Monatsthema: Gott bleibt treu – dem, der ihn bezeugt
Predigtthema: Das Zeugnis vom Vater
Bibelstelle: Matthäus 10, 26-33
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen
Der Abschnitt wird oft unter der Überschrift „Mahnung zu furchtlosem Bekennen“ gelesen, aber mehr ist gemeint: Verheißungen der Macht Gottes, Anweisungen zum Zeugnisdienst, Erklärung der Verantwortung.
Predigttipps:
V 26 Dreimal „Fürchtet euch nicht“ in diesem Abschnitt. Leiden sind zu erwarten, Jünger werden gestärkt. Gott braucht und hat keine Helden nötig (1). Das Wesentliche macht er selbst – bis ans Kreuz. Die Zukunft liegt in seiner Hand (Offb 21).
Wir Menschen hatten ja nichts Eiligeres zu tun, als den Gottessohn schnellstens wieder aus der Welt zu schaffen. Nirgends werden unser Stolz und die Denke (2), auch selber beitragen und durchhalten zu können, so zerstört wie am Kreuz.
Möglich ist, dass Jesus an „vertraulich Weitergegebenes“ denkt, das in der Regel bis heute am kräftigsten publiziert wird.
V 27 Auf im Orient üblichen Flachdächern hatte man Übersicht und wurde selbst gut gesehen und gehört.
Finsternis: Wer Jesus besser kennen lernen will, muss mit ihm in die Stille gehen. Im vertrauten Umgang mit ihm erschließt sich seine Lehre und sein Leben. „Im Ohr vernehmen“ zielt auf die „Ohren“ des Herzens.
Dort hat die geistliche Schwerhörigkeit im Blick auf Gottes Wort ihren Sitz.
Noch schlimmer: Diese Schwerhörigkeit steckt an. Die Welt leidet mit Blinden und Schwerhörigen, aber die geistliche Ansteckungsgefahr hat ihre Gründe nicht in Netzhäuten und Trommelfellen. Herzen werden blind, taub, verstockt.
Wer in der Gemeinde predigt, hat es von Christus. Die Gemeinde hört auf keine andere Stimme, auch nicht auf die eigene.
V 28 Zeugen Jesu sind bedroht, auch vom Tode. Kein Jahrhundert der Kirchengeschichte war märtyrerfrei (3). Aber wir stehen in seinem Schutz. Kein Jünger macht sich auf den Weg, ohne dass Gottes Augen ihm folgen. Kein Missionar und kein Daheimgebliebener geht in unbekannte und unheimliche Welten. Gott blickt nicht nur flüchtig auf uns.
Feinde können die „Seele“ nicht zerstören. Der Hebräer verstand darunter zwar das komplette Leib- und Innenleben eines Menschen, aber es geht hier nicht um Leib, Seele und Geist (wobei diese Einteilung auch nicht ganz vollständig ist), es geht eher um die menschliche Persönlichkeit, die auch ohne irdischen Leib existiert und später einen geistlichen Leib erhalten kann (1. Ko 15, 35ff).
Die Frage auf „Leben und Tod“ ist nicht mehr in der Macht des Kaisers, der den Leib zwar töten kann, aber nicht das geistliche Leben.
Furcht ist letztlich nur für Menschen vor Gott angebracht, die ihm ohne Jesus gegenübertreten müssen.
Wer Gott mehr „fürchtet“ im Sinne von Ehrfurcht, bleibt in der Verfolgung treu.
V 29-31 Jesus benutzt oft Beispiele aus seinem Leben und der natürlichen Umgebung, die alle beobachten können. Spatzen waren „Ramschware“ im Reich der Schöpfung, das billigste fleischliche Nahrungsmittel. Gott hat trotzdem ein Auge drauf, ebenso wie auf den geringsten Teil des Menschen, ein Haar. Wir wissen selbst nicht annähernd so gut Bescheid über uns wie er.
Jünger erhalten kein Versprechen, unversehrt durch die Leidenszeiten zu kommen, im Gegenteil: Sie werden ihr Leben einsetzen müssen.
Geholfen wird der verlorenen Welt aber nicht durch das, was wir tun, sondern durch das, was Gott redet und tut.
Jesus zieht in rabbinischer Art der Lehrer den Schluss vom Kleinen auf das Große: ihr seid mehr. Nichts geschieht, ohne dass der Vater dabei ist (4).
V 32f Bekennen und Verleugnen liegen in der Verantwortung des Einzelnen. Heimliches Christsein ist nicht möglich (5).
Adolf Schlatter erinnerte, dass unser Beistand der Welt gegenüber der Heilige Geist ist (s. V 20), unser Beistand Gott gegenüber aber Jesus selbst.
Wer Jesus bekennt, wird mit dem sichersten Rechtsanwalt aller Zeiten vor Gott treten können, weil (für heutige Verhältnisse fast unvorstellbar) der oberste Richter seinen Platz verlässt und zum Angeklagten geht: Die Anklagen sind erledigt. Ich hafte für alles.
Das sprengt alle juristischen Ordnungen der Welt.
Wer sich nicht zum biblischen Jesus bekennt, ihn also nicht verleugnet, kann verloren gehen (1. Jo 2, 22f; 4, 2ff; Jud 4, auch Röm 1, 16; 2. Tim 1, 8; 2, 12).
Schweigen kann Verrat an Jesus sein. Im Griechischen bedeutet „bekennen“ (V 32 homologeo) auch das Gleiche sagen, zustimmen, Schuld bekennen – Lobpreis vor Gott und gleichzeitig Bekennen vor Menschen.
Wer sich aber zu ihm bekennt, hat für alle Zeiten „ausgesorgt“.
Gliederungsvorschlag (nach Gottfried Voigt)
Keine Furcht – Christus ist bei uns
1. Wir predigen in einem Auftrag
2. Wir stehen unter seinem Schutz
3. Wir leben von seiner Fürsprache
Fußnoten
(1) Magnus Malm: Gott braucht keine Helden, Edition Aufatmen.
(2) Überzeugung; auch Duden, Deutsches Universalwörterbuch: Denkart.
(3) Das 20. Jahrhundert war wohl das märtyrerreichste und blutigste der Geschichte.
(4) So kann ein Amos daran erinnern, dass auch die schlimmsten Heuschreckenschwärme und die Wetterberichte nicht ohne Gott auskommen. Der „Tag des Herrn“ (Amos 2, 1) ist wichtiger.
(5) Heimliche Bekehrungen, Trauungen, Taufen, Bestattungen usw. sind schwer denkbar.