Monatsthema: Leben unter der Leitung des Herrn
Predigtthema: Abgelehnte Retterliebe
Bibelstelle: Jona 4, 1-11
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen
Der gehorsame Jona (3, 3) freut sich nicht. Lieber sterben als leben, weil er selbst nicht Recht behalten hatte. Die Angst um sein Recht war die geheime Ursache seines ersten Versagens gewesen. Im Dienst für Gott kommt aber auch der Gehorsame oft nicht zu seinem „verdienten“ Recht.
Die geschichtliche Reihenfolge legt eine Betrachtung von V 5 vor den übrigen Versen nahe.
V 5 Ninives Untergang war für Jona besiegelt. (1) Die östlichen Berge boten einen guten Überblick.
Typisch auch für manche Gotteskinder, die mit ihrem Leben nicht zufrieden sind und sich auf Beobachtungsposten zurückziehen. (2)
Jona ist ALLEIN. Ein Zeichen für seinen augenblicklichen Zustand. Keine Freunde, keine Gebete. Die Flucht in die Einsamkeit ist oft auch die Flucht vor Gott (3), siehe auch Adam nach dem Sündenfall (1. Mo 3, 8).
Nichts zerstört die Freude am Glauben so sicher wie das SELBSTMITLEID. (4)
Erklärungen und Tipps:
V 1-3 Jona sah nur 2 Möglichkeiten: 1. Gott lässt Ninive untergehen wie Sodom und Gomorrha, wie die Welt zur Zeit des Noah oder Babel. Die Welt würde feststellen, dass der Prophet richtig vorausgesagt hat.
2. Möglichkeit, an die Jona lieber nicht erst dachte: Gott ist barmherzig und der größte Feind im Nachbarland würde nicht vernichtet. Bei der Heimkehr würden ihn Schande und vielleicht sogar der Tod erwarten.
Weil es ihm um seine EIGENE Sache, um SEINEN Ruhm ging, wuchs seine Anfechtung. Die verbreitete Ursache für Anfechtung: „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.“ (Wilhelm Busch). Wenn Gottes und meine Ziele auseinanderdriften, entstehen Anfechtungen (1. Kön 19, 3ff).
„Zorn ‚entbrennt’“, wenn innerlich ausreichend Zündstoff/Pulver zusammengetragen wurde, dass ein Funke ausreicht, um das Pulverfass zur Explosion zu bringen (siehe auch V9). (5).
V 2 Wenn es um MEIN Leben, MEINE Familie oder MEIN Volk geht, erinnern wir uns gern an den „gnädigen Gott“. Handelt es sich um grobe Fehler anderer, auch solche von Christen, fragen wir leicht nach dem „gerechten Gott“.
Das Nachrechnen im Kopf und im Herzen beginnt: „Was wird uns dafür?“ Petrus in Mt 19, 27; Jesu Antwort in Mt 20, 1-16.
Jona befürchtete, dass „der VATER in Gott STÄRKER sein könnte als der RICHTER“ (M. Luther), wenn es um die Anderen ging.
V 3 Trotz und Eigensinn: WENN-DANN. (6)
Ebenso kommt Verzweiflung dazu, weil Jona weiß, dass DER bei Gott verspielt hat, der dessen Liebe und Vergebung nicht auch für die Anderen will. (7)
V 4 Wie reagiert Gott (= V4). Gotteskinder haben hoffentlich gelernt, dass sie mit „Recht muss doch Recht bleiben!“ selbst Gottes Strafe auf sich ziehen könnten und wissen, dass ihnen „Gnade VOR Recht“ geschah. (8)
Gott stellt nicht zuerst Jonas Schuld fest. Er beginnt das Gespräch liebevoll (siehe auch Jesus und die Samariterin am Jakobsbrunnen, Jo 4, 1ff), die einzige Art, die Verzweifelte noch erreicht.
Gott lässt Jona selbst antworten, obwohl er alle Hintergründe kennt. (9) Siehe auch oben zu V5 in 1. Mo 3, 9, auch im Gespräch mit Kain (1. Mo 4, 9) oder mit den Jüngern (Lk 22, 35) und mit Saulus (Apg 9, 4).
V 6 Statt mit Feuer und Schwert greift Gott heute zur stärksten und einzigen Waffe, die LIEBE. Auch wenn sein Wort „wie ein Hammer“ wirken kann (Jer 23, 29), die Liebe Gottes wirkt so, dass Menschen sie verstehen, – und ist gleichzeitig „wie ein Regen, der das Land befeuchtet (Hos 6, 3), in Israel ein sehr willkommenes Ereignis.
V 6 Elberfelder Übersetzung „Da bestellte Gott, der Herr, einen Rizinus…“ Gottes Wort GESCHIEHT von selbst (Jona 1, 1; 3, 1; Ps 33, 9). Auch die Natur ist ihm gehorsam: Sturm (1, 4): Fisch (2, 1); Rizinusstaude (4, 6); Wurm (4, 7); Sonne (4, 5f); Ostwind (4, 8). Auf Jesus hört sogar ein ausgewachsener Seesturm (Mk 4, 39).
Wenn Gott will, spurt ALLES, nur meistens die Menschen nicht. (10)
Jona freut sich über die Staude, nicht über den Herrn! (dagegen Neh 8, 10).
V 7f Menschen ohne Gott leben ständig auf Kosten der eigenen „Batterie“, die eben unter Belastung irgendwann leer ist. Widerstandskräfte erlöschen.
V9ff (siehe auch oben zu V1). An Jona lässt sich die Spannung zwischen ALTEM und NEUEN Menschen gut ablesen: Einerseits „gesinnt sein, wie es der Gemeinschaft mit Jesus Christus entspricht“ (Phil 2, 5), – zum Andern versucht der Alte Mensch immer wieder, aufzuerstehen.
Trost am Rande: Wenn Gott solche Versager wie Jona gebrauchen kann und will, ist für JEDEN Mitarbeiter Hoffnung.
Gott fragt sogar, wer sein Bote sein will (Jes 6, 8). (11)
Die Staude hatte Jona nicht gepflanzt. Wer sich in Gottes Gaben vergafft und dabei den Geber vergisst, geht auch selbst dabei ein.
Unsere Zeit und Kraft, Augenlicht und Hörfähigkeit, Denken und Mitreden können sind Geschenke Gottes (Ps 8; Ps 65; Ps 145, 15).
Das Jonabuch verrät nicht, wie es damals weiterging. Seine Leser werden praktisch aufgefordert: Zieht die Konsequenzen. Hört auf Gott. Geht hin, wenn er es will. Sagt, was er euch aufgetragen hat. Erlebt die Treue Gottes. Dieser Gott lässt sogar die Versager nicht einfach hängen.
Gliederungsvorschlag
1. Eigene Sorgen kosten Kraft – abgelehnte Retterliebe rächt sich.
2. Gottes Fürsorge gibt neue Kraft
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Fußnoten
(1) Sprichwörter: Rette sich, wer kann. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff.
(2) Im 2. Weltkrieg bezogen nicht wenige Schaulustige aus der Nähe brennender Städte Beobachtungsposten. Mir war ein älteres Fräulein bekannt, das nach einem Bombenangriff auf Hannover mit dem Fahrrad 20 km bis zum Stadtrand fuhr – und bei der Rückkehr ihr mittlerweile auch abgebranntes Haus vorfand.
Größere Unfälle ziehen immer auch Schaulustige an (s. Verkehrsfunk).
(3) Im Gegensatz zum hervorragenden Buch von Peter Strauch „Entdeckungen in der Einsamkeit“, das im Gegensatz zu Jonas Flucht lebendige Begegnungen mit Gott schildert.
(4) z. B. „Lass sie ruhig untergehen, sie werden schon sehen…“ Umgeknickte Bäume und zerfallene Häuser lassen einen kalt, man ist so was schon durchs Fernsehen gewohnt, – aber wenn die eigene Autoantenne abgeknickt wurde…
Oder in Goethes „Faust“ ein Bürger: „Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei, – wenn hinten, weit, in der Türkei, die Völker aufeinander schlagen. (860)
(5) Auch und gerade zurückhaltende Menschen sammeln leichter, als Explosives gleich anzusprechen und zu entschärfen. „Herr, hilf mir abends beim Einschlafen. Mach alles Pulver nass, damit seine Explosivkraft nicht mehr anderen und mir schaden kann.“
(6) z. B. Wie ein Kind, dass sein Essen nicht mag: „Dann verhungere ich eben lieber…“
(7) Die gefährlichste Bitte im Vaterunser ist „Vergib uns unsere Schuld (Einfügung: aber bitte ‚genau so’) WIE auch WIR vergeben unseren Schuldigern“ (Mt 6, 12).
(8) „Ich hatte nichts als Zorn verdienet und soll bei Gott in Gnaden sein“ = Vers 2 aus „Mir ist Erbarmung widerfahren“ (Philipp Friedrich Hiller, Iwwd 254).
(9) Pädagogisch sinnvoll ist es, den Gesprächspartner möglichst viel selbst formulieren zu lassen. Dazu ist die Beobachtung interessant, dass z. B. nach einem Bibelgespräch in Gebetsgemeinschaften die Beter auffallend oft gerade für DAS beten, was sie im Gespräch vorher SELBST gefragt oder beantwortet hatten.
(10) Sogar der ehemalige Ministerpräsident der UdSSR, Nikita Chruschtschow, klagte: „Wir wären schon lange viel weiter, wenn nur die Menschen nicht wären“.
(11) Im Altertum galt der Grundsatz „Der Gesandte ist gleich dem Sendenden“. D. h. er vertritt seinen Auftraggeber so, als ob dieser selbst anwesend sei. Er hat Vollmacht. Ein Beispiel: 2. Sam 10.