Monatsthema: Innehalten – Gottesdienst
Predigtthema: Im Sturm das Auge finden!
Bibelstelle: 1.Samuel 30, 1-25
Verfasser: Thomas Richter
Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren.
1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG
Der Predigtanlass ist ein „Innehalten-Gottesdienst“. Der Schwerpunkt in diesem Gottesdienst liegt auf dem gemeinsamen „zur Ruhe kommen und Hören“. Für den Text- und Predigtzusammenhang ist wichtig, dass David in diese missliche Situation („Sturm“) gekommen ist, weil er Entscheidungen nach seinem eigenen Willen und Wünschen getroffen hat und nicht nach dem Willen Gottes (1Sam 27,1). Erst als David nach längerer Zeit in einer für ihn ausweglosen Situation wieder anfängt einzig und allein nach dem Willen Gottes zu fragen und bereit ist, sein Leben wieder ganz in die Hände Gottes zu legen (1Sam 30,6), kommt er in Gott zur Ruhe mitten in seinem aufgewühlten und bedrohlichen Alltag (= er findet das „Auge im Sturm“). So ergibt sich für die Predigt das Thema „Innehalten: Im Sturm das Auge finden“ (1Sam 30,1-25).
2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.
* Martin Holland. Das erste Buch Samuel. Wuppertaler Studienbibel (S. 299-309).
* Alan Redpath. Leben nach dem Herzen Gottes: Seelsorgliche Studien über David. Marburg: Francke, 1997 (S. 114-127).
* Warren W. Wiersbe. Sei erfolgreich: 1Samuel 1-31. Dillenburg: CV, 2007 (S. 170-174).
Weil David nicht nach dem Willen Gottes in einer ganz entscheidenden Phase in seinem Leben gefragt hat, erlebt er unter der Führung Gottes eine einschneidende Trübsalszeit (V. 1-6b). Aber in dieser aussichtslosen Situation beginnt er wieder nach dem Willen Gottes zu fragen und so erlebt er eine Wendezeit in seinem Leben (V. 6c-9a). Auch wenn das Leben herausfordernd bleibt und noch manche Schlacht im Alltag zu schlagen ist, so erlebt David nun wieder eine Freudenzeit, weil er bereit ist nach dem Willen Gottes zu fragen (V. 9b-25).
A) Trübsalszeit – denn man erlebt auch Tiefpunkte (V. 1-6b)
V. 1-3: David gerät zuerst in eine „Existenzkrise“ und er und seine Begleiter erfahren so die „Finsternis der Verzweiflung“, denn als Heimatlose verlieren sie nun auch noch ihre vorübergehende Herberge. Ihr bisheriges Leben war gekennzeichnet von faulen Kompromissen und der Notwendigkeit der Täuschung der Philister und deren Irreführung. Aber nun wird ihnen auch noch das letzte genommen. Was löst das aus?
V. 4-6a: David erlebt nun eine „Vertrauenskrise“ und ihn ereilt nun die „Finsternis des Grolls“, denn er wird nun als „Verantwortlicher“ zum Sündenbock. Zwar hatten seine Begleiter erst durch ihn wieder neuen Lebensmut gefunden, aber der ist nun „verraucht“, denn einer muss schließlich für diese Situation verantwortlich sein. Die Konsequenz einer Blickverengung ganz auf rein menschliche Möglichkeiten und Planung birgt nun für David ein Gefahrenmoment, denn auf Grund der Verzweiflung schlägt nun die Situation um in Zorn. Der führt dazu, dass seine Begleiter David fallenlassen. Zorn führt immer zu Ungerechtigkeit gegenüber Menschen (vgl. die Predigt über Mt 5,21-26 vom 24.01.2010). Was sich wohl im Herzen der Begleiter und ihm Herzen Davids abgespielt hat? Einengungen begrenzen nicht nur das Leben, sondern versperren zuerst einmal auch den Blick für das Wesentliche, denn der eigene Weg ist immer der Irrweg. Deshalb braucht David nun das Ende seiner Täuschung, eine „Enttäuschung“ über und von sich selbst.
Wörtl lautet V. 6a: „es wurde für David sehr eng“.
V. 6b: David erlebt nun eine „Sinnkrise“, denn ihn ereilt nun die „Finsternis der Unklarheit“. Der Grund liegt allerdings darin, dass er auch keinen Blick mehr für die Führung Gottes in seinem Leben hat. Aber statt in der Bitterkeit zu versinken wie seine Begleiter, findet David endlich mitten in dem Sturm ein anderes Heilmittel für seinen Kummer. Ob er aus diesem Grund an diesen Tiefpunkt in seinem Leben geraten musste, damit auf Grund einer Wende wieder seinen eigentlichen Haltepunkt entdeckt (vgl. 2Kor 1,8-11)? Trübsalszeiten können Wendezeiten vorbereiten.
B) Wendezeit – denn man entdeckt seinen Haltepunkt (V. 6c-9a)
David ist nun selbst am Ende und so endet er wieder bei Gott. So kommt es nun zu einem Blickwechsel weg von ihm und hin zu Gott. David bekennt nun: „Ich will Gott wieder über mich entscheiden lassen“. Hinweise wie es zu einer Wendezeit im Leben kommen kann bieten die Psalmen (vgl. z.B. Ps 34,19). Dem Herrn gleiten die Fäden des Lebens seiner Kinder nicht aus der Hand. Wer so lebt und diese Erkenntnis besitzt, der wird nicht in der Bitterkeit versinken – wörtl. lautet V. 6c: „Aber David machte sich stark in Jahwe, seinem Gott“. Hier findet David das Auge im Sturm!
V. 8a bildet nun den Kontrast zu 1Sam 27,1. So erkennt man, dass auch wirklich eine Wende in Leben stattgefunden hat
C) Freudenzeit – denn man findet seinen Standpunkt (V. 9b-25)
Negativ ist hier das Verhalten der Begleiter zu benennen, die nicht vom Geis Gottes erfüllt und geleitet sind und damit ergibt sich das Problem
* des Hochmuts der Knechte (V. 22a)
* der Selbstsucht der Knechte (V. 22b).
Positiv ist dagegen, wie sich nun das Fragen nach dem Willen Gottes bei David auswirkt. Wir erkennen
* Davids Gehorsam (V. 8f)
* Davids Milde (V. 21)
* Davids Demut (V. 22-25)
Bei David gibt es nun kein Nachtragen („Gabe des Vergessens“)
Zum Verständnis von V. 23 ist die Versuchung in V. 20c zu beachten.
3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT
Unsere Predigtübersicht 2010 (beim Gemeinschaftsleiter erhältlich) benennt als möglichen Schwerpunkt für die Predigt das Thema „Stille“. Hier entdecken wir am Beispiel Davids die Seelsorge Gottes, wenn er seine Kinder führt. Wie ein Vater bringt Gott gelegentlich seine Kinder im Dunkeln zu Bett.
Die zweite Chance, die David von Gott erhält und ergreift (V. 6), die gewährt er nun auch seinen Begleitern (vgl. V. 10b mit V. 21-25).
Damit auch wir das „Auge in unseren Stürmen“ finden können, ist es evtl. hilfreich, die Predigt nach jedem der 3 Hauptabschnitte mit einer Zeit der „Stille“ abzuschließen, damit die Gottesdienstbesucher ihre gegenwärtige Lage mit dem Wort Gottes abgleichen können und so entdecken, wo sie stehen und in welcher Lebensspur sie gehen: In der Davids oder in der seiner Begleiter?
Im Tiefpunkt entdeckt man seinen Haltepunkt, der fortan einen festen Standpunkt im Leben vermittelt. Ab der Wende in V. 6 (vgl. Joh 5,30) finden sich wieder Anklänge im Verhalten Davids, die eine messianische Vorschattung sind (V. 21-25).
4. PREDIGTGLIEDERUNG
Im Sturm findet man das Auge, denn
a) in Gottes Führung erlebt man auch Tiefpunkte (V. 1-6b)
b) unter Gottes Führung entdeckt man seinen Haltepunkt (V. 6c-9a)
c) durch Gottes Führung findet man seinen Standpunkt (V. 9b-25)
oder (Quelle unbekannt)
a) In der Enge wächst die Angst (V. 1-6b)
b) Statt dem Ende kommt die Wende (V. 6c-9a)
c) Auf Vertrauen kann man bauen (V. 9b-25)