Predigtthema: Jesus rettet vor dem Untergang
Textlesung: Evtl. Psalm 107,23-32 oder Jes. 51,9-16
1. Sehen was dasteht
1.1. Hilfsmittel
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
Hilfreich ist, auch das Lesen und Studieren der folgenden Kommentare:
- Theodor Zahn, Das Evangelium des Johannes, Kommentar zum Neuen Testament, Leipzig, 1908, 322-325
- Carl Friedrich Keil, Commentar über das Evangelium des Johannes, Leipzig 1881, 246–249.
- Werner de Boor, Das Evangelium des Johannes, Teil 1, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1983, 191-193.
- Gerhard Maier, Johannes-Evangelium, Teil 1, Edition C, Neuhausen-Stuttgart 1984, 259-263.
- D.A. Carson, The Gospel according to John, The Pillar New Testament Commentary, Grand Rapids 1991, 275-276
- Raymond E. Brown, The Gospel according to John (I–XII): Introduction, translation, and notes, Anchor Yale Bible, Bd. 29, London: Yale University Press, 2008, 251-256.
1.2. Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
1.2.1. Kontext
Vorher:
- Kapitel 6 beginnt mit der Speisung der 5000 (6,1-15)
- Als die Menschen Jesus am Ende erkannten und ihn zum König machen wollen verschwindet Jesus auf einen Berg, dabei sind seine Jünger nicht dabei.
- Sie fahren dann in V.16 über den See
Nachher:
- Die Menschen fangen an nach Jesus zu suchen und finden ihn dann auch
- Sie suchen Jesus wegen den Zeichen, die er getan hat.
- Jesus macht deutlich, dass es nicht um das Zeichen oder das Brot geht im Leben, sondern um ihn, er ist das Brot des Lebens. -> Das ist der Predigttext nächste Woche.
1.2.2. Versauslegung und Hinweise
Für das bessere Verständnis der Geschichte hilft es auch die Parallelstellen in Mt 14,22-33 und Mk 6,45-52 zu lesen, welche eigene Schwerpunkte haben, aber das gleiche Ereignis schildern.
Vers 16: Die Jünger gehen hinab an den See. Der See ist hier der See Genezareth. Wichtig ist hier zu bemerken, dass die Jünger teilweise erfahrene Fischer waren und dieses Gewässer kannten, sie waren hier groß geworden und hatten hier als Fischer gearbeitet.
Vers 17: Die Jünger hatten ein Ziel, sie wollten nach Kapernaum fahren, was im Norden des Sees liegt. Johannes berichtet uns dann, dass es bereits finster geworden war und Jesus somit erst nach Einbruch der Nacht zu ihnen gekommen ist. Was auch ihre Furcht oder Vorstellung eines Gespenstes erklärt.
Vers 18: In 18-19a nimmt Johannes uns mit hinein in das dramatische Ereignis: Ein Sturm kommt auf. Wenn man in die Parallelstellen schaut, stellt man fest, dass der Wind den Jüngern entgegenschlug und die Wellen größer wurden. Das Schiff drohte zu sinken. Sie mühten sich ab, aber es gelang ihnen nicht. Die Jünger befanden sich zu diesem Zeitpunkt etwa in der Mitte des Sees, also am denkbar schlechtesten Ort, um Rettung zu erhalten vom Land oder von anderen Booten.
Vers 19b: Hier geschieht das erste Wunder: Jesus kommt auf dem See, er läuft auf dem Wasser und kommt auf seine Jünger zu, er eilt ihnen zur Hilfe, gerade in dieser schwierigen Situation, wo Rettung von außen und aus menschlicher Sicht unmöglich erscheint tritt Gott ein. In allen drei Berichten lesen wir, dass die Jünger sich fürchteten vor dieser Erscheinung. Matthäus und Markus berichten uns, dass die Jünger meinten ein Gespenst zu sehen und sich darum sehr fürchteten vor dieser Gestalt auf dem Wasser. Jesus kommt rechtzeitig, das Schiff ist noch nicht gesunken.
Vers 20: In diesem Vers gibt sich Jesus zu erkennen. Er sieht, er spürt oder hört sogar die Furcht seiner Jünger und sagt ihnen sofort „ich bin es, ihr braucht euch nicht zu fürchten“. Auch in der Offenbarung 1,17-18a sagt Jesus „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte 18 und der Lebendige.“ Das fürchte dich nicht taucht immer wieder auf als Zusage Gottes zu seinem Volk und den Menschen im AT auf (z.B. Gen 15,1; Gen 26,24; Num. 21,34; Jos 8,1; Jes. 41,10; …) Gott redet persönlich, er sagt ganz klar „ihr braucht euch nicht zu fürchten“. Gott lässt seine Nachfolger nicht allein, er lässt sie nicht untergehen oder verderben. Der tiefer liegende Grund für das „ihr braucht euch nicht zu fürchten“ ist, dass Jesus den letzten Feind besiegt hat, dass nichts mehr den Menschen aus Gottes Hand reißen kann (Röm 8,35-39). Es gibt nichts, was uns Angst machen kann.
Jesus offenbart sich hier durch sein Reden und durch die Wunder: Er ist der Sohn Gottes. Das Wunder bezeugt genau dies: Er hat Macht über die Elemente (Unweigerlich sind hier die Parallelen zu den Psalmen, wo Gott als der Herr der Wellen/ Meere/ des Wassers gepriesen wird: Ps. 29,3-4.10-11; 65,5-7; Ps. 93,3-4; 107,23-32). Und ebenso offenbart er sich als der Sohn Gottes durch den Gebrauch des ἐγώ εἰμι (ego eimi; =gr. Ich bin). In vielen AT-Stellen ist dies immer die Gottesbezeichnung so z.B. in Jes 51,12, wo Gott sagt „Ich bin euer Tröster“ (kann man evtl. in der Textlesung lesen). Oder ganz prominent in Ex 3,14, wo sich Gott Mose vorstellt, als der, der ist.
Gerade in diesem Vers liegt der Höhepunkt unserer Erzählung und der Fokus des Berichts von Johannes: Jesus gibt sich zu erkennen.
Vers 21: Die Jünger wollten ihn ins Boot nehmen. Es geht aus dem Text nicht genau hervor, ob Jesus nun ins Boot stieg oder nicht, aber die Parallelen zeigen, dass er ins Bott gestiegen ist (Mk6,51; Mt 14,32). Und erneut geschieht ein Wunder: sofort waren sie an Land. Jesus bringt das Boot an Land. Er hat Mittel und Wege, die wir Menschen nicht haben. Er kann, was wir nicht können, er rettet, wie wir uns niemals retten können. Sehr deutlich ist hier die Anspielung auf Ps. 107,29-30.
2. Verstehen worum es geht
2.1. Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Heilsgeschichtliche Einordnung)
Jesus gibt sich hier als der Messias zu erkennen. Gerade an seiner Macht über die Elemente zeigt sich, dass Jesus eben nicht irgendein Lehrer, Wundertäter, Arzt oder Redner war, sondern wirklich der Sohn Gottes. Der Retter ist da, und er rettet, hier nur aus einer lebensbedrohlichen Situation, später aus einer ewigkeitsbedrohlichen Situation. Hier rettet er das irdische Leben seiner Jünger, später rettet er am Kreuz das Leben aller Nachfolger vor der ewigen Verlorenheit.
2.2. Predigtanlass
Der Predigtanlass ist ein Sonntag. Wir befinden uns gerade in der Reihe des Johannesevangeliums. Überschrieben ist die Reihe mit „Leben nahe bei Jesus“.
2.3. Anwendungen / Fragestellungen
- Wo sind wir in stürmischen Zeiten? Wo sind Zeiten in unserem Leben, an denen wir kein vor und kein Zurück erkennen?
- Wie verhalten wir uns in den Stürmen? Mühen wir uns ab? Versuchen wir eine Rettung aus eigener Kraft?
- Sehen wir auf Jesus? Oder sehen wir in Jesus ein Gespenst? -> Gerade in Krisen und Stürmen ist manchmal unser Blick getrübt, wir sehen verschwommen und nicht mehr klar, dann ist es wichtig sich eben nicht auf das, was man sieht zu verlassen, sondern sich zu erinnern, was hilft: Gott, der Macht über die Elemente auf dieser Welt hat, weil er sie geschaffen hat.
- Wo vertrauen wir vielleicht auf unsere Fähigkeiten in Krisensituationen und nicht auf die rettende Hand Gottes?
- Hören wir die Stimme Gottes im Sturm, wie sie vielleicht ganz leise, aber deutlich sagt „Hab keine Angst, ich bin da“? Oder wo ist unser Fokus im Sturm?
3. Sagen wo es hingeht
3.1. Predigtziel
- Jesus rettet, gerade wenn er weit weg scheint, ist er uns doch so nah.
- Er möchte uns erretten, aus den Stürmen unseres Lebens, aber auch von unserer Schuld.
- Jesus ist der Sohn Gottes, der Macht hat über die Elemente, ihm ist nichts unmöglich.
3.2. Gliederung / Entfaltung
Als mögliche Gliederung kann folgende Einteilung dienen. Natürlich kann auch davon abgewichen werden.
- Unverhofft kommt oft V.16-18
- Der Retter?! V.19-20
- Kapitän an Bord V.21
3.3. Predigtthema
- Unverhofft kommt oft
- Die Jünger gehen ohne Jesus auf das Boot und wollen nach Kapernaum fahren.
- Es ist bereits Abend geworden.
- Es scheint, als ob Jesus seine Jünger allein lässt, doch Jesus ist eben da.
- Wusste Jesus nicht, dass ein Sturm aufkommen würde? -> Jesus wusste es, aber es ging darum, dass er sich ihnen zeigen konnte, dass sie erkennen konnten, wer und wie Jesus ist.
- Der Sturm bricht los und die Jünger fürchten sich. Wo sind Stürme in unserem Leben, wovor wir uns fürchten? Wo glauben wir, dass Jesus eben nicht da ist? Und wo versuchen wir aus eigener Kraft uns zu retten?
2. Der Retter?! - Jesus kommt auf dem Wasser zu ihnen. Jesus kommt nicht zu spät, er kommt genau rechtzeitig.
- Er tritt zu ihnen und gibt sich zu erkennen „Ich bin es, habt keine Angst.“
- Jesus zeigt, dass er sich um seine Jünger, seine Nachfolger sorgt, er lässt sie nicht allein in dieser Situation. Er kann den Sturm stillen, er ist es der Rettung bringt: In dieser Situation, in den Stürmen unseres Lebens, aber eben auch Rettung im viel weitreichenderen Sinn (s.oben)
- Wir können uns selbst nicht retten.
3. Kapitän an Bord - Jesus steigt ein.
- Er will der Kapitän sein, wenn er an Bord ist, dann ist das Schiff sicher, er steuert es sicher ans feste Land.
- Lassen wir Jesus den Kapitän an Bord unseres Schiffes sein? Unserer Gemeinde? Ist er es, der die Richtung vorgibt? Oder versuchen wir selbst das Schiff zu steuern?
- Wenn wir Jesus vertrauen, dann geschehen Wunder, dann können wir sehen und staunen, wie ihm nichts entgeht, wie er eingreift und uns den Weg aus ausweglosen Situationen zeigt.
- Wo wir mit unserem Latein am Ende sind, wo wir keine Hoffnung mehr sehen, da fängt Gottes Handlungsspielraum erst so richtig an: Er kann retten, er kann auch in unserem Leben uns aus so manch dunklen und bedrohlichen Situationen retten.
3.4. Veranschaulichungen/ Beispiele/ Zitate
- Seine Probleme selber lösen zu wollen ohne die Hilfe Gottes ist, wie gegen einen Sturm zu rudern, es geht wirklich nicht vorwärts.
3.5. Liedvorschläge
- Oceans (where Feet May Fail)
- So groß ist der Herr
(Wolfgang Götz)