Predigtthema: Leben – als Kontrast in der Gesellschaft
Monatsthema: 1. Petrusbrief: Glaube, der trägt
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Kontext:
Der Abschnitt beginnt mit dem Wort „weil“. Das macht deutlich, dass unser Predigttext eng mit dem Abschnitt davor verknüpft ist. In 3,18-22 wird Christi stellvertretendes Leiden beschrieben und nun folgen die praktischen Konsequenzen darauf.
Im 1. Petrusbrief geht es um Themen wie Leiden und Hoffnung. Es geht auch darum, wie ein Christ in einer fremden, teils feindseligen Gesellschaft lebt. Unser Predigttext zeigt, dass das Leben als Christ ein Kontrast zur Gesellschaft darstellt.
Besondere Merkmale und Herausforderungen des Textes:
Wie ist der Vers 1c zu verstehen? Was bedeutet es mit der Sünde abgeschlossen zu haben?
Was bedeutet es in Vers 6, dass Toten das Evangelium verkündigt wird? Das ist eine umstrittene Stelle des Briefes und darauf sollte man keine „Theologie“ bauen.
Genauere Erklärungen zu den zwei Versen sind unter 1.3 zu finden.
Parallelstellen:
- Römer 6,7: Bruch mit der Sünde
- Apg. 10,42 / 2. Tim 4,1: Christus als Richter der Lebenden und Toten
- 1. Petr. 2,11: Lebenswandel als „Fremdlinge“ im Kontrast zu der Gesellschaft
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Edition C Bibelkommentar (Hrsg. Gerhard Maier)
- MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament (Kostenloser Download: https://clv.de/Kommentar-zum-Neuen-Testament/256682)
- MacArthur Studienbibel (https://info2.sermon-online.com/german/JohnMacArthurStudienbibel/John_MacArthur_Studienbibel_Schlachter_2000.pdf)
- Gaebelein Kommentar zum Neuen Testament
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
V.1: Der Abschnitt ist eng verbunden mit dem vorherigen Abschnitt. Christus litt ungerechterweise. Weil Christus so gelitten hat, sollen sich auch seine Nachfolger damit rechnen, dass sie um Jesu willen leiden.
Interessant ist, dass Petrus eine Verbindung zwischen dem Leiden eines Jesus-Nachfolger und der Sünde sieht. Der letzte Teilvers wird in verschiedenen Übersetzungen so wiedergegeben:
- Der hat mit der Sünde abgeschlossen (Schlachter)
- Der hat mit der Sünde gebrochen (NGÜ)
- Hat aufgehört mit der Sünde (NeÜ)
- Ist damit zur Ruhe vor der Sünde gekommen (Menge)
Eine beachtenswerte Parallelstelle findet sich in Hebräer 5,8. Selbst von Jesus wird gesagt, dass er durch seine Leiden Gehorsam lernte. Die Stelle ist natürlich nicht so zu verstehen, dass bei Jesus eine sündige Art zu finden war, sondern zeigt, dass Jesus auf seinem Leidensweg auch äußerlich sichtbar eine immer engere und auf völliges Vertrauen ausgelegte Beziehung zu seinem Vater hatte.
Die griechische Zeitform macht deutlich, dass dieser Bruch mit der Sünde bereits geschehen ist (bei der Bekehrung). Aber es schließt nicht aus, dass wir uns im Alltag immer wieder daran erinnern und danach ausrichtem müssen (vgl. Röm. 6,7).
V.2: Ein Christ lebt seine verbleibende Lebenszeit mit einem anderen Ziel. Im Kontrast stehen die menschlichen Leidenschaften (welche zur Sünde führen) zu dem, sein Leben nach dem Willen Gottes auszurichten. Zudem steckt in dem Ausdruck „die noch verbleibende Zeit“ ein Trostgedanke: Nämlich die irdische Lebenszeit ist begrenzt. Jesus kommt bald wieder (Offb. 3,11).
V.3: Petrus sagt zu Beginn des Verses „Es ist für uns genug, …“. Damit wirft er eigentlich einen beschämenden Blick in die Vergangenheit, bevor Jesus gekannt wurde. Er beschreibt diese Vergangenheit folgendermaßen: Zügellosigkeit, Begierden, Trunkenheit, Fressereien, Saufgelage, Götzendienste. Petrus beschreibt Gesellschaftssünden, die zwar aus den eigenen Leidenschaften kommen, aber mit anderen zusammen ausgelebt werden. Vergleichbar mit einem Sog, wo man ganz schnell auch hineingezogen werden kann.
V.4: Das neue Leben eines Christen bleibt nicht im Verborgenen. Es befremdet die anderen. Dieses Wort hat auch einen negativen Klang. Denn die Welt reagiert verärgert, wenn Christen plötzlich nicht mehr überall mitmachen. Gerade wenn die Christen nicht mehr den „heillosen Schlamm“ mitmachen ist die Antwort der Gesellschaft Verspottung. Da steht man schnell als Außenseiter da, weil man nicht mitmacht.
V.5: Hier bringt Petrus eine eschatologische (= zukünftige) Perspektive mit ein. Gott bleiben die Lästerungen nicht verborgen. Das heißt auch, dass ich als Christ das Gericht getrost Gottes Sache sein lassen darf. Aber die Tatsache gilt: Gott wird richten. Gott ist der Richter der Lebendigen und der Toten (vgl. Apg. 10,42). Im Licht von Joh. 5,24 dürfen wir dabei bedenken, dass ein Gläubiger nicht ins Gericht kommen wird (siehe Joh. 5,24).
V.6: Diese Stelle ist eine Herausforderung. Bedeutet dieser Vers, dass Menschen das Evangelium hören, nachdem sie gestorben sind? Oder lebten sie noch, als dies geschah? Welche Menschen sind damit gemeint?
Interessant ist auch hier, wie verschiedenen Übersetzungen den Vers wiedergeben:
- Deswegen war es nämlich auch nicht umsonst, dass denen von uns, die inzwischen gestorben sind, das Evangelium verkündet wurde… (NGÜ)
- Denn dazu ist auch Toten das Evangelium verkündigt worden, … (Schlachter)
- Denn aus diesem Grund ist die Rettungsbotschaft auch denen gepredigt worden, die inzwischen gestorben sind, … (NeÜ)
- Deshalb wurde die Botschaft sogar den Verstorbenen gepredigt, … (Neues Leben)
Manche Übersetzungen, wie z.B. NGÜ und NeÜ, die legen den Vers bereits so aus, dass die Toten das Evangelium gehört haben als sie noch gelebt haben. Die Menschen hatten das Evangelium gehört als sie noch am Leben waren. Aber zu dem Zeitpunkt, als Petrus seinen Brief schrieb, waren diese Menschen bereits verstorben. Diese Menschen haben das Evangelium angenommen. Der MacDonald Kommentar legt so aus, diese „Verstorbenen“ wurden von den Menschen „gerichtet im Fleisch“, sprich in ihrem Leben haben sie den Spott und die Lästerung von ihren gottlosen Mitmenschen ertragen und sind zum Teil auch als Märtyrer gestorben. Nun aber „leben sie Gott gemäß im Fleisch“. Das Leben eines Christen ist mit dem Tod nicht vorbei, sondern geht über ins ewige Leben.
Natürlich gibt es zu diesem Vers auch andere mögliche Auslegungsvarianten, weshalb man sich da nicht auf eine Auslegung „versteifen“ sollte.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Der Text steht in der Zeit zwischen der Erhöhung Jesu (Vergangenheit, siehe 3,18-22) und dem endgültigen Gericht über Lebende und Tote (Zukunft, siehe 4,5). Es zeigt die Spannung, in der ein Christ steht: Durch Jesus von der Sünde freigesprochen, aber trotzdem noch „im Fleisch“ (= im Körper) in einer fremden und teilweise auch feindseligen Welt.
Der Text sieht die Leiden Christi als Grund für einen Bruch mit der alten Lebensweise, was zu gesellschaftlichem Unverständnis führt. Auch in der heutigen Zeit kann ein christlicher Lebensstil dazu führen, dass die Gesellschaft diesen nicht versteht und auch feindselig darauf reagieren kann.
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Die Predigt ist Teil einer Reihe durch den 1. Petrusbrief unter dem Überthema „Glaube, der trägt“. Der Text zeigt, dass ein Christ kein Applaus von der Gesellschaft zu erwarten hat. Der Text fordert nicht eine komplette Abgrenzung von der Gesellschaft, aber zeigt doch ehrlich, das der Christ in der Gesellschaft in einem Spannungsfeld steht. Es sollte vermieden werden, den Text moralisierend oder anklagend zu predigen („Ihr müsst euch mehr abgrenzen…“). Weil der Bibeltext beschreibt die bereits vollzogene Umkehr die bei der Bekehrung stattgefunden hat. Natürlich muss man sich darauf immer wieder erinnern und ausrichten. Aber es ist sinnvoll die Zuhörer zu ermutigen, trotz möglichem Widerstand der Gesellschaft treu als Christ zu leben.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
- Persönliche Anwendungsfragen:
- Welcher Bereich meines Lebens gehört zu meiner „abgeschlossenen Vergangenheit“ (V.3)? Und wo lebe ich vielleicht auch unbewusst nach alten Mustern weiter?
- Wie geht es mir, wenn ich aufgrund meines durch Jesus verändertes Leben von anderen verlästert werde? Muss ich selber für mich kämpfen oder kann ich es dem Richter (Gott) überlassen (V.5)?
- Lebe ich die „noch übrige Zeit“ (V.2) nach dem Willen Gottes oder lasse ich mich von dem gesellschaftlichen Strom treiben?
- Für uns als Gemeinde: Wie können wir Menschen stärken, die aufgrund ihres Glaubens Ausgrenzung erfahren?
- Z.B. Gemeinde bewusst als große Familie leben
3. Sagen, wo es hingeht
Hilfreiche Predigt:
https://www.youtube.com/watch?v=9JU5YMH-EgA Prof. em. Dr. Armin Mauerhofer
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Hörer sollen durch die Predigt erkennen, dass ein verändertes an Gottes Willen ausgerichtetes Leben zu einem sichtbaren Kontrast zur Gesellschaft führt. Vor diesem Kontrast muss man aber, selbst wenn die Menschen einem lästern keine Angst haben, weil Gott letztendlich sein gerechtes Urteil sprechen wird.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Leben – als Kontrast in der Gesellschaft
Weil Jesus „im Fleisch“ gelitten hat, haben wir mit der Sünde endgültig abgeschlossen und leben die verbleibende Zeit nach Gottes Willen. Dies führt zu einem Kontrast in der Gesellschaft mit der Konsequenz, dass ein Christ Anfeindungen erlebt. Doch dies wird nicht das letzte Wort haben, denn Gott wird einmal gerecht richten.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
Vorschlag:
a) Christus verändert unser Leben (V.1-2)
b) Die Welt versteht dieses Leben nicht (V.3-4)
c) Gott wird dieses Leben bestätigen (V.5-6)
Mögliche Gliederung nach Gerhard Maier:
a) Im Leiden gereinigt
b) Im Fremd-Sein geheiligt
c) Im Gericht gepeinigt
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Eine Hälfte von PowerPoint Folie weiß und die andere schwarz. Damit kann der Kontrast zwischen den beiden Farben verdeutlicht werden. Da kann man dann gut den Übergang machen zu dem Thema „Leben – als Kontrast in der Gesellschaft“.
(Ruben Sigg)