Monatsthema: Leben in der Gemeinde des Herrn
Predigtthema: Miteinander zu Jesus umkehren
Bibelstelle: Apostelgeschichte 2, 37-41
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen
Der Textzusammenhang ist wichtig. Das Pfingstereignis und die Pfingstpredigt des Petrus (Apg 2, 1-36) waren der Anlass für die Entstehung der ersten Christengemeinde.
Erklärungen und Tipps:
V 37 Verkündigung ist darauf ausgerichtet, unter den Zuhörern Antworten und Entscheidungen zu provozieren. (1) Das Wort Gottes soll Menschen im Innersten treffen (Jer 23, 29), „das Herz durchbohren“. Der Bericht von Jesu Leben, Tod und Auferstehung stellt die menschlichen Erfahrungen und Erwartungen auf den Kopf. Und wer vom auferstandenen Herrn weiß, kann nie mehr tun, als ob nichts gewesen wäre (Apg 16, 30; Lk 3, 10; Jo 6, 28).
Gesetz und Evangelium, Gericht und Gnade gehören jeweils zusammen. (2)
Typisch menschlich: „Was sollen WIR TUN?“ 1. schließt das WIR die Möglichkeit oder Notwendigkeit eigener Beiträge zur Rettung nicht aus, 2. widerstrebt ein Annehmen der unverdienten Gnade Gottes dem menschlichen Stolz. (3)
V 38 Das Herz ist das Zentrum der Persönlichkeit. Die Erkenntnis, dass sie den Messias getötet hatten (V23), traf tief. Die Überzeugung, gesündigt zu haben, (4) bereitet den Boden vor für Buße, Taufe und den Empfang des Geistes. Die Juden kannten zwar Buße und Taufe (5), allerdings jedes für sich. Johannes der Täufer verband beide Elemente (Mk 1, 4). Allerdings verbindet erst Paulus die Taufe mit dem Sterben und Auferstehen Jesu (Rö 6).
Die drei Elemente Buße – Taufe – Geistesempfang gehören zusammen. Die Gaben des Geistes setzen Buße voraus, die in der Apostelgeschichte auch mit „Glauben“ zusammengefasst wird (Apg 3, 16; 6, 7).
„In der hebräischen (aramäischen) Sprache, die wir für Paulus voraussetzen müssen, ist ‚Buße tun’ zunächst ein Verb der Bewegung. Es bedeutet: 1. vom Ausgangspunkt aus gesehen: ‚zurückkehren’, 2. vom ursprünglichen Ziel aus gesehen: ‚sich abwenden’, 3. vom Wendepunkt aus gesehen: ‚sich umdrehen, umkehren’.“ (Dr. Heiko Krimmer)
V 39 Gottes Rettung gilt allen, die den Namen des Herrn anrufen (V21; Joel 3, 5; s. auch Phil 2, 9ff).
Gott ruft „dazu“; er schreibt auch nicht diejenigen ab, die in ihrer Gemeinde unbeachtet sind oder zu kurz kommen. Jesus und Paulus wollen Menschen GEWINNEN (1. Ko 9, 20ff). (6)
Die FERNE kann die örtliche, aber auch die innere Distanz meinen.
V 40 Das Hauptthema der Pauluspredigt: „Lasst euch erretten aus dem verkehrten Geschlecht.“ (7)
Christen sind VERRÜCKTE. Aus dem alten Leben wurden sie ins Neue „verrückt“.
Christen haben die Wahrheit erkannt: Die Wahrheit ist Christus selbst (Jo 14, 6). Erkennen meint einig sein, eins werden, verheiratet sein (1. Mo 4, 1.17.25).
V 41 Zu den großen Festen strömte Israel in Jerusalem zusammen. Die hohen Zahlen sind nachvollziehbar.
Ob alle sofort an Ort und Stelle getauft wurden, steht nicht im Text. (8)
Gliederungsvorschlag (Dr. Heiko Krimmer)
1. Gott zeigt mir meine Schuld
2. Gott öffnet mir die Tür
3. Gott gibt mir seinen Geist
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Fußnoten
(1) Latein.: Pro-vocare = hervorrufen, herausrufen. Der deutsche Begriff stammt aus der Rittersprache und meinte die Herausforderung zur Auseinandersetzung. Jesus provoziert z. B., wenn er Matthäus herausruft (Mt 9, 9). Gott wird einmal alle jemals Verstorbenen provozieren, herausrufen aus den Gräbern (Offb 20, 12f).
(2) Einladungen zum Glauben machen nur Sinn, wenn die eigene Verlorenheit in der Gottesferne erkannt wurde. In Liedern und Verkündigungen müssen Gericht und Gerechtsprechung (Gnade) vorkommen. Der Grund für alle Lobpreislieder sollte die Heilstat Jesu sein.
(3) Jede Religion erwartet menschliche Beiträge, sagt den Anhängern, was sie zu TUN haben. Diesen Hang zum persönlichen Einsatz (s. auch Jo 13, 8) wird auch durch gesetzliche Verkündigung aufgegriffen: „Du musst mehr glauben, beten, Bibel lesen, vertrauen, geben, loslassen, usw., – DANN wird…“
Leistungsdenken beschäftigte Martin Luther in seiner Klosterzeit und bis heute auch den frommen Juden: Zur rituellen Waschung der Hände in Israel waren z. B. mindestens 1½ Eierschalen frisches Wasser nötig, das vom Handgelenk in Richtung Fingerspitzen ablaufen musste.
(4) M. Luther: „Wenn es dieses im Herzen gebliebene Gesetz nicht gäbe, könnten wir jahrhundertelang Evangelium reden und niemand würde es verstehen.“ (Rö 1, 20f).
Heidelberger Katechismus, Frage 3: „Woher erkennst du dein Elend? Aus dem Gesetz Gottes.“
(5) In den jüdischen Häusern waren Reinigungsbäder eingerichtet, die regelmäßig benutzt wurden, allerdings jeder für sich, quasi als „Selbsttaufe“. Nur beim Übertritt vom Heiden- zum Judentum fand eine einmalige „Proselytentaufe“ (s. Bibellexikon) statt.
(6) Zu „Gewinnen“ siehe Predigttipp für 1. Ko 9, 16ff, Fußnote 5.
(7) In Schnait (Remstal) wurden einige alte Grabsteine aus Sandstein im Kirchenraum an den Außenwänden befestigt. Einer war für den Dorfschulmeister gewesen und enthielt neben Namen und Bibelvers den Satz: „Er lebte in einer verkehrten Welt verkehrt.“ D.h. er schwamm als Christ „gegen den Strom“.
(8) Nach der Predigt eines Petrus entschieden sich 3000 für Jesus. Jemand meinte, heute seien eher 3000 Predigten nötig, um erleben zu können, dass einer zum Glauben kommt.