Matthäus

Predigthilfe vom 14.3.2010 – Matthäus 6, 5-15

Monatsthema: Das Lebensprogramm Jesu
Predigtthema: Reden zu Gott – wie geht das mit dem Beten?

Bibelstelle: Matthäus 6, 5-15

Verfasser: Thomas Richter

Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren.

1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG

Am Anfang der Bergpredigt spricht Jesus darüber, was es heißt sein Nachfolger zu sein (Mt 5,1-16) Darauf aufbauend entfaltet Jesus, wie wir im Alltag konkret Nachfolge leben sollen (Mt 5,17-48). Nun beschreibt Jesus in welcher persönlichen Beziehung zum Vater wir stehen sollen und wie sich das auswirkt (Mt 6,1-18). Die Stärke dieser Beziehung wird darüber entscheiden, ob wir einen kraftvollen und gesunden christlichen Glauben besitzen werden oder nicht. Bisher standen die horizontalen Auswirkungen des Glaubens im Vordergrund und die vertikale Beziehung bildete den Hintergrund. Nun wendet sich dieses Bild und die vertikale Beziehung tritt nun in den Vordergrund der Betrachtung und die horizontale Auswirkung in den Hintergrund.
In Mt 6,1 wird der Grundsatz dieses Abschnittes genannt: „Gerechtigkeit / Frömmigkeit“ (vgl. Mt 5,20 mit 6,33). Wie sich das Leben aus der Gerechtigkeit Gottes nun auswirkt, wird in den drei Hauptbereichen (Almosen – Gebet – Fasten) jüdischer Frömmigkeit dargelegt:
* Gebt acht (V. 1) beim Almosengeben! (V. 2-4)
* Gebt acht (V. 1) beim Beten! (V. 5-15)
* Gebt acht (V. 1) beim Fasten! (V. 16-18)
Aus diesem Grund bilden die Predigttexte im März eine Einheit und bauen aufeinander auf: Leben von Gott (Almosen) – Reden zu Gott (Gebet) – Hunger nach Gott (Fasten). Da es hier um die Glaubenspraxis geht, wird das eigentliche Anliegen im Predigtthema als Frage formuliert („Reden zu Gott – wie geht das mit dem Beten?), die im Rahmen der Predigt beantwortet wird (Mt 6,5-15). Wichtig ist, dass wir im Blick behalten, dass unser Predigttext eine weitere Konkretisierung von Mt 6,1 ist: „Wie geht das nun mit dem Beten“, wenn wir in und aus der Gerechtigkeit Gottes leben?

2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.
* Fritz Grünzweig. Die Bergpredigt: Antworten auf Fragen von heute. Hänssler, 1985 (S. 140-163).
* Gerhard Maier. Matthäus-Evangelium 1.Teil. Edition C-Bibelkommentar 1 (S. 197-215).
* D. Martyn Lloyd-Jones. Bergpredigt Bd. 2: Predigten über Matthäus 6 und 7. Friedberg: 3L-Verlag, 2004 (S. 25-36 + 51-86 – sehr empfehlenswert).

Zur Vorbereitung der Predigt empfehlen wir das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der textbezogenen Predigten mit praktischen Anwendungen von Wolfgang Nestvogel unter http://www.bibeltage.de/Bergpredigt.html dort Nr. 12 (Mt 6,9f) und Nr. 13(Mt 6,11f) und Nr. 14 (Mt 6,13-15).

Zum Predigteinstieg:
„Gute Gebetsgewohnheiten zu entwickeln ist nicht verhandelbar. Ich weiß, dass keine Übung aus sich heraus eine Beziehung zwischen Gott und mir herstellen kann. Doch ich weiß auch, dass ich keine reichen, lohnenden Erfahrungen mit dem Gebet machen werde, wenn ich es ganz ohne Übung versuche. Fragen Sie jemanden, der sich damit auskennt!
Es macht Sinn, dass wir den größten Fachmann befragen sollten, wenn wir etwas über Gebet wissen wollen – Jesus Christus selbst. Niemand in der Geschichte der Menschheit hat die Sache mit dem Beten besser verstanden als Jesus. Niemand hat fester an die Kraft des Gebets geglaubt und niemand hat je so gebetet wie er. Seine Jünger erkannten sein Fachwissen. Einmal kamen sie zu ihm, als er in der Zurückgezogenheit betete (Lukas 11,1). Sie waren von seiner Ernsthaftigkeit und Intensität so bewegt, dass sie ihn vorsichtig fragten: ‚Würdest du uns beten lehren?‘ Glauben Sie, sie hätten gehört, dass er komplizierte theologische Begriffe verwendet, die sie unbedingt lernen wollten? Oder waren es seine theatralischen Bewegungen und Gesten oder Spezialeffekte – irgendwelche übernatürlichen Praktiken -, die sie nachahmen wollten? Ich glaube nicht. Ich glaube, sie sahen, wie Jesus betete, und erkannten auch aus der Ferne, dass zwischen Jesus und seinem Vater eine tiefe Beziehung bestand, wie sie die Jünger nie zuvor erlebt hatten. Zwischen Jesus und dem himmlischen Vater gab es eine geistliche Gemeinschaft, die so intensiv und so real war, dass die Jünger nur sagen konnten: ‚Eine solche Beziehung haben wir nicht zum Vater. Hilf uns, sie zu bekommen‘. Vor einigen Jahren unternahm ich mit fünf Freunden einen Segelausflug. Wir waren eine Woche auf dem Meer unterwegs, und am Abend, bevor wir nach Hause flogen, gingen wir in ein Restaurant essen. Wir saßen zu sechst am Tisch, und am Nachbartisch saßen eine Frau und ein Mann und hielten sich auf dem Tisch im Kerzenschein an den Händen und unterhielten sich leise und schauten sich dabei tief in die Augen. Es war nicht zu übersehen, dass sie sehr verliebt waren. Einer nach dem anderen bemerkten die Männer an unserem Tisch, was mit diesem Paar los war. Und einer nach dem anderen entschuldigte sich und sagte: ‚Ich glaube, ich rufe mal meine Frau an‘. Die Motivation für diese Anrufe war das deutliche Bild von einer tiefen, befriedigenden, liebevollen Beziehung, das sie gerade gesehen hatten. Dieses Bild weckte bei den Männern den Wunsch, ihre Frauen anzurufen. Genau das Gleiche passierte, als die Jünger von Jesus diesen beten sahen. Etwas an der Art und Weise, wie Jesus die Beziehung zu seinem Vater pflegte, war so anziehend, dass sie das auch erleben wollten. ‚Jesus, lehre uns‘, sagten sie. Warum? Weil sie wussten, dass sie im Vergleich zu ihrem Meister Anfänger in Sachen Gebet waren. […]. Jesus hat sich dieser Bitte nicht verweigert; stattdessen nutzte er die Gelegenheit, sie das Beten zu lehren. Er sagte das Folgende:“ [was er im Rahmen der Bergpredigt (Mt 6,5-15) ausführlicher darlegt als in Lk 11,1] (Bill Hybels. Aufbruch zur Stille: Von der Lebenskunst Zeit für das Gebet zu haben. Neuauflage Asslar: Gerth Medien, 2009. S. 65-67).

Die Predigttexte im März stehen unter dem Monatsthema: „Das Lebensprogramm Jesu“. Hier entfaltet Jesus, wie wir unser Leben nach dem Willen Gottes gestalten können und so entdecken wir in unserem Predigttext (Mt 6,6-15) die Gebetsprinzipien Jesu. Jesus legt zuerst dar, „wie“ wir beten sollen (V. 5-8) und dann darauf aufbauend „was“ wir beten sollen (V. 9-15).

A) Wie wir beten sollen (V. 5-8)

Von Jesus beten lernen heißt, dass wir auf unsere Gebetszeiten (V. 5), unseren Gebetsort (V. 6) und unsere Gebetsform (V. 7f) achten.

* Bete regelmäßig vor dem Herrn (V. 5):
Jesus sagt nicht „falls du betest“, sondern „wenn du betest“ (V. 5.6.7). Für ihn ist klar, dass seine Nachfolger beten. Beten ist keine Option. Von der inneren Haltung her beten wir nie „vor Menschen“, sondern immer „vor dem Herrn“ und da er immer gegenwärtig ist, können wir auch immer beten (vgl. Ps 55,18; 88,2; 1Thess 5,17). Auch wenn das Gebet öffentlich stattfindet, so ist das Gebet immer und ausschließlich an Gott adressiert. Von daher muss es auch nur bei ihm „ankommen“.
Bsp.: Worauf achten wir bei Gebetsgemeinschaften? Das wir vor Anderen gut formulierte Gebete sprechen? Dann bleibt der Lohn irdisch, weil eben Menschen die Adressaten waren. Wer sich ausschließlich an den Herrn wendet, der braucht sich nicht zu überlegen, wie und was er in einer Gebetsgemeinschaft betet – warum? Röm 8,26f! Es lohnt regelmäßig zu beten, weil ein Gebet „vor dem Herrn“ immer ankommt.
„Heuchler“ = Schauspieler / eine äußere Rolle einnehmen, die man innerlich aber nicht als Ausdruck des eigenen Wesens versteht

* Bete einsam vor dem Herrn (V. 6):
Die „Kammer“ ist der innerste Raum des Hauses, der Aufbewahrungsort. Hier ist der Ort, wo es keine Ablenkung mehr gibt, hier geht es beim Gebet nur um die Begegnung mit dem Herrn. Jesus will hier nicht die Gebetsgemeinschaft grundsätzlich verbieten (vgl. Mt 18,19f), aber darauf hinweisen, dass wir immer allein und ausschließlich vor dem Herrn beten sollen. Der Gefahr von V. 5 können wir entgehen, wenn wir den V. 6 einüben (Ps 16,11).
„Oetinger und Bengel übernachteten einmal gemeinsam in einem Zimmer. Oetinger war am Abend gespannt darauf, seinen Lehrer Bengel das Abendgebet sprechen zu hören. Bengel aber ging nur unter das offene Fenster, verbeugte sich dreimal und legte sich zur Ruhe. Ebenso schlicht sind seine Worte, die er in einer Silvesternacht, als es gerade 24.00 Uhr schlug, sagte: ‚Lieber Gott, bei uns bleibt‘s beim alten‘.“(Werner Weiland, Zuversicht und Stärke 3/1989, S. 38f)

* Bete ‚herzlich‘ vor dem Herrn (V. 7f):
Beim Beten kommt es darauf an, dass wir ehrlich und ernsthaft beten. Hier zählt nicht die äußere Quantität (Menge) der Worte, sondern die innere Qualität und die liegt vor, wenn unser Beten von Herzen (= herzlich) geschieht.
„Jesus hat seinen Jüngern nicht nur gesagt, dass sie allein beten sollen, sondern auch, dass sie ehrlich beten sollen. ‚Ihr sollt nicht plappern‘, erklärte er. Seien Sie vorsichtig mit abgedroschenen Phrasen. Passen Sie auf, dass Sie es sich nicht angewöhnen, diese gedankenlos wieder und wieder aufzusagen. Es ist unglaublich einfach, beim Beten einen frommen Jargon zu benutzen! Manche Phrasen klingen so angemessen, so geistlich, so fromm, dass viele Christen schnell lernen, diese aneinanderzureihen, und das dann ‚Gebet‘ nennen. Sie haben wahrscheinlich gar keine Ahnung, was das bedeutet, was sie sagen. Manchmal höre ich zum Beispiel einen reifen Christen ernsthaft beten: ‚Lieber Herr, bitte sei mit mir, wenn ich jetzt zu diesem Einstellungsgespräch gehe‘, oder: ‚Bitte sei mit mir, wenn ich jetzt diese Reise mache.‘ Wenn man diese Bitte hört, klingt sie zunächst einmal heilig. Doch leider ergibt sie keinen Sinn. Ich bin dann oft versucht, diesen Beter zu fragen: ‚Warum bittest du Gott um etwas, das er doch eh schon tut?‘ Denn Jesus macht deutlich: ‚Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt‘ (Matthäus 28,20), und: ‚Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch‘ (Johannes 14,8). Auch im Hebräerbrief, 13. Kapitel, Vers 5, heißt es: ‚Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.‘ Einer der Namen Jesu, Immanuel, bedeutet ‚Gott mit uns‘. Wenn wir zu seiner Familie gehören, brauchen wir Gott nicht darum zu bitten, bei uns zu sein. Wir sollten vielmehr darum bitten, dass wir uns seiner Gegenwart bewusst werden und dass wir deshalb zuversichtlich sind. Gott zu bitten, bei uns zu sein, wenn er schon lange da ist, ist eine Art des ‚Plapperns‘.“ (Hybels, Aufbruch zur Stille, S. 73f).

B) Was wir beten sollen (V. 9-15)

„Das Vaterunser ist eine ausgezeichnete Vorlage, aber es sollte niemals als magischer Zauberspruch dienen, der uns hilft, Gottes Aufmerksamkeit zu erlangen. Jesus hat uns dieses Gebet nicht gegeben, damit wie einen Textabschnitt zum Aufsagen haben – im Gegenteil. Er hat uns gerade davor gewarnt, immer die gleichen Phrasen zu wiederholen. Nein, er gab es uns als eine Vorlage, um uns eine Auswahl der Elemente vorzuschlagen, die in unserem Gebet enthalten sein sollen“ (Hybels, Aufbruch zur Stille, S. 79).

Die einleitende Aussage Jesu „betet ihr nun so“ (V. 9a) ist nicht so zu verstehen, dass wir nun diesen Wortlaut ständig wiederholen. Natürlich können wir dieses Gebet nachbeten, aber von V. 7f her haben wir darauf zu achten, dass wir weniger den Wortlaut wiederholen, sondern den Wortsinn erfassen. Hier gibt Jesus uns mit diesem Mustergebet eine innere Struktur für unsere Gebete. Wenn wir dieser inneren Struktur folgen, dann lernen wir beten und entdecken auch, was wir beten können.

Das Gebet Jesu beginnt mit der Bewusstmachung, zu wem wir beten („Unser Vater im Himmel“), verweilt dann bei den Anliegen Gottes (Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.) und kommt dann vom Herrn her zum Menschen (Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.). Natürlich dürfen wir dem Herrn im Gebet unsere Anliegen nennen, aber woher wissen wir denn, was recht ist, was wir erbitten sollen? Deshalb beginnt Gebet immer bei Gott. Wir machen uns bewusst, mit wem wir reden und verweilen dann bei ihm und seinen Anliegen. So fällt dann beim Beten Licht von oben auf unser Leben und in diesem Licht Gottes können wir dann auch für uns beten. Im Zentrum des Gebets steht immer der Herr und es geht vom Herrn her zum Menschen!
Bsp.: Beten wie nach dieser inneren Struktur oder meinen wir es besser zu wissen wie Jesus? Auch ist das Gebet nicht im „ich“ verhaftet, sondern wird im Horizont der Familie Gottes gebetet („unser“) und damit weiß der Beter, er ist nie allein – der Herr und die Geschwister sind auch da! Es lohnt sich also, das Vaterunser nicht nur entsprechend dem Wortlaut nachzubeten, sondern auch persönlich dem beabsichtigten Wortsinn entsprechend mit eigenen Worten der inneren Struktur des „Vaterunser“ betend zu folgen.

3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT

Unsere Predigtübersicht 2010 (beim Gemeinschaftsleiter erhältlich) benennt als möglichen Schwerpunkt für die Predigt das Thema „Gebet“.
„Wenn wir nicht bloß Namenschristen sein wollen, sondern wahre Christen, so ist’s Gebet das Erste, Notwendige, das fortgesetzt werden muss bis ans Ende. Vom Gebet lassen heißt, von Gott lassen“ (Alois Henhöfer).

4. PREDIGTGLIEDERUNG

Reden zu Gott – wie geht das mit dem Beten?
a) Wie wir beten sollen (V. 5-8):
* Regelmäßig vor dem Herrn beten (V. 5)
* Einsam vor dem Herrn beten (V. 6)
* Herzlich vor dem Herrn beten (V. 7f)
b) Was wir beten sollen (V. 9-15):
* Zuerst die Anliegen des Herrn (V. 9f)
* Dann die Anliegen der Kinder Gottes (V. 11-15)

oder nach Werner Weiland:
a) Auf das Gebet kommt es an
b) Mit Gott allein sein
c) Gott allein machen lassen
d) Wenn Gott geehrt wird …
e) … kommt der Mensch nicht zu kurz