Monatsthema: Was wir von Hosea lernen
Bibeltext: Hos 1,1-2,25
Predigtthema: Geistliche Untreue (Hurerei) und Gottes Neuanfang
1. Hilfreiche Bibelübersetzungen, um den Bibeltext zu verstehen
Um mit dem Bibeltext vertraut zu werden, ist es sinnvoll in aller Ruhe verschiedene Bibelübersetzungen zu lesen. Zu empfehlen ist erst einmal eine Bibelübersetzung mit der man vertraut ist, deren Sprache einem von der Syntax und von der Wortwahl her verständlich erscheint.
In einem weiteren Schritt empfiehlt sich eine Elberfelder oder Schlachter Bibelübersetzung zu lesen, da diese Übersetzungen sich sehr nahe am Ursprungstext (Altes Testament Hebräisch bzw. Aramäisch / Neues Testament Griechisch) halten. Diese Übersetzungen sind wegen ihrer Nähe zur Ursprache öfter holprig im Lesefluss und enthalten oft Wörter, die unserem heutigen Wortschatz manchmal fremd sein können.
1.1 Allgemeine Hinweise zum Bibeltext
Buchkontext:
Das Buch Hosea eröffnet das sogenannte „Zwölfprophetenbuch“ (kleine Propheten). In der hebräischen Bibel gilt es als eine Einheit.
Der Bibeltext Hos 1-2,25 zählt zu den prophetischen Redegattungen – genau genommen zu den biographischen Prophetenerzählungen, da Lebensepochen Hoseas beschrieben werden, die den Menschen damals wichtiges von Gott mitteilen wollten.
So sind Hoseas Heirat mit der Hure Gomer und die aus der Ehe hervorgehenden Kinder eine, im wahrsten Sinne des Wortes, lebendige Predigt an das Volk Israel. Insofern wird die Familie Hoseas zur Zeichenhandlung, mit der Gott sein Anliegen veranschaulichen will.
Wer die Ehe und die Namen der Personen (insbesondere die Namen der Kinder) interpretiert, soll erkennen, wie schmerzhaft es für Gott ist, wenn sein Volk sich immer und immer wieder von Gott trennt (Bundesbruch) und wie sehr er sich eine Umkehr des Volkes herbeisehnt. Gott vergleicht also seine Beziehung zu seinem Volk mit einer Ehe.
Des Weiteren soll zu interpretieren sein, was dem Volk geschieht, wenn sie auf Dauer gottlos/untreu leben.
So können im ganzen Prophetenbuch Hosea immer wieder die Leitmotive/-wörter des Rechtsstreites und der Umkehr entdeckt werden (vgl. zu Rechtsstreit: Hos 2,4; 4,1.4; 12,3; zu Umkehr: Hos 3,5; 11,11; 14,2.3.8).
In der prophetischen Redegattung Hoseas gilt es auf jeden Fall zu beachten, dass seine Reden nicht nur Gerichts-, sondern auch Heilsangkündigungen beinhalten. Diese Heilsankündigungen sind die hellen Sterne am dunkel gewordenen Horizont, die Gottes Treue und Gnade erstrahlen lassen. So kann man letztendlich sagen: Hoseas Mission galt der Liebe Gottes. Sie stellt, auch wenn es seltsam klingt, das sündige (von Gott weg laufende) Volk unter das Gericht und schenkt darüber hinaus Vergebung und die Gnade.
Gesamtbiblischer Kontext:
Das Bild, dass Gott der Ehemann seines Volkes (Hos 1-3; Jes 54,5) ist, wird schon bei Jesaja (Jes 62,5) verwendet und im Neuen Testament auf Christus und die Gemeinde übertragen (vgl. Mt 25,10). Die Gemeinde ist die Braut und Christus ist der Bräutigam (vgl. 2Kor 11,2; Offb 19,7; 21,2; 22,17).
Zeitgeschichte um Hoseas Lebenszeit:
Hosea, der Sohn Beeris, erlebte die Glanzzeit Jerobeams II., mit außenpolitischen Erfolgen und großem Wohlstand (vgl. 2Kön 14,23ff) und danach den von Anarchie geprägten Niedergang des Nordreichs unter den Königen Secharja, Schallum, Menahem, Pekachja und Pekach bis zur assyrischen Gefangenschaft des Volkes Israels (vgl. 2Kön 14-17).
Den zeitlichen Beginn des Wirkens Hoseas nennt Hos 1,1, indem einige Könige aus dem Südreich mit Namen aufgeführt sind, darunter auch ein König aus dem Nordreich: König Jerobeam II.
Jerobeam II. regierte ca. von 793-753 v.Chr. (König des Nordreiches Israel)
Usia regierte ca. von 790-740 v.Chr. (König des Südreiches Juda)
Jotam regierte ca. von 751-735 v.Chr. (König des Südreiches Juda)
Ahas regierte ca. von 735-716 v.Chr. (König des Südreiches Juda)
Hiskia regierte ca. von 728-687 v.Chr. (König des Südreiches Juda)
(Die Regierungsjahre machen deutlich, dass sich die Königsregier-ungen teils überschnitten)
Somit lebte Hosea ungefähr 10 Jahre nach dem Propheten Amos, wirkte aber etwa 150 Jahre früher als der Prophet Jeremia.
Hosea stammte aus Israel (gemeint ist das Nordreich bzw. das 10 Stämmegebiet des zweigeteilten Israels in Südreich Juda und Nordreich Israel), wo er auch Gottes Botschaft verkündigte.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Bibeltextes
Textstruktur:
Hos 1,1 – Dieser Vers bildet mit seiner Information eine Art Überschrift, besser gesagt eine Klammer (Inclusio), die am Ende des Hoseabuches, in Hos 14,10 mit einem Rätsel schließt.
Hos 1,2 – 2,3 – Gottes Auftrag zu einer Zeichenhandlung (Hoseas Ehe als Predigt)
1,2-9: Gerichtsperspektive
Hos 1,2-3 – Hoseas Heirat mit der Hure Gomer
Hos 1,3 – Begründung des Gerichts (Hurerei)
Hos 1,3-4 – Geburt des Sohnes Jesreel
Hos 1,4-5 – Gerichtsschau
Hos 1,6 – Geburt der Tochter Lo-Ruhama
Hos 1,6 – Gerichtsschau
Hos 1,8-9 – Geburt des Sohnes Lo-Ammi
Hos 1,9 – Gerichtsschau
2,1-3: Heilsperspektive
Hos 2,4-25 – Zweiteilige Gottesrede
Teil 1: 2,4-17 Gott als Ankläger und Richter
Vers 4: Eröffnung mit Imperativ (Rechtet!)
Vers 8: Eröffnung der Urteilsverkündigung mit „Darum“
Teil 2: 2,18-25 Heilsankündigung (Einsatz mit „an jenem Tage“)
Exegetische Einsichten:
Hosea 1,1: „Das Wort des HERRN (JHWH), das zu Hosea … geschah“. Der Name Hosea ist von nicht unbedeutender Wichtigkeit, weil sein Name als Auftrags-Programm seines Prophetendienstes gleichkommt. Hosea heißt: Er-Jahwe hat geholfen. Im Auftrag Gottes, will und soll Hosea ein Helfender für Israel sein.
Die im weiteren Textverlauf erwähnten Könige machen einerseits auf das historische Interesse aufmerksam, andererseits deuten die Namen der Könige auf eine Interessenverschiebung Hoseas hin – nämlich den Blick von Israel weg gen Juda.
Die Könige Usija, Jotam, Ahas und Hiskia waren Könige des Südreiches Juda. Als einziger König aus dem Nordreich Israel wird Jerobeam II. erwähnt, obwohl auch nach Jerobeam II. weitere Könige im Nordreich an die Macht kamen. Hoseas fehlende Verweise auf spätere Könige des Nordreiches (Sacharja, Schallum, Menahem, Pekachja, Pekach und Hoschea) deuten auf die Eitelkeit der Könige hin, die allesamt nur durch Mord und Gewalt auf den Thron kamen und für verhältnismäßig wenig Ordnung sorgten. Nach König Jerobeam II. war das Nordreich Israel von Anarchie und Sittenverfall geprägt.
König Sacharja (ermordet 753 v.Chr.),
König Schallum (ermordet 752 v.Chr.),
König Menahem ( 752-742 v.Chr.)
König Pekachja (ermordet 741-740 v.Chr.),
König Pekach (ermordet 752-732 v.Chr – sich überschn. Thronanspruch)
König Hoschea (Ende des Nordreichs Israels 722 v.Chr.)
Auch der sich durchziehende Götzendienst bzw. die Verführung des Volkes zu den falschen Heiligtümern des Nordreiches (Stierstatuen in Bethel und in Dan) auf Anlass der Könige des Nordreiches, sind der Erwähnung und Blickrichtung nicht wert.
Im Gegensatz dazu war das Südreich von einem theokratischen Königreich geprägt und die Hauptstadt weiterhin Jerusalem, in der sich das wahre Heiligtum, der Tempel bzw. der Ort der Anbetung Gottes, befand.
Hosea 1,2: Bei Hosea taucht zum ersten Mal im Alten Testament dieses erschreckende Bild des Ehebruchs auf und bringt damit den Götzendienst des Volkes als „Hurerei“ zum Ausdruck: „Das Land treibt ständig Hurerei, vom HERRN hinweg.“ Daran wird der Abfall Israels sichtbar – sie haben den Bund vom Sinai zerbrochen. Der Götzendienst im Nordreich, von Seiten der Regierung her angeordnet und geprägt, gestaltete sich in einem Ausmaß wie kaum zuvor. Zum Tempel in Jerusalem sollten die Bürger des Nordreiches nicht mehr gehen. Die zwei goldenen Kälber (Stiere) in Bethel und in Dan waren zu Orten der Verehrung Gottes gemacht worden. Des Weiteren kam hinzu, dass sich die Israeliten mehr und mehr an den kanaanäischen Baals- und Ascherakult anpassten.
Unter König Jerobeam II. befand sich Israel zwar noch in einer Blütezeit des Wohlstands. Dennoch war diese Zeit längst von einem „inneren Niedergang“ (Gottlosigkeit/Sittenverfall) geprägt. Auf den inneren Niedergang folgte dann der äußere bzw. sichtbare Niedergang bis hin zum Reichsende im Jahr 722 v. Chr.
„Geh, nimm dir eine hurerische Frau und <zeuge> hurerische Kinder!“ Mit diesem Auftrag bezieht Gott den Propheten Hosea mit seiner ganzen Person in seine Botschaft ein. Hosea, der Bote Gottes, soll die Not, den Schmerz Gottes empfinden und leibhaftig vor Gottes Volk zur Schau stellen. Die Hure Gomer war eine Illustration für den Bundesbruch durch Israel. Letztendlich geht es um die Frage was Israel weiterhin sein will: Hure oder die Braut Gottes?
Hosea 3-9: Auch die Namen seiner Kinder, die aus Hoseas Ehe mit Gomer hervorgehen sind in diese „lebendige Predigt“ als sogenanntes Gerichts-Programm mit einbezogen. Sie sollen dem Volk Israel ebenfalls zur Deutung werden:
Erster Sohn: Jesreel = Gott wird säen/zerstreuen
Tochter: Lo Ruhama = ohne Erbarmen (Nichtbegnadigte)
Zweiter Sohn: Lo Ammi = nicht mein Volk
Der Name Jesreel deutet auf die künftige Zerstreuung (Volksentführung) Israels durch die Assyrer im Jahr 722 v.Chr. hin (vgl. Vers 4). Der erwähnte „Zerbruch des Bogens Israels“ (vgl. Vers 5) deutet darauf, dass Israel keine militärische Macht mehr haben wird, um seinen Gegnern erfolgreich entgegentreten zu können.
Der Name Lo Ruhama deutet darauf, dass Gott sein Gericht ohne Mitleid an Israel durchführen wird. Israel soll künftig ohne Gnade in die Stürme des Weltgeschehens geraten.
Der Name Lo Ammi deutet darauf, dass Israel nicht mehr als Gottes Volk bekannt sein wird. Lo Ammi scheint alle Versprechen Gottes, Abrahams Nachkommen als unzählbares Volk heranwachsen zu lassen, in Schall und Rauch aufgehen zu lassen. Das Volk Israel ist künftig auf sich allein gestellt, ohne die fürsorgliche Führung seines mächtigen Gottes. Denn das Volk selbst will nicht Gottes Volk sein – es hurt herum. Seine Liebhaber sind die Baalim.
In Vers 7 lesen wir erneut vom Blickwechsel ins Südreich. Dort scheinen die Regenten und Bürger dem HERRN nahe zu sein, weshalb Gott selbst ihr Wehr und Waffen gegen alle Gegner sein will.
Hosea 2,1-3: Nach dem angekündigten Gericht wird in diesen drei Versen dennoch deutlich, dass Gott sein Volk eines Tages wieder heimsuchen und zu sich ziehen will. Das Volk Israel wird trotz des Gerichts so zahlreich sein, wie Sand am Meer – unzählbar groß.
Auch soll das Gericht nicht sinnlos sein. Durch das Gericht soll Israel sich an die alten und besseren Zeiten mit Gott zurückerinnern, an Gottes Macht und Fürsorge und an Gottes Liebe. Das Volk Gottes soll durch die Gerichte von der Hurerei mit den Göttern zur Umkehr und zum Heil geführt werden (vgl. auch Vers 9b). Insofern sind die Gerichtserlebnisse ein Ausdruck der Liebe Gottes. Die Liebe kann hart sein und schwerste Weltgerichte zulassen. Die Liebe opfert eine ganze Gegenwart/Generation, wenn durch diese die weit größere Zukunft bedroht wird.
Jakob Kroeker schreibt: „Ein Flutgericht vernichtet in den Tagen Noahs ein ganzes Zeitalter menschlicher Geschichte. Wenn sie dennoch durch Vergebung in der Geschichte zu triumphieren sucht, so will sie mehr, als den Menschen in seiner Schuld begnadigen. Sie will ihn durch die Vergebung aus jenem Zustand heraus erlösen, der mit unerbittlicher Konsequenz zum Gericht führt. Es ist die Liebe, die selbst die größten Opfer bringen kann, um Gerichtete zurück in ein neues Verhältnis zu Gott zu führen. So stark sie auch sein muss im Verwunden, sie ist größer noch im Verbinden und Heilen. […] Gericht wird zum Leben, Tod zur Auferstehung, Untergang zur Hoffnung.“ So schrieb auch einst der Apostel Paulus an die Römer: „Wo aber die Sünde überströmend geworden, ist die Gnade noch überschwänglicher geworden“ (Röm 5,20b)
Ja, aus Liebe opfert Gott eine ganze Gegenwart/ein Volk. Gott lässt es viel kosten: Heimatlosigkeit, Tod bzw. die Verlassenheit von Gott, damit sich das Volk wieder nach der Gemeinschaft und der Liebe Gottes zurücksehnt. Und nicht nur in der Geschichte Israels mit seinen Gerichtsgeschichten wird deutlich, was sich Gott aus Liebe alles kosten lässt. Denn ca. 750 Jahre später werden die Kosten noch höher und deutlicher … nämlich durch das Leben und Sterben Jesu Christi.
Es war schrecklich für Jesus verlassen zu sein (vgl. Mt 27,46; Mk 15,34). Es war schrecklich für Jesus sterben zu müssen (vgl. Mt 26,39. 42; u.a.) – und das alles, um einer gottlosen Menschheit den Weg zurück zu Gott zu ermöglichen. Es kostete Gott das Leben seines einzigen Sohnes, um uns Sünder die Umkehr und Rettung zu ermöglichen. Aber dadurch wird es letztendlich in Jesus Christus zum gemeinsamen Oberhaupt kommen (vgl. Vers 2). Durch Jesus Christus können alle Juden, egal ob aus dem Nord- oder Südreich (und auch die Heiden), wieder zu Gott gehören. Durch Jesus Christus ist uns Erbarmen widerfahren (vgl. Vers 3). In den Versen 1-3 kommt Gottes zuwendende Liebe zum Ausdruck.
Hosea 2,4-17: In diesem Abschnitt ist die Rede vom Gericht, der drohenden Züchtigung. Obwohl Gott Israel in der Geschichte beständig seine Liebe erweist (vgl. Hos 2,10; 10,1; 11,1.4; 13,4-5) betreibt Israel trotzdem Hurerei mit andern Göttern. Israel „geht fremd“ und betrügt Gott. Was Gott Israel Gutes getan hat (Erhalt von Brot, Wasser, Wolle, Flachs, Korn, Most, Öl, Silber, Gold), schreibt das untreue Volk den fremden Göttern (Baalskult) zu (vgl. 2,10). Deshalb sind Züchtigung und die Fortführung in die Wüste (vgl. Vers 16) ein Mittel, um Israel zur Vernunft zu bringen, damit sie erkennen von wem all ihr Wohlstand einst herkam – nicht von den Göttern, sondern allein von ihrem eigenen wahren Gott.
Explizit die Verse 9 und 16 erzählen vom Sinn des Gerichts und lassen die künftige Einsicht Israels aufblitzen, dass die wahre und liebevolle Fürsorge allein vom Gott Israels kam, kommt und kommen wird. Um das Volk Israel von seiner Hurerei mit den Göttern zu heilen, folgt in seiner Geschichte Gericht auf Gericht. Ja in die Wüste und damit in die Stille (vgl. Vers 16) führt Gott sein Volk ein weiteres Mal (zum ersten Mal beim Auszug aus Ägypten 2Mo 19), damit es dort nachdenken und sich neu auf Gott ausrichten kann.
Hosea 2,18-25: Diesen Verse zeigen auf, was Gott für sein Volk tut (Heilsankündigung).
- Er entfernt die Namen der Baalim aus dem Munde Israels (Gott tilgt die Sünden – Gott vergibt) (vgl. Vers 19).
- Er schließt für sein Volk einen Friedensbund (vgl. Verse 20)
- Er hält an seinem Versprechen fest und will sich mit Israel verloben in Ewigkeit, in Gerechtigkeit, in Recht, in Gnade und in Erbarmen (vgl. Vers 20)
Gott ist der Gebende, der Schenkende, ja der Vergebende. Im Gegensatz ist am Volk Israel nichts Liebenswürdiges zu finden. Die ewige Liebe Gottes liebt nicht mit der Voraussetzung, dass sie bereits geliebt wird, sondern dass sie sich eine Gegenliebe erst erwecken muss. Gottes Liebe handelt ohne Voraussetzung, weil sie im Menschen und dessen Todeszustandes nichts voraussetzen kann. Das letzte Ergebnis aller Gerichte wird dann die Verlobung sein.
2. Hinweise für hermeneutische Überlegungen
„Was wir von Hosea lernen“ so lautet das Monatsthema. Dementsprechend, aber vor allem von der Erkenntnis des Bibeltextes her ist zu überlegen, wie wir Christen heute, ähnlich wie Hosea damals, eine Predigt für unsere Mitmenschen in Beruf, Schule, Verein, Nachbarschaft, … sind und sein können. Was verkündet unser Lebensstil? Im Hinblick auf die Zeitgeschichte Hoseas wird deutlich, dass eine um so gottlosere Gesellschaft eine viel speziellere Predigt braucht – nämlich eine Spezialpredigt in der Sprache der Liebe Gottes.
Hosea musste für eine solche Liebessprache ein großes Opfer bringen und die Hure Gomer zur Frau nehmen. Hier stellt sich explizit die Frage, mit welcher Opferbereitschaft wir Christen heute das Wort Gottes nicht nur predigen, sondern tatsächlich leben (vgl. Joh 13,35; Jak 1,22). Denn es geht ja nicht nur darum, dass wir Christen im Glauben wachsen und ein gutes Leben in der Heiligung führen, sondern auch darum, Mitmenschen, die von Gott getrennt leben zu Jesus Christus zu führen, der der Weg zu Gott ist.
Wie könnte dein Opfer für deine Mitmenschen aussehen, damit sie wegen dir auf Jesus Christus den Retter aufmerksam werden? Von Hosea lernen wir eine hohe Bereitschaft an aufopferndem Verhalten für Gottes geliebtes Volk. Es gilt Gegenwärtiges zu opfern, um Zukünftiges (Leben) zum Heil bzw. in die Gemeinschaft Gottes zu führen.
Nicht allein von Hosea, sondern von Gott selbst können wir lernen, was unsere Zeit heute so nötig braucht. Nämlich jemanden der ehrlich liebt und dem man vertrauen kann. Die Botschaft aus dem Bibeltext macht es unmissverständlich klar, dass Gottes letztes Wort nicht Gericht, sondern Gnade sein will. Seiner vergebenden Allmacht können Sünder vertrauen und deshalb leben.
Das bedeutet aber nicht, dass aus lauter Liebe unsere Botschaft und unser Lebensstil für eine tolerante Haltung gegenüber anderen Religionen verkommen darf, so wie es damals im Nordreich Israel der Fall war – im Sinne des „Anything Goes“ (Rettung und Heil sei auch durch andere Religionen bzw. Götterglauben möglich). Denn Gottes Wort macht, klar, dass nur in Gottes geschenktem Sohn Jesus Christus Rettung und Heil möglich sind (vgl. Apg 4,12).
Wir sollten uns darüber stets im Klaren sein, dass wir heute, wie damals die Menschen zur israelischen Königszeit, fortwährend in der Gefahr sind selbst vom Herrn weg- und Göttern nachzulaufen.
Aber dennoch hebt die menschliche Untreue die unwandelbare Treue Gottes nicht auf. So konnte der berühmte Missionar Paulus sagen: „sind wir untreu, so bleibt er doch treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“ (2Tim 2,13; vgl. auch Röm 11,29).
(A. Cyris)