Monatsthema: Leben in der Gemeinde des Herrn
Predigtthema: Miteinander von Jesus leben
Bibelstelle: Apostelgeschichte 4, 32-37
Verfasser: Matthias Köhler
1. Der Zusammenhang
Ehe die vorangehende Erzählung zum Abschluss gebracht wird und wir hören, was der Rat unternahm, um den Ungehorsam der Apostel gegen seinen Befehl zu bestrafen, beschreibt uns Lukas, was die Gemeinde inwendig stark machte; es war ihre Liebe (unser Text heute), aber auch der Ernst der Zucht, mit dem sie der Sünde in ihrer Mitte widerstand (Apg 5, 1-11).
2. Biblische Parallelen
* 1. Könige 17: Elia und die Witwe von Zarpat: Wer hergibt, hat auch selbst
* Apg 6: Versorgung der Armen in der größer werdenden Gemeinde
* Mt 19,16ff: Reicher Jüngling: Verkaufe, was Du hast und gib den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben.
* Mt 6,19f: Nicht Schätze auf Erden sammeln, sondern im Himmel
* Opfer-Kapitel in 2. Kor. 8 (bes. V 1-15) und 2. Kor. 9 (bes. V 6-15). Unbedingt lesen!!
3. Der Aufbau des Textes
V 32-35 (ohne 33): Ein Herz und ein Sinn drückt sich im gemeinsamen Haben aus.
Einschub: V 33: Kraftvolles Zeugnis der Apostel. Dieser Einschub hat zuerst mal nichts mit den andern Versen zu tun. Aber warum steht er gerade hier: Offensichtlich gibt es einen Zusammenhang zwischen der Kraft des Zeugnisses und der gelebten Liebe in der Gemeinde!
V 36: Prominentes Beispiel dieser gelebten Liebe
4. Einzelerklärungen
V 32
* „der Gläubigen“: wörtl: der „Gläubiggewordenen“. Die griechische Zeitform zeigt, dass es einen bestimmten Zeitpunkt gab, wo dieses Gläubigwerden geschah! Und das hat seine Auswirkung bis heute.
* „ein Herz und eine Seele“ („ein“ ist hier Zahlwort!). In letzter Zeit wird das immer mehr in unseren christlichen und evangelikalen Kreisen betont: „Wir sollen eins sein“.
Das ist falsch: Wir sollen nicht eins sein, sondern wir sind es. Wir finden im NT keine Aufforderung, unter uns Christen eine Einheit zu schaffen. Wir finden etwas viel Besseres: Wir finden überall die Bestätigung: Ihr seid eins!
Wir brauchen nicht etwas schaffen, das Gott schon lange geschenkt hat. Auch an diesem Punkt machen wir das Evangelium (= es ist uns geschenkt) gern zum Gesetz (= wir müssen es schaffen).
Manche nennen Joh 17, bes. V 20 und 22. Wer genau hinschaut merkt: Das ist keine Aufforderung an uns, sondern in V 20 Gebet Jesu zu seinem Vater für uns. Und V 22 zeigt, dass Jesus alles zu unserer Einheit getan hat: „Die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, dass sie eins seien, wie wir eins sind“.
Freuen wir uns über das Geschenk der Einheit! Auf Freizeiten z.B. erleben wir sie: Christen aus verschiedensten Gemeinden und Gemeinschaften sind eins, ohne dass wir diese Einheit wirken müssten – diese Einheit ist da, als Geschenk.
* „gemeinsam“: gr. koinos (vgl. koinonia): Koinonia ist die Teilhaberschaft: Etwas gehört uns allen gemeinsam. Oder auch: Jeder gehört auch dem andern. In der Gemeinde Jesu entsteht Koinonia am Kreuz Jesu: Wir sind Schuld am gebrochenen Leib und am vergossenen Blut Jesus und haben Teil an der zuerst tötenden und richtenden, dann aber auch vergebenden und neues Leben schaffenden Wirkung des Todes Jesu. (Das meint 1. Kor 10,16-17)
Wer diese Teilhaberschaft erkannt hat, der kann auch die nächste leben: Nichts gehört mir allein, sondern auch den andern. Niemand gehört sich allein, sondern auch den andern.
V 33
* „mit großer Kraft“: gr. dynamis: Kraft, Gewalt, Macht. Aber auch Fähigkeit, Befähigung, Talent. Die Worte der Apostel verfehlten unter der Leitung des Heiligen Geistes ihre Wirkung nicht, und Menschen kamen zum Glauben an Jesus.
* „Apostel“: Zu jener Zeit kurz nach Pfingsten war das Zeugnis von der Auferstehung offensichtlich vor allem den Aposteln als den Augenzeugen anvertraut. Wohl aus Interesse an der historischen Zuverlässigkeit. Schnell hat sich diese Aufgabe dann aber auf alle ausgeweitet, die auch „Augenzeugen“ sind, weil sie Jesus selbst begegnet sind.
* „Zeugnis“: gr. martyrion
Auftreten zur Bestätigung eines Tatbestandes bzw. eines Ereignisses.
Die gleichen Wurzeln hat ein Wort, das etwas bezeichnet, was viel Sinnen erfordert und geht auf eine Wurzel: „gedenken, sorgen, zögern, bleiben“ zurück.
Martys genauer: „Das nachdenkend überprüfende Erinnern, d.h. ins-Bewusstsein-Erheben von etwas Erfahrenem, über das man nicht hinweggehen, das man nicht vergessen kann und das in diesem Sinne nun auch anderen zur Kenntnis gebracht wird, um ihnen durch entsprechende Aussagen den Gehalt dieser Erfahrung zu vermitteln. Das Erfahrene soll durch das Zeugnis evident werden“
Interessant ist:
AT: Zeuge ist (in der Beziehung Gott-Mensch) in der Regel Gott. (Ein Blick in die Konkordanz genügt!
(Zeugen zwischen Menschen gibt´s natürlich: 3 Zeugen bei einer Verurteilung…) (Ausn.: Jes 43,10)
Gott ist der Zeuge über uns.
(Klar: Er ist der, der uns sieht, der uns kennt. Er kann der wahre Zeuge sein!)
Jetzt passiert im NT etwas ganz Wahnsinniges:
NT: Wir werden Zeuge in der Beziehung Gott-Mensch. Wir sollen seine Zeugen sein! Für ihn.
Im gr. kommt martys aus dem Rechtsleben. Und da geht es um eine Sache, um Wahrheitsfindung.
Aber diese Bedeutung steckt da auch drin:
Es kann geschehen, dass ein Zeuge (vor Gericht) seine Seelenkraft so mit dem, für den er zeugt, vereinigt, um ihm zum Sieg zu verhelfen. Dann wird aus dem Zeuge, dem es um die Sache geht, ein Zeuge, dem es um eine Person geht!!!
Was ist der Inhalt des Zeugnisses?
Apg 1,22 und an unserer Stelle: Zeuge seiner Auferstehung
1Ptr 5,1: Zeuge seiner Leiden.
Das ist nichts anderes als das Zeugnis über mein Leben:
Das Zeugnis über meine Sünde (Zeuge seiner Leiden) und das Zeugnis der Vergebung: (Zeuge seiner Auferstehung).
Zum Nachdenken: Ein Zeuge ist immer jemand, der etwas selbst erlebt hat (vgl. 1. Joh 1,1ff). Jemand, der eine Sache nur vom Hörensagen kennt, kann kein Zeuge sein. Sind wir echte Zeugen Jesu? Dann dürfen wir nichts sagen, was wir nicht wirklich erlebt haben. Wer Jesus erlebt hat, darf/soll Zeuge sein!
Aber es darf vom Hörensagen zum Erleben kommen (vgl. Hiob 42,5).
* „Gnade“: auch: Anmut, Gefälligkeit, Liebesgabe, Liebesdienst, Huld, Wohlwollen. Das Verb wird auch übersetzt mit: sich freundlich zeigen, einem etw. Angenehmes, einen Gefallen, einen Dienst erweisen.
Das kann gehen bis: etw. oder sich willig darbringen, gern geben, schenken.
V 35:
„was er nötig hatte“ = wörtl: Mangel, Bedürfnis. Gleiches Wort wie in Phil. 4,19: Mein Gott aber wird ausfüllen all Eurem Mangel gemäß seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus.
Hier ist angesprochen, wo und durch wen der Mangel wirklich gestillt wird. Das Geld der Brüder und Schwestern ist „nur“ äußeres Zeichen der inneren Fülle. Und doch kümmert sich Gott auch um solche Bedürfnisse. Allerdings braucht er die Brüder und Schwestern dazu. Wem sind wir Bruder oder Schwester?
V 36
Joseph, genannt Barnabas. Die Herleitung des Namens Barnabas ist nicht eindeutig geklärt. „Bar“ bedeutet unbestritten Sohn, dagegen ist unsicher, mit welcher aram./hebr. Wortfamilie „nabas“ zu verbinden ist. Eine Möglichkeit: Von einem Wort, das im AT den Propheten (nabi) bezeichnet. Ein Prophet ist ja einer, der ermahnt, tröstet, aufrichtet… Das würde dazu passen, dass Lukas hier den Namen übersetzt mit „Sohn der Paraklese“. Und Paraklesis meint genau das Reden, das den atl. Propheten u.a. eigen war.
Andere leiten „nabas“ her von einem Wort, das ruhen/besänftigen heißt.
V 37:
* „Geld“ (ein anderes Wort wie in V 34). Hier wörtl.: das Brauchbare. Wurde dann zu: Ding, Sache, Gut, Geschäft… Das zugrunde liegende Verb heißt: gebrauchen, sich Nutzen schaffen durch etwas. Das gibt einen schönen Sinn: Wenn jemand seine Güter (verkauft und) für Gottes Reich gibt, verwandeln sie sich in für Gott Brauchbares.
5. Die Spitze des Textes
Joh 13,34+35: Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.
6. Der Text heute
Liebe, echte Liebe unter Menschen ist selten geworden, in vielen erkaltet… Es wird viel von Liebe geredet, aber wenig getan. Das wesentliche Kennzeichen der Liebe Gottes ist, dass sie im Tun daherkommt, nicht im romantischen Denken oder Fühlen. Gott offenbart sich als der Handelnde (und nicht als der „nur“ gut Denkende), deshalb ist unsere Antwort auch handelnde Liebe. Wo Liebe nicht zur entschlossenen Tat wird, ist sie gar nicht da! (Vgl. Jak. 2,14ff).
Leider haben wir Christen uns an diesem Punkt oft sehr an die Welt angepasst. Wann kommt unsere Liebe aus der „Man-sollte-auch-mal“-Ecke heraus? Zur Zeit unseres Textes war Liebe etwas sehr Handfestes, Materielles!
7. Beispiele und Verdeutlichungen
7.1. Unterschied: Opfer und Kollekte
Was ist der Unterschied zwischen einem Opfer und einer Kollekte?
Ein Huhn und ein Schwein beschließen, ihrem Bauern einmal ein richtig gutes Frühstück zu servieren.
Das Huhn schlägt vor: „Ich geb‘ eine Kollekte und du bringst ein Opfer!“ Zum Frühstück gab es Ei und Schinken.
Welche Opfer bringen wir? Oder sind es nur Kollekten?
7.2. Geld und Gut, das wir für uns behalten, wird ähnlich unbrauchbar wie die Habe in diesem Märchen (ich weiß leider nicht mehr, wie es heißt), in dem sich alles, was die Hauptperson des Märchens anfasste, in Gold verwandelte. Leider verhungerte er dann, weil Gold nicht essbar ist.
Wir werden verhungern, wenn wir unsere Habe nicht in Liebe teilen!
7.3. Natürlich gilt all das nicht nur für den materiellen Besitz, sondern auch für den geistlichen. Dann sind wir beim Zeugnis, das uns aufgetragen ist. Auch das wollen wir nicht für uns allein vergolden.
7.4. Die besten Verdeutlichungen kommen ja immer aus der Bibel selbst:
2. Kön 7, speziell V 3-11 gibt zu denken über unsere Gebe- und Zeugenfreudigkeit.
7.5. Speisung der 5000: Aus dem Kleinen, das der Junge gibt, macht Gott einen großen Segen.
8. Material und Gliederung zur Predigt
Überschrift: Miteinander von Jesus leben
Der Blick in die erste Zeit der Christen macht uns manchmal neidisch, manchmal auch deprimiert, weil es heute doch nicht mehr so werden kann wie damals… Muss es in vielen Dingen auch nicht.
Allerdings sehen wir hier eben doch den Prototyp von Gemeinschaft, wie sie von Gott durch den Herrn Jesus gestiftet ist. Der Vergleich mit dem Ist-Zustand und dem Soll-Zustand soll uns nicht deprimieren, sondern anreizen! Zumal wir wissen, dass der Soll-Zustand ja eigentlich der Ist-Zustand ist: So hat’s Gott geschaffen und geschenkt. Wir sind gefordert, zu leben, was wir sind!
Wir vermeiden das Wort Einheit und nehmen dafür den etwas künstlichen Begriff Eins-Sein. Das trifft die geistl. Wahrheit besser und ist frei von negativem „Gschmäckle“ wie „Einheitsbrei, Einheitslook, Einheitsgewerkschaft…“
1. Voraussetzung des Eins-Seins: Gläubig geworden sein!
Wo Menschen an Jesus glauben und die Bibel als göttliches Wort ernst nehmen, ist Eins-Sein gegeben. (siehe oben unter Einzelerklärungen zu „eins“). Jesus möchte ein „Eins-Sein“ unter uns, eine Einheit von verschiedenen Gemeinde oder Denominationen ist nicht im Blick. Überall, wo Christen zusammen sind, zusammenleben, zusammen arbeiten ist die Einheit da.
Ein herrliches Geschenk, das man immer wieder froh erleben kann.
Eins-Sein kann man nicht machen, genau sowenig wie das Eins-Sein Jesu mit seinem Vater z.B. von Jesus gemacht war. Eins-Sein ist eine Wesensbestimmung und kein Auftrag an uns.
2. Äußerungen des Eins-Seins: miteinander teilen
So ein frühchristlicher „Kommunismus“ ist in unserer Zeit und Kultur wohl nicht mehr zu machen. In einer Zeit, in der das Christ sein noch etwas kostete und nur zur Gemeinde gehörte, wer’s auch wirklich so ernst meinte, dass er viele Nachteile bis zur massiven Verfolgung in Kauf nahm, ging das besser: Da kamen keine Schmarotzer in die Gemeinde, die nur vom Fleiß der andern profitieren wollten. Das wäre heute sicher schwieriger. Schon im ersten Jahrhundert gab es dieses Problem am Rande: Mit frommer Begründung (baldige Wiederkunft Jesu) arbeiteten manche nicht mehr und ließen sich aushalten: Dazu Paulus ganz nüchtern: 2. Thess 3,10: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“ Es war damals also keine „Ich-lasse-mich-versorgen-Mentalität“, sondern eine „Ich-will-für-andere-sorgen-Mentalität“. Eine Auswirkung des echten Glaubens!
Wie könnten wir das heute angehen: z.B. einen Hilfsfonds einrichten, mit dem wir Gemeindemitglieder, die in eine akute Not gekommen sind (z.B. durch Unfall, durch Arbeitslosigkeit, durch andere widrige Umstände…), helfen können. Hier müssen unsere Strukturen von Mein und Dein etwas aufgeweicht werden.
Solch gute und erwünschenswerte institutionalisierte Hilfe darf natürlich nicht das persönliche und stille Engagement jedes Einzelnen in der Gemeinde ersetzen!
Ist uns bewusst: Erst durchs Hergeben wird unser Eigentum für Gott eine brauchbare Sache! Wer betet: „Herr, ich will für Dich brauchbar sein“, kann direkt hier anfangen.
Sind wir noch im Stande, wirklich zu opfern, auch wenn’s wirklich ein Opfer wird? (vgl. das Frühstück von Schwein und Ei, s.o.)
Wer fest mit der „Auferstehung“ (und dieser Zusammenhang ist in unserem Text ja gegeben) rechnet, der hängt nicht am Eigentum. Denn sein Leben wird ein Morgen haben, an dem Mein und Dein eh keine Rolle mehr spielt.
3. Auswirkung des Eins-Seins: kraftvolles Zeugnis
Zu Zeugnis (s.o.)
Wo unser Zeugnis nicht nur leeres Gerede ist, sondern in der zur Tat gewordenen Liebe gefüllt und gedeckt ist, da bekommt es Kraft von oben!