Monatsthema: Was wir von Hosea lernen können
Bibeltext: Hos 5,8 – 6,6
Predigtthema: Halbherzige Umkehr hilft niemandem
1. Hilfreiche Bibelübersetzungen, um den Bibeltext zu verstehen
Um mit dem Bibeltext vertraut zu werden, ist es sinnvoll in aller Ruhe verschiedene Bibelübersetzungen zu lesen. Zu empfehlen ist erst einmal eine Bibelübersetzung mit der man vertraut ist, deren Sprache einem von der Syntax und von der Wortwahl her verständlich erscheint.
In einem weiteren Schritt empfiehlt sich eine Elberfelder oder Schlachter Bibelübersetzung zu lesen, da diese Übersetzungen sich sehr nahe am Ursprungstext (Altes Testament Hebräisch bzw. Aramäisch / Neues Testament Griechisch) halten. Diese Übersetzungen sind wegen ihrer Nähe zur Ursprache öfter holprig im Lesefluss und enthalten oft Wörter, die unserem heutigen Wortschatz manchmal fremd sein können.
1.1 Allgemeine Hinweise zum Bibeltext
Zeitgeschichte um Hoseas Lebenszeit:
Der Prophetendienst Hoseas umfasste mehrere Jahrzehnte. Nach Hos 1,1 von Jerobeams II. (König des Nordreiches Israels; 793 – 753 v.Chr.) bis in die frühen Jahre der Regierungszeit von König Hiskia, der ab 715 v.Chr. die alleinige Herrschaft des Südreiches Juda übernahm.
Hosea erlebte die Glanzzeit Jerobeams II., mit außenpolitischen Erfolgen und großem Wohlstand (vgl. 2Kön 14,23ff) und danach den von Anarchie geprägten Niedergang des Nordreichs unter den Königen Secharja, Schallum, Menahem, Pekachja und Pekach bis zur assyrischen Gefangenschaft des Volkes Israels (vgl. 2Kön 14-17).
Den zeitlichen Beginn des Wirkens Hoseas nennt Hos 1,1, indem einige Könige aus dem Südreich mit Namen aufgeführt sind, darunter auch ein König aus dem Nordreich: König Jerobeam II.
Jerobeam II. regierte ca. von 793-753 v.Chr. (König des Nordreiches Israel)
Usija regierte ca. von 790-740 v.Chr. (König des Südreiches Juda)
Jotam regierte ca. von 751-735 v.Chr. (König des Südreiches Juda)
Ahas regierte ca. von 735-716 v.Chr. (König des Südreiches Juda)
Hiskia regierte ca. von 728-687 v.Chr. (König des Südreiches Juda)
(Die Regierungsjahre machen deutlich, dass sich die Königsregier-ungen teils überschnitten)
Somit lebte Hosea ungefähr 10 Jahre nach dem Propheten Amos und wirkte etwa 150 Jahre früher als der Prophet Jeremia. Zeitgleich mit Hosea war der Prophet Jesaja im Südreich Juda unterwegs.
Hosea stammte aus Israel (gemeint ist das Nordreich bzw. das 10-Stämmegebiet des zweigeteilten Israels in Südreich Juda und Nordreich Israel), wo er auch Gottes Botschaft verkündigte.
Während der ersten Hälfte des achten Jahrhunderts war der Einfluss Assyriens im Westen zurückgegangen, so dass die Reiche von Jerobeam II. und Usija sich eigenständig entwickelten. Doch die Lage änderte sich nach Ableben Jerobeams II. sehr schnell. Wie Hosea es voraussah, erneuerten die Assyrer unter Tiglat-Pileser III. (745-727 v.Chr.) ihre Expansionspolitik im Westen. 734 v. Chr. wurde das Nordreich zu einem Vasallen-/Marionettenstaat des assyrischen Weltreichs (vgl. 2Kön 15,29). Nachdem Israel (Nordreich) eine Revolte gegen Assyrien unternommen hatte, wurde es 722 v.Chr. durch die Assyrer besiegt und die Bevölkerung des Landes deportiert (vgl. 2Kön 17,1-6) – Ende des Nordreiches Israel.
Gesamtbiblischer Kontext:
Der Tenor der Verkündigung Hoseas sollte das Volk Israel wieder an die Bundesverpflichtungen aus der Thora (5Mo 28,1-14) erinnern. Israel sollte an Gottes Bündnis festhalten bzw. wieder dem Bundesschluss mit Gott die Treue halten und zu Gott ihrem Herrn umkehren, um ihn allein anzubeten. War das Volk Israel gegenüber Gott treu, würden sie im Segen Gottes leben. Der Ungehorsam gegenüber dem Bündnis mit Gott war mit einem Fluch belegt (vgl. 5Mo 28,15-68), der das Gericht und letztendlich das Exil Israels mit sich bringen würde.
Wenn Hosea von der Sünde Israels sprach, betonte er vor allem dessen Götzendienst (vgl. Hos 4,17; 8,4.6; 10,5; 11,2; 13,2) und beklagte damit den Bundesbruch. Denn Israels Könige hatten Orte der Anbetung festgelegt (in Bethel und in Dan), an denen jeweils ein eigens errichtetes goldenes Kalb zur Verehrung stand. Hinzu kam, dass das Volk den kanaanäischen Baals- und Ascherakult mehr und mehr annahm.
Durch die Sendung des Propheten Hoseas, zeigte Gott seine Liebe zum Volk Israel. Durch den Propheten wollte Gott das Volk zur Umkehr rufen – er gab es nicht einfach dem Untergang preis. So ist auch das kommende Gericht, das Israel eines Tages erleben muss ein Akt des Aufrüttelns und der Liebe: Israel, kehr um! Sieh doch wie gut du es bei deinem Gott hast, der dich schon damals aus Ägypten geführt hat.
Gliederung des Buches Hosea:
- Hoseas Ehe als Bild für Gottes Bund mit Israel Kapitel 1-3
- Auftrag an Hosea, die Hure Gomer zu heiraten
- Israel ist die ehebrecherische Hure
- Doch Gottes Liebe wirbt weiter um Israel
- Das Gericht Gottes Kapitel 4-11
- Israels Sünde: Abfall von Gott und „Hurerei“ mit andern Göttern
- Israels Könige locken ins Verderben Kapitel 5,1-7
- Gericht Gottes an Israel – Gott ist ein brüllender Löwe Kapitel 5,8-1
- Das Volk klagt und Gott antwortet Kapitel 6,1-7,2
- Warnung vor falschen Bündnissen mit Ägypten u. Assur
- Israel wird verworfen (Beute der Fremden)
- Gottes große Liebe für Israel
- Das Erbarmen Gottes Kapitel 12-14
- Ephraim fällt von Gott ab, Gottes Gericht
- Umkehr und Versprechen Gottes
1.2 Hilfen zum Verständnis des Bibeltextes
Unmittelbarer Kontext:
Das Nordreich Israel bleibt auch in diesem Abschnitt der eigentliche Adressat. Dennoch tritt nun auch das Südreich Juda, das bereits gewarnt worden war dem Beispiel Israels nicht zu folgen (vgl. Hos 4,5), in den Fokus des Gottesgerichts (vgl. Hos 5,5.8.10.13-14). Das 5. Kapitel beginnt mit einer Anklage der Schuld (Verse 1-5), die dann in eine Ankündigung des Gerichts übergeht (V. 6-15).
Exegetische Einsichten:
Verse 8-9: Die Worte: „Stoßt ins Horn … Trompete“ leiten einen neuen Textabschnitt ein, der nun im Folgenden von Krieg bzw. vom Gottesgericht spricht.
Bei den Ortschaften Gibea und Rama handelt es sich um hoch gelegene Grenzstätte. Sie lagen nur wenige Kilometer nördlich von Jerusalem und noch im Gebiet Benjamins im Südreich (vgl. Jos 18,25.28).
Bei Bet-Awen dagegen ist nicht ganz klar, ob sich diese Grenzstadt noch vor oder hinter der Grenze, und damit im Nordreich befand. Die Bibelstellen Hos 4,15; 10,8 sprechen dafür, dass Bet-Awen damals zum Nordreich Israel gehörte. Aufgrund der Namensbedeutung, nach der Bet-Awen übersetzt „Haus des Unheils“ heißt, wurde öfter schon vermutet, dass mit diesem Stadtnamen ein Wortspiel zu Bet-El (bedeutet: Haus Gottes) in Verbindung zu bringen sei, weil in Bet-El eins der beiden goldenen Kälber zur Anbetung bereitstand. „Haus Gottes“ im Wortspiel mit „Haus des Unheils“, weil Israel Gott gegenüber durch den Götzendienst untreu geworden war. Mit letztendlicher Sicherheit konnte dieses Wortspiel jedoch nicht bestätigt werden. Von daher sollte Bet-Awen von Bet-El unterschieden werden, so wie es im ersten Samuelbuch unterschieden wird (vgl. 1Sam 13,1-5; 14,23).
In welcher Lage redet Gott in Vers 8 u. 9 durch Hosea zum Volk Israel? Es wird an die Zeit des assyrisch-ephraimitischen Krieges (734/733 v.Chr.) zu denken sein, weil im Verlauf der weiteren Verse viel von Krieg und den mit sich bringenden Nöten gesprochen wird.
Zwischen Ephraim (Stammesgebiet des Nordreiches) und Benjamin (Stammesgebiet des Südreiches) verlief die Grenze.
Gegen den Rat des Propheten Jesaja bat König Ahas (Südreich) Tiglat-Pileser III. um Hilfe (vgl. 2Kön 16,7; Jes 7). Daraufhin fiel Tiglat-Pileser 734 v.Chr. ins Nordreich Israel ein, zog westlich des Südreiches Juda gen Süden, zerstörte die großen Philisterstädte und kam bis an den Bach Ägyptens.
Ein Jahr später wandte sich Tiglat Pileser III. erneut gegen das Nordreich Israel und nahm ganz Galiläa bis zur Jesreel-Ebene ein.
„[Der Feind ist] hinter dir her, Benjamin! Ephraim wird zur Wüste werden …“ Hier ist die bevorstehende Invasion der Assyerer im Blickfeld – Ephraim wird zerstört werden. Benjamin wird, satt Ephraim in den Kampf zu führen, von den gleichen Angreifern verfolgt werden. Dann könnte man die Zeile so umschreiben: „Hinter dir, o Benjamin, kommt der Eroberer Ephraim her.“ Mit den Worten „Ephraim wird zur Wüste werden“ ist die sichere Zerstörung Ephraims gemeint, die gewiss eintrifft. Dieses kommende Gericht wird den Fluch des Bundes aus 3Mo 26,32-35 erfüllen.
Vers 10: Auch das Südreich Juda wird nicht verschont bleiben. Seine Führer (wohl auch militärische Führer) haben ebenfalls den Bund mit Gott gebrochen. Sie sind wie jene, die Grenzsteine verrücken, denn sie zeigen keinerlei Achtung vor dem Gesetz Gottes. Das Verrücken der Grenzsteine wurde vom Gesetz ausdrücklich verboten (vgl. 5Mo 19,14; 17,17). Denn als die assyrischen Truppen von Norden angriffen, setzten Truppen aus dem Südreich Juda zum Gegenangriff und marschierten in Richtung Samaria (Nordreich). Juda verrückte also seine Grenze. Die zwölf Stämme Israels gehören eigentlich zusammen, auch wenn sie sich getrennt hatten. Aber nun bekriegten sie sich. Deshalb wird Gottes Gericht über beide Reiche bzw. über alle zwölf Stämme kommen. Denn kein Stamm soll den anderen erniedrigen. Das einzige was vor dem Gericht Gottes noch retten kann ist die Umkehr zu Gott. Menschliche Macht und die damit verbundenen Feldzüge führen dagegen in den Untergang. Gott ist zornig, wenn Brüder einander bekriegen. Dagegen werden die assyrischen Truppen mit einem anderen Maß gemessen.
Vers 11: „Unterdrückt ist Ephraim, zerbrochen das Recht“. Unterdrückt kann auch mit misshandelt übersetzt werden. Misshandelt wurde Ephraim von Juda und den Assyrern. Zerbrochen war das Recht, weil Gottes Lebensordnungen nicht mehr eingehalten wurden.
Hier wird deutlich, dass Gott nicht allein wegen des Bundesbruches sondern auch wegen der Unterdrückung und dem Rechtsbruch leidet.
Gleichzeitig zeigt dieser Vers die Begründung des Gerichts wegen des Rechtsbruchs gegenüber Gottes Ordnungen aufgrund des nichtigen Götzendienstes.
Vers 12: Gott führt sein Volk in den Untergang (Gericht). Für Ephraim ist er wie eine Motte, die die Kleider zerstört. Für Juda ist er wir die Fäulnis (Verwesung; Verderben), langsam aber sicher wird alles zerfressen. Gleichzeitig macht dieser Vers deutlich, dass Gott internationale Mächte (in diesem Fall die Assyrer) zugunsten seiner Ziele lenken (benutzen) kann. Zu merken sei in diesem Vers dies: Wer Gott nicht als den liebenden und gnädigen Führer (Hirten) achten will, dem tritt Gott als gerechten Richter entgegen.
Vers 13: Zwar erkannten Ephraim und Juda ihre notvolle Lage (sie sind krank und von einem Geschwür befallen), aber Hilfe suchten sie nun bei ihren Peinigern bzw. bei irdischen Mächten anstatt bei Gott. Vermutlich bezieht sich dieser Bibelvers auf König Hoseas (letzter König des Nordreiches) Bündnis mit Assyrien (vgl. 2Kön 17,3), das er schloss, als er den Thron von Israel bestieg (vgl. 2Kön 15,30). Aber sobald König Hosea den Tribut nicht mehr an die Assyrer zahlen konnte, griffen die assyrischen Truppen Israel erneut an (vgl. 2Kön 17,3-6).Wer ist König Jareb? Da der übliche Artikel im hebräischen Text fehlt, wird angenommen, dass es sich um einen Königstitel handelt, der mit (der) „Kriegerische“ (oder (der) „Kämpferische“) zu übersetzen ist. Es kann sich auch um den Titel „Großkönig“ bzw. „Großer König“ handeln. Es kann sich demnach sehr gut um Tiglat Pileser III. handeln. Doch der assyrische Herrscher war sicherlich kein Arzt, der das Volk Israel von seiner Krankheit und Befallensein erlöste; vielmehr war und blieb er ein grausamer Unterdrücker, was der Prophet Hosea hier am Ende des Verses ausdrückt.
Vers 14: Aus der kleinen Motte und den Bakterien der Fäulnis wird Gott nun zu einem Löwen der das Nord- und Südreich zerreisen wird. Der Gebrauch mehrer Verb-Formen in der „Ich“-Form (1. Ich bin (… ein Löwe); 2. Ich zerreiße; 3. (Ich) gehe davon; 4. Ich trage weg;) betont Gottes Anteil am Gericht, auch wenn er fremde Armeen als seine Werkzeuge benutzt. Für Ephraim wird diese Weissagung im Jahr 722 v.Chr. eintreffen – Israel wird komplett erobert und das Volk ins assyrische Reich deportiert werden. Juda wird dasselbe Ereignis in zwei Wellen, in den Jahren 597 u. 587 v. Chr. durch die babylonische Heeresmacht ereilen (vgl. 2Kön 25).
Vers 15: Dieser Vers verdeutlicht Gottes Sehnsucht. Er wünscht sich so sehr, dass sein Volk (Nordreich und Südreich) ihn als Helfer bzw. als Arzt aufsucht. Schon die Namensbedeutung des von Gott gesandten Propheten Hosea führt das Hilfsprogramm Gottes vor Augen: Hosea = Er-Jahwe hat geholfen bzw. der Herr ist Hilfe, Rettung. Bei den weltlichen Herrschern ist dagegen keine dauerhafte Hilfe zu erfahren. Das zeigt die ganze bibl. Königsgeschichte. „Ich gehe, kehre zurück an meinen Ort“. Gott lässt sein Volk vorübergehend allein laufen. Er lässt es in die Arme derer laufen mit dessen Königen sie Verträge geschlossen und Hilfe gesucht haben; dort, wo sie die Götzen finden, denen sie huldigten. Gottes Rückzug und sein richterliches Handeln haben aber den Zweck, die Beziehung zwischen dem Volk Israel und Gott wiederherzustellen. Das Volk Israel soll erkennen, dass nur bei ihm Hilfe und Rettung zu finden ist. Sie sollen allein sein und Not erfahren, um sich wieder ihrem Gott voller Vertrauen zuzuwenden. Nachdem das Volk Gottes alle Not (gerechte Strafe) für seine Trennung von Gott empfangen hat, wird es voller Reue zu Gott umkehren.
Verse 6,1-6 Der Ruf des Propheten Hoseas: „Kommt … er wird uns heilen … verbinden“ zeigt die nicht endende Hoffnung trotz all der fürchterlichen Gerichtsvorhersagen. Auch spiegelt sich in dieser Hoffnung Gottes Liebe wider. Denn vor den Augen des Propheten steht nicht allein der strafende und richtende Gott, der sein Volk dem Verderben überlässt. Nein, des Propheten Auge sah weit mehr: die Wirklichkeit des rettenden HERRN (Jahwe), der sein Volk heilen wird. Vers 2 verdeutlicht, dass das gegenwärtige Sterben eines Tages in eine Auferstehung verwandelt wird: „Er wird uns nach zwei Tagen neu beleben, am dritten Tag uns aufrichten, dass wir vor seinem Angesicht leben.“ Dieser Satz wirft einen Lichtstrahl auf die Todes- und Auferstehungsgeschichte Jesu Christi voraus. Es wird Jesus Christus sein, dessen freiwilliger Opfergang ans Kreuz alle Sünde des Volkes und der Menschheit wieder gut machen kann. Die Neubelebung bzw. Auferstehung Jesu am dritten Tage nach seinem Tod zeigt, dass die Sünde gesühnt ist und Gott mit seiner lebensschöpferischen Macht sich zu seinem Kind stellt, es als sein Eigen akzeptiert, es liebt, es zu sich holt und alle Wunden heilen wird. So wird Gott seine Kinder, die Kinder Israels, eines Tages zu sich holen, um sie am Leben zu erhalten, sie zu heilen und zu lieben – sie werden „vor seinem Angesicht leben.“. Durch Jesu Tod und Auferstehung gilt diese Zusage auch allen Menschen der Welt und nicht nur dem Volk Israel, vorausgesetzt, sie kehren zu Gott um.
Freilich kann Vers 2 auch bedeuten, dass Israel durch den Odem Gottes zu einer politischen und moralischen Auferstehung erwachen kann. Aber wie dem auch sei, alle Erwartungen gehen nicht vom Volk oder von irdischen Mächten, sondern von Gottes Lebenskraft und Gnade aus. Wer zu Gott umkehrt wird Lebenskraft, Rettung und Liebe erleben. Von Gottes Wort her gewann der Prophet Hosea diese unerschütterliche Glaubensgewissheit.
„So lasst uns [ihn] erkennen, [ja,] lasst uns nachjagen der Erkenntnis des HERRN!“ Dieser Vers ist der Aufruf zur Umkehr zu Gott. Schaut auf Gottes Hilfe, hört auf die Weissagungen seiner Propheten. Lernt Gott und seine Zusagen von neuem kennen. Gott kommt (wieder) so sicher wie jeden Morgen der Sonnenaufgang – so wie die Sonne nach der Nacht alles hell erstrahlen lässt, so wie der Spätregen – der für das Reifen aller Früchte (Obst und Getreide) notwendig ist. Gott wendet sich nach dem Gericht Israel wieder zu, schenkt Licht und Versorgung – Gott ist gnädig im Gegensatz zu allen Götzen und irdischen Königen.
Israels und Judas Treue und Güte hingegen sind verschwindend kurzweilig. Sie verdampfen wie die Morgenwolken in den Tälern, bzw. wie die Trautropfen auf den Pflanzen, sobald die heiße Sonne mit ihrer Hitze das Land durchströmt. Solch ein Bild rascher Vergänglichkeit war bisher Israels Art und Leben gewesen.
Gott wünscht sich nicht nur eine kurze Umkehr, sondern eine Umkehr, der eine bleibende Geistesbeziehung (Gemeinschaft) für immer folgt. Aber eine solch beständige Beziehung wird Israel nun nur durch das Gericht bekommen, wie es die Verse 5 u. 6 ausdrücken. Denn die Erkenntnis, dass sich Liebe und Güte nicht in Schlacht- bzw. Brandopfern erschöpfen, sondern in der Gottes- und Nächstenliebe, anstatt im Götzenkult, ist Grundlage der anbetenden Gemeinde Gottes bzw. des Volkes Israels (vgl. Mk 12,29-31).
(A. Cyris)