2.Thessalonicher

Predigthilfe vom 13. Januar 2019 – 2. Thessalonicher 3, 1-5; 16-18

Monatsthema:        Frieden aktiv suchen und leben

Predigtthema:         Nur der Gott des Friedens kann Frieden geben

Predigttext:              2Thess 3,1-5 vor allem 16-18

Entnommen aus der Predigthilfe vom 5.12.2010 von Thomas Richter.

Einführung leicht überarbeitet von Klaus Eberwein.

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes.

Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

  1. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT

Mit unserem Monatsthema wollen wir die Jahreslosung 2019 an Hand einiger Paralleltexte entfalten. Dem Frieden nachzujagen bedeutet, den Ursprung des Friedens kennenzulernen. Dabei wollen wir in unserer Predigt besonders auf einige Grußformeln des Apostels Paulus achten, der oftmals seine Briefe mit einem Hinweis auf „Frieden“ beginnt und beendet.

Am Anfang: „…Gnade sei mit euch und Friede von Gott…“ 1Thess 1,1; 2Thess 1,1 so auch im Timotheusbrief und auch andere.

Am Ende: „…der Gott des Friedens…“ 1Thess 5,23;  „…der Herr des Friedens…“ 2Thess 3,16.

Daher wollen wir den Herrn und Gott des Friedens betrachten, der der Friede selbst ist und den Frieden in die Welt gebracht hat. Nichts wünscht der Mensch sich mehr für das neue Jahr – als Frieden auf Erden – das erinnert uns an Weihnachten (Lk 2,14).

Allerdings beendet Paulus seinen 2.Thessalonicherbrief (3,16) mit einem steilen Satz.

Jesus, „der HERR des Friedens gebe euch Frieden immerdar und auf alle Weise“.

Allezeit Frieden? Auf alle Weise? Was meint Paulus mit dem durchaus steilen Satz.

Er selbst hatte doch ganz andere Erfahrungen gemacht als er verfolgt, gefangen und bedrängt wurde (2Thess 3,1-5). Ganz anders empfinden wir vielleicht unsere Situation und wünschen uns, dass der HERR des Friedens uns doch wirklich allezeit auf alle Weise uns seinen Frieden schenken möge.

Hier hilft es nur, wenn wir dem reformatorischen Prinzip folgen und „Schrift durch Schrift“ erklären. Deshalb beachten wir auch folgende Abschnitte im Wort Gottes: Joh 14,23-27; Röm 15,13; Eph 2,11-22; 1Thess 5,23-28. Da der Predigttext recht knapp gehalten ist, haben wir ausreichend Zeit und Grund diese zentralen biblischen Aspekte gründlich zu entfalten und die Gemeinde vor allem mit dem Thema „Frieden“ auf das vor uns liegende Jahr aufmerksam zu machen.

Wie den ersten Brief an die Gemeinde von Thessalonich, beendet Paulus auch diesen Brief mit praktischen Ratschlägen und dem Segenszuspruch. So münden alle Ausführungen und Anweisungen ins Gebet ein. Eine Linie, die auch unseren Alltag und unseren Dienst bestimmen soll – all unser Tun und Mühen ist vom Gebet vorbereitet, begleitet und beendet.

Für die Textlesung ist die Verwendung der „Neue Genfer Übersetzung“ hilfreich (www.ngue.info).

  1. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

Hilfen zur Auslegung und Anwendung des Predigttextes bieten z.B.

* Werner de Boor: Die Briefe des Paulus an die Thessalonicher. Wuppertaler Studienbibel (S. 166f).

* Eberhard Hahn: Erster und zweiter Thessalonicher-Brief. Edition C Bibel-Kommentar Bd. 17 (S. 186-190).

* Ernest Wilson/Thomas Smith: 1.Thessalonicher/2.Thessalonicher. Was die Bibel lehrt Bd. 11 (S. 200-203).

Bitte beachtet die Texterklärungen aus der MacArthur Studienbibel zu 2Thess 3,16-18 (S. 1776 – z.B. unter: http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/53-Der_Zweite_Brief_Des_Apostels_Paulus_An_Die_Thessalonicher.pdf).

Die nachfolgenden auszugsweisen Ausführungen stammen von John MacArthur. „Kap. 7: Wie man in allen Situationen Frieden findet.“ Sorgen und Angst besiegen: Eine biblische Therapie. Hamburg: C.M. Fliß, 2000. S. 107-117:

A) Ein Gebet um Gottes Frieden

Man definiert den Frieden allgemein als ein Gefühl der Ruhe, der Gelassenheit, der Stille, des Glückes, der Zufriedenheit und des Wohlergehens, als einen Gefühlszustand also, den wir haben, wenn alles so verläuft, wie wir es uns wünschen. Diese Definition ist aber für Christen zu wenig, denn dieses Gefühl kann man auch durch Medikamente herstellen – oder durch Alkohol, Bio-Feedback, einen guten Schlaf, eine reiche Erbschaft oder gar durch wissentliche Täuschung. Wenn dir ein Freund oder ein geliebter Mensch nette Worte ins Ohr flüstert, kann diese Art des Friedens auch entstehen.

Das ist aber nicht der Friede, an den Paulus denkt. Friede, der von Gott kommt, hat nichts mit dem zu tun, was Menschen machen können oder was bei ihnen durch glückliche Lebensumstände entsteht. Nein, dieser Friede kann unter uns Menschen nicht produziert werden. Jeder Friede, den wir selbst herstellen oder erreichen können, ist brüchig. Er kann jeden Moment wieder in sich zusammenbrechen – sei es durch ausbleibenden Erfolg, durch Zweifel, Ängste, Schwierigkeiten, Schuld, Schande, Leid, Reue, Sorge, Trauer, durch die Angst, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben, durch die Befürchtung, man könne von jemandem schlecht behandelt oder gar jemandes Opfer werden, durch eine ungewisse Zukunft und durch alles, was unsere Position und unseren Besitz gefährdet. Und wir erleben Dinge wie die, die ich hier aufführe, Tag für Tag.

Der Friede, den Gott gibt, ist nicht dem Wandel des Lebens unterworfen. Er ist ein geistlicher Friede, der unser Herz und unseren Verstand verändert, wenn wir an Jesus Christus glauben und darum zutiefst wissen, dass zwischen Gott und uns alles in Ordnung ist. Dazu gehört auch die Zusicherung, dass Er über alles und alle Umstände liebevoll regiert. Wir als Christen sollten mit Gewissheit davon überzeugt sein, dass unsere Sünden vergeben sind, dass Gott sich um unser Wohlergehen kümmert und dass der Himmel, wo Gott wohnt, unsere eigentliche Heimat ist. Gottes Friede wird zu unserem Besitz und unserem Vorrecht, weil Gott ihn uns durch Sein Recht schenkt. Wir wollen zuerst sehen, woher dieser Friede kommt.

a) Frieden ist göttlichen Ursprungs

In 2Thess 3,16 wird dieser Friede auf mehrfache Weise definiert. Wir beginnen mit dem ersten Aspekt, dass der Friede nämlich göttlichen Ursprungs ist: ‚Er aber, der Herr des Friedens, gebe euch Frieden‘. Der Herr des Friedens ist der Eine, der den Frieden gibt. Im griechischen Text ist das Pronomen ‚Er‘ (autos) hervorgehoben, was unterstreicht, dass Gott persönlich total daran beteiligt ist. Frieden im Sinn der Bibel, der Friede, den allein die Christen erfahren, stammt von Ihm persönlich. Friede ist zutiefst Gottes Wesen. Ganz einfach gesagt: Frieden ist eine Eigenschaft Gottes. Wenn ich dich bitten würde, die Eigenschaften Gottes aufzuzählen, würden dir wahrscheinlich diese einfallen: Seine Liebe, Gnade, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Heiligkeit, Weisheit, Wahrheit, Allmacht, Unveränderlichkeit und Unsterblichkeit. Aber würde dir auch einfallen, Gottes Wesen durch das Attribut ‚Frieden‘ zu beschreiben? In der Tat: Er ist Friede. Und was immer Er uns gibt, ist nichts anderes als das, was Er hat und was Er ist. Bei Ihm gibt es keinen Mangel an vollkommenem Frieden. Gott steht nie unter Stress. Er ist nicht ängstlich, nie in Sorge, hat nie Zweifel, hat keine Angst. Gott ist nie mit sich selbst uneins. Er hat kein Problem damit, einen Entschluss zu fassen. Gott lebt in vollkommener Ruhe und Zufriedenheit. Warum? Weil Er für alles die Verantwortung trägt und alles so perfekt ausführen kann, wie es Seinem Willen entspricht. Da Er allmächtig ist, kann Ihn nichts überraschen. Nichts kann Seine Allmacht bedrohen oder in Frage stellen. Seine Heiligkeit wird von keiner möglichen Sünde befleckt. Sogar Sein Zorn ist klar, kontrolliert und zuversichtlich. Er kennt keine Reue, da Er nie etwas getan, gesagt oder gedacht hat, wodurch Er Seinen Willen geändert hätte. Gott lebt in vollkommener Harmonie mit sich selbst. Die Bibel bezeichnet Ihn als ‚Herrn des Friedens‘, mit dem bestimmten Artikel vor dem Wort ‚Frieden‘. Das bedeutet, dass er wortwörtlich ‚der Herr des Friedens‘ ist. Das ist wahrhaftiger Friede – Friede der göttlichen Art, nicht von der Art, wie ihn die Welt hat. Paulus betet darum, dass wir diese Art des Friedens erfahren möchten. Die Quelle dieses Friedens ist Gott – ER allein.

b) Frieden ist ein Geschenk

Dieser Friede ist nicht nur göttlichen Ursprungs, sondern auch ein Geschenk. Wenn Paulus betet: ‚Er aber, der Herr des Friedens, gebe euch Frieden allezeit‘, so ist mit dem Wort ‚geben‘ die Übergabe eines Geschenkes gemeint. Gottes Friede ist eine souveräne, gnädige Gabe, die denen verliehen wird, die an den Herrn Jesus Christus glauben. In Ps 85,9 äußert der Psalmist einen Wunsch: ‚Könnte ich doch hören, was Gott der HERR redet, dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen‘. Gott gibt Frieden denen, die Ihm gehören. Jesus sagt: ‚Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht‘ (Joh 14,27). Für Menschen in Angst und Sorge gibt es kein größeres Geschenk als Gottes Frieden. Manche suchen aber durch einen falschen Frieden nach Erleichterung für ihre Ängste und Sorgen. Gott gibt Seinen Frieden großzügig aus, aber es gibt eine Grenze. Jesaja schrieb: ‚Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der HERR; ich will sie heilen. Aber die Gottlosen sind wie das ungestüme Meer, das nicht still sein kann und dessen Wellen Schlamm und Unrat auswerfen. Die Gottlosen haben keinen Frieden, spricht mein Gott‘ (Jes 57,19-21). Er gibt Frieden denen, die aus der Ferne und aus der Nähe zu Ihm kommen – jenen, die schon als Kinder viel über Ihn gehört haben, und jenen, die wenig über Ihn wissen -, aber diejenigen, die nicht zu Ihm kommen – die Gottlosen -, empfangen keinen wirklichen Frieden. […]. Der Friede der Gottlosen ist die Folge davon, dass sie sich täuschen. Wahrer Friede hingegen ist die Folge der rettenden Gnade. In einem Gebet, das dem in 2Thess 3,16ff ähnlich ist, sagt Paulus: ‚Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben‘ (Röm 15,13a). Friede ist eine Gabe Gottes für die, die an Jesus Christus glauben.

c) Frieden kann immer empfangen werden

Gottes Friede ist die Gabe, die Er immer noch ausgibt. Paulus drückt diese Wahrheit ein wenig anders aus, wenn er sagt: ‚Er aber, der Herr des Friedens, gebe euch Frieden allezeit‘ (2Thess 3,16). Paulus betonte, dass der Friede immer empfangen werden kann. Dazu gehört freilich auch, dass der Empfang des Friedens unterbrochen werden kann. Nicht Gott unterbricht und stört unseren geistlichen Frieden, sondern wir selbst. Wir können den Friedensstrom, der in unser Leben fließt, unterbrechen, indem wir uns der Herrschaft des Fleisches beugen, das immer noch Teil dieser Welt ist. Wenn wir nicht ‚im Geist leben‘ (Gal 5,16) – was bedeutet, dass wir das Fleisch beherrschen -, sind wir offen für alle Arten der Angst und Sorge: die Furcht vor dem Unbekannten, die Angst vor Krankheit und Tod – und was wir dem alles noch hinzufügen könnten. Wie nimmt dieser unheilvolle Vorgang seinen Anfang? Es beginnt damit, dass wir uns mit all unseren Lebensbedingungen nicht mehr auf Jesus Christus ausrichten, der uns bei sich in Seiner Herrlichkeit haben möchte; es beginnt damit, dass wir unser Glück den vergänglichen Dingen dieser Welt verdanken wollen. Diese Dinge ändern sich fortwährend. Geraten sie durcheinander, dann sind wir verärgert und geraten in Verzweiflung.

Menschen, die die härtesten Probleme dieses Lebens durchstehen und dabei ruhig bleiben können, sind nicht abgestumpft oder gleichgültig; sie vertrauen eben auf Gott. Was ist, wenn dein Leben auf holprigem Wege verläuft? Was ist, wenn du dich beunruhigt, beängstigt und besorgt fühlst? Wie können wir den Frieden Gottes wieder gewinnen? Wie können wir erreichen, dass Sein Friede bei uns erst gar nicht verloren geht? Der Psalmist sagt zu sich selbst: ‚Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist‘ (Ps 42,12). Er erinnert sich selbst daran, dass Gott da ist, um ihm zu helfen. Wir können Gott vertrauen, denn Er ist absolut vertrauenswürdig. Er kümmert sich wirklich um uns. Vor langer Zeit machte Gott Seinem Volk Israel vollkommen klar, dass Friede aus dem Gehorsam gegenüber Seinem Wort kommt (3Mose 26,1-6). Dieselbe Wahrheit gilt auch heute. Friede wird wiedergewonnen, wenn wir Gottes Wort gehorchen. Der erste Schritt dorthin lautet: sich von der Sünde abwenden! Manchmal zeigt sich die Sünde im Zweifel, in der Angst, ja selbst in der Sorge. Aber unter dem Zweifel, der Angst und der Sorge kann eine andere Sünde stecken, die diese Gefühle erweckt hat. Prüfe dein Herz und finde heraus, was der Grund seiner Unruhe ist. Trenne dich dann von der Sünde, die ans Licht gekommen ist, und gehorche Gott, indem du demgemäß lebst, was das Gegenteil deiner Sünde ist. In dem Fall, dass die Sorgen dein Problem sind, bedeutet das, auf Gott zu vertrauen, dass Er dir hilft, dein Leben bis in die Einzelheiten hinein zu ordnen und damit klarzukommen. Ein anderer Weg, auf dem du deinen Frieden wiedergewinnst, ist es, das, was dich stresst oder womit du zu kämpfen hast, als etwas zu akzeptieren, das Gott in dein Leben gebracht hat (siehe hierzu Hiob 5,17-18.20-24). Wenn du verstehen lernst, dass Gott all die Schwierigkeiten, denen du dich konfrontiert siehst, gebraucht, um dich weiterzubringen, wirst du Frieden finden. Es ist nicht alles vergeblich. Du wirst nicht immer wissen, warum dies oder jenes in deinem Leben geschieht, aber ich möchte dich ermutigen, nicht den Kopf hängen zu lassen, denn es hat von Gott her schon seinen Grund. Im Neuen Testament erfahren wir bei Paulus, dass derjenige, der Frieden erfahren will, Gutes tun muss (Röm 2,10). Jeder, der auf Gott vertraut und Gutes tut, wird Frieden empfangen. Um es genauer auszudrücken: ‚Die Weisheit aber von oben her ist zuerst lauter, dann friedfertig … Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird gesät in Frieden für die, die Frieden stiften‘ (Jak 3,17f). Wenn wir unser Leben an Gottes Wort ausrichten – also an der himmlischen Weisheit, an Gottes Maßstab der Gerechtigkeit, den Er offenbart hat -, so führt das zum Frieden. Wenn du Gottes Frieden in deinem Leben verloren hast, kannst du ihn wieder finden. Gehe den Weg zurück, indem du Gott in jeder Hinsicht vertraust, dich von Sünde abwendest und im Gehorsam wandelst, Sein Werk mit dir duldest, durch das Er dein Leben läutert und verfeinert, Gutes tust und auf gerechte Weise gemäß dem Wort Gottes lebst. Wie Paulus sagt, ist Gottes Friede ‚allezeit‘ für dich erreichbar. Mache davon Gebrauch!

d) Frieden ist nicht irdischen Bedingungen unterworfen

Ein letztes Kennzeichen des göttlichen Friedens ist es, dass er nicht von irgendwelchen Lebensumständen abhängig ist. Paulus betete darum, dass wir den Frieden Gottes ‚allezeit und auf alle Weise‘ empfangen. Dieser Friede ist nichts unterworfen, was zum Bereich dieser Welt gehört. Er ist nicht von irgendwelchen zwischenmenschlichen Beziehungen abhängig. Er beruht vielmehr auf einer unwandelbaren göttlichen Beziehung und auf einem Plan und einer Verheißung des unfehlbaren Gottes, der dich selbst durch sich beschützt und der in allem das Beste für dich tut. Dieser Friede ist unzerstörbar, unerschütterlich, ja er ist transzendent, d.h. er stammt aus der unsichtbaren Welt Gottes.

Wir haben schon oben Jesu Wort zitiert: ‚Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht‘ (Joh 14,27). Damit sagt er; ‚Es gibt nichts, was du fürchten musst oder was dir Sorge bereiten muss, denn ich gebe dir einen himmlischen Frieden, der – im Unterschied zum Frieden dieser Welt – durch keine menschlichen Lebensumstände erschüttert werden kann‘. Dass Jesus seine Verheißungen erfüllt, das wird an uns erkennbar, wenn wir inmitten der Unruhe dieser Welt, die auch uns normalerweise berühren und in Angst und Sorgen versetzen müsste, ruhig bleiben.

B) Ein Gebet um Gottes Gnade

Es war ein großes Anliegen von Paulus, dass wir das Wohlergehen erfahren, das aus Gottes Frieden kommt. Sein Abschiedswunsch lautete deshalb: ‚Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen!‘ (2Thess 3,18). Er wollte, dass jeder Mann und jede Frau, die jemals an Jesus Christus glauben, die bleibende Gegenwart der Gnade Gottes erfahren.

Gnade ist Gottes Güte oder Wohlwollen, das er denen schenkt, die es nicht verdienen. ‚Die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden‘ (Joh 1,17). In der Gestalt des menschgewordenen Gottessohnes ‚ist erschienen die heilsame Gnade Gottes‘, und nun kann jeder das Heil, die Rettung empfangen‘ (Tit 2,11). Wenn wir einmal die rettende Gnade durch den Glauben an Jesus Christus angenommen haben, werden wir mit der Gnade Gottes gesegnet, die uns dazu fähig macht, jeder Schwierigkeit standzuhalten, die uns Sorgen bereiten könnte. Paulus beschrieb diese Gnade, als er von einer Schwierigkeit berichtete, die ihn in große Sorge versetzt hatte (siehe hierzu 2Kor 12,7-10).

Als Gläubige sind wir auch mit der Gnade gesegnet, die uns zum Dienst für Gott befähigt. Paulus brachte seine Wertschätzung für diese Gnade zum Ausdruck, als er sagte: ‚Ich danke unserm Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und für treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt, mich, der ich früher ein Lästerer und ein Verfolger und ein Frevler war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren … Es ist aber desto reicher geworden die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist‘ (1Tim 1,12-14).

Gnade lässt uns auch geistlich wachsen, indem wir unseren Herrn und Retter Jesus Christus immer besser kennen- und verstehen lernen (2Petr 3,18). Im Blick auf etwas Materielles bat Paulus um Gottes Gnade, indem er die Korinther dazu aufrief, großzügig für das Werk des Herrn zu spenden: ‚Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk‘ (2Kor 9,8).

Gottes Gnade rettet uns, hilft uns, unsere Ängste und Sorgen zu meistern, rüstet uns zum Dienst aus, lässt uns geistlich wachsen und macht uns reich in Gott. Wie Gottes Friede ist auch sie immer zu bekommen, und Gott gibt sie unbegrenzt. Und genauso wie beim Frieden Gottes gehört zu Seiner Gnade, dass sie uns nicht bedingungslos gegeben wird: Wer sie empfängt, muss Gott vertrauen, sich von Sünde trennen, erdulden, dass Gott ihn läutert, Gutes tun und mit dem Wort Gottes leben. Wenn wir sind, wie wir sein sollen, gießt Gott in uns Seinen Frieden und Seine Gnade. Und das ist eine wundervolle Art und Weise, Angst und Sorge aus unserem Leben hinauszudrängen.

Am Ende dieses Kapitels möchte ich eine persönliche Bemerkung anfügen. Wenige Tage, nachdem ich die Botschaft, die ich in diesem Kapitel entfalte, meiner Gemeinde mitgeteilt hatte, bekam ich unerwartet Gelegenheit dazu, dies auf mein eigenes Leben anzuwenden: Mir wurde mitgeteilt, dass meine Frau und meine jüngste Tochter in einen schweren Autounfall verwickelt seien und dass meine Frau Patricia dies vielleicht nicht überleben würde. Ich sah alles nur noch wie durch einen Schleier, all die furchtbaren Einzelheiten verwischten sich bei mir, und ich befürchtete, Patricia sei schon gestorben. Während der einstündigen Fahrt zum Krankenhaus hatte ich eine Menge Zeit, über diese schwere Lage nachzudenken. Aber ich erfuhr einen tiefen, beständigen Frieden, einfach deshalb, weil ich wusste, dass Gott mich nicht hat fallen lassen – Seine Gnade war in meiner Familie am Werk, und Er hatte alles in seiner Hand, unter seiner Kontrolle. Nun bin ich glücklich, dass Gott beider Leben verschont hat und dass sich Patricia wunderbar von dem Unfall erholt hat. Wenn auch du dich auf Gottes Gnade verlässt, wird Er dir über die größten Schwierigkeiten und Versuchungen hinweghelfen“ (John MacArthur).

  1. PREDIGTGLIEDERUNG

a) Der Friede vom Herrn (V. 16)

b) Das Wort vom Herrn (V. 17)

c) Die Gnade vom Herrn (V. 18)

oder nach John MacArthur (siehe oben):

a) Ein Gebet um Gottes Frieden (V. 16)

* Frieden ist göttlichen Ursprungs

* Frieden ist ein Geschenk

* Frieden kann immer empfangen werden

* Frieden ist nicht irdischen Bedingungen unterworfen

b) Ein Gebet um Gottes Gnade (V. 18)

(Thomas Richter)