Monatsthema: Der Lebensstil Jesu
Predigtthema: Glückselig leben – auch in der Ehe?
Bibelstelle: Matthäus 5, 27-32
Verfasser: Thomas Richter
Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren.
1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG
Nachdem in Mt 5,17-20 die ganz grundsätzliche Haltung aufgezeigt wurde, die es gegenüber dem Wort Gottes einzunehmen gilt, werden nun Einzelaspekte beleuchtet und aufgezeigt, wie das Wort Gottes nun in einem messianischen Horizont konkret auszulegen und anzuwenden ist. Nur in und aus der Verbindung zu Jesus sind wir imstande das Wort Gottes zu leben. Das zweite Thema, das wir nun aufgreifen, ist das Verhalten in der Ehe (Mt 5,27-32). Die „ich aber sage euch“ – Aussagen Jesu stehen nicht im Kontrast zum göttlichen Gesetz, sondern stehen im Kontrast zur menschlichen Gesetzesauslegung. So ergibt sich zu Mt 5,27-32 aus inhaltlicher Hinsicht und in Einbindung in den Textzusammenhang folgendes Predigtthema: „Glückselig leben – auch in der Ehe?“. Auch wenn das Predigtthema wieder in eine Frage gekleidet ist, so ergibt sich aus dem Monatsthema („Lebensstil Jesu“) eine bejahende Antwort auf diese Frage. Wo wir durch und im Lebensstil Jesu leben, da kann man glückselig leben, auch unter den inneren und äußeren Versuchungen der Ehe.
2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Zur Auslegung und Anwendung der Predigt siehe z.B.
* Fritz Grünzweig. Die Bergpredigt: Antworten auf Fragen von heute. Hänssler, 1985 (S. 93-106).
* Gerhard Maier. Matthäus-Evangelium 1.Teil. Edition C-Bibelkommentar 1 (S. 162-171).
* D. Martyn Lloyd-Jones. Bergpredigt Bd. 1: Predigten über Matthäus 5,3-48. 2. Aufl. Friedberg: 3L-Verlag, 2003 (S. 275-309).
Zum Einstieg in die Predigt: „Sollte man heiraten, wurden Kinder gefragt. Anita, 9 Jahre, antwortete: ‚Für Mädchen ist es besser, wenn sie Single bleiben, aber nicht für Jungs. Jungs brauchen jemanden, der hinter ihnen herräumt‘. Was kann man denn tun, damit Ehen gut werden, war eine weitere Frage. Der 8jährige Aaron meinte, man solle besser nicht den Namen seiner Frau vergessen, sonst ginge es bergab mit der Ehe. Und David, ebenfalls 8, rät: ‚Männer müssen gut küssen können, dann werden die Frauen schon vergessen, dass die Männer nie den Müll raustragen‘. Jetzt haben wir schon einige Experten gehört, Anita, Aaron und David und sie alle haben etwas beizutragen zu unserem heutigen Thema: Wie gelingen gute Beziehungen, und zwar am Beispiel der ehelichen Beziehungen“ (Michael Herbst).
Im Rahmen der Predigt sollten wir drei Fragen aufgreifen und veranschaulichen:
A) Was gefährdet die (eheliche) Gemeinschaft? (V. 27f)
* Welchen Versuchungen / Gefährdungen / Begierden usw. sind wir ausgesetzt (nicht nur sexuell)?
* Was ist wirklich in meinem Herzen? Was ist mein Herzensanliegen?
B) Was schützt die (eheliche) Gemeinschaft? (V. 29f)
* Wie reagieren wir auf Versuchungen / Gefährdungen / Begierden (nicht nur sexuell)?
* Wie weit führen wir uns die Konsequenzen unseres Verhaltens vor Augen, was wollen wir wirklich ergreifen?
Bitte beachten: Es handelt sich hier um eine bildliche Rede, die etwas veranschaulicht. Es geht hier nicht um ein „äußerlich“, sondern um ein „innerlich“ zu befolgendes Gebot Jesu. Zum Beispiel kastrierte sich Origenes (ca. 186-225), ein Gelehrter des 3. Jh., selbst, um nicht in Versuchung geführt zu werden. Im Konzil von Nicäa im Jahr 325 nach Christus wurden solche Praktiken schließlich verboten. Jesus spricht hier eben nicht von einer körperlichen Selbstverstümmelung, sondern von einer radikalen Selbstverleugnung! Mit der Sünde kann man nicht „flirten“. Auge (was sehe ich), Hand (was halte ich fest) und Fuß (wohin begebe ich mich) sind symbolisch zu verstehen und aus diesem Grund in unsere Lebenssituation hinein zu übertragen und zu veranschaulichen.
C) Was bewahrt die eheliche Gemeinschaft (V. 31f)
* Zu welchen vorbeugenden Verhaltensweisen kommen wir nun, damit das Thema Scheidung und Wiederheirat eben kein Thema wird?
* Vgl. Mt 19,1-12
Zur Veranschaulichung für den Prediger (am Bsp. sexueller Versuchung): „Was machen wir, wenn wir sexuell versucht werden? Kämpfen wir innerlich gegen dieses Bild an? Sagen wir Nein zu ihm und versuchen anschließend mit aller Kraft, unser Gehirn mit Gegenbildern zu füllen, die das verführerische Bild abtöten? ‚Wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben‘ (Römer 8,13). Zu viele Christen bilden sich ein, sie hätten gegen die Versuchung ausreichend angekämpft, wenn sie Gott um seine Hilfe bitten und hoffen, dass die Versuchung weggeht. Das ist zu passiv. Doch, Gott wirkt in uns, damit wir seinen Willen tun, aber dies hat zur Folge, dass wir ‚mit Furcht und Zittern‘ (Phil 2,12f) an unserer Erlösung arbeiten. Das Herausreißen des Auges ist ein drastisches Bild. Unser Gehirn ist ein »Muskel«, mit dem wir Reinheit trainieren sollen, und beim Christen hat er die Extrakraft des Geistes Christi.
Was bedeutet dies praktisch? Dass wir dem sexuellen Bild oder Impuls nicht mehr als fünf Sekunden geben dürfen, bevor wir einen entschlossenen Gegenangriff starten. Fünf Sekunden – das meine ich ernst. In den ersten beiden Sekunden rufen wir: ‚Nein! Raus aus meinem Kopf!‘ Und in den nächsten beiden rufen wir: ‚Gott, im Namen von Jesus, hilf mir! Rette mich jetzt, ich gehöre dir!‘ Kein schlechter Anfang. Aber danach fängt der eigentliche Kampf erst an. Dies ist ein Krieg der Gedanken, in welchem unser Ziel darin besteht, dieses Bild bzw. diesen Impuls aus unserem Kopf herauszubekommen. Wie wir das schaffen? Mit einem Gegenbild, das Christus groß macht und unsere Seele fesselt. Kämpfen, stoßen, drücken Sie, geben Sie nicht auf. Es muss ein Bild sein, das so mächtig ist, dass das andere Bild nicht überlebt. Jawohl, es gibt Bilder und Gedanken, die Lust zerstören.
Haben Sie in jenen ersten fünf Sekunden schon einmal Ihren inneren Augen befohlen, auf das Bild des gekreuzigten Jesus zu schauen? Nehmen wir an, Sie haben gerade einen allzu freizügigen Blusenausschnitt gesehen, der Ihre Fantasie in Gang setzt. Sie haben fünf Sekunden. ‚Nein! Raus aus meinem Kopf! Gott, hilf mir!‘ Und jetzt befehlen Sie Ihrem Gehirn – und Sie können das durch den Geist Gottes (Römer 8,13) -, seinen Blick auf Christus am Kreuz zu richten. Stellen Sie sich die Spuren der Geißelung auf seinem Rücken vor. Nach 39 Hieben hing die Haut in Fetzen. Sehen Sie, wie Christus sich keuchend immer wieder hochzieht, den Rücken am Stamm des Kreuzes, dass jeder Atemzug Holzsplitter in seine Striemen treibt. Hören Sie, wie er keucht, dann und wann aufschreit vor Schmerz. Er versucht, sich von dem Holz zu lösen, und die Holznägel reißen prompt in die Nervenenden seiner Handgelenke hinein. Er schreit wieder, versucht, sich hochzuschieben, um seinen Händen Erleichterung zu verschaffen, worauf die ebenfalls durchbohrten Füße vor Schmerz explodieren. Bald ist seine Kehle rau vom Schreien. Er bekommt keine Luft mehr, sein ganzer Körper ringt nach Luft, und die nächste Schmerzexplosion kommt. In seiner Qual wirft er, die Dornenkrone vergessend, seinen Kopf zurück, und einer der massiven Dornen dringt ihm halb in den Schädel. Seine Stimme bricht vor Schmerz, er beginnt zu schluchzen, jeder Schrei bringt nur neuen Schmerz.
Wenn ich mir dies vorstelle, sehe ich den Ausschnitt der fremden Frau nicht mehr. Ich bin auf Golgatha. Die beiden Bilder beißen sich einfach. Wenn Sie den ‚Muskel‘ Ihres Gehirns konsequent benutzen, um sich den gekreuzigten Christus vorzustellen, mit derselben Energie, mit der Sie sich sonst sexuellen Fantasien hingeben, werden Sie diese Fantasien töten. Aber Sie müssen in den ersten fünf Sekunden damit anfangen und dürfen nicht locker lassen.
Meine Frage an Sie ist also: Was tun Sie, wenn die Versuchung anklopft? Beten Sie nur und warten dann ab, oder kämpfen Sie? Es ist ein Kampf der Bilder, ein blutiger geistlicher Krieg. Stellen Sie sich an meine Seite in diesem Kampf, mein Herz und meinen Körper rein zu halten für meinen Herrn, für meine Frau und für meine Gemeinde. Jesus hat unvorstellbare Leiden durchgemacht, um uns ‚zu reinigen und uns zu seinem eigenen Volk zu machen‘ (Titus 2,14). Mit seinem Todeskampf am Kreuz wollte er meine Lust töten. ‚An seinem eigenen Körper hat er unsere Sünden an das Kreuz hinaufgetragen, damit wir für die Sünde tot sind und für die Gerechtigkeit leben können‘ (1Petr 2,24). Vater, erbarme dich über uns in unserem ständigen Kampf mit der Lust. Oh, wie wir die Siege lieben, die du uns gibst! Gib uns noch mehr von diesen Siegen, hilf, dass wir Nein sagen können zu jeder Versuchung. Ja, gib uns noch mehr, als nur Nein zu sagen; Hilf uns zu kämpfen. Gib uns den Willen, den Kampf gegen unsere Sünden aufzunehmen. Zeige uns die unendliche, das Herz stillende Herrlichkeit des gekreuzigten Christus. Möge dein Name uns so kostbar sein, dass wir ihn unter keinen Umständen beflecken möchten. Im mächtigen Namen von Jesus bitten wir dies. Amen“ (John Piper. Bis ins Innerste: Gedanken über das Wort Gottes. Hänssler, 2005. S. 71-74).
John Piper spricht sehr drastisch und seine ‚brutale‘ Sprache ist vielleicht nicht für den Gebrauch auf der Kanzel geeignet. Aber trotzdem ist in aller Radikalität festzuhalten, dass unsere Hilfe und Rettung nur in Christus liegt und es deshalb die entscheidende Frage ist, ob Jesus in mir Raum und Gestalt hat (vgl. Gal 4,19), er gegenwärtig ist. Begierde ist keine Bagatelle (vgl. Jak 4,1-10).
3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT
Unsere Predigtübersicht 2010 (beim Gemeinschaftsleiter erhältlich) benennt als möglichen Schwerpunkt für die Predigt das Thema „Scheidung + Wiederheirat“. Allerdings hat sich die Predigt auf die Vermeidung dieser notvollen Situation zu konzentrieren und nicht auf die Detailregelung, was ist, wenn es dazu kommt. Der Textaufbau und -zusammenhang macht deutlich: Dies gilt es zu vermeiden, auch wenn es nicht immer gelingen wird. Von daher geht es um „Prophylaxe“. Wir stellen heraus, was Jesus uns zeigt, damit (eheliche) Beziehungen nicht zerbrechen, sondern dass sind, was sie sein sollen: eine beständige und einander achtende unlösbare Verbindung zur Ehre des Herrn (vgl. Eph 5,30-33).
Wir behalten im Blick, dass wir nicht nur Ehepartner als Hörer haben. Was Jesus hier im Hinblick auf die eheliche Beziehung sagt, ist vom Grundsatz her auch auf andere Beziehungen mit übertragbar (Mt 5,28-30).
Zur praktischen Anwendung von Mt 5,27-32 bitte unbedingt unsere WBB-Leitlinie „Mut zur Ehe: Als Mann und Frau leben unter den Verheißungen des lebendigen Gottes“ lesen. Die Broschüre liegt in allen WBB-Gemeinschaften aus.
4. PREDIGTGLIEDERUNG
Glückselig leben – auch in der Ehe?
a) (Ehen) Beziehungen sind immer gefährdet (V. 27f)
b) (Ehen) Beziehungen können geschützt werden (V. 29f)
c) Ehen (Beziehungen) sollen gewahrt werden (V. 31f)
oder nach Paul Deitenbeck:
a) Jesus hat Durchblick bis in unsere Träume (V. 27f)
b) Klare Scheidung von allem Brennmaterial der Hölle (V. 29f)
c) Gottes Schutz für die wichtigste Zelle in Gemeinde und Volk (V. 31f)