Lukas

Predigthilfe vom 4.8.2002 – Lukas 7,1-10

Monatsthema: Rettung aus Glauben
Predigtthema: Vertrauen auf das Wort

Bibelstelle: Lukas 7,1-10

Verfasser: Jürgen Vier

1. Zusammenhang
In Lukas 6,20ff finden wir eine Beschreibung von Jesus, welche Menschen wir von ganzem Herzen als „glückliche Menschen ansehen dürfen“ = Seligpreisungen!
In Lukas 7 finden wir nun Beispiele von Menschen, die dieses Glück gefunden haben.

2. Biblische Parallelen
Mt 8,5-13 und Joh 4,46-53 (wobei es sich hier um eine andere Begebenheit handelt!)
Vorbemerkung: Im Vergleich mit Mt 8 fällt auf, dass dort der Hauptmann direkt mit Jesus redet. Ist das mit Lukas vereinbar? Lukas liegt wohl mit seiner Darstellung richtig. Mt verkürzt den Handlungsablauf. Aber dennoch ist es vereinbar. Zur Zeit Jesu war es völlig klar: Reden mit einem Boten ist wie das Reden mit dem Auftraggeber selbst (vgl. Lk 10,16).

3. Der Aufbau des Textes
7,1-2a: Situationsbeschreibung
7,2b-5: Die Bitte des Hauptmannes und der Ältesten an Jesus
7,6-8: Die Begegnung des Hauptmannes mit Jesus
7,9-10: Die Folgen dieser Begegnung

4. Einzelerklärungen
Vers 1:
Nach seiner „Feldpredigt“ geht Jesus nach Kapernaum. Kapernaum ist die Stadt, in der herrliche Zeichen und Wunder durch Jesus geschahen. Es war geradezu seine Stadt (vgl. Mt 9,1; Lk 4,31). Jesus war auch sehr eng mit der Synagoge in Kapernaum verbunden (Ort vieler Lehrveranstaltungen). Heute ist Kapernaum ein Ort voller Trümmer und Schutt (vgl. Mt 11,23).

Vers 2:
Ein Hauptmann (Herr über 100 Soldaten) hatte einen Knecht, der todkrank war. Zu diesem Knechten hatte er eine enge Bindung. Er hatte ihn lieb. Er war ihm wertvoll. Dies war nicht gerade selbstverständlich – aber auch nicht unmöglich! In vielen Situationen konnte er sich auf diesen Knecht verlassen.

Vers 3:
Der Hauptmann wendet sich über die Ältesten an Jesus. Diese Ältesten (in der Regel sieben Personen) sind Vertreter ihres Volkes, Richter bei Ortsgerichten und „Gemeinderäte“ (vgl. Lk 9,22; 20,1; 22,66; Apg 4,8; 22,5). Diese baten nun Jesus, den Knecht gesund zu machen. Mehr noch. Sie baten Jesus, den Knechten zu retten („hindurchretten“). Das könnte sowohl auf die Krankheit oder auch auf den Tod selbst hindeuten.

Vers 4+5:
Hier sehen wir, wie sie diese Bitte vorbringen. Auffallend ist die Bezeichnung: Er ist es wert. Warum? In erster Linie, weil er Israel lieb hat („unser Volk“). Hier wird auch deutlich, dass Jesus und die Ältesten ganz eng miteinander verbunden waren. Sie kannten sich gut. Weil er sich zu unseren Anliegen stellt. Weil er uns sogar finanziell unterstützt. Weil er einen außerordentlich guten Ruf in der Bevölkerung hat….Hier zeigt sich auch das große Zutrauen der Ältesten in Jesus. Auch sie zeigen kühnen Glauben, indem sie für diesen Hauptmann und sein Anliegen so kämpfen. Mit dem Bau einer Synagoge gehörte der Hauptmann automatisch / selbstverständlich zur Synagoge (vgl. Gerhard Maier S. 307).

Vers 6-8:
Hier finden wir nun die Selbsteinschätzung des Hauptmannes. Auch wenn alle mich achten und schätzen und sagen „Er ist es wert!“, so zeigt sich hier seine eigene große Demut. Ich bin es eben nicht wert (vgl. Lk 5,8). Ich habe keinen Rechtsanspruch auf deine Hilfe. Selbst wenn ich große Finanzen oder mein ganzes Leben in deinen Dienst stelle, habe ich keinen automatischen Anspruch auf Hilfe, Heilung…
Er verläßt sich auf die Ausführungen Jesu (vgl. z.B. Lk 4,33-41; Lk 6,18f….). Er bekennt: So wie mir meine Soldaten aufs Wort gehorchen, so gehorchen Dir sogar alle Krankheiten.
Hier finden wir Glauben verbunden mit „Stiller Buße“ = Ich bin es nicht wert.
W. Lüthi schreibt: „Man vergegenwärtige sich diesen Glauben: Die Krankheit, die Armut, die Sterne des Himmels, selbst das Wetter des Alltages sind nicht unabänderliches Schicksal und Verhängnis, sondern all diese Dinge, Zustände und Vorgänge sind wie bewegliche Truppen, Untergebene eines Kommandierenden! Und dieser von höchster Stelle Eingesetzte und Vorgesetzte, dieser Hauptmann aller Dinge ist Jesus. Nicht weniger glaubt und bekennt der Offizier von Kapernaum.“

Vers 9+10:
Dieses Zeugnis, dieser Glaube ermöglichte Jesus die Hilfe und Heilung in Not, ohne dass er seinen heilsgeschichtliche Platzanweisung gegenüber seines Volkes verlassen mußte. Der Glaube bewegt immer das Herz Gottes, da kann und will er nicht vorbei gehen (vgl Mk 7,24ff). Und zu dieser Stunde heilte Jesus den Knecht.

5. Die Spitze des Textes
Hier sehen wir in einer sehr guten Art und Weise, was Glauben heißt.

6. Der Text heute
Glauben ist das zentrale Thema in unseren Verkündigungen. Wir leiden fast schon an einer Überflutung an Ausführungen zum Thema. Dennoch ist es ein absolut aktuelles Thema. Nicht die Theorie ist dabei so umstritten und gefragt, sondern deren Umsetzung. Würde Jesus solchen Glauben bei uns in unseren pietistischen Gemeinschaftsstunden finden?
Einen weiteren Gedanken könnte man im Verlauf der Predigt einfließen lassen: Die Ältesten setzen sich für diesen „heidnischen“ Hauptmann ein und „bestürmen“ Jesus und bitten für ihn. Haben wir echte Freundschaften, Freunde und Bekannte, die wir menschlich gesprochen für so wertvoll ansehen, dass wir sie und ihre Anliegen vor Jesus bringen. Oder sind uns Menschen nicht so viel wert?

7. Beispiele und Verdeutlichungen
Wie aktuell dieses Thema ist zeigt die Ausgabe des Spiegels Nr. 21 vom 18.05.02. Auf dem Titelblatt findet sich das Thema: Hirnforschung: Der gedachte Gott – Wie Glaube entsteht. Findet Glaube allein in unserem Kopf statt? Diese frage wird hier in scheinbar wissenschaftlicher Art und Weise nachgegangen und mehr oder weniger mit „Ja“ beantwortet. Wie sehr dieses Thema bewegt zeigt sich auch darin, dass bereits in der Ideaausgabe vom 23.05.02 auf S.3 dieses Thema aufgegriffen und in Frage gestellt wird (von Prof. Dr. Bodo Volkmann). In den weiteren Ideaausgaben finden sich weitere Stellungnahmen zu diesem Thema (z.B. von Peter Hahne, Margrit Stebner = Shelter now – Mitarbeiterin).

8. Gliederung der Predigt
I. Einleitung:
Bezug nehmen auf Artikel im Spiegel
Fragen aufwerfen: Hat der Glaube seinen Sitz in unserem Hirn?
War die Gotteserscheinung bei Mose lediglich die Folge eines epileptischen Anfalls?
Was bedeutet Glauben? In vielen Gesprächen (hier persönlich werden) fällt der Satz: Glaube heißt nicht wissen – stimmt das und wie antworten wir aus biblischer Sicht?

II. Hauptteil
1. Glaube beginnt immer mit hören (V.2f; Rö 10,17)
a. Sind wir selbst Hörende, damit unser Glaube wachsen kann?
b. Sind wir selbst Gebende, damit andere zum Glauben kommen?

2. Glaube faßt Vertrauen und bittet (V.3)
a. „gesund machen / hindurchretten“: Sowohl Krankheit heilen als auch Rettung über unser irdisches Leben hinaus im Blickpunkt. Jesus kann beides tun.
b. Zitat von W. Lüthi: „Man vergegenwärtige sich…“

3. Glaube führt zur Selbsterkenntnis und Demut (V. 6-8)
a. Der Hauptmann erkennt in der „entfernten“ Gegenwart Jesu seine „Wertlosigkeit“ an! Hier finden sich weitere biblische Beispiele wie z.B. Lk 5,8!
b. Der Hauptmann erkennt die absolute Macht und Befehlsgewalt Jesu an (vgl. Mt 28)

III. Schluss
Hebr 11,1: Glaube heißt eben doch nicht: Nicht wissen, sondern der Glaube ist eine feste und unerschütterliche Grundlage unseres Lebens – in Theorie und Praxis!