Apostelgeschichte

Predigthilfe vom 29. Juni 2025 – Apostelgeschichte 9,1-22

Jahresthema: Wie Menschen neu werden:  Bekehrungsgeschichte aus Apostelgeschichte   
Predigtthema: Neue Menschen: Kapitulation vor Jesus – Paulus  

(Vorschlag zur Textlesung  Gal 1,13-16) 

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)! 

1. Sehen, was dasteht 

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung). 

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext 

Im Rahmen unseres Jahresthemas betrachten wir verschiedene Bekehrungsgeschichten aus der Apostelgeschichte. Der heutige Predigttext aus Apostelgeschichte 9 schildert die Begegnung des auferstanden Herrn Jesus mit Saulus, der Christen bis nach Damaskus verfolgte (Apg 8). Es kommt zu einer unglaublichen Lebenswende: Der, welcher einst Christen verfolgte, wurde selbst Christ. 

Dieser Text hat eine besondere Botschaft für uns heute: 

1. Gott stellt sich in den Weg  
2. Gott zwingt den Menschen zur Kapitulation  
3. Gott verwandelt das Herz von Hass zur Liebe  

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes 

Hilfen zur Auslegung bieten z.B. 

  • Neudorfer, H.-W. (2007) Apostelgeschichte. Herausgegeben von G. Maier. Holzgerlingen: Hänssler (Edition C Bibelkommentar Neues Testament). 
  • Werner de Boor. Die Apostelgeschichte – Wuppertaler Studienbibel. 
  • Wiersbe, Warren W.; Wiersbe Kommentar NT Band 1 – Matthäus bis Apostelgeschichte, CLV. 
  • Vergleiche Predigthilfe von Jochen König vom 7.10.2001 – Apostelgeschichte 9, 1-19 und die Predigthilfe von Eckhard Löffler vom 6.11.2005 – Apostelgeschichte 9, 1-19 

 1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes 

Die Berufung des Saulus – vom Verfolger zum Verkündiger 

V.1-2 Getrieben von einem blinden Hass: Saulus, war ein junger, hochgebildeter Pharisäer und entwickelte sich zu einem fanatischen Verfolger der ersten Christen. Sein Eifer für das jüdische Gesetz war so extrem, dass er – wie in Apg 7,57–8,1 berichtet – sogar der Steinigung des Stephanus zustimmte. Er betrachtete die Anhänger Jesu als bedrohliche Sekte, die es im Namen seines Glaubens auszulöschen galt. Aus Überzeugung und mit der schriftlichen Erlaubnis des Hohenpriesters reiste er nach Damaskus, um dort Christen gefangen zu nehmen – in dem festen Glauben, Gottes Willen zu tun.  

– „schnaubte“ vor Hass: Beschreibt das Bild eines wilden Tieres, das voller Wut einatmet.  

– „Hohepriesterliche Vollmacht“: Offizielle Unterstützung des Hohen Rates – zeigt seine enge Verbindung mit den religiösen Autoritäten in Jerusalem. 

– „Anhänger des Weges“: Frühe Selbstbezeichnung der Christen (vgl. Apg 19,9.23; 22,4). Betont den Lebensstil und die Nachfolge Jesu als „Weg“ (vgl. Joh 14,6). 

V.3-4 Aufgehalten von der Herrlichkeit Gottes: Auf dem Weg nach Damaskus umgibt ihn plötzlich ein Licht vom Himmel, heller als die Sonne (vgl. Apg 26,13). Überwältigt von der göttlichen Erscheinung stürzt Saulus zu Boden (nicht vom Pferd). Eine Stimme ruft seinen Namen: „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ – es ist eine direkte Konfrontation durch den auferstandenen Christus. Jesus stellt sich schützend vor seine Gemeinde, macht sich eins mit ihr. Saulus ist sprachlos und erschüttert – er fällt nieder und kapituliert, er kann nicht anders – es ist die einzig mögliche Reaktion vor Gottes Herrlichkeit. 

– „Licht vom Himmel“: Zeichen göttlicher Offenbarung (vgl. Dan 10,6; Mt 17,2). Hinweis auf die göttliche Herrlichkeit und auf Jesus als das Licht der Welt (Joh 8,12). 

– „Warum verfolgst du mich?“: Christus identifiziert sich direkt mit seinen Nachfolgern – eine theologische Kernwahrheit über die Einheit von Christus und seiner Gemeinde. 

V.5-6 Konfrontiert mit der Wahrheit: Völlig verunsichert fragt Saulus: „Herr, wer bist du?“ Die Antwort trifft ihn bis ins Mark: „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“ Die Wahrheit wird offenbar – der als Gotteslästerer verachtete Jesus ist tatsächlich der lebendige Sohn Gottes. Jesus fordert Saulus auf, weiter nach Damaskus zu reisen, wo ihm offenbart werden wird, was zu tun ist. Die Autorität liegt nun nicht mehr bei Saulus – sondern bei dem, der ihm begegnet ist. 

– „Es wird dir schwerfallen, gegen den Stachel auszuschlagen“: Ist nicht in allen Handschriften enthalten. Ist ein Sprichwort, das aufzeigt, wie aussichtslos und selbstzerstörerisch Saulus’ Widerstand gegen Gott ist. 

V.7 Stille Beobachter und Zeugen: Auch seine Begleiter erleben das übernatürliche Ereignis. Sie hören zwar die Stimme, sehen jedoch niemanden. Sie werden zu Zeugen dessen, was Gott mit einem Menschen macht, wenn er ihn bekehrt – es war keine Einbildung, sondern ein reales göttliches Eingreifen. Auch für sie wird ihre Reise dadurch in Frage gestellt – was sie miterleben, stellt auch ihr Leben in Frage.  

– „hörten eine Stimme“: Erklärung siehe unter 2.1. Hermeneutische Hinweise. 

V.8-9 Mit Blindheit geschlagen – Zeit zum Nachdenken: Der selbstbewusste Theologe erblindet und wird wie ein Kind an der Hand nach Damaskus geführt. Drei Tage isst und trinkt er nichts. Er ist erschüttert und orientierungslos und erlebt eine innere Krise. Diese nutzt Gott, um ihn auf seine Bekehrung und Berufung vorzubereiten.  

– „nicht sehen“: Körperliche Blindheit verdeutlicht seinen geistlich blinden Zustand. 

– „Drei Tage“: Erinnerung an Jesu Tod und Auferstehung – auch bei Saulus beginnt eine Art „neues Leben“ nach drei Tagen. 

V.10-12 Hilfe zur rechten Zeit: Gott bereitet den nächsten Schritt vor. Ein Jünger namens Hananias, erhält die Anweisung von Gott Saulus aufzusuchen, ihm die Hände aufzulegen und ihm zu helfen, damit er sehend wird. Auch Saulus selbst wurde dies in einer Vision angekündigt – Gott handelt auf beiden Seiten parallel. 

– „Hananias“ ist ein gewöhnlicher Jünger, kein Apostel – zeigt, dass Gott auch durch einfache Gläubige wirkt. 

– „Die doppelte Vision“ – Saulus sieht Hananias, Hananias sieht Saulus: Betont die göttliche Führung und ist eine Bestätigung für beide. 

V.13-14 Angst durch Glauben überwinden: Hananias zögert. Er hat von Saulus gehört – von seinen Gewalttaten gegen Christen in Jerusalem und von seinem Auftrag, auch in Damaskus Gläubige gefangen zu nehmen. Der Befehl Gottes erscheint ihm zunächst unverständlich und widersprüchlich. Wie kann Gott so einem Menschen helfen wollen? 

Sein Zögern zeigt eine berechtigte Angst wegen der Bedrohung, die von Saulus ausging, was weit verbreitet war – aber Hananias überwindet sie durch Gottvertrauen.  

V.15-16 Auserwählt, trotz dunkler Vergangenheit: Gott offenbart Hananias seinen Plan: Saulus ist „sein auserwähltes Werkzeug“, durch das er seinen Namen vor Heiden, Königen und Israel verkündigen will. Gott sieht in Saulus keinen Feind, sondern ein Gefäß Gottes, dass um Jesu willen künftig viel leiden wird  

– „Werkzeug“: Meint ein speziell ausgewähltes Gefäß und betont Gottes Gnade und Berufung. 

– „Ich werde ihm zeigen, wie viel er leiden muss“: Die Nachfolge Jesu bedeutet nicht Macht, sondern auch Leidensgemeinschaft. 

V.17 Gehorsam und Vertrauen: Hananias sucht Saulus auf, nennt ihn „Bruder“ – ein erster Ausdruck von Annahme und Vergebung – und legt ihm die Hände auf. Er spricht Gottes Heilung zu, sowohl körperlich als auch geistlich: Saulus wird mit dem Heiligen Geist erfüllt (Apg 2) – ein Zeichen göttlicher Neugeburt und Berufung. 

V.18-19 Neues Leben beginnt: Das Wunder geschieht und Saulus wird wieder sehend. Er steht auf, lässt sich taufen, nimmt Nahrung zu sich und gewinnt neue Kraft. Aus dem Christenverfolger wird ein veränderter Mensch, bereit, sein Leben in den Dienst Jesu zu stellen. Die Auswirkungen dieser Veränderung zeigen sich unmittelbar: Schon bald verkündet er in den Synagogen, dass Jesus der Sohn Gottes ist. 

– „Die Heilung“: physisch (Blindheit endet) und geistlich (er kann nun „sehen“, erkennen). 

– „Taufe nach Bekehrung“: Äußeres Zeichen seiner Umkehr – zeigt seine Eingliederung in die Gemeinschaft der Gläubigen. 

V. 20-22 Bereit zum Zeugendienst: Saulus verliert keine Zeit – sein neuer Auftrag beginnt sofort und legt Zeugnis für Jesus ab (V.22). Saulus verwendet seine Schriftkenntnis, die er bei Gamaliel erlernt hatte, nun zur Verteidigung Jesu. 

2. Verstehen, worum es geht 

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung) 

In Apostelgeschichte 9, 22 und 26 wird die Bekehrung des Paulus aus verschiedenen Blickwinkeln geschildert – einmal durch Lukas, zweimal durch Paulus selbst. Der scheinbare Widerspruch besteht darin, dass es in Apg 9 heißt, die Begleiter hörten die Stimme, in Apg 22 dagegen, sie hätten sie nicht gehört. Die Lösung liegt im Sprachgebrauch: Die Begleiter hörten zwar ein „Geräusch“, verstanden aber nicht die Worte. Paulus hingegen „hörte und verstand“ die Stimme Jesu direkt. So widersprechen sich die Berichte nicht, sondern ergänzen sich. 

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass) 

Das Jahresthema bietet eine gute evangelistische Gelegenheit – hier verschiedene Möglichkeiten und Ideen:  

Bekehrungszeugnis erzählen:  

Lass vor der Predigt einen Christen aus der Gemeinde erzählen, wie er zum Glauben an Jesus gekommen ist. Das muss keine spektakuläre Bekehrungsgeschichte sein, sondern ein authentisches Zeugnis, wie die Person zum Glauben finden durfte. Hilfreich ist, die Person im Vorfeld zu kennen und anzufragen. Es kann ein kurzer Bericht oder ein Interview sein. Drei hilfreiche Fragen dazu (pro Frage ca. 1 min.): 

  • Wie bist du zum Glauben an JESUS gekommen oder hast von JESUS gehört? 
  • Was hat dich damals im Herzen angesprochen und was war der Auslöser? 
  • Was hat sich seitdem in deinem Leben und Alltag verändert? 

Erkläre, wie ein Leben mit JESUS beginnt:  

Zeige in der Predigt auf und erkläre, wie man ein Glaubensanfang mit JESUS macht. Gib ggf. ein Beispiel eines Gebets!  

Fordere die Menschen zur Entscheidung auf:  

Am Ende der Predigt kann man die nicht bekehrten Zuhörer konkret einladen, eine Entscheidung zu treffen und ihr Leben Jesus in einem Gebet anzuvertrauen. Wer im Herzen angesprochen ist oder Fragen hat, kann gern einen Mitarbeiter oder den Pastor ansprechen. 

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung) 

Nachfolgende Fragen können helfen, den Inhalt der Predigt persönlich zu reflektieren und zur Umkehr anregen: 

  • Bin ich wie Saulus überzeugt, das Richtige zu tun und jage blind dem falschen Ziel nach? – Wo bin ich auf einem Irrweg?  
  • Wie reagiere ich, wenn Jesus meine Wege und Vorhaben durchkreuzt? – Will Gott dich neu auszurichten? 
  • Bin ich bereit, wie Hananias zu sagen: „Hier bin ich, Herr“ – auch wenn es mich Überwindung kostet? 
  • Wie reagiere ich, wenn Gott mir unbequeme Menschen oder Aufgaben zumutet? 
  • Lasse ich mir von Gott neue Sicht schenken – über mich, meine Mitmenschen, meine Berufung? 
  • Wen könnte Gott heute durch mich ansprechen oder gebrauchen – wie Hananias für Saulus? 
  • Vertraue ich darauf, dass Gott auch aus meinem Versagen ein Werkzeug seiner Gnade machen kann? 
  • Wie sichtbar ist meine Kapitulation vor Jesus im Alltag – und was hat sich geändert? 
  • Sind wir bereit, für unseren Glauben an JESUS – wie Paulus – auch Ablehnung, Leiden oder Spott zu ertragen? 

3. Sagen, wo es hingeht 

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt? 

Die Predigt soll den Zuhörern  

  • Gottes Güte und Gnade aufzeigen – kein Mensch ist so tief gefallen, dass Gott der HERR ihn nicht retten könnte. 
  • Gottes Möglichkeiten und Berufungen vor Augen führen – er will uns trotz unserer Vergangenheit zu einem Zeugnis für ihn machen.   

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt? 

Die Geschichte von Saulus’ radikaler Bekehrung zeigt, wie Gott Menschen völlig verändern kann – auch die, die sich am weitesten von ihm entfernt haben. Saulus war ein Christenverfolger, religiös fanatisch und auf dem völlig falschen Weg. Seine Begegnung mit dem auferstandenen Jesus markiert einen völligen Umbruch – einen neuen Anfang. Jesus begegnet ihm nicht mit Zorn, sondern mit einem klaren Auftrag und neuer Berufung. 

Gott reißt Menschen aus ihrem bisherigen Leben heraus und führt sie aus der geistlichen Blindheit und Dunkelheit in sein Licht (Eph 5,8).  

Die Rolle des Hananias ist ebenso bedeutend: Ein gewöhnlicher Jünger wird von Gott gebraucht, um ein Glaubenshelfer für ein besonderes Werkzeug Gottes zu werden. Trotz innerer Zweifel und Abneigung gehorcht er und geht zu Saulus – ein Zeichen tiefen Vertrauens und gelebter Jüngerschaft.  

Die Berufung Sauls vom Christenverfolger zum Jesusnachfolger unterstreicht, wie Gott souverän handelt. Seine Gnade wählt, wo Menschen verwerfen würden. 

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt? 

1. Gestoppt – Jesus durchkreuzt meinen falschen Lebensweg 
2. Geöffnet – Jesus verändert mein Herz und Ziel 
3. Gesendet – Jesus macht aus Gegnern Zeugen 

1. Gott stellt sich in den Weg  
2. Gott zwingt den Menschen zur Kapitulation  
3. Gott verwandelt das Herz von Hass zur Liebe  

1. Gott stoppt den falschen Weg – Jesus stellt sich in den Weg (V.1–9) 
2. Gott gebraucht gewöhnliche Menschen – Hananias wird gebraucht (V.10–17) 
3. Gott macht aus einem Feind ein Freund – Paulus beginnt neu (V.18–22) 

Gliederungsvorschlag (nach Dr. H. Krimmer)  

1. Er war sich seiner Sache ganz sicher  
2. Jesus greift oft nach den Besten  
3. Bekehrung heißt Lebenswende 

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt? 

Achtung Falschfahrer: Ein Mann fährt nachts auf der Autobahn. Im Radio kommt die Verkehrsmeldung: „Achtung, auf der A5 kommt Ihnen ein Falschfahrer entgegen.“ 

Er murmelt: „Einer? Ich sehe hier Dutzende!“ 

Der Mann ist überzeugt, richtig zu fahren – aber in Wahrheit ist er selbst der Falschfahrer. 

So ähnlich war es bei Paulus. Voller Überzeugung war mit Vollgas unterwegs, religiös topmotiviert – aber komplett in die falsche Richtung. 

(Klaus Eberwein)