Predigtthema: Jesus macht satt
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com.
1.1 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Maier, Gerhard. Johannes Evangelium (Edition C Bibelkommentar)
- Lüthi, Walter. Johannes – das vierte Evangelium
- De Boor, Werner. Das Evangelium des Johannes (Wuppertaler Studienbibel)
Erläuternde Textanmerkungen findet ihr auch in den Predigthilfen zu den Parallelberichten:
- Predigthilfe vom 17.02.2008 zu Matthäus 14,13b-21 von Eckhard Löffler
- Predigthilfe vom 10.07.2016 zu Markus 6, 30-44 von Christoph Müller
- Predigthilfe vom 06.10.2002 zu Lukas 9,10-17 von Markus Neumann
1.2 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Die Speisung der Fünftausend ist ein sehr bekanntes Wunder Jesu, über das die meisten der Hörer schon manches gehört haben. Die Speisung wird als einziges Wunder, das Jesus während seines öffentlichen Dienstes getan hat, von allen 4 Evangelisten berichtet. Beim Vergleich der Berichte wird deutlich, dass Johannes manche Dinge besonders heraushebt.
Zunächst erwähnt Johannes in Vers 4, dass das Passafest bevorstand. Wenn wir noch Joh 2,13 und Joh 11,55 hinzunehmen, sehen wir, dass Johannes von drei Passahfesten während der öffentlichen Wirksamkeit Jesu berichtet. Die Speisung der 5000 fand also ungefähr ein Jahr vor Jesu Tod statt (wohl im März oder April). Vielleicht ist die zeitliche Nähe zum Passafest, das die Israeliten besonders an ihre Geschichte als Volk Gottes erinnert, auch eine Erklärung dafür, warum die Menschen Jesus mit einer solchen Leidenschaft zum König machen wollten.
Johannes berichtet uns außerdem als einziger der Evangelisten, dass die 5 Brote und 2 Fische einem kleinen Jungen gehörten und dass die Brote aus Gerste (das Brotgetreide des einfachen Volkes) waren. Zudem erwähnt nur Johannes ein Gespräch zwischen Jesus und seinem Jünger Philippus über die Frage, wie es möglich sei die vielen Menschen zu versorgen.
Johannes erklärt uns in Vers 6 die Intention, die Jesus mit diesem Gespräch verfolgte: „Dies sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er selbst wusste, was er tun wollte“.
Jesus will also mit diesem Wunder nicht nur seine Vollmacht zeigen. Durch die Art und Weise, wie er vor dem Wunder mit Philippus spricht, will er seinen Jünger auch auf die Probe stellen. Warum Jesus gerade Philippus ausgewählt hat, können wir nur vermuten. Philippus war nicht der Schatzmeister der Jünger, das war Judas Ischariot. Wahrscheinlich sprach Jesus Philippus an, weil er aus Betsaida, der nächstgelegenen jüdischen Stadt kam und wohl auch Griechisch sprach. Philippus war also der Jünger, der sich in der Gegend am besten zurechtfinden würde.
Was wollte Jesus denn genau durch seine Probe prüfen? Johannes beschreibt es nicht näher, aber es scheint deutlich, dass es Jesus um die Frage ging, ob seine Jünger bereit sind, ihr Vertrauen ganz auf Jesus und seine Macht zu setzen.
Philippus hat einen sehr nüchternen Blick auf die Situation. Er überschlägt die Menschenmenge und rechnet hoch. Und ihm wird klar, wie groß die Summe wäre, die eine Essensversorgung der Zuhörer verschlingen würde. Man bräuchte über 200x den Tageslohn eines Tagelöhners, um jedem auch nur eine kleine Portion zu geben.
Jesus kommentiert die Antwort von Philippus nicht, doch wir sehen, dass Philippus die Lösung des Problems mit materiellen Mitteln bedenkt, aber auch klar erkennt, dass er mit seinen eigenen Kräften hier völlig überfordert ist. Die Jünger konnten sich eine Versorgung dieser vielen Menschen wahrscheinlich nicht leisten.
Andreas scheint eine etwas andere Herangehensweise zu haben. Er blickt nicht auf das, was fehlt, sondern auf das, was vorhanden ist, und gibt es Jesus. Johannes beschreibt recht genau, wie das Vesper des kleinen Jungen ausgesehen hat. Die fünf Brote meinen wohl 5 kleine Brotkuchen und keine großen Laibe. Außerdem waren diese Brote aus dem billigeren Getreide Geste. Dazu kamen noch zwei, wahrscheinlich getrocknete oder eingelegte Fische. Aber auch Andreas wirkt sehr hoffnungslos und er beschreibt zurecht, dass diese kleine Mahlzeit quasi nichts ist, im Blick auf die Menschenmenge, die sich bei ihnen befinden. Beide Jünger sehen sehr klar und realistisch die Grenze ihrer menschlichen Möglichkeiten. Sie bringen aber nicht zum Ausdruck, dass sie ein Wunder von Jesus erwarten. Sie wirken vielmehr sehr ratlos.
Vielleicht war gerade dies die Lektion, die Jesus seinen Jüngern hier geben wollte. Die Jünger sollten ihre eigene Begrenztheit sehen und dann über die wunderbare Vollmacht ihres Herrn staunen. Gleichzeitig lädt Jesus seine Jünger ein, mit dem Wenigen, das sie haben, voller Vertrauen zu Jesus zu kommen und es in seine mächtigen Hände zu legen. Jesus legt die Brote und Fische ja nicht zur Seite, und versorgt die Menschen mit einer anderen Speise. Nein, er nimmt das, was Andreas ihm gebracht hat, und vermehrt es so, dass für alle Menschen reichlich da ist.
Das eigentliche Wunder berichtet Johannes wieder ähnlich zu den anderen Evangelien, wobei Johannes nicht berichtet, dass Jesus das Brot zunächst an die Jünger weitergab und die es dann an die übrigen Menschen weitergaben.
Auch Johannes betont den Überfluss, mit dem Jesus versorgt. Alle Menschen werden wirklich satt und es werden noch 12 Körbe an Überresten eingesammelt. Was für ein Kontrast zu dem, was die Jünger sich vorstellen konnten. Die Menschen hatten eben nicht nur einen Happen bekommen, sie wurden wirklich satt.
Auch beim Abschluss des Wunderberichtes bietet uns Johannes Informationen, die sich nur in seinem Evangelium finden. Die Menschen schließen aus diesem Wunder, dass Jesus der Prophet sein muss, der in 5Mose 18,15ff verheißen wird.
Den Rückzug von Jesus begründet Johannes damit, dass Jesus erkannte, welche Konsequenzen die Menschen aus dieser „Erkenntnis“ ziehen würden. Auch dieses Verstehen unterstreicht die Größe Jesu, der eben die Herzen der Menschen erkennt. Jesus hat aber kein Interesse, ein weltlicher „Brotkönig“ zu werden, und zieht sich deshalb zurück und schickt seine Jünger allein über den See Genezareth.
2. Verstehen, worum es geht
Unsere Predigttexte zum Johannesevangelium stehen unter der Überschrift „Leben nah bei Jesus“. Gerade die Speisung der 5000 unterstreicht, wie Jesus auch die irdischen Bedürfnisse im Blick hat, und auch für sie sorgt. Natürlich geht es Jesus um mehr als die irdischen Bedürfnisse, was Johannes gerade durch Vers 14 und 15 deutlich macht.
Die Reaktionen der Jünger sollten für uns eine Einladung sein. Gerade in den herausfordernden oder überfordernden Situationen lädt uns Jesus ein, seine Nähe zu suchen und im Vertrauen auf ihn, auf seine Güte und seine Macht zu handeln. Philippus und Andreas können uns also sowohl Vorbild wie auch Mahnung sein. Sie sind Vorbilder darin, wie sie ehrlich ihre menschliche Begrenztheit erkennen und sie vor Jesus bringen. Beide sind aber auch eine Mahnung in der Hinsicht, dass sie bei ihren eigenen Möglichkeiten stehen bleiben und ihr Vertrauen auf Jesus eben nicht zum Ausdruck bringen. Jesus stellt seine Jünger ganz bewusst in diese Hilflosigkeit, um ihnen dann zu zeigen, wie sehr sie ihm vertrauen können und von ihm abhängig sind.
Wir wollen in der Predigt einladen, den Blick von unseren Einschränkungen weg auf die Vollmacht Jesu zu legen. Er ist es, der uns wirklich die Fülle in unserem Leben geben kann und will. Wir dürfen mit dem wenigen, das wir haben voller Vertrauen zu Jesus kommen und es zu seiner Ehre einsetzen.
Außerdem ist dieses Gleichnis immer wieder eine Anfrage, von wem wir die Erfüllung in unserem Leben erwarten. Mitten in den vielen Angeboten unserer Welt, mit ihren großen Versprechen, lädt uns Jesus ein, mit unserem Hunger auf Leben zu ihm zu kommen und unsere Hoffnung ganz auf ihn zu setzen. Als Christen dürfen wir diese wunderbare Botschaft in die Welt tragen, dass wir einen Gott haben, der nicht nur Erfüllung verspricht, sondern sie auch wirklich geben kann. Eine Erfüllung, die nicht nur durch dieses Leben trägt, sondern auch in der Ewigkeit Bestand hat.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Jesus macht satt
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
1. Jesus sieht den Hunger der Menschen (V.1-3)
2. Jesus lädt zum Vertrauen ein (V.5-9)
3. Jesus gibt überreich (V.10-13)
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Zur Veranschaulichung der Predigt kann eine der vielen Geschichten dienen, in denen Menschen mit kleinen Mitteln begonnen haben und im Vertrauen auf Jesus einen wertvollen Dienst getan haben. (z.B. Das Leben von Gladys Aylward)
(Tobias Schurr)