Predigtthema: Die Rebellion des Menschen gegen Gott (Thema laut Textplan)
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Bei den vorliegenden Abschnitten handelt es sich um Erzähltexte, nicht um ausdrückliche Lehrtexte. Das heißt, dass die Wertung von Handlungen nicht direkt im Text selbst zu finden ist, sondern einer sauberen Einordnung bedarf.
An die Erzählung vom Sündenfall werden viele Fragen herangetragen, die der Text selbst nicht stellt und (sehr wahrscheinlich) auch nie beantworten wollte. Z.B. die Frage, ob es nicht ungerecht war, dass der Mensch mit einem Willen geschaffen wurde, sich für oder gegen das Essen zu entscheiden; die Frage, woher eigentlich das Böse bzw. die Schlange als Versucher kommt; die Frage, warum es überhaupt eine Einschränkung bei den Bäumen gibt u.v.m. Viele dieser Fragen kommen nicht aus dem Text selbst, sondern vielfach aus einem modernen Denken heraus. Es ist gut, möglichst nahe am Text zu bleiben und zu fragen, was dieser eigentlich ausdrücken möchte.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Keil/Delitzsch, Biblischer Kommentar über das Alte Testament, Band 3 (online verfügbar unter https://www.sermon-online.com/de/contents/15233)
- Helmut Thielicke, Wie die Welt begann. Der Mensch in der Urgeschichte der Bibel, darin: Die Geschichte vom Sündenfall, Kapitel I+II, Stuttgart 1964
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Die Anmerkungen und Wortbezüge richten sich nach dem Text der revidierten Elberfelder Bibel in der Textfassung 2020.
Struktur des Textes
Hilfreich für eine erste Übersicht ist die Kombination der Personen in den einzelnen Abschnitten:
Kap 2,15-17: Gott und Mann sind allein, Gott ist der allein Redende
Kap 3,1-5: Schlange und Frau sind allein (wahrscheinlich war der Mann anwesend, tritt aber nicht in Erscheinung), beide reden
Kap 3,6-7: Mann und Frau sind allein, die Frau ist die maßgeblich Handelnde
Anmerkungen zu den Versen
2,15: Wir sollten wahrnehmen, dass der Mensch von Gott in einen bereits vorbereiteten Platz gestellt wird, den er nun verwalten und gestalten soll. Die Ausgangslage für den Mann (hier noch allein) ist – mit Ausnahme des fehlenden Gegenübers – perfekt. Beachtet man dies nicht, kann das Missverständnis entstehen, dass Gott den Menschen vor eine schwere Aufgabe stellt und ihn dann noch durch das Verbot einschränkt.
Für den Verlauf ist wichtig, dass der Mann hier noch allein ist. Er empfängt Auftrag und Verbot ohne die Anwesenheit der Frau.
2,16: Die Erlaubnis zum Genießen aller Bäume des Gartens ist ein Privileg und stärkt die perfekte Ausgangssituation. Für diesen Vers ist es wichtig, die Verbindung zu Vers 9 wahrzunehmen. Dort werden ALLE Bäume des Gartens als „begehrenswert anzusehen und gut zur Nahrung“ geschildert.
2,17: Es gibt nur eine einzige Einschränkung. Auch für diesen Vers sollte man die Beschaffenheit der anderen Bäume bedenken. Der Garten ist voll von wunderbaren Bäumen mit Früchten, die ALLE erlaubt sind. Lediglich EIN Baum ist verboten.
Der Text sagt nichts darüber, wieso dieser Baum Erkenntnis von Gut und Böse ermöglicht, hierzu gibt es unterschiedliche Theorien, man sollte allerdings nicht zu sehr spekulieren. Der Text sagt auch nichts darüber, wieso Gott diese Einschränkung gibt. Zwei naheliegende Deutungen sind: 1) Der Mensch sollte das Vertrauen lernen, dass Gottes Wort gut und verlässlich ist, und wenn er etwas verbietet, ist es sinnvoll, sich danach zu richten. 2) Gott richtet dadurch die Möglichkeit ein, dass sich der Mensch sowohl zum Halten als auch Übertreten des Gebots entschließen kann. Dadurch kann er auch erkennen, was gut und böse ist (was dann tatsächlich in Kap. 3 geschieht).
3,1: Woher die Schlange plötzlich kommt und warum sie sprechen kann, bleibt unklar. Der Text setzt es als gegeben voraus. Die Reaktion der Frau zeigt, dass sie das auch nicht ungewöhnlich fand. Deshalb sollte man nicht annehmen, dass es sprechende Tiere gab. An dieser Stelle bleibt eine Lücke, die wir nicht erklären können.
Tatsache ist aber, dass die Schlange hier spricht und dass sie Kenntnis von Gott und Gottes Worten hat, diese aber verdreht und mit einem lockeren Gespräch über Gott bei der Frau anknüpft und damit Gottes Wort hinterfragt.
3,2-3: Die Frau findet die sprechende Schlange nicht erstaunlich und geht auf ihre Frage ein. Hier wird deutlich, dass die Frau das Gebot nur teilweise richtig wiedergeben kann. (Das wirft natürlich die Frage auf, wieso dies der Fall ist. Hat der Mann sie nicht umfassend informiert?) Die Aussage „ihr sollt sie nicht berühren, damit“ ist ihr Zusatz. Nicht berühren gehörte nicht zum Gebot. Das Gebot wurde auch nicht gegeben, „damit“ sie nicht sterben. Sterben wäre die Folge der Übertretung, der Grund des Nicht-Essens liegt aber in erster Linie im Gehorsam gegenüber Gott, nicht in der Vermeidung negativer Folgen.
3,4-5: Die Schlange greift nun aber genau diesen letzten Punkt heraus und dreht ihn um. Damit zieht sie das – für die Frau ohnehin schon nicht ganz klare – Wort Gottes in Zweifel und stellt Gott in ein schlechtes Licht. Er hat die Unwahrheit gesagt und will dem Menschen ganz bewusst etwas vorenthalten, weil er den Menschen klein halten möchte.
Sie macht der Frau ein Versprechen, dass eine halbe Wahrheit enthält. Die Aussage, „ihr werdet sein wie Gott“ ist nicht völlig falsch, denn im Bereich der Unterscheidung von Gut und Böse wären sie tatsächlich Gott gleich. Nicht aber in allem anderen. Außerdem verschweigt sie die wirklichen Konsequenzen (s. auch 3.4 Predigtveranschaulichungen).
3,6: Durch die intensive Vorarbeit der Schlange geht die Saat des Misstrauens nun voll auf. Die Frau ist so sehr auf sich selbst fokussiert und auf die Tatsache, dass dieser eine Baum ihr verboten ist, dass sie nicht mehr sehen kann, dass alle anderen Bäume (s. oben) bis auf eine Ausnahme genauso gut und begehrenswert waren.
Der Mann, der vermutlich bis jetzt dabeigestanden hat, schreitet nicht ein. Weder korrigieren am Beginn des Gesprächs, als die Frau das Gebot falsch wiedergibt, noch jetzt, wo sie das Gebot offen bricht. Viele sprechen davon, dass es seine Verantwortung gewesen wäre, einzuschreiten, was auch durch die Szene ab Vers 8 gestützt wird. Dort ist es der Mann, der zuerst von Gott angesprochen und gefragt wird.
3,7: Warum den beiden die Augen so aufgehen, dass sie ihre Nacktheit erkennen, sagt der Text nicht. Es scheint allerdings klar, dass es nicht an der Frucht selbst und irgendeinem darin enthaltenen „Erkenntnisstoff“ geschuldet ist. Eine gute Erklärung liegt darin, dass sie im Moment des Essens ihren Ungehorsam erkennen und nun beiden bewusst wird, dass sie etwas zu verstecken haben. In diesem Sinne wäre das Erkennen der Nacktheit ein äußeres Zeichen einer inneren Erkenntnis. Dazu passt auch, dass sie nicht nur voreinander ihre Nacktheit verstecken, sondern sich im Folgenden auch vor der Gegenwart Gottes verstecken möchten.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
(1) Es handelt sich um einen Erzähltext! Das heißt: Der Text selbst gibt keine Anweisungen i.S.v. tu das, lass jenes. Der Text entfaltet keine systematisch umfassende Lehre über Sünde, Satan und das Böse. Wohl aber lassen sich einige Grundprinzipien im Handeln des Versuchers und der Grundstruktur menschlichen Denkens und Handelns ableiten.
(2) Der Text enthält einige Leerstellen, die nicht oder zumindest nur mit Vermutung zu klären sind (Woher kommt die sprechende Schlange? Warum sagt der Mann nichts? Warum kennt die Frau das Gebot nicht korrekt? Woher kommt die Erkenntnis von Gut und Böse?) Wir sollten deshalb nicht mehr erklären wollen, als möglich und schon gar nicht anfangen, losgelöst vom Text zu spekulieren.
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Der Predigtanlass ist eine klassische Predigt im Gottesdienst am Sonntag. Der Prediger muss also die konkrete Gemeindesituation vor Augen haben. 1. Mose 3 ist ein für Christen bekannter Text. Gerade deswegen sollten Formulierungen wie „wir kommen heute zu dem bekannten Text“ o.ä. vermieden werden, damit nicht gleich am Anfang ein Gefühl von „kenne ich schon, brauche ich nur halb hinhören“ gefördert wird.
Die oben bereits angedeuteten Fragen rund um den Text werden uns auch in der Hörerschaft begegnen. Es ist gut, von vorneherein klarzumachen, dass wir den Text in unser Leben sprechen lassen wollen, statt nur von den Fragen auszugehen, die wir haben.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Aus der Verbindung der beiden Textabschnitte wird der Hauptaspekt der Predigt deutlich: Gott stellt uns in einen guten Raum und sagt uns Worte, auf die wir vertrauen können (1.Mose 2,15-17). Dieses Vertrauen auf Gottes Worte wird immer wieder herausgefordert und gerade dann zerstört, wenn wir unseren Blick von Gott weg auf unsere eigenen Bedürfnisse richten.
3.2 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
1. Die perfekte Ausgangslage (2,15-17)
Es sollte einmal kurz, aber grundsätzlich skizziert werden, dass der Mensch in einer hervorragenden Ausgangsposition ist. Er ist mit einem wunderbaren Garten beschenkt und rundum versorgt. Es gibt nur eine Einschränkung, die aber mit Blick auf das gute Umfeld kein Problem darstellen sollte.
Der Mensch muss „nur“ darauf vertrauen, dass Gott und sein Wort gut sind und es sich lohnt, darauf zu vertrauen.
2. Das angefochtene Vertrauen (3,1-3)
Zunächst bietet es sich an, aufzuzeigen, dass die Schlange hier nicht mit Pauken und Trompeten zum Angriff bläst, sondern sehr leise, mit einem Gespräch über Theologie (sollte Gott wirklich?) anknüpft. Ja, Satan ist ein brüllender Löwe (1.Pt 5,8), aber das ist nur eine seiner Facetten. Hier kommt er in Form des interessierten Gesprächspartners (s. Zitat Thielicke unter 3.4) im frommen Gewand.
Auch unsere alltäglichen Versuchungen können die Gestalt von Fragen rund um die Bibel annehmen. Sie verleiten uns zur Gebotsübertretung (Darf ein Christ das wirklich nicht?) oder zum Zweifel (Glaubst du wirklich, dass Gott dir hilft?).
Eines seiner Mittel, das zu erreichen, ist die verdrehte Wahrheit bzw. die Halbwahrheit. Wie oben gezeigt, stimmt ein Teil der Aussage „ihr werdet sein wie Gott“. Aber eben nur ein Teil. Der andere Teil und vor allem die Konsequenzen werden verschwiegen (s. Beispiel unter 3.4). Dabei ist die Sünde, mit der er uns lockt, fast immer „süß“, also verlockend. Sonst hätten wir ja kein Problem, ihr zu widerstehen.
3. Die folgenreiche Abkehr (3,4-7)
Letzten Endes liegt Satans Ziel darin, dass der Mensch von Gott wegschaut und nur noch sich selbst sieht. Vor allem mit dem Blick darauf, was mir fehlt. So wie die Frau nur noch den einen verbotenen Baum sieht und nicht mehr die vielen ebenso guten Bäume. In diesem Moment ist ihr Blick dafür verstellt, das Gott ihr alles schenken will, sie sieht nur den Mangel und versucht ihn zu stillen. Hier ist die Frage vor allem, wie das bei Christen aussehen kann bzw. wo gibt es auch im geistlichen Bereich Herausforderungen, bei denen uns der Gedanke kommen kann, Gott meine es nicht gut (siehe 3.4).
Martin Luther verwendet das Bild vom „in sich verkrümmten Menschen“. Dieser Mensch hat sich von Gott abgekehrt und sieht nur noch sich selbst und das, was er alles haben will, aber nicht hat. Die logische Konsequenz ist dann, dass der Mensch anfängt, sich alles zu nehmen, was er haben will, egal ob es gut ist oder nicht, egal ob es hilft oder nicht.
Zwei Gedanken zur Hilfe:
- Wir tun gut daran, Folgen unseres Handelns abzuwägen. Wenn ich nachgebe, welche Konsequenz wird das am Ende haben?
- Die wichtigste Hilfe ist aber, uns daran zu erinnern, dass unsere Bedürfnisse nicht durch Dinge innerhalb dieser Welt gestillt werden. Das Grundbedürfnis, eine Beziehung zum Schöpfer zu haben und von ihm unsere Identität und unseren Wert zugesprochen zu bekommen, ist durch den Stellvertretertod Jesu Christi wieder möglich geworden. Darüber hinaus haben wir alles, was wir innerlich brauchen, durch Jesus Christus erhalten. Diesen Gedanken kann man z.B. durch einen Blick in Epheser 2 vertiefen, wenn wir uns ansehen, welche Privilegien wir durch Jesus haben (mitgestorben, mitauferweckt, mitsitzend im Himmel).
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Zu Punkt 2:
- Zitat Helmut Thielicke: „Der Teufel gibt sich frömmer als eine Betschwester und bibelkundiger als ein Theologieprofessor.“
- Gutes Beispiel für halbe Wahrheiten finden wir in der Werbung. Z.B. sieht man bei Alkohol- oder Zigarettenwerbung immer nur den genussvollen Teil, aber nie die schädlichen Folgen des Konsums.
Zu Punkt 3:
Sätze, die man sich vielleicht sagt, wenn man denkt, Gott meine es nicht gut bzw. Gott enthalte uns etwas vor:
- Es gibt so viele tolle Urlaubsangebote, aber du musst deinen Urlaub mit Freizeitarbeit verbringen. Und jetzt schickt Gott auch noch schlechtes Wetter. Warum opferst du für so einen Gott deine Zeit?
- Alle anderen können am Sonntag ausschlafen, aber du musst zum Gottesdienst gehen, damit Gott dich lieb hat.
(Henrik Homrighausen)