Psalmen

Predigthilfe vom 1.10.2006 – Psalmen 65

Monatsthema: Gott bleibt treu – dem, der ihn bezeugt
Predigtthema: Das Zeugnis der Güte Gottes

Bibelstelle: Psalmen 65

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkungen
Der Psalm wird leider bis auf V 2f und V 10b seltener zitiert.
David tritt in innerer und äußerer Gelassenheit vor Gott und lobt ihn in der Stille. Damit tritt er automatisch gegen die kanaanäischen Fruchtbarkeits- und Baalskulte an. Aller Segen für das Land geht von Gottes Heiligtum in Jerusalem aus, nicht von irgendeinem „Götterberg im Norden“ (s. V 5).

Die folgenden Tipps hängen mit C.H.Spurgeons Auslegungen zusammen (1), also eventuell auch ein Erntedanklied.

Predigttipps:
V 1 Luthers „vorzusingen“ steht nicht im Urtext, sondern einfach „Ein Lied“. Loblieder sind keine Schlager (2).
Spurgeon: „Eine Gemeinde, die sich in stiller Anbetung vor dem Herrn beugt, weil sie seine Barmherzigkeit so tief empfindet, bringt dem Herrn ein besseres Lob dar, als die hervorragendsten Stimmen und Instrumente in lautem Lobgesang, hinter dem kein inneres Erleben steht.“
V 2 Gott in der Stille loben. Elberfelder Übersetzung: „Dir gilt Stille, Lobgesang, o Gott, in Zion“.
Zion bezeichnete ursprünglich die vorisraelische Stadt der Jebusiter auf dem südöstlichen Hügel von Jerusalem (vgl. 2. Sam 5, 7). Später wurde Zion zum Begriff für die Heiligtümer Jerusalems (Jes 10,12) sowie auf den von König David und Salomo bebauten nordöstlichen Hügel, insbesondere den Palast- und Tempelbezirk (siehe Tempelberg), ausgedehnt und schließlich auf die gesamte Stadt Jerusalem übertragen.
In der persönlichen Stille mit Gott lässt er sich finden. Übersetzungsmöglichkeit: „In feierlicher Stille beten wir dich an, Herr“ – weil wir nicht recht wissen, wie wir ihn am besten loben können.
Gelübde und Versprechungen sind zu erfüllen (3). In Not- oder Kriegszeiten werden Gott öfter Versprechungen gemacht. Gemeinden und Einzelne haben ihre Zusagen zu erfüllen, allerdings nicht, um damit vor anderen zu glänzen. Gott lässt sich nicht spotten (Gal 6, 7). Lerneffekt: Vorsicht mit Wenn-Dann-Gelübden.
V 3 Elberfelder Übersetzung: „Hörer des Gebets“, ein passender Gottesname. Der Kern aller anderen Religionen besteht darin, Gott näher zu kommen, ihn „günstig“ zu stimmen. Wir kommen zu ihm – in Reue, in Fürbitte, mit Anbetung und Lobpreis.
„Alles Fleisch“ meint den Menschen in seiner Schwachheit, Ohnmacht und Bedürftigkeit. Wer das wahre Licht erkannt hat, lässt sich durch Irrlichter nicht mehr täuschen.
V 4 Elberfelder: „Sündige Taten haben mich überwältigt“. Menschen verleumden und verklagen mich. Eigene Sünde belastet. Wenn die Gnade nicht wäre, würden sie mich erdrücken.
Wer Sünde gering schätzt, ist leichtsinnig. Wer sich an der Sünde freut, noch leichtsinniger. Fazit: Flucht vor der Sünde und Zuflucht bei Gott. Unsere Sünden können Gott nicht überwältigen. Aber vor dem Lobpreis sollte Vergebung meiner Sünde geschehen.
Wer durch das Blut des Lammes gereinigt ist, kann auch das Lied des Lammes mitsingen (Offb 7, 10): „Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserem Gott, und dem Lamm!“
V 5 Auf Reinigung folgt Segnung. Wir brauchen nicht zu fürchten, dass seine Nähe uns vernichtet (4. Mo 3, 4). Söhne im Hause Gottes (Jo 8, 35; 1. Jo 3, 1).
Gottes Erwählung ist nicht zeitlich befristet. Das Wohnrecht gilt für alle Zeit.
„Wohl dem, den du erwählst“. Die Psalmen kennen auch eine ansteigende Folge von Seligpreisungen: Zuerst für den, der sich in Gottes Wort vertieft (Ps 1, 1), dann der begnadigte Mensch (Ps 32, 1), dann das lebendige Vertrauen (Ps 34, 9; 40,5), dann der wohltätige Gläubige (Ps 41, 2), schließlich Ps 65, 5.
V 6 wörtl.: „Mit furchtbaren (Taten) antwortest du uns in Gerechtigkeit, Gott unserer Rettung, du Zuflucht aller Enden …“.
Heilige Ehrfurcht ist vor Gott angebracht. Gott ist unser Vater geworden, aber kein Kumpel, mit dem wir alles anstellen könnten. Wenn Er handelt, sind oft Feinde und Freunde erschüttert: Wir bitten um Heilung und die Antwort ist Prüfung. Wir wünschen mehr Glauben und die Antwort ist mehr Leiden. Wir bitten um Ausbreitung des Evangeliums und die Antwort ist Verfolgung. Trotzdem bleibt uns das Beten und Bitten, denn uns kann nicht schaden, was Gott in Liebe gibt (1. Ko 10, 13). Wer sein Vertrauen auf Gott setzt, erfährt, dass Gott schnell und mächtig erhören kann.
V 7 Kein Sturm kann Bergen etwas anhaben, eher dem Meer.
Berge bleiben standhaft und sind unverrückbar. Ohne Gottes Willen wäre das nicht so. Berge würden zusammenfallen wie Kartenhäuser, wie alle Pläne und Werke, die gottlos entstanden.
V 8 Gott kann Meere still machen (Mk 4, 35ff). Für den biblischen Menschen war seit 1. Mo 1 das Meer die vom Schöpfer zurückgedrängte Chaosmacht, vom Menschen im Ernstfall nicht „in den Griff zu kriegen“ (4). Der Israelit stand mit Grausen am Strand und sah, wie die Angriffe der feindlichen, zerstörerischen Macht, Welle um Welle, die geschaffene Gotteswelt bedrohte. Gott gebot „Bis hierher und nicht weiter“ (Hiob 38, 8.10).
Wo Ordnungen sich auflösen, finden Gotteskinder Zuflucht und Halt bei dem, der auch die Alpen und den Himalaja festhält und stürmische Meere beruhigen kann.
Gesetze können die Unruhen unter Menschen kaum bändigen. Regierungen können ihre eigenen Völker nicht in Schranken halten. Elberfelder: „Getümmel der Völker“ (5).
V 9 Nicht wenige Zeichen weisen auf Gott hin (Ps 66, 3-6ff), Zeichen zum Erschrecken und Zeichen zur Freude. Wenn wir unsere Freude an ihm haben, hört er nicht auf, uns Freude zu schenken.
V 10 Gottes Besuchsgeschenk ist Segen. Wie ein Gärtner, der einzelne Pflanzen nicht übersieht, pflegt er seinen Garten. Der Wunsch der Gemeinden nach „Lieferung“ frischen, lebendigen Wassers kennt er.
Gott ist der erste Geber. Sein „Brünnlein hat Wasser die Fülle“, man muss es nur anzapfen (Offb 21, 6; Jo 4, 1ff). Irrlehrer versprechen, aber halten nicht (2. Petr 2, 17). Irdische Brunnen und Hilfsquellen versiegen bald.
V 11 Hitze verhärtet Erdschollen, Regen macht sie weich und fähig, zarten Pflanzen beim Wachsen zu helfen. Auch ein Bild für das geistliche Leben. Der Heilige Geist füllt die Leere der Herzen und bereitet sie vor, geistliche Früchte wachsen zu lassen.
V 12 Die Ernte ist ein deutlicher Beweis der Güte Gottes, die Krönung des Jahres für alle Landwirte.
Fußspuren Gottes erkennt man im feuchten Boden (6).
V 13 Gott schickt Regen auch in die Steppe. In fast menschenleeren Gegenden haben Gotteskinder ihren Herrn erfahren. Auch die Tiere der Wüste werden unterstützt. Gott besucht in seiner Liebe auch die einsamsten und verlassensten Herzen!
Hügel, die in der Trockenheit ein Bild des Jammers sind leuchten nach dem Regen in frischen Farben.
V 14 Die „Kleidung“ der Weiden durch Schafe verschafft Menschen Wolle für ihre Kleidung.
Fleisch und Brot liefern die Wiesen und Felder. Das Blöken der Schafe und das Rauschen des Windes in den Kornfeldern ehrt Gott und freut ihn.
„Jauchzet Gott!“ Das AT ist nicht engherzig oder gesetzlich! Praktisch: Wann haben Sie das letzte Mal gejauchzt? Jauchzen ist mehr als Freuen (7).

Gliederungsvorschlag 1 (nach C.H.Spurgeon, s. (1)):
1. Der Weg zu Gott
2. Gott antwortet
3. Erntelied
Gliederungsvorschlag 2 (auch C.H.Spurgeon):
1. Die Güte Gottes (Er segnet die Erde in allen Jahreszeiten)
2. Der Reichtum seiner Güte (Wasser die Fülle)
3. Die Vielfalt seiner Segnungen (Getreide, Wasser, Schafe, Geistliche Gaben)
4. Die Beständigkeit seiner Segnungen (Du krönst das Jahr)

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Fußnoten
(1) Charles Haddon Spurgeon, außergewöhnlich gesegneter Prediger in England: Aus der Schatzkammer Davids, IV Die Botschaft der Psalmen von der Schöpferherrlichkeit Gottes, Oncken-Verlag.
(2) Wie beim Besuch eines Staatsoberhaupts üben Orchester und Chöre das beste Liedgut ein.
(3) „Wenn Gott mir hier noch mal heraushilft, werde ich …“
(4) aus Predigttipp zu Offb 21, 1-8: Das Tsunami-Beispiel (jap. tsu=Hafen und nami= Welle) zeigte die Hilflosigkeit der Menschen. Japan hat eine Tiefseesteilküste. Riesenwellen bilden sich quasi erst kurz vor dem Strand und schlagen deshalb über die Hafenmauer in den Hafen, wo sie die Schiffe und Häuser zertrümmern. Eine Reihe verheerender Tsunamis machten dieses Naturphänomen weltweit bekannt. Höhepunkt am 26.12.2004: 231.000 Tote. Menschen finden im und auf dem Meer ihre Grenzen. Sie können nur re-agieren. Beispiel Pellworm: Deiche müssen ständig wieder erhöht werden.
(5) Beispiel 1 Libanon: Die Hisbollahs können ungestraft Terror und Mord anrichten, ohne die „ordentlich gewählte, zuständige Regierung“ zu fragen.
Beispiel 2: Islamistische Terrorvertreter konnten auch in Deutschland ihre Pläne ungestört vorbereiten.
Beispiel 3, etwas älter: Gegen die Praktiken der RAF-Gruppe um Baader und Meinhof war der zuständige Staat sehr lange machtlos. Übrigens hat Meinhofs Tochter, Journalistin Bettina Röhl, (www.bettinaroehl.blogs.com) eine ganz gegensätzliche Richtung eingeschlagen.
(6) Von den Tartaren sagte man, dass „kein Gras mehr wächst, wo ihre Hufe hingetreten haben“. Die Fußspuren von Eroberern trieften von Blut, Feuer, Tränen und Flüchen. Wenn frühere Herrscher ihr Land bereisten, hinterließen sie in der Regel Hungersnöte. Ihre genusssüchtigen Höflinge vertilgten in der Regel alles, was sie finden konnten. Bei Gott ist das Gegenteil zu erfahren.
Gottes Spuren sind Segensspuren. Wo der König der Könige hinkommt, beschenkt er seine Untertanen.
(7) „Juchzer“ sagen die Norddeutschen. Die Bayern „jodeln“, wenn sie beim Sonnenuntergang in den Bergen ihre Kuhglocken hören und ihr Glück ausdrücken möchten … Neudeutsch: „Die Sprechwerkzeuge werden aktiviert, bevor unser Zentrum im Gehirn das Programm fertig ausgedruckt hat.“ Das versteht nur, wer das Jauchzen kennt.
Da „platzt“ einer vor Freude über seinen Gott. Der nächste Psalm 66 schließt sich an und liefert zusätzliche Gründe für das herausragende Loben.