Monatsthema: Das Lebensprogramm Jesu
Predigtthema: Leben von Gott – wie geht das mit dem Geben?
Bibelstelle: Matthäus 6, 1-4
Verfasser: Thomas Richter
Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren.
1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG
Am Anfang der Bergpredigt spricht Jesus darüber, was es heißt sein Nachfolger zu sein (Mt 5,1-16) Darauf aufbauend entfaltet Jesus, wie wir im Alltag konkret Nachfolge leben sollen (Mt 5,17-48). Nun beschreibt Jesus aus in welcher persönlichen Beziehung zum Vater wir stehen sollen und wie sich das auswirkt (Mt 6,1-18). Die Stärke dieser Beziehung wird darüber entscheiden, ob wir einen kraftvollen und gesunden christlichen Glauben besitzen werden oder nicht. Bisher standen die horizontalen Beziehungen und ihre Auswirkungen im Vordergrund und die vertikale Beziehung im Hintergrund. Nun wendet sich dieses Bild und die vertikale Beziehung tritt nun in den Vordergrund der Betrachtung und die vertikale in den Hintergrund.
In Mt 6,1 wird der Grundsatz dieses Abschnittes genannt: „Gerechtigkeit / Frömmigkeit“ (vgl. Mt 5,20 mit 6,33). Wie sich diese geschenkte Gerechtigkeit nun auswirkt, wird in den drei Hauptbereichen (Almosen – Gebet – Fasten) jüdischer Frömmigkeit dargelegt:
* Gebt acht (V. 2) beim Almosengeben! (V. 2-4)
* Gebt acht (V. 5) beim Beten! (V. 5-15)
* Gebt acht (V. 16) beim Fasten! (V. 16-18)
Aus diesem Grund bilden die Predigttexte im März eine Einheit und bauen aufeinander auf: Leben von Gott (Almosen) – Reden zu Gott (Gebet) – Hunger nach Gott (Fasten). Da es hier um die Glaubenspraxis geht, wird das eigentliche Anliegen im Predigtthema als Frage formuliert („Leben von Gott – wie geht das mit dem Geben?), die im Rahmen der Predigt beantwortet wird (Mt 6,1-4).
2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.
* Fritz Grünzweig. Die Bergpredigt: Antworten auf Fragen von heute. Hänssler, 1985 (S. 130-140).
* Gerhard Maier. Matthäus-Evangelium 1.Teil. Edition C-Bibelkommentar 1 (S. 191-197).
* D. Martyn Lloyd-Jones. Bergpredigt Bd. 2: Predigten über Matthäus 6 und 7. Friedberg: 3L-Verlag, 2004 (S. 11-23).
Zur Vorbereitung der Predigt empfehlen wir das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der textbezogenen Predigten mit praktischen Anwendungen von Wolfgang Nestvogel mit dem Titel „Echt und unecht“ (http://www.bibeltage.de/Bergpredigt.html dort Nr. 11 zu Mt 6,1-4).
Hilfreiche Text- und Predigtanmerkungen bietet der Predigttipp von Eckhard Löffler zum 13.01.2008 (Mt 6,1-4). Diesen Predigttipp findet ihr im Predigtarchiv unter www.wbb-online.de/pt
Zum Predigteinstieg:
„Im Herbst 1992 machte sich Michael Plant, ein berühmter amerikanischer Segler, zu einer Alleinüberquerung des Nordatlantiks zwischen den USA und Frankreich auf. Er war ein Fachmann, der den Globus schon mehr als einmal allein umrundet hatte. Unter Seglern galt Michael Plant unumstritten als einer, dessen seefahrerisches Können ohnegleichen war. Sein mittelgroßes Segelboot, die Coyote, war der Inbegriff modernster Segeltechnik. Er besaß das größte Fachwissen, die größte Erfahrung und die beste Ausrüstung. Am elften Tag seiner Reise brach der Funkkontakt zu Michael Plant ab. Als mehrere Tage vergingen, ohne dass man ein Funksignal von der Coyote erhielt, startete man eine Suchaktion. Die Coyote wurde von der Mannschaft eines Frachters kieloben vierhundertfünfzig Seemeilen nordwestlich der Azoren gefunden. Jeder, der sich mit Segeln auskannte, musste überrascht sein, dass man die Coyote mit dem Kiel nach oben im Wasser fand. Segelboote richten sich immer wieder von alleine auf, selbst wenn Wind oder Wellen sie für einen kurzen Moment auf die Seite legen oder sogar ganz umkippen sollten. Damit Segelboote ihren Kurs halten können und nicht unter der enormen Kraft des Windes kentern, sondern den Wind nutzen können, muss unter der Wasserlinie mehr Gewicht verteilt sein als darüber. Wer diesen Grundsatz der Gewichtsverteilung verletzt, erlebt ein Unheil. Als die Coyote gebaut wurde brachte man aus eben diesem Grund ein 8000 Pfund schweres Gewicht am Kiel an. Niemand weiß, wie oder warum, doch das Gewicht unterhalb der Wasserlinie brach vom KieI ab. Diese vier Tonnen Gewicht fehlten nun. Und als das geschah, verlor das Boot seine Stabilität, so dass ein äußerst fähiger, erfahrener und vielbewunderter Mann auf See verlorenging.
In diesem Abschnitt möchte ich nun darstellen, wie Jesus den Teil des christlichen Lebens untersucht, der unterhalb »Wasserlinie« liegt. Auch im Glauben gilt der gleiche Grundsatz wie im Segeln: Es muss mehr Gewicht unterhalb der Wasserlinie liegen als darüber. Was ist also das Äquivalent zu diesem Gewicht unter der Wasserlinie? Es ist der Teil unseres Christseins, den außer uns niemand sehen kann – unser verborgenes Leben mit Gott“ (Gumbel, Herausfordernder Lebensstil, S. 139).
Zur Predigtveranschaulichung:
„Lieber im Verborgenen selbstlos als offensichtlich selbstbezogen – Kannst du mir mal an einem Beispiel veranschaulichen, warum unsere linke Hand beim Schenken nicht wissen soll, was die rechte tut? – Aber gerne doch: Haben Sie eine anonyme Spende gestern erhalten? Sie war von mir, aber wir wollen uns ja nicht rühmen. Nehmen Sie sich ruhig noch ein fünftes Stück Kuchen – wir zählen nicht! Wir geben Almosen grundsätzlich ganz selbstlos; schließlich erwirbt man sich damit die größten Verdienste“ (Mt 6,3f: Eckstein, Glaubensleben-Lebenslust, S. 71).
„Wenn ich einmal Geld besitze, versuche ich, es so schnell wie möglich wieder loszuwerden, damit es keinen Zugang zu meinem Herzen findet“ (John Wesley).
Der Gründer der Marmeladenfabrik Hartley’s, Sir William Hartley (1846-1922) erkannte: „Ich verwalte mein Geld; ich lasse es nicht mich besitzen. Es ist für mich schwieriger und sorgenvoller, mein Geld zu verteilen, als es zu verdienen“.
„Da kommt eine alte Frau nach einer Bibelstunde zu mir, das Opfer war für die Mission, und gibt mir einen 500-Mark-Schein, zusammengefaltet. Dann sagt sie: ‚Gell, Herr Pfarrer, des isch zu viel um’s bloß ins Opfer zu schmeißa“ (Heiko Krimmer).
„Thomas kommt zur Mama am 4. Okt. Am 6. hat sie Geburtstag. Er sagt: Mama ich brauch unbedingt etwas Geld, ich kann dir aber nicht sagen, wofür. Sie ahnt ja, was kommt, gibt ihm etwas und sagt: Thomas, da hast du 5 Mark. Jetzt geht Thomas einkaufen, ein Geschenk für die Mama zum Geburtstag. Er mag unheimlich gern Gummibärchen. Also kauft Thomas zwei Tüten Gummibärchen. Und am Geburtstagsmorgen schenkt er sie strahlend der Mama. Sie sagt dann: Thomas, ich weiß doch, du magst Gummibärchen. Komm, du kriegst sie. So macht es Jesus mit uns. Er gibt uns erst die Mittel, dann freut er sich, wenn wir diese Mittel einsetzen, und dann beschenkt er uns noch überreichlich“ (Heiko Krimmer).
3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT
Unsere Predigtübersicht 2010 (beim Gemeinschaftsleiter erhältlich) benennt als möglichen Schwerpunkt für die Predigt das Thema „Finanzielle Verantwortung“. „Wir sollten unseren Glauben vorzeigen, wenn wir versucht sind ihn zu verstecken und ihn verstecken, wenn wir versucht sind ihn zu Schau zu stellen“ (A.B. Bruce).
4. PREDIGTGLIEDERUNG
Leben von Gott – wie geht das mit dem Geben?
a) Gerechtigkeit führt zur Hingabe (V. 1)
b) Gerechtigkeit führt zur Abgabe (V. 2-4)
* ‚Still‘ geben – im Hinblick auf andere
* ‚Spürbar‘ geben – im Hinblick auf mich selbst
* ‚Gezielt‘ geben – im Hinblick auf den Herrn
oder nach Heiko Krimmer
Frömmigkeit, die in unserem Leben greift
a) Frömmigkeit lebet in der Hingabe
b) Frömmigkeit lebt im Hergeben
c) Frömmigkeit lebt vom Geben
oder nach Reinhold Rückle:
a) Habt Erbarmen!
b) Achtet auf eure Motive!
c) Keine Angst!