Predigthilfe für den 06.01.2019
Predigtthema: Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus
Predigttext: Römer 5,1-11
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
- Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Mit Römer 5 beginnt ein neuer Abschnitt im Römerbrief. Römer 1-4 beschreibt das Wie der Rechtfertigung. Römer 5-8 das Wozu der Rechtfertigung, also die Folgen der Rechtfertigung: das Leben aus Glauben – „Heiligung“ genannt. Wie in einem Gerichtsprozess zeigt Paulus in Römer 1-4, dass ausnahmslos alle Menschen untauglich sind für Gottes Reich, sowohl Heiden, als auch Juden. Gott aber rechtfertigt den Sünder allein aufgrund seiner Gnade durch das Sühneopfer von Jesus Christus am Kreuz. Wer dieses Opfer im Glauben für sich annimmt, den spricht Gott gerecht, und zwar nicht aufgrund seiner guten Werke, sondern allein aus Glauben.
In den Kapiteln 1-4 kommt das Wort „glauben“ deshalb über 25 mal vor, das Wort „leben“ aber nur 2 mal. Dagegen behandeln die Kapitel 5-8 das Leben des aus Glauben Gerechten. Das Wort glauben erscheint nun fast nicht mehr, dagegen das Wort „leben“ 25 mal!
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Adolf Pohl, Der Brief des Paulus an die Römer, Wuppertaler Studienbibel
- Heiko Krimmer, Römerbrief, Edition C
Bitte studiert auch den hilfreichen Predigttipp von Eckhard Löffler vom 04.09.2005 zu Römer 5, 1-5 und von Mathias Koch vom 29.06.2014 zu Römer 5, 1-11 unter www.studienbibel.de. Beachtenswerte Anmerkungen zum Predigttext bietet z.B. die MacArthur Studienbibel und div. andere Studienbibeln.
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes Vers 1:
„Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben“: Mit diesem Satz fasst Paulus noch einmal das Ergebnis seiner Ausführungen in Kap. 1-4 zusammen und leitet zum nächsten Gedankengang über: dem neuen Leben aus Glauben.
Paulus verwendet das Wort rechtfertigen fast ausschließlich als Tätigkeit und Urteil Gottes, womit er den Glaubenden rechtfertigt (Römer 3,26). Das macht deutlich, dass es alleine Gott ist, der rechtfertigen kann.
„…haben wir Frieden mit Gott“: Frieden mit Gott ist nun das Ergebnis der Rechtfertigung aus Glauben. Frieden ist ein Zustand, den der Mensch nicht selbst herbeiführen kann, sondern er ist nur durch Gottes Erbarmen möglich. Deshalb kann die Botschaft des Evangeliums auch als Evangelium des Friedens bezeichnet werden, vgl. Epheser 2,17: „Und er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren.“ Der Mensch, der Frieden mit Gott hat, kann auch Friedensstifter sein, vgl. Römer 12, 17: „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“ Hier ist die Reihenfolge innerhalb des Briefes wichtig: zuerst Rechtfertigung und dann Aufforderung: Paulus fordert die aus Glauben Gerechten auf, mit allen Menschen Frieden zu haben.
Vers 2:
„…Zugang zu dieser Gnade“: Der Sünder hat keinen Zutritt zu Gottes Gegenwart. Ganz anschaulich wird diese Tatsache durch den Aufbau und die Ordnungen der Stiftshütte, die Gott anordnete, bzw. später den Tempel: Das Allerheiligste war durch einen Scheidevorhang abgetrennt. In das Allerheiligste, die Gegenwart Gottes, durfte nur der Hohepriester und das auch nur einmal im Jahr, am großen Versöhnungstag, unter genauen Anweisungen. Durch Jesus ist der Zugang zu Gottes Gegenwart nun frei: der Scheidevorhang im Tempel zerriss, als Jesus am Kreuz für die Sünden der Menschen starb (Mt 27,52). Es ist kein weiteres Opfer mehr nötig, der Glaubende hat durch das Gebet Zugang zu Gottes Thron.
„…rühmen uns aufgrund der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes“: Frieden mit Gott spricht die Gegenwart des Glaubenden an, Herrlichkeit Gottes ist noch Zukunft und deshalb die Hoffnung des Glaubenden.
Schloss Paulus in Römer 3, 27 das Rühmen noch aus („Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens.“), so hält er es jetzt für nötig, und es ist auch klar warum: in Bezug auf sich selbst bzw. auf den Menschen ist das Rühmen ausgeschlossen: es wurde ja festgestellt, dass alle Menschen, ohne Ausnahme, Sünder sind. Nun rühmt Paulus doch, aber nicht sich selbst, sondern er rühmt die Herrlichkeit Gottes bzw. in Vers 11 Gott selbst. Das Wort Rühmen hat in der Bibel eine negative Bedeutung, wenn es um den Menschen und seine Leistungen geht. Aber in Bezug auf Gott, bzw. auf das was er schenkt, ist es positiv, ja nötig und Ausdruck lebendigen Glaubens.
Vers 3- 5:
Was Paulus nun ausführt, könnte wie eine kalte Dusche wirken. War eben noch von Herrlichkeit Gottes die Rede, geht es nun um Bedrängnisse. Das Wort Bedrängnis bedeutet wörtlich zusammendrängen. Es bedeutet Bedrückung, Drangsal, Trübsal und ist der zentrale Ausdruck im NT für das Leiden der Christen in der Welt, besonders unter der Verfolgung (vgl. Apg 14,22: „Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und sagten, dass wir durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes hineingehen müssen.“). Warum also kann sich Paulus in Bedrängnis rühmen? Weil er das Ziel im Blick behält: die Hoffnung darauf, einmal an Gottes Herrlichkeit teilhaben zu dürfen (Vers 2). Bedrängnisse kann Paulus als etwas sehen, das Gott zulässt, um Heiligung zu bewirken. Das führt er weiter aus: Warum lässt die Hoffnung auf die Herrlichkeit nicht zuschanden werden, warum enttäuscht sie nicht? „…denn Gott hat uns mit dem Heiligen Geist, den er uns geschenkt hat, auch seine Liebe ins Herz ausgegossen“ (NeÜ). Nun kommt Paulus zum ersten Mal auf den Beistand zu sprechen, den Jesus seinen Jüngern versprochen hat, den Heiligen Geist (Joh 14,16). Hier finden wir das Geheimnis, warum sich Paulus in Bedrängnissen rühmen kann: Gott rüstet den aus Glauben Gerechten mit seinem Geist aus, der hier vor allem als Geist der Liebe charakterisiert wird. In allen Bedrängnissen und Anfeindungen hilft der Geist, mit Liebe, statt mit Hass oder Verbitterung zu reagieren. Dass der Geist „ausgegossen“ wurde, soll die Tatsache betonen, dass Gott den Glaubenden durch den Geist mit überfließender Liebe beschenkt. Liebe also, die durch den Glaubenden zu anderen Menschen „überschwappt“. Ganz so, wie es Gottes Art ist, ganz so, wie Jesus das vorgelebt hat.
Diese Verse zeigen ganz eindringlich, dass es ein Christsein ohne Schwierigkeiten und Anfeindungen nicht gibt. Vielmehr gebraucht Gott Schwierigkeiten, damit der Glaube sich dadurch bewährt. Ein Leben ohne Leiden wird es erst am Ziel, in Gottes Herrlichkeit geben. Bis dahin muss der Gerechte aber nicht verzagen, weil der Geist Gottes seiner Schwachheit aufhilft.
Vers 6-10:
„…als wir noch kraftlos waren“: kraftlos heißt, ohne Kraft in Bezug auf geistliche Dinge. Der Mensch kann zu seiner Erlösung nichts beitragen. Im Gegenteil: er ist durch und durch Sünder und damit Feind Gottes (Vers 11). Paulus macht sehr deutlich, dass Sünde kein kleines Problem, keine Lappalie ist, sondern nichts anderes als Feindschaft gegen Gott (vgl. Römer 8,6f: Was der Geist will, bringt Leben und Frieden, aber was die menschliche Natur will, bringt den Tod. Denn der menschliche Eigenwille steht dem Willen Gottes feindlich gegenüber; er unterstellt sich dem Gesetz Gottes nicht und ist dazu auch gar nicht fähig.).
Nun wird auch klar, warum Frieden mit Gott ein besonderes Geschenk ist: Es war allein Gottes Entscheidung, sich mit dem feindlich gesinnten Menschen zu versöhnen und so Frieden zu stiften. Dafür nahm Jesus Christus den Tod am Kreuz auf sich. Am Kreuz zeigt sich die Feindschaft des Menschen Gott gegenüber ganz unmaskiert: dass der Mensch nämlich fähig war (und immer noch ist), den hinzurichten, der sein Leben lang nur Gutes tat. Nachdem dies gesagt ist, führt Paulus den unfassbaren Gedanken aus, dass Christus für den ihm feindlich gesinnten Menschen freiwillig und aus Liebe starb. Das Kreuz zeigt also zweierlei: den abgrundtiefen Hass, der im Menschen steckt und der vor nichts und niemandem zurückschreckt und die abgrundtiefe Liebe Gottes, die sich durch nichts und niemanden aufhalten lässt und so Erlösung für diejenigen schafft, die ihre große Schuld eingestehen.
Ähnlich wie in Röm 4,25 macht Paulus hier in Vers 10 deutlich, dass selbstverständlich Tod und Auferstehung zusammenwirken und zusammengehören. Ohne die Auferstehung würde das alles nichts bringen (1. Kor 15).
Vers 11:
Paulus schließt den Gedankengang mit dem Rühmen ab. Wer so mit Gott durch Jesus Christus versöhnt wurde, kann nicht anders als Gott dafür zu loben. Wieder ist jeglicher Eigenruhm ausgeschlossen.
- Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Wir befinden uns im Zentrum des Heilsplanes Gottes. Der im Alten Testament angekündigte Friedefürst (Jes 9,5) ist in Jesus gekommen. Durch ihn kommt der Friede, zuerst zu allen Glaubenden. Das im AT angekündigte Friedensreich steht aber noch aus. Ganz realistisch schildert Paulus, dass der Friede, den Gott schenkt, ein Friede mitten im Unfrieden und den Bedrängnissen dieser Welt ist. Diese zunächst traurige Tatsache führt aber nicht zu Resignation, sondern im Gegenteil: wer Frieden erfahren hat und mit Gottes Liebe überschüttet wurde, ist aufgefordert, Liebe weiter zu geben und den Frieden zu suchen!
2.2 Hinweise für situative Überlegungen
Das Monatsthema lautet: „Frieden aktiv suchen und leben. Entfaltung der Jahreslosung.“ In manchen Gemeinden wird dies die erste Predigt im neuen Jahr sein. Andere haben bereits eine Predigt über die Jahreslosung gehört. Auf jeden Fall kann an die Jahreslosung angeknüpft werden. Es sollte bedacht werden, dass sich viele Zuhörer gerade am Jahresanfang viele Hoffnungen für das neue Jahr machen. Hier kann ebenfalls angeknüpft werden: was bringt wohl das neue Jahr? Welche Hoffnungen verknüpfen wir mit dem neuen Jahr? Was, wenn unsere Hoffnungen enttäuscht werden und wir stattdessen in Schwierigkeiten stecken, wer oder was trägt dann noch?
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
„Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben“: Diese Aussage fordert geradezu auf zu der Frage: Bist du auch gerechtfertigt aus Glauben? Hast du das neue Leben aus Gott erhalten und bist aus Gott wiedergeboren? Denn nur dann gilt, was Paulus über die Folgen der Rechtfertigung schreibt: „…haben wir Frieden mit Gott … Zugang zu dieser Gnade …werden wir vom Zorn errettet… etc.“. Diese evangelistische Zuspitzung sollte nicht weggelassen werden – auch nicht in Gemeinden/Gemeinschaften, bei denen wir meinen, dass eh alle gläubig sind.
- Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Zuhörer sollen erkennen, dass die Glaubensgerechtigkeit die Voraussetzung für ein Leben im Glauben ist.
Wo Gott Gerechtigkeit schenkt, beginnt Leben mit ganz neuer, göttlicher Qualität. Der Glaubende ist ein Beschenkter!
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Die Frage nach der Gerechtigkeit aus Glauben steht am Anfang: Bist du auch ein aus Glauben Gerechter?
Die Segnungen, die Gott denjenigen schenkt, die ihm vertrauen können nun dargelegt werden. Wer möchte, kann auf dem ersten Aspekt: Friede mit Gott, einen besonderen Schwerpunkt legen.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
Was Gott dem Glaubenden schenkt:
- Frieden mit Gott im Herzen (Vers 1)
- Zugang zu Gott im Gebet (Vers 2)
- Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes (Vers 2)
- Überfließende Liebe durch den Geist trotz Bedrängnis (Vers 3-5)
- Versöhnung durch Kreuz und Auferstehung (Vers 6-11)
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Worauf es ankommt!
Es kommt nicht darauf an, geliebt zu werden,
- sondern zu lieben.
Es kommt nicht darauf an, zu genießen,
- sondern zu schenken.
Es kommt nicht darauf an, sich durchzusetzen,
- sondern sich einzusetzen.
Es kommt nicht darauf an, den Frieden zu erwarten,
- sondern Friedensstifter zu sein.
Es kommt nicht darauf an, dass Gott tut, was ich will,
- sondern, dass ich tue, was Gott will.
Es kommt nicht darauf an, was die Menschen von mir denken,
- sondern was Gott von mir denkt.
Es kommt nicht darauf an, alles zu kennen,
- sondern das Erkannte zu tun.
Es kommt nicht darauf an, dem Leiden zu entgehen,
- sondern das Leiden sinnvoll zu ertragen.
Es kommt nicht darauf an, wann ich sterbe,
- sondern ob ich bereit bin, in Gott zu leben. (Martin Luther King)
Es kommt nicht darauf an, sich gut zu fühlen,
- sondern mit Gott im Reinen zu sein.
Es kommt darauf an, Frieden mit Gott durch den Herrn Jesus Christus zu haben (Römer 5,1).
Es kommt darauf an, dass wir das Geschenk Gottes, das ewige Leben in Christus Jesus, im Glauben annehmen (Römer 6,23).
Detlef Kranzmann
(Karlheinz Deininger)