Monatsthema: Innehalten – Gottesdienst
Predigtthema: Aus der Quelle leben!
Bibelstelle: Psalmen 1
Verfasser: Thomas Richter
Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren.
1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG
Der Predigtanlass ist ein „Innehalten-Gottesdienst“. Der Schwerpunkt in diesem Gottesdienst liegt auf dem gemeinsamen „zur Ruhe kommen und Hören“. Wir hören auf den Gott, der redet und wollen uns das, was er uns sagt, dann auch gesagt sein lassen. Hilfreich ist es von daher, dass wir an den letzten Innehalten-Gottesdienst anknüpfen („Auge im Sturm“ – 1Sam 30,6). Innehalten heißt, dass wir nicht einfach von einem Monat in den anderen stürmen, sondern immer wieder innehalten – anhalten – Atemholen und uns neu ausrichten bevor es weitergeht. Von daher hat in diesem Gottesdienst auch der Rückblick seinen Raum. Wir wollen bewusst weitergehen und von daher bewusst überlegen, was nehmen wir in den nächsten Monat mit und was lassen wir zurück. Im letzten Innehalten Gottesdienst stand im Zentrum, dass wir beim Herrn zur Ruhe kommen und in ihm unsere Ruhe finden, auch im Sturm. Nun wollen wir einen Schritt weitergehen und überlegen, was können wir tun, damit das zu einer Normalität im Alltag wird, zu einer konstanten Erfahrung, zu einem Leben aus und an der Quelle (= Predigtthema).
2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.
* Dieter Schneider. Das Buch der Psalmen – 1.Teil: Psalm 1-50. Wuppertaler Studienbibel. S. 37-42.
* Benedikt Peters. Das Buch der Psalmen – Teil 1: Psalm 1-41. Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft, 2004 (S. 25-33 – sehr empfehlenswert).
* C.H. Spurgeon. Die Schatzkammer Davids – 1. Band: Psalm 1-41(Download unter http://bitflow.dyndns.org/german/CharlesHaddonSpurgeon/Die_Schatzkammer_Davids_2004.pdf ; S. 10-18 der Internetausgabe – sehr empfehlenswert)
Eine ausführliche Texterklärung zu Psalm 1 von Helge Stadelmann / Thomas Richter findet ihr unter http://www.scm-brockhaus.de/produkt/titel/bibelauslegung-praktisch/99670/99670/99670.html bzw. direkt unter http://www.scm-brockhaus.de/fileadmin/mediafiles/scm_shopproduct/PDF/224944000_Loesungen_Psalm_1.pdf
Zum Predigteinstieg:
Es gibt Situationen im Leben, wo die Kräfte nachlassen, es nicht mehr so geht, die Sache einfach nicht mehr so rund läuft. Eine Situation, die sicherlich die meisten von uns auch schon erlebt haben. Ich möchte von einem Manager berichten, dem die Luft ausgegangen war, äußerlich wurde alles eben etwas ruhiger, behäbiger wie wir im schwäbischen so schön sagen, aber innerlich stieg die Unruhe. Und so macht er sich auf und sucht einen Arzt auf. Und es ist ja ein Segen wenn man an einen Mediziner gerät, der nicht hinter allem gleich eine organische oder körperliche Störung vermutet. Der Manager erhält so den Rat, einfach mal drei Wochen auszuspannen, am besten in einem Kloster. Gesagt getan, zumindest in diesem Fall, aber der Rat war ja auch unorthodox genug und der Manager in keiner Weise religiös vorbelastet. Mal was neues ausprobieren.
Die drei Wochen vergehen wie im Flug. Ratz-fatz ist alles vorbei und er packt seinen Koffer, trägt ihn die Treppen hinunter. Dort steht der Abt des Klosters um ihn zu verabschieden. Vor dem Tor wartet schon der Mercedes mit dem Chauffeur.
„Ein Wort noch!“ sagt er zum Abt. „Ich muss ihnen gestehen, dass ich am Anfang noch recht skeptisch war. Aber jetzt möchte ich gar nicht mehr weggehen. Ich habe gar nicht geglaubt, dass es überhaupt noch solche Menschen wie euch gibt.“
„Was meinen sie mit ’solchen Menschen‘?“ fragt der Abt.
„Nun ich bewundere euch für eure Ruhe, die ihr ausstrahlt. Wie macht ihr das bloß? ereifert sich der Manager. „Und dann habt ihr dieses, ja diese“ – er ringt um den Begriff und dann platzt es raus – „diese Spiritualität!“
„Bitte was? “ fragt der Abt.
„Spiritualität! Ich meine wie ihr betet und singt, und wie ihr lauscht, wenn aus eurem Buch vorgelesen wird.“
„Ach, sie meinen unseren Glauben!“
„Meinetwegen, mir ist es ja egal wie sie das bezeichnen. Man merkt es euch sofort an, dass ihr anders seid als alle Menschen, die ich kenne. Das möchte ich auch. Wie geht das?“
Der Abt hört auf zu lächeln und wird sehr ernst. „Sie haben nicht sehr viel bei uns gelernt. Sie sehen die Früchte, und nun fragen sie nach dem Markt, wo sie sie möglichst günstig kaufen können. Aber diese Früchte kann man nicht kaufen. Sie müssen wachsen.“
„Ja, wie schaffe ich es denn, dass sie auch bei mir wachsen?“ fleht der Manager.
Und der Abt antwortet: „Sehnen sie sich nicht nach den Früchten, sondern sehnen sie sich nach der Quelle, die den guten Boden wässert, in dem sie Wurzeln schlagen können und der ihnen die Nahrung gibt, die sie brauchen. Dann werden die Früchte wachsen, nach denen sie jetzt verlangen.“
Eine bezeichnende Geschichte, denn wie sagt der amerikanische Theologe Eugene E. Peterson sehr treffend: „In unserer Gesellschaft gibt es eine große Nachfrage nach religiösen Erfahrungen, aber wenig Begeisterung für Dinge, die Geduld und langem Atem erfordern, wie es der Weg zu einem reifen, lebendigen Glauben tut. “
Und so bleibt die Frage, wie können wir das lernen? Nicht nur die Sehnsucht nach Frucht im Leben, sondern nach der Quelle, die den Boden so fruchtbar macht, dass wir dort Wurzeln schlagen können? Lassen wir uns das vom Schöpfer des Himmels und der Erde selbst erklären und hören wir auf die Worte des lebendigen Gottes in Psalm 1,1-6, wo es um zwei Wege geht. Den Weg des Lebens und den Weg des Todes. Und dieses Wort des lebendigen Gottes fordert uns heraus über zwei grundlegende Dinge nachzudenken:
Wo können wir Wurzeln schlagen und was folgt, wenn wir Wurzeln oder eben keine haben? Stellt euch beim Hören des Wortes Gottes diese zwei Fragen. Wir hören das Wort Gottes: Psalm 1,1-6 (Quelle des Berichtes unbekannt und auf das Predigtthema angepasst)
3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT
Unsere Predigtübersicht 2010 (beim Gemeinschaftsleiter erhältlich) benennt als möglichen Schwerpunkt für die Predigt das Thema „Stille“. Damit wir an und aus der Quelle leben können, im Herrn zur Ruhe kommen und seine Stimme hören, ist es hilfreich, wenn wir im Rahmen der Predigt folgende Fragen stellen:
* Wo leben wir? Mit wem leben wir? Wer beeinflusst uns? (V. 1)
* Von was bzw. wem leben wir? (V. 2)
* Wie leben wir? An der Quelle oder fern der Quelle? (V. 3-5)
* Wohin leben wir? Sind wir in der Lebensspur oder in der Todeslinie (V. 6)
Evtl. ist es hilfreich nach den verschiedenen Predigtabschnitten „innezuhalten“ und den Hörern einen Moment der Stille und der Besinnung zu gönnen, bevor wir mit der Predigt fortfahren.
Wenn wir Wurzeln schlagen, dann geht es nicht um ein „sowohl – als auch“, dann geht es um ein „entweder – oder“, wir finden einen festen Platz, wir legen uns fest! Im Psalm wird die Freude, das Verlangen nach dem Gesetz (hebr. tora) beschrieben. Wichtig ist, dass wir hier biblisch denken, denn Gesetz bedeutet nicht Reglementierung, starre Paragraphen oder Enge, sondern Weisung, Wegweisung ins Leben, hier werden wir auf „weiten Raum“ gestellt (vgl. Ps 18,20.37; 31,9 ;118,5). Wo das Volk Gottes in der Wüste nicht mehr weiß, wie es weitergeht, sie keinen Ausweg mehr sehen, da schenkt ihnen der Herr am Sinai die „tora“, die Weisung, die aufzeigt, wie sie ins verheißene Land kommen. Diese Weisung Gottes für uns ist lesbar, vorlesbar, verstehbar und damit erfahrbar. Die Freude und das Verlangen nach dem Herrn können wir über sein Wort wecken, das ist unser Predigtauftrag. Über die Bibel zur Freude am Herrn führen. Im Umgang mit der Bibel ist es allerdings wie beim Essen: Man kann satt werden, aber nicht satt bleiben. Beim Lesen der Bibel kann man nie ein für allemal gegessen haben. An dieser Stelle können wir auf unser Bibelleseprojekt im Jahr der Stille im WBB hinweisen und von Erfahrungen damit berichten und so Mut zur Bibel machen. Wir treiben unsere Wurzeln an den großen Wassern des Wortes Gottes und nicht an irgendwelchen trüben Tümpeln! Was uns Jesus bedeutet, zeigt sich am Umgang mit seinem Wort (Joh 14,21-24; Kol 3,16).
Als Ausdruck, wie wir im, mit und unter dem Wort Gottes leben, können wir evtl. den Predigttext auswendig lernen und frei vortragen. So können wir unterstreichen, woran wir unsere Freude haben und das wir dass, was wir zum Leben brauchen verinnerlicht haben.
4. PREDIGTGLIEDERUNG
Leben aus der Quelle!
a) Wo können wir Wurzeln schlagen? (V.1+2)
* Wo leben wir? (V. 1)
* Wovon leben wir? (V. 2)
b) Was ist, wenn wir Wurzeln schlagen? (V. 3-6)
* Wie leben wir? (V. 3-5)
– Leben aus der Quelle (V. 3)
– Leben fern der Quelle (V. 4+5)
* Wohin leben wir? (V. 6)
oder nach Otto Schaude
Ratschläge zum Wohlbefinden:
a) Was zu meiden ist!
b) Was das Leben fördert!
c) Die Auswirkungen beachten!
d) Die Zielsetzung sehen!
oder nach Hartmut Schmid
Spiritualität als Grundentscheidung meines Lebens:
a) Biblische Spiritualität fordert Entscheidungen
b) Biblische Spiritualität ist bibelorientiert
c) Biblische Spiritualität bringt Frucht
d) Biblische Spiritualität hat Verheißung und kennt den Ernst des Gerichts