Predigtthema: Wenn wir untreu sind, bleibt Gott doch treu (Thema laut Textplan)
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Bei den vorliegenden Abschnitten handelt es sich um Erzähltexte, nicht um ausdrückliche Lehrtexte. Das heißt, dass die Wertung von Handlungen nicht direkt im Text selbst zu finden ist, sondern einer sauberen Einordnung bedarf.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Keil/Delitzsch, Biblischer Kommentar über das Alte Testament, Band 3 (online verfügbar unter https://www.sermon-online.com/de/contents/15233)
- Helmut Thielicke, Wie die Welt begann. Der Mensch in der Urgeschichte der Bibel, darin: Die Geschichte vom Sündenfall, Kapitel I+II, Stuttgart 1964
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Die Anmerkungen und Wortbezüge richten sich nach dem Text der revidierten Elberfelder Bibel in der Textfassung 2020.
Struktur des Textes
3,8-13: Begegnung Gottes mit dem Menschenpaar
3,14-15: Bestrafung der Schlange
3,16: Bestrafung der Frau
3,17-19: Bestrafung des Mannes
3,20-24: Gottes gnädiges Handeln nach dem Sündenfall
Anmerkungen zu den Versen
3,8-13: Die Verse schildern die Begegnung Gottes mit dem Menschenpaar nach dem Sündenfall. Aus dieser Begegnung werden verschiedene Aspekte deutlich:
- Es gibt nach dem Essen der Frucht eine Barriere zwischen Mensch und Gott. Die Menschen haben das Bedürfnis, sich zu verstecken. Sie wissen nach dem Bruch des Gebots, dass er nun etwas zu verbergen hat (s. Predigthilfe vom 06.07.2025). Nachdem sie sich in Vers 7 zunächst voreinander bedecken, was auch auf einen ersten Riss zwischen Mann und Frau weist, fliehen sie nun auch vor Gott, weil es zwischen ihnen und ihm einen Bruch gibt. Die Stimme, die ihnen in Kapitel 2 noch Lebensatem einhauchte und die Erlaubnis zur Nutzung des Gartens zusprach, flößt ihnen nun Angst ein.
- Der Mensch hat eine erste Gotteserkenntnis. Er muss erkennen, dass er zwar versucht, sich vor Gott zu verstecken, dass dies aber nicht möglich ist. Gott sieht und findet den Menschen auch zwischen den Bäumen.
- Gott tritt auf wie ein Seelsorger. Er wusste, wo die Menschen sind, aber er gibt ihnen mehrfach die Chance, ihre Schuld einzugestehen. Er fragt, wo sie sind, obwohl er es weiß. Er fragt, woher sie von ihrer Nacktheit wissen, obwohl er es weiß. Er fragt, ob sie von dem Baum gegessen haben, obwohl er es weiß. Er kommt also nicht direkt als Strafender, sondern gibt ihnen dreimal die Chance zum Bekenntnis.
- Schon hier wird erkennbar, dass der Mensch seit dem Sündenfall von der Tendenz getrieben ist, Schuld abzuwälzen. Anstatt eigenes Versagen zuzugeben, verweist der Mann auf die Frau, die Frau auf die Schlange.
3,14-15: Als erstes werden allerdings nicht die Menschen bestraft, die gesündigt haben, sondern die Schlange, die sie dazu verführt hat.
- Die Schlange wollte an die Stelle Gottes treten und die Menschen mit ihrem Wort (ver-)leiten. Statt diese Stelle einzunehmen, wird sie nun in den Staub gedrückt.
- Die Schlange hat die Menschen zum Essen verführt, nun wird sie selbst zum Essen verflucht – zum Essen von Staub.
- Dies ist nicht so zu verstehen, dass die Schlange vorher eine größere Gestalt auf zwei oder mehr Beinen war und nun im Staub leben muss. Eher sollte dies als Akt der Demütigung verstanden werden. Weil sie sich erhoben hat, weist Gott ihr nun erst recht ihren Platz an, er drückt sie in den Staub.
- In der Strafe für die Schlange wird allerdings auch schon Gottes Gnade mit dem Menschen erkennbar: Gott stellt den sündigen Menschen nicht auf die Seite der Schlange, sondern zieht eine Grenze zwischen der Versucherin (Schlange) und der Versuchten (Frau). „Ich werde Feindschaft setzen…“
3,16: Zwar wird vom Menschenpaar als erstes die Frau bestraft, wir sollten allerdings wahrnehmen, dass die Strafe rein vom Umfang beim Mann größer ausfällt. Die Strafe enthält einen Aspekt im ‚Auftrag‘ der Frau und einen Beziehungsaspekt:
- Der Moment des größten Glücks bei der Geburt (viele Frauen bezeichnen diesen Moment so) ist gleichzeitig auch der Moment des größten Schmerzes. Darüber hinaus hört der Schmerz damit nicht auf, sondern die Sorge um die Kinder hält in der Regel ein Leben lang an.
- Statt einer ergänzenden, liebevollen Beziehung zwischen Mann und Frau gibt es fortan ein Ringen um die Vorherrschaft. Die Frau braucht den Mann für Liebe und Zuneigung ebenso, wie für die Fortpflanzung, der hingegen wird dieses Angewiesensein ausnutzen und herrschen.
3,17-19: Auch die Strafe des Mannes enthält einen Aspekt in seinem Auftrag und einen Aspekt in der Beziehung.
- Sein Auftrag zum Bebauen und Bewahren wird nun deutlich erschwert. Seine Schuld war es, sich zum Essen verführen zu lassen, nun wird das Essen für ihn mühsam werden.
- Die Beziehung zur Natur ist fortan gestört. Er braucht die Natur zum Leben und hatte das perfekte Umfeld (s. Predigthilfe vom 06.07.2025), aber zwischen Mensch und Natur findet nun ein andauernder Kampf statt. Der Mensch versucht die Natur zu zähmen und zu kultivieren, aber die Natur holt sich immer wieder ihr „Recht“ zurück.
- Beim Mann kommt noch eine universelle Folge hinzu. Ohne die Geburtsschmerzen kleinzureden (!) muss man dennoch festhalten: Sie betreffen vor allem die Frauen in einzelnen Lebenssituationen. Die Strafe des Mannes hat Konsequenzen über ihn hinaus. Die Störung zur Natur ist weltweit. Die Schwierigkeit, der Natur die Nahrung abzugewinnen, ist weltweit gegeben.
3,20-24: Diese Verse enthalten eine zweifache Gnade. Zunächst ist es Gott selbst, der dafür sorgt, die Nacktheit des Menschen anständig zu bedecken. Manche gehen davon aus, dass hier das erste stellvertretende Opfer stattfindet, denn irgendwoher müssen die Felle ja kommen. Vom Text klar belegt ist dies allerdings nicht. Gott selbst ist es also, der dem Menschen eine Möglichkeit gibt, mit den Folgen seiner Schuld zu leben. Sodann ist es zwar hart, dass der Mensch den Garten verlassen muss. Gleichzeitig kann man dies auch als Akt der Gnade verstehen, dass der Mensch in seinem sündigen Zustand nicht auch noch ewig leben muss.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Es handelt sich um einen Erzähltext! Das heißt: Der Text selbst gibt keine Anweisungen i.S.v. tu das, lass jenes.
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Der Predigtanlass ist eine klassische Predigt im Gottesdienst am Sonntag. Der Prediger muss also die konkrete Gemeindesituation vor Augen haben. 1. Mose 3 ist ein für Christen bekannter Text. Gerade deswegen sollten Formulierungen wie „wir kommen heute zu dem bekannten Text“ o.ä. vermieden werden, damit nicht gleich am Anfang ein Gefühl von „kenne ich schon, brauche ich nur halb hinhören“ gefördert wird.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Predigt kann zwei Hauptaspekte verfolgen: (1) Der Blick auf einen langmütigen Gott, der dem Menschen zur Buße führen will, aber auch konsequent ist, wenn diese ausbleibt. (2) Sünde im Leben des Menschen hat Konsequenzen, die in der Regel über den einzelnen hinaus Auswirkungen auf andere haben.
3.2 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
1. Der seelsorgende und konsequente Gott
Anhand der Tatsache, dass Gott dem Menschen Fragen stellt, kann dieser Punkt aufzeigen, dass Gott dem Menschen nachgeht und ihn zur Umkehr führen möchte. Natürlich kennt Gott uns durch und durch, er weiß, wenn wir schuldig geworden sind. Aber er haut nicht einfach strafend drauf, sondern räumt uns Chancen der Umkehr ein. In der Anwendung kann das zweifach auf uns selbst angewendet werden: (1) Sind wir bereit zur Umkehr, uns auf Schuld hinweisen zu lassen, oder versuchen wir, selbst damit zurechtzukommen, reden sie klein oder verstecken sie. Dieser Abschnitt zeigt: Wir können uns nicht verstecken, also sollten wir bekennen. (2) Gleichzeitig können wir fragen, wie wir mit Schuld bei anderen umgehen. Folgen wir Gottes Vorbild und geben Chancen, oder sind wir rachsüchtig und unbarmherzig.
Die Bestrafung wird unausweichlich, weil die Menschen nicht bußfertig sind. Gott muss hier konsequent sein, mindestens deshalb, weil es die erste Sünde überhaupt ist und deutlich werden muss, dass wir Gottes Gebote ernst nehmen müssen.
2. Die um sich greifende Schuld
Sünde hat Konsequenzen, das wird sehr deutlich. Was als harmloser Biss in eine Frucht beginnt, zerstört die Beziehung zu Gott, die Beziehung zwischen Mann und Frau und die Beziehung zur Natur. Dieser Punkt kann etwas darstellend entfalten, wie die Strafen Gottes gestaltet sind (alle haben einen Bezug zu Auftrag und Beziehung).
Sünde sollten wir nicht nur wegen unserer eigenen Beziehung zu Gott ernst nehmen, sondern auch, weil sie selten bei uns bleibt. Meistens ziehen wir andere mit rein.
3. Der treue und gnädige Gott
Bei aller Konsequenz zeigt der Text auch Gottes Gnade und Treue.
- Es gibt eine Trennung zwischen Versucher und Mensch. Zwar ist der Mensch fortan sündig, aber er wird nicht auf die gleiche Ebene mit dem Versucher gestellt.
- Auch wenn die Aufträge für den Menschen schwieriger werden: Gott hätte hier auch ein Ende machen oder den Zugang zu Ressourcen einschränken können. Er entscheidet sich aber dafür, dass sie die Menschen weiterhin durch Sexualität fortpflanzen und Kinder nicht aus dem Automaten, sondern durch eine Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau entstehen.
Er kappt nicht den Zugang zur Schöpfung, er macht ihn nur schwieriger. Es ist eine Gnade, dass der Mensch weiterhin die Schöpfung gebrauchen darf. Stellen wir uns vor, wir müssten unabhängig von der Schöpfung für unser Überleben sorgen.
- Selbst die Vertreibung aus dem Garten ist Gnade. Der Mensch wird bewahrt vor einem ewigen Leben als Sünder. Stattdessen wird der Ausweg bereits angekündigt.
In der Zuspitzung dieses Abschnitts sollten wir wahrnehmen, dass die Menschen – anders als Kapitel 2 es ankündigt – hier nicht buchstäblich stirbt, sondern weiterlebt. (Die Aussage, hier finde ein geistlicher Tod statt oder der Mensch sei für Gott gestorben, scheint weit hergeholt und ist durch den Text nicht unmittelbar gedeckt.) Stattdessen wird die eigentliche Strafe – der Tod – um einige tausend Jahre hinausgeschoben. Für die Sünde des Menschen stirbt Jesus Christus am Kreuz.
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Als Beispiel in Punkt 1 eignet sich ein Blick in die Erziehung. Wer eine dem Kind angekündigte Strafe nicht auch umsetzt, wird dafür sorgen, dass Gebote irgendwann nicht mehr ernst genommen werden.
Es bietet sich in Punkt 2 an, konkrete Lebensbeispiele auszumalen, um die Folgen dieser Strafe deutlich zu machen. Sorge um die Kinder, Missverständnisse und Kämpfe zwischen Männern und Frauen, die Mühe der Arbeit sind uns ja nur zu gut bekannt und können die Predigt lebendig werden lassen.
Gleiches gilt für die Tatsache, dass Sünde Auswirkungen auf andere hat. Hierzu gibt es sicherlich handfeste Beispiele.
(Henrik Homrighausen)