Monatsthema: Als Gerettete leben
Predigtthema: Gute Frucht bringen
Bibelstelle: Lukas 6,43-49
Verfasser: Albrecht Wandel
1. Zusammenhang
Gesamt-Zusammenhang: Jesu „Grundgesetz“ in der Feld-/Berg-Predigt
Die Feindesliebe der Nachfolger Jesu (Lk.27-35)
Der barmherzige Lebensstil der Nachfolger Jesu (Lk.6,36-42)
2. Biblische Parallelen
Mt. 7,16-22.24-27
Mt. 12,33-35
Gal.5,19-23
1.Kor.3,10-15
3. Der Aufbau des Textes
Die bisherige Ausführungen Jesu provozieren bei den Zuhörern die bange Frage: Was für ein Mensch kann so seine Feinde lieben, welcher Mensch kann diese Barmherzigkeit leben? Jesus gibt jetzt in sehr anschaulicher Weise auf diese Fragen eine Antwort.
43-44 Nur ein guter Mensch kann Früchte der Liebe hervorbringen (Baum – Frucht – Gleichnis)
45-46 Wer ist ein guter Mensch – wie wird man ein guter Mensch?
47-49 Wie lebt ein guter Mensch?
4. Einzelerklärungen
V.43
„gut“ – ob ein Baum gut ist, sieht man nicht unbedingt an seiner äußeren Erscheinung, sondern an seinen Früchten.
„faul“ – die Wurzel des griech. Wortes (sepo) kennen wir als Fremdwort: „septisch“ (eine Entzündung, die durch Einbruch von Bakterien verursacht ist). Bei einem Baum: morsch.
Jesu Nachfolger werden nicht nach ihrem frommen äußeren Erscheinungsbild beurteilt, sondern an den Früchten, die sie bringen. Ein Spiegel für „gute“ und „böse Früchte“ liefert uns Gal.5,19-23. Hier finden wir auch das Lebenselement, dass diese guten Früchte hervorbringt: der Heilige Geist. Damit ist auch bereits gesagt, dass nur ein Mensch, der den Heiligen Geist hat, ein „guter Baum“ sein kann (zum Empfang des Geistes bei der Wiedergeburt vgl. Eph.1,13). „Faulstellen“ entstehen, wo der Geist Jesu in einem Lebensbereich keinen Raum bekommt. Die Früchte, die durch diese Faulstellen entstehen, sind dann auch dementsprechend und werden durchaus „von außen“ wahrgenommen.
V.44
Jetzt geht es nochmals deutlich um die Erkennungszeichen des Baumes: am deutlichsten wird dies an den Früchten! Jesusnachfolge dringt nach außen und wird an den Früchten sichtbar (interessanterweise spricht hier Jesus nicht von der Menge der Früchte). Wie bei einem Baum gilt auch bei den Jesusnachfolgern: Erkennungszeichen Frucht!
Zu den beschriebenen Früchten:
Feigen (im AT Zeichen des Segens), Trauben (AT: Zeichen des Messias: Messiasfrüchte brauchen Verwurzelung im Messias! Joh.15,1-8)
Dornen, Dornenstrauch (Luther übersetzt „Hecken“): symbolisiert das Böse (Mi.7,4) und den Abfall von Gott (1.Mo.3,18)
Ein Jesusnachfolger ist ein „guter Baum“ und er kann eigentlich gar nicht anders als Gutes hervorbringen! Allerdings sollte er darauf achten, dass sich in seinem Leben keine „Fäulnisstellen“ bilden. Wo der Geist Gottes Raum bekommt, da kann sich keine Fäulnis bilden! Das Wort Gottes entlarvt solche Lebensfäulnis.
V.45
„guter Mensch“:
Jesus erzeugt mit dieser Aussage eine große Spannung: die Zuhörer wissen nach 1.Mo.8,21 und Ps.53,2, dass der Mensch von Jugend auf böse ist und es den guten Menschen gar nicht gibt. Unwillkürlich taucht in ihnen die Frage auf: wie wird man ein guter Mensch, da müsste man ja gerade nochmals geboren werden! – Erst später werden sie begreifen, dass es dazu tatsächlich einer Wiedergeburt bedarf, die sie zu einer neuen Kreatur, einem neuen Menschen, eben zum guten Menschen macht (2.Kor.5,17).
Erkennbar ist der gute Mensch durch das Hervorbringen von Gutem, der böse durch das Hervorbringen des Bösen. G. Maier macht hier eine sehr hilfreiche Unterscheidung: „Dabei besteht ein Unterschied zwischen einem „gut“-erzogenen Menschen und einem „gut“-herzigen Menschen. Ersterer bleibt in der Regel innerlich „böse“, was von der Erziehung nur überdeckt wird. Letzterer ist im Innersten, im „Herzen“, gut und kann daher nicht anders als auch „das Gute hervorbringen“.“
Dass der „gute Mensch“ niemand ist, der sich das „Gutsein“ verdient hat, macht Jesus durch den „Herzens-Schatz“ deutlich, den es gleichsam zu heben gilt! Der Schlüssel, wie ein Mensch diesen bekommen kann, bekommen wir in Hes.18,31-32 und Hes.36,26-27 (unbedingt nachlesen!). Bekehrung und damit verbundener Geistempfang legen diesen Schatz in einen Menschen, und befähigt, Gutes zu tun. Den Ausdruck findet dieses volle Herz zunächst im Reden, sodann aber vor allem im Tun.
V.46
Wer Jesus als seinen Herrn bekennt, der ist verpflichtet, sein Wort zu tun! Wer nicht tut, was Jesus sagt, hat kein Recht, ihn Herr zu nennen.
V.47-49
Jesus zeigt, wie sich das Tun seiner Worte auswirkt. Beide, „Tiefbauer“ und“ Flachbauer“ tun dasselbe: beide kommen zu Jesus, beide hören sein Wort (und vielleicht glauben sie sogar beide diesem Jesuswort). Aber einer tut es auch!
Jesu Wort tun bedeutet allerdings mühevollen Einsatz.
„grub tief“: damit ist in diesem Zusammenhang nicht das intensive Bibelstudium gemeint, sondern das Tun dessen, was wir vom Wort Jesus verstanden haben! Auch intensivstes Hören allein bedeutet „oberflächlich“ bauen. Das Tun verleiht die Verankerung im Fundament (das Fundament ist Jesus).
Flut: G. Maier zeigt, dass damit sowohl die Versuchungen des Teufels als auch das Endgericht Gottes gemeint ist. Erstaunlich, wie bedeutend das Tun dabei ist und wie hoch es gewertet wird. Sollten wir dabei beachten, dass es sich um das Werke der einzelnen Baumeister handelt, die stehen bleiben, bzw. untergehen und nicht die Baumeister selber? Zu denken wäre dabei an das Gericht, das Paulus in 1.Kor.3,10-15 beschreibt.
Wir halten fest, das wir imstande sind, Gutes von Herzen zu tun. Die Ausstattung zum Gutestun haben wir mit der Wiedergeburt und dem damit verbundenen Geistempfang erhalten. Diesen „Herzensschatz“ nicht zu heben und anzuwenden ist eigentlich „wider-natürlich“! Das „Gutestun“ macht Christen standfest, auch wenn es ihnen manchmal scheint, als würden sie ausgenützt und verpassten etwas im Leben. Es macht standfest in Versuchungen und diese Taten der Liebe und Barmherzigkeit überdauern die große Flut und werden hinübergerettet …
5. Die Spitze des Textes
Wer durch Jesus ein „guter Mensch“ geworden ist, ist nicht nur Hörer, sondern Täter der Worte Jesu.
6. Der Text heute
„Jeder Mensch hat einen guten Kern!“ so meinen heute viele, auch Christen. Die Bibel sagt uns hier das Gegenteil: Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer. Diesem Realismus der Bibel gilt es sich zunächst ehrlich zu stellen, um dann zu entdecken, dass Jesus Christus einen neuen Menschen, eben einen guten Menschen durch die Wiedergeburt ermöglicht. Wer das für sich in Anspruch genommen hat, wer diesen Schatz im Herzen trägt, der kann nicht anders, dem geht der Mund über! Der „gute Mensch“ ist deshalb zunächst daran zu erkennen, dass er von Jesus redet und anderen erklärt, wie sie zu einem guten Menschen werden können. Das ist die erste Frucht, des „guten Baumes“. Damit tut er das, was Jesus im Missionsbefehl sagt. Aber das „neue Menschsein“ ermöglicht auch, den Feind zu lieben und Barmherzigkeit zu üben! Der gute Mensch kann dies und es ist für ihn ebenfalls logisch, dies zu tun (Röm. 12,1 spricht regelrecht vom „logischen Gottesdienst“). Es gilt diesen Herzensschatz zu heben. Neuer Mensch sein, Jesu Wort hören und es nicht tun ist eigentlich nicht denkbar und passt mit dem Bekenntnis „Jesus ist mein Herr“ nicht zusammen. Hier gilt es sich warnen zu lassen von den Folgen solch eines tatenlosen Christenlebens. Wer Gutes tut, wie es ihm sein Herr aufträgt, der ist standfest in Versuchungs-Stürmen und sein Werk übersteht den Gerichtssturm. Gerade im Protestantismus ist das „Tun“ etwas aus dem Blick gerückt worden. Nicht damit wir gerettet werden, tun wir die Werke Jesu, sondern weil wir gerettet sind! Wichtig allerdings ist die Tatsache, dass wir allein durch Jesu Tat am Kreuz zu einem „guten Menschen“ werden.
7. Beispiele und Verdeutlichungen
Wieder gibt uns Jesus die besten und anschaulichsten Beispiele selber. Hier gibt es vielfältige Möglichkeit, des Übertragens auf unsere Situation.
Ganz praktisch könnte es anschaulich sein, evtl. faule und gute Äpfel mitzubringen und einige aufzufordern, sie zu essen. Welche Früchte sind genießbar? Leben wir das was wir sind, Früchte am Weinstock Jesus?
8. Gliederung der Predigt
Nach der Rede von Feindesliebe und Barmherzigkeit bohren in den Jüngern Jesu einige Fragen. Aus diesem Grund gliedern wir die Predigt nach Fragen – die Predigt selber soll die Antworten Jesu transparent und praktisch für die Zuhörer machen. Es empfiehlt sich, nicht zu viele zusätzliche Anschauungen zu bieten, sondern in den Anschauungsbeispielen Jesu zu bleiben.
1. Was ist ein guter Mensch (- wie wird man einer)?
Hier geht es um den „Baum“: Wie wird aus einer „Dornenhecke“ ein guter Baum? Dabei muss über den Text hinausgegriffen werden und von Wiedergeburt geredet werden.
2. Wie schafft man es, Gutes zu tun?
Die „logische“ Auswirkung eines neuen Lebens ist das „gute Früchte bringen“. Voraussetzung ist das Hören der Worte Jesu die Willensentscheidung: Ich tu diese Worte! Dann werde ich gute Früchte bringen!
3. Was bewirkt das Tun des Wortes Gottes?
Standfestigkeit des „Lebensbaus“ in Versuchungszeiten und „Hinüberretten“ des Lebenswerks über die „Bewährungsflut“ (vgl. 1.Kor.3,10-15).
Schluss:
„Das menschliche Herz hat einen weiten Raum. Es geht sehr viel Gutes oder sehr viel Böses darein. Beides bricht aus, in Werken und Worten.“ (Johann Albrecht Bengel)
„Tun tut gut – nicht tun, tut nicht gut!“ (Johann Albrecht Bengel)