Monatsthema: Leben in der Gemeinde des Herrn
Predigtthema: Miteinander an Jesus glauben
Bibelstelle: Apostelgeschichte 2. 42-47
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen:
Zu V 42 siehe Predigttipp vom 24.06.2007.
Lukas fasst manchmal kurz zusammen in „Summarien“ (Apg 2, 42ff; 4, 32ff; 5, 12ff). Dabei schreibt er keine komplette, apostolische Lehre fest, sondern berichtet vom Zusammenleben der ersten Gemeinden.
Erklärungen und Tipps:
FESTHALTEN (auch: fest verharren, beständig bleiben) drückt hier kein Hängen an gewohnten Formen aus. Nur Dickköpfe, Unbelehrbare und Bequeme bleiben auf ihren gewohnten Wegen ohne ständiges Prüfen, ob die heute noch zielführend sind. Es geht also nicht um die Verteidigung von Althergebrachtem (1), sondern um die bewährten, unverzichtbaren INHALTE in echt zeitgemäßen Formen.
1. LEHRE DER APOSTEL
Um in der Lehre der Apostel zu BLEIBEN, muss man erst einmal in ihr SEIN, sie als verbindlich übernehmen.
Das NT existierte damals noch nicht. Hier ging es aber auch noch nicht um theologische Lehrgebäude, sondern um das Wesentliche in der Verkündigung der ersten Zeugen. Und die hatten alle ein Hauptthema: Jesus Christus.
Der Glaube war nie ein „Sprung ins Ungewisse“, sondern das Akzeptieren der zeugnishaften Verkündigung von Leuten, die Jesus erlebt haben (Apg 4, 12.20). Die „Lehre“ war keinem einzelnen Apostel anvertraut, sondern sie stimmten sich sogar ab und hielten gemeinsam die Wahrheiten fest (Gal 2, 2).
Für die Urgemeinde/n war es sicher eine Not, als die Apostel nacheinander starben, – gleichzeitig waren sie auch dadurch umso mehr auf das Wort angewiesen.
2. GEMEINSCHAFT
Viele Gemeinschaften garantieren noch keine wirkliche GEMEINSCHAFT. Dazu gehören Vertrauen, Teilnahme, Mitteilung (2) und Mitarbeit (Eph 4, 15).
Die Gemeinde Jesu ist der Leib Jesu (1. Ko 12, 27), d. h. wer Jesus erleben und sehen möchte, kommt an der Gemeinde nicht vorbei. Hier gilt nicht nur die Regel des „Einander VERtragens“, sondern des „Einander TRAGENS“ (Gal 6, 2). Falls Klüfte zwischen Geschwistern entstanden sind, werden sie durch „klärende Gespräche“ nur vertieft, wenn sie nicht mit dem Zeugnis unserer Vergebung angefüllt werden.
Gemeinde kann es sich nicht erlauben, innerlich zerstritten zu sein. Sie ist so mit ihren Problemen beschäftigt, dass sie gar nicht mehr für ihren Herrn streiten kann. (3)
Und zu den Aufgaben: Keiner kann alles, jeder kann etwas, gemeinsam können wir mehr.
3. BROTBRECHEN
Hier galt noch nicht der Text von Paulus (1. Ko 11, 23ff). Wahrscheinlich war das Miteinander von Mahlzeit und Brotbrechen noch unproblematisch (Apg 6, 1ff; 1. Ko 11, 17ff).
Das Brotbrechen diente als Vergewisserung der Sündenvergebung und als Stärkung der Gemeinschaft aller Gemeindeglieder. So handgreiflich, wie man beim Brotbrechen Brot und Wein im Mund fühlt und sich einverleibt, ist Christus eins mit seinen Leuten.
Dadurch sind sie allerdings auch untereinander eins (Eph 4, 1-15). Das Brotbrechen entwickelte sich im Lauf der Jahrhunderte in den Kirchen unterschiedlich. (4)
Gott unterstützt sein Wort auch durch Zeichen („Wortzeichen“), die praktische Verstehenshilfen sein sollen, wie Sehhilfen/Brillen und Hörgeräte. Auch Wunder gehören dazu, die Hinweise auf die Macht Gottes sind. DAS Wunder ist allerdings Jesus selbst.
4. GEBET
Der Mensch wurde als Partner der Gemeinschaft Gott – Mensch geschaffen (1. Mo 1, 27). Das schließt das miteinander reden ein. Heiden beten zwar auch, aber ins Leere, zu selbstgemachten Göttern (z. B. Griechen, Naturvölker, Buddha, Muslime). Diese „Götter“ sind tot und können auf Gebete nicht antworten.
Eine versiegende Kommunikation ist aber der Anfang vom Ende, wenn die Religiosität nicht in einseitiger Verehrung verenden soll, die nur noch unter Druck erhalten werden kann.
Im Volk Israel ging man mit Dank und Bitte vor Gott (5), z. B. betet Hanna ganz persönlich (1. Sam 1, 9ff).
Gebet ist ein Zwiegespräch zwischen zwei Partnern, die sich lieben, Gott und Mensch. Unter Verliebten können Kontakte üblicherweise nie oft und lange genug dauern.
Der Vater im Himmel wartet auf Anrufer, die ihn rund um die Uhr erreichen können.
Für den, der sich nicht mehr über Gottes Wort freuen kann (Bibel und Verkündigung): Gott hat den Hörer nicht aufgelegt.
Das deutsche Wort „Beten“ gehört zum gleichen Wortstamm wie „Bitten“, das wiederum ursprünglich „anbinden“ meinte. Übersetzt: Der Beter „bindet Gott“ an seine verlässlichen Zusagen in der Bibel.
Es steht dem Menschen frei, ob er in der Bedrängnis oder Not seines Lebens Gott anrufen will oder nicht. Gott will darin geehrt und als Gott behandelt sein.
Martin Luther: „Ich bitte um Trost und Hilfe, damit er geehrt wird als rechter Gott, als der von dem ich Hilfe und Trost erbitte, welches gebührt einem rechten Gott zu tun.“
Die Kommunikation mit Gott kann GESTÖRT werden durch Sünde (Ps 66, 18).
Praktische Ratschläge:
Eine Katastrophe ist, wenn Beter sich in Gebetsversammlungen gegenseitig „das Wort um die Ohren schlagen“.
Gemeinden haben heute eine Vielzahl von Untergruppen und Spezialangeboten. Warum haben aber gerade die Gebetstreffen die niedrigste Besucherquote?
Eine Antwort:
1. Der Feind weiß, dass hier die entscheidenden Weichen mit Gottes Hilfe gestellt werden sollen.
2. Christen erwarten persönlich vom Gebet keine entscheidenden Wirkungen mehr. (6)
Fazit: Nur Beter nehmen Gott ernst.
Die Taufe kommt hier nicht vor, auch nicht zeugnishaft. Offensichtlich kam sie auch im Gottesdienst noch nicht vor, wurde nur von Brüdern praktiziert, die damit einer Bekehrung durch das „Wortzeichen“ (s. o. unter 3.) eine nach innen und außen sichtbare Form gaben.
V 43 Furcht (aus dem Griechischen tatsächlich von „Phobie“ abstammend) beschrieb damals auch großen Respekt und Ehrfurcht. Im Zusammenhang mit Veränderungen (2. Kö 17, 7; Jes 41, 5; Jona 1, 16) und Wundern trat öfter „phobos“ auf (Jes 11, 2; Lk 8, 25; Mk 16, 8; Mk 4, 41), auch Sir 1, 2. Gott hat seinen Leuten nicht den „Geist der Furcht gegeben, sondern…“ (2. Tim 1, 7).
V 44f Besitzlosigkeit war nie ein typisches Kennzeichen der Christen. (7) Soziale Einrichtungen waren aber auch unbekannt und Christen war das Ergehen des Anderen wichtig geworden. Wer mit Jesus lebt, muss nicht ständig aufgefordert werden, für soziale Zwecke zu spenden. Die Missionsgesellschaften in unterentwickelten Ländern haben aber auch Gesundheit und erträgliche Lebensumstände im Blick. (8)
V 46 Ort der Versammlung war der Tempel in damaliger Zeit, weil dort der gemeinsame Gott angebetet wurde. (9) Die Regelmäßigkeit der Gemeindetreffs wird zur unverzichtbaren Gewohnheit. Trotzdem traf man sich auch in privaten Häusern, weil Christen mit dem Herrn eins geworden sind und nun auch untereinander regelmäßigen Kontakt brauchen (1. Ko 10, 17; Eph 4, 4). (10)
V 47 Loben ist mehr als Danken. (11) Die ersten Christen fanden (wörtl.) „Gnade, Gunst“ bei den Leuten, ihr Ruf war offensichtlich hervorragend (Jo 13, 35; 1. Jo 2, 5). Christen werden nicht überall und grundsätzlich verachtet und verfolgt (Rö 12, 18; 14, 19).
Zusammenfassend wird die Vergrößerung der ersten Gemeinde beschrieben. Daraus kann aber nicht der Schluss gezogen werden, dass Wachstum DAS Zeichen einer gesunden Gemeinde ist. Wichtig ist der Urheber des äußerlichen Aufschwungs: Nicht der Prediger oder Gemeindeleiter, sondern Jesus allein.
Gliederungsvorschlag 1 (Konrad Eissler)
1. Der Herzton des Gotteswortes
2. Der Herzkranz der Gemeinschaft
3. Der Herzschlag des Gebets
Gliederungsvorschlag 2 (Rolf Hille)
1. Zur Hör- und Lernbereitschaft
2. Zur Hausgemeinschaft
3. Zur Mahlgemeinschaft
4. Zur Gebetsgemeinschaft
Gliederungsvorschlag 3 (Hartmut Bärend)
1. Die reifende Gemeinde
2. Die Abendmahlgemeinde
3. Die betende Gemeinde
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Fußnoten
(1) „Solches ‚Festhalten’ findet sich zwar oft in christlichen Kreisen, aber nie im NT. Es gibt nämlich auch ein Festhalten an dem, was unaufgebbar wichtig ist, … wo Aufgeben zum Verlust des Wesentlichen führen würde.“ (Dekan Dr. Heinz Werner Neudorfer).
(2) Dazu Remmer Janssen, bekannter ostfriesischer Erweckungsprediger (1850-1931) vor 100 Jahren:
„Zur Gemeinschaft gehört auch Mitteilung. Weltliche Dinge teilt einer dem anderen oft und gern mit! Das Hauptgespräch, sogar auf dem Kirchwege, ist fast nur Wind und Wetter, Land und Sand, Handel und Wandel, Tagesneuigkeiten und andere Leute. Nur selten spricht einer mit dem anderen über Gottes Wort und christliche Erfahrung. Der eine schämt sich, über solche Dinge zu reden und der andere mag davon nicht hören. Da sollten wir doch lieber statt zu schwatzen miteinander reden von dem Gotteswort, das wir zu Hause betrachtet oder in der Gemeinde gehört haben, auch bei der Arbeit einer den anderen an ein Gotteswort erinnern, statt Scherz und Narrentand zu treiben. Lebendige Christen sollen, so oft sie zusammenkommen, einander gerne altes und neues aus dem verborgenen Schatz ihrer Herzen mitteilen, sich gegenseitig belehren, helfen und aufrichten.“ – aus „Vom Geheimnis Christi“, Joh. Mindermann, Spetzerfehn, 1971.
(3) Dabei gilt: Hören ist wichtiger als reden. „Viele Gemeinden sind deshalb so unfruchtbar, weil in ihr zu viel ÜBEReinander geredet wird, statt dass die Einzelnen in Liebe MITeinander reden“ (Wolfgang Heiner in seinem Taschenbuch „Wache Gemeinde“).
(4) Heinz Werner Neudorfer: Grob gesagt stehen seit der Reformation nebeneinander das ritualistische (durch seinen korrekten Vollzug „wirkt“ das Abendmahl automatisch), das symbolistische (mehr vergeistigte) und das realistische (Christus ist in, mit und unter Brot und Wein gegenwärtig) Abendmahlsverständnis.
(5) Aktuell noch an der „Klagemauer“ in Jerusalem (= Westmauer des Tempelplateaus z. Zt. Jesu). Aufgeschriebene Gebete werden in die Ritzen der Westmauer gesteckt.
(6) Martin Luther betete um so länger, je größer die anstehende Arbeit war.
Bischof Kivengere, Uganda, betete täglich(!) fünf Stunden für die Anliegen seines Herrn.
(7) Die Redewendung, der Kommunismus unterscheide sich vom Christentum dadurch, dass „was dein ist, ist auch mein“ für die Christen umgekehrt gelte „Was mein ist, ist auch dein“ beschreibt zu wenig und könnte auch für Philanthropen (Menschenfreundliche) gelten.
(8) Auch die Aktion „Brot für die Welt“ entstand einmal aus dem Anliegen „Gottes Wort für die Welt“. Missionen und kirchliche Einrichtungen, die mit der Zeit allerdings im Sozialen aufgingen, verschwanden von der Bildfläche, ähnlich wie Gemeinden, deren Triebfeder nicht mehr Gottes Wort war.
(9) Christen suchen Kontakt mit Christen. Separation von Kreisen, denen Christus auch wichtig ist, kann nicht im Sinne des Herrn sein (Jo 17, 11.22). Auch Kontakte zur örtlichen Kirchengemeinde sollten gepflegt werden, solange dort Evangelium verkündigt wird (Phil 1, 18). Geistliche Selbstgenügsamkeit führt immer in die Vereinsamung.
(10) Beispiel: Wie Liebespaare sich sehen und treffen, wie sie gemeinsame Zeiten verbringen MÜSSEN, wie sie in Gottesdiensten nicht auf die Uhr schauen. Russlanddeutsche Gottesdienste dauern bis zu vier Stunden… Wer sich wirklich liebt, SUCHT aktiv die Nähe.
(11) Beispiel: Danke sagt man der Sekretärin, die einen Brief fehlerfrei getippt hat. Führt sie das ständig so hervorragend aus, wird man sie loben.
Beim Danken hat man noch die „Froschperspektive“ wie ein Frosch, der zufrieden unter „seinem“ Salatkopf sitzt. Beim Loben gewinnt man die „Adlerperspektive“, d. h. man sieht, dass es noch viele Salatköpfe gibt, auch Rüben- und Weizenfelder, auch Wälder und Seen. Loben ist umfassender als Danken.