Jona

Predigthilfe vom 15.6.2008 – Jona 3, 1-10

Monatsthema: Leben unter der Leitung des Herrn
Predigtthema: Wirksame Retterliebe

Bibelstelle: Jona 3, 1-10

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkungen
Kapitel 3 bildet im Jona-Buch das Zentrum: Jona kehrt um zum Herrn und nach seiner Predigt auch die ganze Stadt Ninive.

Erklärungen und Tipps:
V 1 Wie in 1, 1: „Das Wort geschah zu Jona“ (s. Predigttipp zu Jona 1, 1). Gottes Wort ist nie dahergesagt. Es gründete die Schöpfung der Welt (z. B. 1. Mo 1, 3ff). Wenn Gott spricht, GESCHIEHT etwas (Ps 33, 4.9).
Es geht um Neuschöpfung ohne Vorleistung menschlicher Leistung. (1) Wenn Gott vergibt, dürfen Menschen nicht nachtragen. (2)
„Zum zweiten Mal“. Gott ist gerade auch mit seinen Mitarbeitern geduldig.

V 2 Keine Drohung wie in Kap 1, 2, sondern eine Verheißung.
Gott und Jona sind wieder Freunde, Vertraute. (3)

V 3 Der NEUE Jona im Gegensatz zu 1, 3. Gehorsam und Ungehorsam liegen oft sehr dicht beieinander.
Lerneffekt für Jona: Mein Kopf ging zwar in Richtung Ninive, aber meine Füße nach Tarsis. Gottes Wille wird auch von seinen Leuten sofort umgesetzt.

V 4 „Noch 40 Tage und Ninive wird UMGEWENDET“ – s. auch Anmerkung in Elberfelder Übersetzung. Ein Begriff aus dem Bergbau und der Landwirtschaft: Wie ein Pflug den Ackerboden umwendet (zuunterst kommt zuoberst), wird Ninives Umkehr (Buße) beschrieben.

Der aufgezeichnete Predigtinhalt wirkt äußerst bescheiden, Jona hat wahrscheinlich mehr dazu gesagt, aber Gottes Zeugen erfahren, dass der Herr mit seinem Wort und deshalb auch mit ihnen ist (Mt 10, 19; Mk 16, 20).

40 Tage sind eine Gnadenfrist, -zeit. Die Zahl 40 hängt in Bibeltexten oft mit Umkehr zusammen. (4)
Gott handelt nie rücksichtslos, sondern immer NACHSICHTIG. Aber auch, wenn Gott nicht gleich Druck macht und eher Zeit lässt, rückt er nicht von seinen Zielen ab (2. Petr 3, 9f). Gott ist weder langatmig noch vergesslich.
Und die Zeit, die mir nach einem Auftrag des Herrn nehme oder lasse, ist MEINE Zeit, zu oft auch verlorene Zeit. Der Geschädigte bin ich selbst. (5)

FASTEN ist keine Leistung, sondern eine Herzenseinstellung und eine Hilfe. Wenn aus der BEUGUNG eine Leistung wird, ist der Sinn verfehlt (Mt 6, 16; Lk 18, 12) und Fasten wird zur falschen Pflicht, zum Trimm-dich-Pfad leistungsbewusster Frömmigkeit. Gott will nicht unseren Hunger! Sonst wird die Bibel zum rechthaberischen Messinstrument. Wer imponieren möchte, soll das Fasten lassen. (6) Richtiges Fasten geschieht aus LIEBE zu Gott und nicht mit der Absicht, etwas bei ihm zu erreichen. Das eigene Loslassen-Können wird gestärkt.

V 5 siehe vor V10.

V 6 Der hebr. Ausdruck für das Bußgewand ist „sak“. (7) Gemeint ist das BEKENNTNIS, seither einen falschen Weg eingeschlagen zu haben. Ein sichtbares Zeichen für die Lebenseinstellung, – ebenso das Sitzen in Asche (Hiob 2, 8). Asche bedeutet Nullwertigkeit. Auch ein Bild für die Überreste von vollbrachten Opfern, nur noch für die Abfalltonne bestimmt (1. Mo 18, 27; 1. Sam 2, 8; 2. Sam 3, 19; Klgl 3, 16; Mt 11, 21), oder als Zeichen für das gebrachte Opfer (Hebr 9. 13).

Rituale am Aschermittwoch, an dem z. B. im Katholizismus Priester den Gläubigen ein Aschekreuz (die Asche ist gewonnen aus den Resten der Palmzweige vom vorjährigen Palmsonntag) auf die Stirn malen, gehören zum Bereich magischen Denkens. (8)
Aber können äußere Zeichen auch eine Hilfe sein? (9)
Gottes Gnade und Hilfe ist wichtiger als der Eindruck von Nachbarn.
Könige waren damals Regenten und Priester zugleich, Mittler zwischen Gott und den Menschen. Seit dem NT ist NUR noch Christus ALLEIN Mittler zu Gott (Apg 4, 12; 1. Tim 2, 5; Hebr 8, 6).

V 7ff Vier wichtige Ziele des Königs für sein Volk:
1. Fasten
(siehe oben)
2. Buße / Umkehr
Wer ernsthaft mit Gott rechnet, für den wird Buße zum „fröhlichen Geschäft“ (Luther).
3. Ruf zu Gott „mit Macht“, d. h. überzeugt und ohne Nebenabsichten.
„Das Gebet ist die sinnvollste und ‚erfolgversprechendste’ Form christlicher Aktivität.“ (Walter Tlach)
4. Trennung von der Sünde
Wolfgang Heiner (Leiter des Missionstrupps Frohe Botschaft, Großalmerode): „Beten um Befreiung von einer Sünde hat keinen Wert – wenn ich sie nicht loslassen will“.

V 9 Heiden wissen zwar, dass es einen Gott gibt, aber sie wissen nicht WER er ist (Rö 1, 20ff).
Ein Grund dafür, dass sie zwanghaft Götzen fabrizieren und dass auch die überzeugtesten Gottesgegner immer wieder über Gott reden oder schreiben müssen.

V 5 hängt in der zeitlichen Reihenfolge eng mit Vers 10 zusammen, deshalb erst an dieser Stelle.
Die Leute DISKUTIEREN nicht fromm, sie ändern ihr Leben für den lebendigen Gott, über den sie seither eigentlich nur wenig erfahren hatten.

V 10 Bei aller Liebe, die Gott zu den Menschen hat, ist nicht unwichtig, was diese damit anfangen.

Gliederungsvorschlag
1. Gehorsam
2. Umkehr
3. Gnade
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Fußnoten
(1) Gott wärmt keine alten, bereinigten Sachen auf. Davon dürfen auch Christen lernen. Mancher Streit in Gemeinden und Gemeinschaften hängt mit Ausschnitten aus der Vergangenheit zusammen, die trotz Vergebung letztlich doch nicht wirklich „abgelegt“, bereinigt war. Statt in den „Reißwolf“ ging das Erlebte in die „Ablage“.
(2) Das Wort „nachtragen“ zeigt, wer im speziellen Fall (freiwillig) die Last trägt. Nachtragende belasten sich SELBST und besetzen dadurch Freiräume in ihren Gedanken und Herzen.
(3) Eine Glaubenserfahrung: Miteinander Schweres erleben geht nie spurlos vorüber. Schwierige gemeinsame Erlebnisse schweißen Freunde enger zusammen.
(4) Israel (40 Jahre in der Wüste, 2. Mo 16, 35: 4. Mo 14, 33); Mose 40 Tage auf dem Sinai (2. Mo 24, 18); Elia 40 Tage zum Horeb (1. Kö 19, 8); Jesus 40 Tage in der Wüste (Mt 4, 2); 40 Tage zwischen Ostern und Himmelfahrt. Die „alte Kirche“ beging 40 Tage vor Ostern die Fastenzeit.
(5) Beispiele: Wer in Bergnot nicht um Hilfe ruft, trägt seine Probleme lieber selbst. Wer sich mit dem Auto verfährt und zu stolz ist, nach dem Weg zu fragen (leider meistens Männer), verliert Zeit, Kraftstoff, Nerven und belastet seine Mitfahrer. Wenn Gottes Wort mich auf meine Fehlentwicklungen hinweist und ich nicht reagiere, ist nicht Gott der Geschädigte.
(6) Jesus hat das Fasten allerdings auch nicht für unnütz gehalten (Mt 4, 1-3) und er verspricht keine äußerlich geregelte Versorgung seiner Jünger (Mt 8, 20). Trotzdem kein Mangel bei den Jüngern (Lk 22, 35).
Zum Fasten gehört das Wissen: WEIL Jesus an seinen Vater gebunden war, konnte er alles andere loslassen (Phil 2, 6). Fasten darf nie aus dem Imperativ, der Pflicht kommen, sondern ist Folge der Gnade Gottes, d.h. Loslassen können, weil wir in ihm alles haben.
(7) Unsere Redewendung „in Sack und Asche“ (= Büßergewand) kommt daher. Die assyrische Bezeichnung war in Ninive „sakku“. Die Männerjacke „Sakko“ zählt zur Wortfamilie.
Gemeint ist also nicht ein Gewand aus Jute, bzw. Kartoffelsackmaterial.
(8) Alle Religionen bilden Rituale, Ämter und Liturgien. Mehr Beispiele als genug. Pars pro toto:
Am “Blutritt von Weingarten“ (größte Reiterprozession der Welt, nur männliche Reiter sind zugelassen) nehmen jeweils 3000 Reiter und 30.000 Pilger/Zuschauer teil. Mit einem angeblichen Tropfen des Blutes Jesu, mit Erde vermischt, erst im Mittelalter entdeckt, wird vom anführenden Priester = “Blutreiter“, die Blutreliquie über die Felder getragen.
(9) Heute sind öffentliche Bekenntnisse auch innerhalb der Gemeinde nicht mehr üblich. Vielleicht ein Grund zur Frage, ob mit dem Verfall äußerer Zeichen nicht manchmal auch die damit früher einmal ausgedrückte Beschreibung des persönlichen Zustands im Herzen verloren ging.
Bis vor wenigen Generationen konnte man vielen Gläubigen auch oder fast an der Kleidung ablesen, wohin sie gehörten. Hat sich das heute auf einzelne Fisch-Aufklebefolien auf PKWs reduziert? Viele Aufkleber signalisieren „Baby on board“, „ Katharinchen on board“ und ganz wenige sogar „Bibel an Bord“. Großartig! Bei „Jesus on board“ wird man eher an „charismatisch geprägte“ Christen denken, oder?