1.Korinther

Predigthilfe vom 29.6.2008 – 1.Korinther 9, 16-23

Monatsthema: Leben unter der Leitung des Herrn
Predigtthema: SOS – deshalb gewinnend leben

Bibelstelle: 1.Korinther 9, 16-23

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkungen
1. Ko 5-11 beschreibt die FREIHEIT. Zuerst wird eine falsche verstandene Freiheit der Korinther in ihre Grenzen verwiesen, Dann folgen Hilfen für Starke und Schwache, sowie deren unterschiedlichen Umgang mit der Freiheit. Dieser Text zeigt positiv, wozu Paulus seine von Gott geschenkte Freiheit gebraucht.
Möglichst 1. Ko 9, 1ff einbeziehen!

Erklärungen und Tipps:
V 16 Die Apostel sind dem Ruf in die Nachfolge und die Verkündigungsaufgabe von sich aus gefolgt, Paulus nicht. Er konnte nicht anders (Apg 26, 14). „Wehe mir!“ deutet die Folgen eines Ungehorsams gegenüber Gottes Aufträgen an.

V 17f Angestellte und freie Mitarbeiter haben Anspruch auf Entlohnung, Sklaven nicht. Sie zählen zum Eigentum ihres Herrn.
„Was hab ich davon?“ wird heute zunehmend zum Kriterium, sich auf etwas einzulassen oder Abstand zu nehmen (Mt 19, 27; 20, 1ff). Lässt sich ein Ausgleich von Gott für das Engagement seiner Kinder erwarten? Honoriert („segnet“) Gott den Einsatz seiner Leute ihrem Einsatz entsprechend? (1) Petrus regte eine Tarifrunde an (Mt 19, 27ff). Im Dienste für Jesus ist nicht der VERdienst, sondern der DIENST selbst im Namen Gottes allein Lohn genug (Mt 20, 1ff). (2) Paulus predigt (wörtl.) kostenlos.

V 19 Ein Paradoxon: Frei und deswegen untertan.
Freiheit war immer auch ein Ziel aller weltlichen Menschenrechtswünsche und -erklärungen. (3) Auch Jesus befreit a) durch seinen Tod von der Sünde (Rö 6, 7), b) durch seine Auferstehung zu einem neuen Leben jenseits von Ich-Zentriertheit (Rö 7, 6; 8, 2), c) durch seine Herrschaft über die Welt und Befreiung von Angst (Jo 16, 33). (4)
Freiheit ist nicht losgelöst von Verantwortung Gott und den Menschen gegenüber. Das wäre Selbstgefangenheit. Freiheit ist Freiheit VON mir selbst und allen Zwängen FÜR das höhere Ziel, Menschen zu retten.
Liebe hat immer HINGABE zur Folge. Wer liebt, verschenkt sich, macht sich FREIWILLIG zum Knecht (Jo 3, 16; 14, 23; 1. Jo 3, 14). Wer sich selbst leben will, wird sich verlieren; wer sich selbst in die Liebe zu Gott und den Menschen hinein verliert, wird sich finden (Mt 10, 39; Jo 12, 25).
Paulus handelt zielgerichtet: Menschen für den Glauben an Jesus GEWINNEN. (5) Das ist die Art Jesu (Phil 2, 5), die Sehnsucht Gottes. Er stellt sich auf eine Stufe mit seinen Gesprächspartnern (Phil 2, 6ff). Ohne ihn lassen sich keine Menschen für das Evangelium gewinnen. (6)

V 20 Keine Assimilation, kein Aufgehen in und Verschmelzen mit den Ansichten Anderer. Dabei wurde Paulus selbst kein Grieche, aber den Griechen WIE ein Grieche.
Weil Paulus im Glauben an Christus fest stand, konnte er sich weit aus dem Fenster lehnen, um Außenstehende zu erreichen. (7)

V 21 Sowohl den jüdischen als auch den heidnischen Weg, mit dem Gesetz umzugehen, verneint Paulus. Er ist weder unter dem Gesetz noch ohne Gesetz, sondern im Gesetz CHRISTI. Das bedeutet: Kein Handeln gegen den eigenen Willen, kein Zwang unter einem Gesetz sondern: WAS JESUS WILL, will er auch (1. Ko 9, 21). (8)

V 22 Lebensziel: Menschen durch Gewinnung für den Glauben an Jesus retten. Alles Übrige wird dem untergeordnet.

V 23 „teilhaftig“ an ( genauer: „Mitteilhaber“ nicht Besitzer) der Gnade Gottes, die rettet.

Gliederungsvorschlag 1
1. Frei, um Knecht zu sein
2. Frei im Gesetz Christi
3. Frei für Andere

Gliederungsvorschlag 2 (nach K.-H. Rütishauser)
1. Das Ziel vor Augen
2. Der Weg dahin
3. Die Motivation im Rücken
__________________________

Fußnoten
(1) Wie wichtig sind uns besondere Anerkennungen für Geleistetes? Aus pädagogischen Gründen sollte jeder Mensch anerkannt, be- und geachtet sein. Wie wichtig ist gläubigen „Leistungserbringern“ das „entsprechende“ Lob? (Das gilt vom Putzen des Gemeinschaftshauses wie für die Mitarbeit in Kreisen bis zum Predigen des Gotteswortes: WARUM wird es getan und für WEN oder WAS?
(2) Sonst wäre die gleiche „Belohnung“ der Mitarbeiter tatsächlich ungerecht und jemand, der fast sein ganzes Leben ohne Gott „in vollen Zügen genoss“ und erst im hohen Alter zum Glauben kommt, im Vorteil. Das Gegenteil ist aber der Fall: Solchen „Spätheimkehrern“ ist jeder Tag leid, den sie ohne Jesus verbracht haben.
„Ach, dass ich dich so spät erkannte…“ aus „Ich will dich lieben, meine Stärke“ Evangelisches Gesangbuch Nr. 400 von Johann Scheffler.
(3) Vom Versuchungsbericht (1. Mo 3, 4f) über die Geschichte der Sklavereien und die französische Revolution blieb der Wunsch nach Freiheit. Wurde eine Presse von der Zensur befreit, war sie frei, die Wahrheit zu schreiben.
(4) John Stott: „Wahre Freiheit ist Freiheit, unser wahres Selbst zu sein, so wie uns Gott geschaffen hat.“
Bsp.: Ein Fisch wurde von Gott mit der wunderbaren Freiheit geschaffen überall hin zu schwimmen, wo er auch nur hin will. Am Ufer endet diese Freiheit allerdings. Würde der Fisch auf das Land wollen, dann würde er „sein wahres Selbst“, sein Fisch verlieren und außerdem wäre das Selbstzerstörung. Er würde das nicht erleben, weil er nun einmal ein Fisch ist. Absolute Freiheit ist undenkbar.
Was macht den Menschen zum Menschen? Die Liebe (wie das Wasser den Fisch zum Fisch macht) 1. Jo 4, 11-16; Lk 10, 27. Robert Southwell, 16. Jh: „Nicht wenn ich atme, sondern wenn ich liebe, lebe ich.“
(5) Gewinnen gehört zum Wortstamm „wohnen“. Nach der Zeit der Jäger und Sammler erhielten Interessenten eine Sesshaftigkeit, ein „Gewann“, – der Begriff hält sich bis heute auf älteren Landkarten. Was auf einem Gewann angebaut oder gepflanzt wurde, war Gewinn des Anbauers. Gewinnen hängt sprachlich auch mit „Gewohnheit“ zusammen (s. auch Kol 3, 16). Menschen für Jesus gewinnen sollte zur Gewohnheit werden.
(6) Dietrich Bonhoeffer in „Nachfolge“: „Der Weg zum anderen Menschen, mit dem ich zusammenlebe, geht durch Christus, oder es ist ein Irrweg. All unsere Versuche, die Kluft, die uns vom anderen Menschen trennt, die unüberwindliche Distanz, Andersheit, Fremdheit des anderen Menschen durch Mittel natürlicher oder seelischer Verbindung zu überwinden, müssen scheitern. Es führt kein eigener Weg von Mensch zu Mensch. Die liebevollste Einfühlung, die durchdachteste Psychologie, die natürlichste Offenheit dringt nicht zum anderen Mensch vor, es gibt keine seelischen Unmittelbarkeiten. Christus steht dazwischen. Drum ist die Fürbitte der verheißungsvollste Weg zum Anderen.“
(7) Von Papst Johannes XXIII. wird erzählt, dass er in den ersten Jahren seines Pontifikats Angst vor den Aufgaben und der Verantwortung hatte. Da sei ihm Christus des Nachts erschienen und habe zu ihm gesagt: „Lieber Johannes, nimm dich nicht so wichtig. Ich bin schließlich bei dir.“
(8) Die Armbänder junger Leute „WWJD“ (Was würde Jesus tun?) sollen an den Willen Jesu erinnern.