Matthäus

Predigthilfe vom 3. September 2017 – Matthäus 6, 9ff

Predigtthema:         Vater unser im Himmel – „VATER UNSER“ Teil 1

Predigttext:              Mt 6,9ff und Joh 17,11-13. 24-26  (Vorschlag als Textlesung)

Was soll man da bloß predigen? 

Mancher fragt sich vielleicht: Warum muss man neun Sonntage lang über das Vater unser (sechs Verse der Bibel) predigen? Wie soll man eine Sonntagspredigt gefüllt bekommen, wenn man nur einen Teil eines Verses oder Satzes als Textgrundlage zur Verfügung hat?

Keine Angst – die Bibel gibt uns genügend Material!

Lass dich darauf ein, sei gespannt und staune selbst, was Gott Dir in der Vorbereitung schenken will.

Die Themenpredigt – was ist das?

Die Predigtreihe über das VATER UNSER gibt uns einen Einblick in die verschiedenen Themenbereiche, die Jesus in seiner Gebetsanleitung für seinen Jünger anspricht. Dazu dienen die jeweiligen Versteile des Textes als Ausgang. Verbunden mit weiteren Parallelstellen aus anderen Büchern der Bibel wird sich das Verständnis und die Bedeutung des VATER UNSERs vertiefen und uns praktische Anwendungen geben.

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes.

Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum „VATER UNSER“.

  • Das „VATER UNSER“ ist eine Lehrstunde über das Gebet

Das Gebet ist immer ein Indikator für die Gottesbeziehung. Es ist das natürliche Gespräch zwischen einem Kind Gottes mit seinem Vater im Himmel. Wer nicht betet schwächt seine geistliche Beziehung zu Gott und vergisst welch ein Vorrecht es ist mit dem heiligen Gott reden zu dürfen.

Jesus und sein Gebetsleben ist daher ein Vorbild für uns und lehrt uns die rechte Art und Weise des Gebets. In den Evangelien erleben wir Jesus in seiner tiefen und lebendigen Beziehung zum heiligen Gott. Jesus betete in vielen Situationen – oft auch allein (Lk 6,12, 9,28-29). Sein vertrautes und vollmächtiges Gespräch (Gebet) mit dem Vater war der Anlass, dass die Jünger selbst lernen wollten so zu beten wie Jesus. (Lk. 11,1)

Das Vater UNSER ist also eine Antwort auf die Frage, wie man richtig betet.

  • Das „VATER UNSER“ ist eine Anleitung zum Gebet

Jesus sagt in Mt 6,9 „Deshalb sollt ihr auf diese Weise beten“. Jesus betont damit, dass das VATER UNSER kein vorformuliertes Gebet sein möchte, das man wörtlich runterbetet oder gar runterleiert. Vielmehr ist es eine Gebrauchsanweisung, die uns aufzeigt, welche Motivation, Inhalte und Ziele ein Gebet enthalten soll. Wir finden in Matthäus 6:

Mt 6,5             Motivation des Gebets       – aufrichtig, nicht wie die Heuchler

Mt 6,6             Orte des Gebets                  – verborgen, nicht zur öffentlichen Show

Mt 6,7             Form des Gebets                – überlegt, nicht wie die Gottlosen

Das VATER UNSER zeigt also die wesentlichen Inhalte eines Gebets:

(In Klammer der Aufbau unserer Predigtreihe):

Mt 6,9             Adressierung            : An Gott den Vater

V.9a    Gottes Wesen (Predigt Teil 1: Vater unser im Himmel)

Mt 6,9-10       Orientierung: Zuerst kommen die Anliegen des Schöpfers

V.9b    Gottes Name (Predigt Teil 2: Geheiligt werde dein Name)

V.10a  Gottes Reich (Predigt Teil 3: Dein Reich komme)

V.10b  Gottes Wille   (Predigt Teil 4: Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden)

Mt 6,11-13     Konkretisierungen: dann die Anliegen der Geschöpfe

V.11    Gegenwart: Versorgung  (Predigt Teil 5: Unser tägliches Brot gib uns heute)

V.12    Vergangenheit: Vergebung (Predigt Teil 6: Und vergib uns unsere Schuld) (Predigt Teil 7: Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern)

V.13    Zukunft: Versuchung (Predigt Teil 8: Und führe uns nicht in Versuchung) (Predigt Teil 9: Erlöse uns von dem Bösen)

  • Das „VATER UNSER“ ist ein prophetisches Gebet

Das Gebet greift die alttestamentlichen Verheißungen für das Volk Israel auf und richtet den Blick auf das kommende messianische Königreich auf Erden. Es ist ein weitreichendes Gebet, das über unser gegenwärtiges Gemeindezeitalter hinausgeht und durch seine Erfüllung das zweite Kommen Jesu erbittet (Mt 10a Dein Reich komme…).

Das VATER UNSER ist eingebettet im Kontext der Bergpredigt (Mt 5,1ff bis 7,28f), die eben dieses kommende irdische Königreich verkündigt. Wenngleich sich das Gebet vor allem an einen jüdischen Jüngerkreis richtet, so ist es kein ausschließliches Gebet für Israel. Auch die Gemeinde erwartet das zweite Kommen des Herrn und die Aufrichtung des 1000jährigen messianischen Königreichs hier auf Erden in dem dann sein Wille, wie im Himmel so auch auf Erden, geschehen wird (Mt.10b).

  • Das „Vater Unser“ ist kein frommes Gebetsritual

In Matthäus 6 spricht sich Jesus gegen eine falsche Frömmigkeit aus, die den Glauben vor den Menschen zur Schau stellt, aber nicht im Herzen ist. Jesus spricht

  • von „rechten Almosen“ Mt 6,1-4
  • vom „rechten Beten“ Mt 6,5-15
  • vom „rechten Fasten“ Mt 6,16-18, welches im Verborgenen geschieht.

Das VATER UNSER soll eben nichts Aufgesetztes sein, das man in der Öffentlichkeit oder im Gottesdienst einfach betet, um von Anderen gehört oder gesehen zu werden. Nur weil jemand das VATER Unser betet ist das noch kein Anzeichen von echter Frömmigkeit. Es besteht eher die Gefahr, dass das VATER UNSER durch eine feste Gottesdienstliturgie nur oberflächlich als ein traditionelles Gebetsritual herunter geplappert wird. Hier stellt sich die Frage, ob Jesus das wörtliche VATER UNSER für die Gemeinde wirklich angeordnet hat.

Wenn, dann kann das VATER UNSER nur im selben Sinne ein wörtliches Gebet sein wie es die Psalmen (z.B. Ps. 23) auch sein können. Bibelabschnitte auswendig zu lernen oder Gottes Wort betend zu lesen ist eine wertvolle Hilfe – nicht nur in persönlichen Notzeiten. Doch die Motivation des Gebetes ist und bleibt der entscheidende Faktor.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Sorg, Theo „Wenn ihr aber betet…“ 1989, Verlag Junge Gemeinde Stuttgart

Platte, Eberhard „Lehre uns beten, Herr (Gedanken zum Vater unser)“ 2011, Eigenverlag E.Platte, Wuppertal

Wasserzug, Gertrud „Vater-Unser-Betrachtungen über das Gebet des Herrn“ 1994, Schriftenmission Bibelheim Böblingen

Barclay, William: Matthäusevangelium 1 – Auslegung des Neuen Testamentes, Aussaat Verlag; Neukirchen Vluyn

  • Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Mt 6,9             „Deshalb sollt ihr auf diese Weise beten: Unser Vater, der du bist im Himmel!

Geheiligt werde dein Name.“

Das Gebet Jesu offenbart uns im ersten Versteil:

1) das richtige Gottesbild und 2) die richtige Gottesbeziehung zu Gott.

Eine genauere Wortbetrachtung vertieft das Verständnis.

Vater – das richtige Gottesbild: Gott ist Vater und wird als solcher immer von Jesus angesprochen. Es verdeutlicht, dass Jesus vom Vater im Himmel abstammt (Joh 1,18), der durch den Geist Gottes gezeugt und darum als heiliger Sohn Gottes angekündigt wurde (Lk 1,35). Es beschreibt seine enge Beziehung zu Gott (Vater-Sohn Beziehung), dessen Nähe Jesus schon als 12jähriges Kind im Tempel sucht (Lk 2,49). Diese sehr enge Beziehung zu Gott als seinem Vater im Himmel durchzieht das gesamte Gebetsleben Jesu bis hin zu seinen letzten Gebetskämpfen im Garten Gethsemane (Lk 22,41f) und zu seinem letzten Gebet am Kreuz (Lk 23,46). Einen besonderen Einblick erfahren wir im Hohepriesterlichen Gebet. Dort betet Jesus zu seinem Vater und offenbart uns den Vater mit beschreibenden Eigenschaftsformen. Zuerst als „Vater“ (Joh. 17,1), dann als „heiliger Vater“ (Joh 17,11) zum Abschluss als „gerechter Vater“ (Joh 17,25). Jesus selbst hatte keine wachsende Vatererkenntnis, aber er offenbart uns damit ein größeres Vaterbild. Wenn Jesus im Kontext der Bergpredigt in Mt 7,11 den Vergleich zwischen irdischen Vätern und dem einen himmlischen Vater herstellt und sagt: “Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben versteht, wieviel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten!“ – dann fangen wir an die Dimension zu verstehen, wenn Jesus uns auffordert zu beten: „VATER UNSER im Himmel“. Dieser gute, heilige und gerechte Vater, der reich an Erbarmen ist und von dem jede gute Gabe von oben herab zu uns Menschen kommt (Jak 1,17).  Hier lohnt es sich mal eine Konkordanz zur Hand zu nehmen und die Stellen zu lesen, die sich auf den VATER beziehen: z.B. Mt 7,6-11; Röm 8,32; Eph 1,17; 2Kor 1,3; 2Thess 2,16; 1Joh 3,1; Heb 12,9

Unser – die richtige Gottesbeziehung:

Das Gebet Jesu wirkt wie eine Einladung an die Jünger: Auch Ihr dürft Gott Vater nennen. Was für ein gewaltiges Vorrecht! Daraus lassen sich drei Gedanken ableiten:

  • Einmal kann dieses Wort „UNSER“ bezogen sein auf die kollektive Glaubensgemeinschaft des jüdischen Volkes in der Beziehung zu Gott. Gott hat Israel erwählt und in Jesus Christus haben sie als Glaubensgemeinschaft Gott zum Vater. Im Alten Testament war der HERR der Gott Israels im Sinne der nationalen Gesamtheit (5Mo 6,4 „ich bin Euer Gott“). Doch die persönliche Gottesbeziehung wird dem jüdischen Volk, wie auch jedem anderen Menschen, nur durch den Glauben an Jesus zugänglich gemacht. So musste sich auch der ungläubige Thomas von „unser Herr und unser Gott“ sich zu „mein Herr und mein Gott“ bekehren (Joh 20,28). Gottes Zukunft für sein Volk Israel, sieht genau diese Gottesbeziehung als Ziel der Erlösung voraus, wenn Jesus wiederkommt und das jüdische Volk sich zu Gott als ihren VATER bekehren wird (Jes 63,16; Jer 31,9; Ps 89,27).
  • Die Einladung Jesu, dass auch wir „UNSER VATER“ sagen dürfen zeigt, wer in der Glaubensverbindung mit Jesus steht wird Kind Gottes genannt (Joh 1,12; 1Joh 3,2). Wir sind somit Geschwister des Herrn (Mk 3,35) und haben Gott als gemeinsamen Vater (1Tess 3,11). Wir dürfen ABBA, lieber VATER, sagen (Röm 8,15; Gal, 4,6)
  • Die besondere VATER-SOHN Beziehung zeigt sich auch im gegenseitigen Bekenntnis. So z.B. im Bekenntnis des Vaters zum Sohn (Mt 3,17) oder im Bekenntnis des Sohnes zum Vater (Joh 12, 49-50; Joh 17,4). In diesem UNSER steckt die Aufforderung an uns: IHR sollt hören (Mt 17,5).

Gott ist in der Verbindung mit Jesus auch mein Vater! (1Jo 3,1-2). Die vertraute Beziehung von Jesu mit seinem himmlischen Vater möchte Vorbild auch für uns sein. Die Einheit mit dem Vater war das eigentliche Geheimnis des wirkungsvollen Dienstes Jesu (Joh. 5,19ff; 8,28; 17,21).

IM Himmel – die richtige Zielrichtung:  

Hier wird die Zielrichtung unseres Gebets auf den VATER IM HIMMEL gerichtet und öffnet uns die Augen auf die Quellen der Macht Gottes. Der Psalmist machte sich bewusst: Wen habe ich im Himmel? (Ps 73,25)

Die Bibel spricht von Himmel im plural – die Himmel (1Mo 1,1; 1Kö 8,27; Heb 4,14). Paulus spricht sogar vom dritten Himmel, in den er entrückt wurde (2Kor 12,2). Umgangssprachlich kennen wir wohl den Lufthimmel (Air), das weite Weltall (Sky) und den unsichtbaren Thron- und Wohnraum Gottes (Haeven). Rabbiner sprechen von sieben Himmeln. Am Ende bleibt es unklar, diese mit Bestimmtheit zu definieren.

Dennoch waren im Alten Testament die Gebete der Priester und Leviten zu Gott in den Himmel gerichtet (2Chr 30,27). Wenn auch Gott örtliche Begegnungsstätten (Altäre, Stiftshütte, Tempel) verwendet oder selbst zum Bau angeordnet hatte, war klar, Gott wohnt im Himmel (5Mo 26,15; 1Kö 8,27ff; Jes 63,15). Gott hört vom Himmel her (1Kö 8,43; 2Chr 6,25.30.35ff). Gott redet vom Himmel her (2Mo 20,22; 5Mo 4,36). Gott kam vom Himmel her in Jesus Christus auf die Erde (Joh 6,31ff). Denn eben alles Gute und Vollkommene kommt von oben herab (Jak 1,17).

Alle wahre Hilfe für die Erde kommt vom Himmel (Ps 121,2; 124,8), vom Himmel her kam die Rettung (Ps 57,4). Daher soll auch unser Trachten immer nach oben gerichtet sein, wo das Machtzentrum ist und Jesus zur rechten Gottes des Vaters sitzt (Kol 3,1-2).

Unser Christsein, soll vom Himmel her geprägt sein, da wo unser Bürgerrecht ist (Phil 3,20 und von wo Jesus wieder zurückkommen wird um sein Königreich auf Erden aufzurichten.

  1. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Das VATER UNSER eröffnet uns den Weg zu Gott dem Vater, der uns in Jesus Christus durch seinen Tod zugänglich gemacht wurde (Joh 14,6).

Das Vaterbild war im Alten Testament noch nicht vorhanden, da diese besondere Vater-Sohn-Beziehung erst durch das Erlösungswerk Jesu möglich wurde. Das unterscheidet die Gläubigen im AT von den Gläubigen im NT – das Gottesbild als VATER.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Herausfordert für die Verkündigung ist, dass wir kaum ein gutes und gesundes Vaterbild der Zuhörer voraussetzen können. Viele Vater-Kind-Beziehungen sind gestört und zerstört. Hier ist es wichtig, dass wir von der Bibel her das VATER-Bild aufzeigen und damit rechnen, dass manche Zuhörer negative oder vielleicht schlimme Erfahrungen (bis hin zu Missbrauch) mit ihrem irdischen Vater gemacht haben.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Diese drei Worte und Begriffe „VATER UNSER im HIMMEL“ fordern uns auf, unser Gottesbild sowie unser Beziehungsverhältnis zu Gott zu hinterfragen.

Wenn wir beten – zu wem beten wir? Ist unser Gebet an den liebevollen Vater im Himmel gerichtet? Wir haben im Gebet leider oft das Vaterbild Gottes mit dem Königsbild Jesu eingetauscht. Dabei ist es doch der Vater der Lichter von dem jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk vom Himmel herab zu uns kommt (Jak 1,17). Ein Vater weiß was seine Kinder brauchen und ein Vater gibt auch seinen Kindern was sie brauchen, aber nicht alles was sie wollen.

Wenn wir beten – wen suchen wir? Suchen wir wie Jesus die Nähe zum Vater, fliehen in Kämpfen und Nöten im Gebet zu ihm? Wissen wir, dass unser Leib und Leben, sowie die Zeit unseres Endes in des Vaters Hände liegt? Erkennen wir, dass das Geheimnis eines vorbildlichen Christenlebens in der Einheit mit dem Willen zum Vater steht? Jesus sagt: Ich und der Vater sind eins (Joh 10,30) und wer mich sieht hat den Vater gesehen (Joh 14,9). Jesus hat uns den Weg zum Vater eröffnet (Joh 14,6), ging selbst zum Vaterhaus (Joh 14,12; 16,28) und will uns zum Vater bringen (Joh 17,24). Warum suchen wir dann nicht viel mehr den Vater?

Wenn wir beten – wie beten wir? Wir dürfen und können überall beten, denn der Vater im Himmel ist nicht an Raum und Zeit, an „heilige“ Orte oder Gebetszeiten gebunden. Frei, örtlich ungebunden und zeitlich ungezwungen dürfen wir zum Vater reden (Joh 4,22-24). Im Glauben an Jesus steht uns nicht nur der Himmel offen, sondern in Jesus Christus ist der Vater mitten unter uns (Joh 14,9) – ja sogar in uns (Joh 14,23). Der Vater ist für uns hier auf Erden ansprechbar, obwohl er im Himmel ist.

  1. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Es soll deutlich werden: Das VATER UNSER ist eine Anleitung zum rechten Gebet und kein Gebetsritual. Wenngleich es auch das Gebet der Christenheit ist, das allerorts von Alt und Jung in allen Sprachen gesprochen werden kann und die Welt umspannt, so will es doch vielmehr eine Anleitung (Muster) zum Gebet sein.

Gott will gebeten und nicht beschäftig sein, indem wir nur ein VATER UNSER aufsagen.

Anlass der Predigtreihe, warum wir diese Predigt halten ist Lk 11,1:

„Herr, lehre uns beten…!

Dabei ist der Adressat im Vater unser zu beachten:

Der Allmächtige Gott und Herr ist unser, ja mein Vater, der im Himmel thront und alle Macht im Himmel und auf Erden hat.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Im ersten Teil der Predigtreihe, sollten die allgemeinen Hinweise aus Punkt 1.1 nicht nur in der Predigtvorbereitung beachtet werden, sondern als Einführung in die Themenreihen aufgegriffen werden.

Unsere Gebete sollen aus einer vertrauten Vater-Kind-Beziehung motiviert sein.

Konkrete Anliegen und Bitten dürfen wir mit eigenen Worten vor unserem Vater aussprechen. Beim Gebet etwas denken, indem wir uns bewusst machen was wir beten und zu wem wir beten.

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

Mein Gott VATER…

  • VATER – das richtige Gottesbild
  • UNSER – die richtige Gottesbeziehung
  • IM HIMMEL – die richtige Zielrichtung

 

Wohin mit meinem Gebet

  • Wenn wir beten – zu wem beten wir?
  • Wenn wir beten – wen suchen wir?
  • Wenn wir beten – wie beten wir?

 

  • Jesus und sein Bekenntnis zum VATER
  • Jesus und sein Bekenntnis zu seinen Geschwistern
  • Jesus und sein Bekenntnis zu seiner Herkunft

 

  • Vater – wer Gott ist
  • Unser – wie ich zu ihm stehe
  • Im Himmel – wohin ich gehöre

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Lieder:

Wer bittet dem wird gegeben (Ein Vater gibt seinen Kindern)

Der gute Vater

Ein kleines Mädchen geht mit seinem Vater in den Süßwarenladen. Dort werden Bonbons und allerlei Leckereien zum Verkauf angeboten. Auf einem Schild werden Süßwaren handweise angeboten. Eine Handvoll kostet so und so viel. Nachdem der Vater den Preis bezahlt hat darf das Mädchen aus einer Dose eine ganze Hand voll Süßlichkeiten nehmen – eben so viele wie in ihre Hand passen. Das Mädchen blickt auf ihre kleine Hand und überlegt kurz, dann schaut sie hinaus zu ihrem Vater und bittet ihn: Papa nimm du für mich eine Handvoll Süßigkeiten, deine Hand ist viel größer.

Missbrauch des VATER UNSERs:

Vor dem Champions-League- Finale am 19. Mai 2012 (FC Bayern gegen FC Chelsea) wurde vom SAT1-Sender die Live-Übertragung mit einem Gebet zum Fußballgott beworben. „Lieber Fußballgott“, heißt es in dem Werbefilm für die Übertragung, „dein Ball komme, dein Spiel geschehe. Unsere Tore gib uns heute. Und vergib uns unsere Fouls, wie auch wir vergeben den Schiedsrichtern. Führe uns nicht ins Abseits, sondern bewahre uns vor Kontern. Denn dein ist das Spiel und der Sieg und die Champions League, in Ewigkeit. Auf geht’s.“  (http://zeltmacher.eu/protest-gegen-gebet-zum-fussball-gott/)

Die Lebensmitte des modernen Menschen?

Gegen Mitternacht, als die letzten Gäste das Café verlassen haben, blickt der Kellner über den leeren Raum wo eben die Gäste noch geschwatzt, geraucht und getrunken haben. Er bringt alles in Ordnung und fängt unvermittelt angesichts der Öde zu beten an. Er sagt das VATER UNSER allerdings mit einer Veränderung auf: Überall, wo ein Hauptwort steht, setzte er das Wort „Nichts“ ein.  „Unser Nichts im Nichts, geheiligt werde Nichts, es komme Nichts… Unser täglich Nichts gib uns heute und vergib uns unser Nichts… denn dein ist Nichts…“  (E. Hemmingway, Das kleine, gutbeleuchtete Café, Kurzgeschichte)

Klaus Eberwein