Philipper

Predigthilfe vom 4.3.2007 – Philipper 2, 5-11

Monatsthema: Gott schafft neues, indem er…
Predigtthema: … mit Christus erfüllt

Bibelstelle: Philipper 2, 5-11

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkung
Paulus rät Jesusleuten, die GESINNUNG Jesu zu übernehmen. Nur so können Spannungen und Streitigkeiten innerhalb der Gemeinde aufgelöst werden – nicht durch Besserwisser und Besserglauber.
V 6-11 sind auch als Philipper- oder Christushymnus bekannt, wohl ein geläufiges Lied der Urchristenheit, das Paulus übernommen hat. Es enthält das wahrscheinlich älteste und kürzeste Glaubensbekenntnis in V 11: Herr (ist) Jesus Christus – im Griechischen nur drei Worte.
Hier werden aber nicht die Menschwerdung, Erniedrigung und Erhöhung Jesu theologisch umfassend entfaltet, sondern versucht, das selbstsüchtige Herz des Menschen (gerade auch des gläubigen…) zu gewinnen und dazu zu bringen, MIT JESUS zu denken und zu leben, die gleiche Richtung einzuschlagen.

Erklärungen und Tipps
V 5 Die Überschrift und das Anliegen sollen anreizen, immer wieder die Denkweise Jesu zu übernehmen. „wwjd“ steht unter jungen Leuten für „What would Jesus do?“ (deutsch: „Was würde Jesus tun?“), die Abkürzung für einen Denkspruch, den man vorwiegend auf Armbändchen lesen kann. Hinter der Frage steht die Idee, durch solche Armbändchen erinnert zu werden, sich bei allem, was man tut, zu fragen, wie Jesus Christus in dieser Situation reagieren, handeln oder denken würde. (1)
Jesus ist kein bestaunenswertes Vorbild, sondern seine Grundsätze sollen übernommen werden: Selbstlosigkeit, Demut und Gehorsam. Unsere Nächsten werden es spüren, ob wir „in Christus“ sind oder nicht.

V 6 Das Raubobjekt, ein „an sich Festzuklammerndes“ (2) soll nicht verloren werden.
Das „Sein gleich Gott“ (wörtl.) beschreibt Jesu Göttlichkeit VOR seiner Menschwerdung (Jo 1, 1f).
Hier wird schon der Name Gottes angedeutet (2. Mo 3, 14) „Sein, der ich sein werde“ (s. unten zu V 9). Dieser Name beschreibt nicht das unbewegliche Bild eines Götzen, sondern einen LEBENDIGEN Gott, der z. B. auch verfolgen (z. B. Jona), strafen (1. Mo 6, 11ff), begnadigen (Jes 43, 1), lieben (Jer 31, 3), auf Gebet hin vorgesehene Weichenstellungen ändern (Jes 38, 5).

V 7 Elberfelder: „Er machte sich selbst zu nichts“, griech. auch: „entleerte sich selbst“.
Sklaven waren Entleerte ohne Freiheit, Besitz und „Menschenrechte“. Sie durften nur tun, was ihr Herr ihnen auftrug.
Jesus hat nicht seine Gottheit aufgegeben, als er in die Menschheit eintrat, verzichtete allerdings auf die Bandbreite seiner göttlichen Möglichkeiten (Rö 8, 3; Hebr 2, 14.17). (3)
Er behielt tatsächlich seine göttliche Kraft, als er wie wir wurde, blieb dabei aber selbstlos, demütig und gehorsam (s. o.). Jesus ist willig untertan und bildet die Spitze der Sklaven aller Zeiten – bei allen bleibenden Unterschieden.
Spannungen unter Brüdern, die keine Sonderlehre vertreten, deuten manchmal darauf hin, dass die Beteiligten noch nicht ganz begriffen haben, wie Jesus ihr Thema begleitet hätte.

V 8 Jesus blieb allmächtig, verzichtete aber von Betlehem bis Golgatha auf seine absolute Übermacht.
Hätte er sein Menschsein nur vorgespielt, wäre es das größte Schauspiel der Geschichte gewesen. Spätestens am Kreuz hätte der „Spaß“ aber aufgehört.
Seinen Willen näherte er nicht dem Vaterwillen an. ER wollte was Gott will. Sein Wille WAR Gottes Wille.
Er und der Vater blieben eins (Jo 10, 30). Deshalb lehnte er die Bitten der Kreuzigungsbesucher ab: „Hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz“ (Mt 27, 40); „Er hat Gott vertraut, der erlöse ihn nun“ (Mt 27, 43).

V 9 Nach der Beschreibung des Weges Jesu nach unten folgt die Zielrichtung nach oben. Erstes Wort = DESWEGEN, also die Wirkung der Ursache. Jetzt ist Gott der Vater am Zuge. Und er, Gott, erhöht Jesus, WEIL dieser den Weg V5-8 gegangen ist.
„Über alle Maßen erhöht“ meint die Übergabe der absoluten Herrschaft, die in der Herrlichkeit sichtbar wird. (4)
Luthers „gegeben“ und Elberfelders „verliehen“ beschreiben eine Schenkung. Der Begriff Gnade steckt in diesem Verb.
Der Jünger Thomas entdeckt plötzlich: Jesus begegnen heißt Gott begegnen: „Mein Herr und mein Gott“ (Jo 20, 28). Den Namen Gottes dürfen Juden in Gottes Wort nur lesen, aber nicht aussprechen (2. Mo 20, 7), d. h. Thomas war überzeugt, Jesus ist Gott.

V 10f NAMEN waren im Altertum Lebensbeschreibungen, Programme, nicht nur Rufmittel (5)
Das Knie beugen zeigte Unterwerfung an, (6) allerdings auch Verehrung und Anbetung. Wer vor jemandem auf die Knie fiel, beugte sich ihm, betete ihn an. (Beispiel Dan 2, 46 + 3, 6)
J. A. Bengel, Gnomon: „Das Beugen der Knie geschieht entweder willig mit Freuden oder gezwungen mit Zittern“. (7)
„Zur Ehre Gottes“ weist auch hier auf die Urheberschaft des Erlösungsprogramms hin. Gott ist hier (Rö 8, 31-34, s. besonders V 33). Gott plante hier schon lange im Voraus und ließ es sich alles kosten, um Menschen zu erlösen.
Bei der Inthronisation erhält Jesus alle Funktionen eines allmächtigen Herrn.

Gliederungsvorschlag
Thema: Mit Christus erfüllt
Im Kraftfeld des Christus leben wir
1. in seiner Selbstlosigkeit
2. in seinem Gehorsam
3. in seiner Herrschaft
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Fußnoten
(1) Nach Angaben der Hersteller wurden bisher weltweit über 52 Millionen verkauft.
(2) Wie der flüchtende Dieb eine gestohlene Handtasche unter den Arm klemmt.
(3) In den ersten Jahrhunderten entstanden manche Sonderlehren, die die Göttlichkeit oder Menschlichkeit Jesu einseitig festlegen wollten. Das Konzil von Chalkedon klärte 451 n. Chr.: Jesus Christus, WAHRER Mensch und gleichzeitig WAHRER Gott.“ (Zweinaturenlehre).
(4) Iwwd 358, 1-3 „wird doch nur Jesus und Jesus allein, Grund meiner Freude…“.
(5) Umbenennungen waren mit neuen Lebenszielen verbunden, z. B. Jo 1, 42: Simon = Gott hat erhört, Petrus = Felsen). Bis Mitte des 20. Jh. wählten Christen gern deutschsprachige Vornamen mit biblischem Hintergrund für ihre Kinder: Gotthilf, Fürchtegott, Traugott, Gottlieb, Christian, Christoph usw., aber auch Renate = die Wiedergeborene u. v. a.
(6) Sieger ließen ihre Hauptfeinde niederknien und setzten ihnen als öffentliches Zeichen ihrer Übermacht den Fuß in den Nacken. Die Redewendung: „… sitzt mir im Nacken“ hat auch hier Ursprünge, übernimmt heute aber das Bild des schmerzenden Nackens als Folge psychischer Belastung.
Im Kairoer Museum werden ausgegrabene Pharaonen gezeigt. Die Herrscher hatten Fußschemel aus Gold, die aus verkleinerten Abbildungen vor ihm kniender Feinde bestanden.
(7) Anhänger der sogenannten Allversöhnung, – hier existieren allerdings auch unterschiedliche Lehren – , finden hier keine Beweismittel. Wenn im letzten Gericht auch jeder bekennen wird, ob er kann und will oder muss: ALLE werden, Geistermächte eingeschlossen, die Menschen der irdischen und himmlischen Gemeinde nicht ausgeschlossen. (Hebr 12, 1a; 22f; Offb 5, 13; 7, 9-17).

Liedvorschlag
Iwwd 241: Sag kennst du wohl den wunderbaren Namen
NEUERE LIEDER befassen sich wieder mehr mit dem Namen Jesus.