns allen die Neigung unser eignes Ansehen aufrecht zu erhalten und wenn wir Prediger sind, auch unsre Namen fortzupflanzen. Männer, die sich besonders nützlich machten, ist oft der Gedanke nahegelegt worden, wegen Fortpflanzung ihres Namens eine eigne Gemeinschaft zu gründen. Georg Whitefield war von solcher Sucht frei. Wenn zuweilen Leute ihm gegenüber den Wunsch aussprachen, dass er eine neue Gemeinde gründen möchte, die nach seinem Namen genannt würde, sagte er: „Nein; lasst meinen Namen untergehen, aber Christi Name muss ewiglich währen.“ So sage ich: Lasst die Sekten fahren, lasst meinen Namen fahren, lasst alles fahren; aber lasst Christi Name und Christi Wahrheit ewig hochgehalten werden! C. H. Spurgeon

Klaus Eberwein