Monatsthema: Gott schafft neues, indem er…
Predigtthema: …mit Ausdauer erfüllt
Bibelstelle: Philipper 3, 12-21
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkung
Wie sieht ein Christenleben aus? Was bringt Christen in Bewegung?
Erklärungen und Tipps
V 12-14 Wie würde ein Künstler „den“ Christen von heute zeichnen? Einen Hörer oder einen Bibelleser?
Sicher nicht einen „Leistungs“-Sportler im Stadion.
Wo liegt der Zielpunkt der Verse? Sicher nicht in der Feststellung, wie unfertig Christen sind und die Gefahr des Hochmuts und Pharisäismus gewittert wird.
Kann sich ein Christ zur Ruhe setzen, wenn er Christus ergriffen hat? Reicht das nicht? (1)
Um Christen (wieder) in Bewegung zu bringen, gab es viele Methoden. Oft im Zusammenhang mit Gesetzlichkeit: Du musst nur MEHR loslassen, vertrauen, geben, LÄNGER Bibel lesen, TREUER beten, REINER denken und SPÜRBARER mitarbeiten.
Aber nicht der eigene (ichbestimmte) Mangel setzt hier Christen in Bewegung, sondern die Ergreifung und Berufung Gottes, das Gepacktsein von Jesus. (2)
Die „himmlische Berufung“ (V 14 – wörtl. „Berufung nach droben“) verweist auf Hebr 3, 1 und ein Erbe, das uns Irdischen unbekannt ist und nur durchs HOFFEN erfasst werden kann (Eph 1, 18; 2. Tim 1, 9; 2. Petr 1, 10). Sie wählt nicht nach menschlichen Eignungsmaßstäben, sondern wählt gerade das, was verachtet, unedel, nichts ist (1. Ko 1, 26ff).
Paulus lässt nicht den Siegespreis direkt locken. Das könnte wieder gesetzlich klingen und nach der eigenen Gerechtigkeit hatte sich auch ein unbekehrter Saulus ausgestreckt. „Berufung“ bedeutet freies Geschenk. Allerdings nehmen nicht die Stadionbesucher auf den Rängen teil. Beobachter gewinnen an Erfahrung, aber keinen Siegespreis.
Das ZIEL (3) ist nicht der „Himmel“, in den man kommen will (4), sondern die Vollendung der Gemeinde und die endgültige Vereinigung mit ihrem Haupt Jesus Christus.
V 15f „Vollkommen“ war auch in den Mysterienkulten ein Fachausdruck: Einer, der alle Weihen durchlaufen hat. Auch judaistische Propaganda erklärte, die Bekehrung zu Jesus sei ein Anfangsstadium, das erst durch Gesetz und „Heiligung“ zur Vollkommenheit führe. Dein Christsein ist okay, aber du solltest noch…(5)
Paulus will auf das Vollkommene bedacht sein (V 15a). Vollkommene Christen gibt es nicht: „Ganze Christen“ gibt es.
V 16 Nie mehr zurück in ein Leben ohne Christus. Auch Gemeinden sollten das, was sie erreicht haben, nicht aufs Spiel setzen. Z. B. könnten Spannungen unter Verantwortlichen den Rückschritt einleiten. EINMÜTIGES Festhalten am Wort und aneinander bewahrt vor Zerfall.
V 17 Es geht um den WANDEL, das tatsächliche Leben mit Jesus. Die Ethik (Lehre von Pflichten, Ordnungen, Moral) ist Paulus wichtiger als die Dogmatik (Lehre vom Glauben in wissenschaftlich geschlossener Darstellung). Für den praktischen Wandel wird kein verbindlicher Leitfaden mit Verhaltensvorschriften erstellt. Lebendige Christen sind Vorbilder.
Vorbild = griech: typos, Beispiel, das Vorgegebene, Prägestempel und original Geprägtes, z.B. bei der Münzprägung. Glaubwürdiger als eine theologisch einwandfrei geschliffene Predigt ist das Lebenszeugnis der Christen – und des Verkündigers. (6)
Vorbilder zeigen, wie Christen sich in schwierigsten Situationen verhalten können. Kein dumpfes Kopieren, aber der Anreiz, die schwierige Lage genauso mit Christus überstehen zu können.
V 18f Sind hier besondere Judenchristen, Heidenchristen, in der Verfolgung Abgefallene gemeint – oder wir?
Christsein ist schön und gut, sollte uns aber möglichst wenig kosten: Nicht unsere Stellung und finanzielle Verbindlichkeiten, nicht die Zukunft der Kinder, Freiheit oder Leben. (7)
Unter Tränen spricht Paulus von Leuten, die nicht mehr um den Siegespreis liefen, sondern über Regeln und Normen nachdachten, nur noch die „Lehre“ vertraten und das schlichte Mit-Jesus-Leben abwerteten.
Kreuzestheologien, die nur trösten und beruhigen und Parolen, die mitreißen sollen, irdisch Gesinnte schaden dem persönlichen, lebendigen Verhältnis zum Gekreuzigten.
Irdisch Gesinnte ZIELEN auf das ewige Leben im Himmel und merken nicht, dass sie Anderes TREFFEN. (8) Wie viel Zeit und Geld opfern wir unserem „Bauch“?
Unser Bürgerrecht im Himmel (wörtl. unser Gemeinwesen) beschreibt unseren ERSTEN WOHNSITZ (Hebr 11, 8-10). (9)
Heimat ist dort, wo Jesus ist.
Die Titel Heiland, Retter, Führer legten sich schon damals viele Regierungschefs zu. Die Geschichte klärte diese Anmaßungen jeweils automatisch. Die Energien menschlicher Führernaturen sind zu klein.
Unser Leib ist NICHT nach griechischem Verständnis der Kerker der Seele. (10) Er ist ursprünglich Schöpfung Gottes, seit 1. Mo 3 auch Krankheit, Schwäche und Verfall unterworfen und passt eigentlich nicht mehr zu dem, was durch Gottes Geist im wiedergeborenen Menschen lebt. Der Leib der Herrlichkeit wird frei sein von den Folgen der Sünde. Und „sollte Gott das letzte Wort im Weltgeschehen behalten, muss sich sein Wille verleiblichen“. (Karl Heim, Jesus der Weltvollender)
Gliederungsvorschläge
Mit voller Kraft (nach Dr. Heiko Krimmer)
1. Volle Kraft voraus
2. Volle Kraft hinterher
3. Volle Kraft zum Ziel
oder
1. Heimweh
2. Heimweg
3. Heimkehr
oder
1.Vergiss es
2. Mach´s mir nach
3. Wart´s ab
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Fußnoten
(1) Die Lehre von der Rechtfertigung ohne Werke, allein durch Glauben, hat auch Fußangeln, z.B. die Gefahr des Träge- und Sicher-Werdens.
(2) Berufung, ein wesentlicher Begriff schon im AT (Abraham, Propheten, u. a.).
(3) In den Stadien wurde eine Wendmarke, -säule angepeilt, um die gewendet wurde.
(4) … den alle Religionen auf unterschiedlichen Wegen anstreben.
(5) … kein Schweinefleisch essen, den Sabbat (Samstag) heiligen, usw.
(6) Afrikanisches Sprichwort: Dein Tun redet so laut, dass ich deine Worte nicht mehr verstehen kann.
(7) Es gab auch redegewandte Prediger, die in der Gemeindearbeit einen geruhsamen Lebensunterhalt suchten.
(8) Ulrich Parzany: Knapp vorbei ist auch daneben. (Fußball)
(9) Interessant ist die praktische Briefschreibe des Paulus. Briefe wurden nach Fertigstellung zusammengerollt, versiegelt und Briefträgern anvertraut. Umschläge wären unpraktisch gewesen, d.h. Adresse und Absender mussten „außen“ in den ersten noch lesbaren Briefzeilen stehen. Deshalb ist interessant, dass die meisten Paulusbriefe zuerst Absender und Adressaten enthalten. Die Adresse enthält dabei z. B. ZWEI Ortsangaben „in Korinth“ und „in Christus“. Erster Wohnsitz war „in Christus“ und nur die Zweitwohnung hatte eine irdische Adresse.
Etwas nachvollziehbar, wenn autofahrende Christen die Kennzeichen anderer lesen und erfreut sind, heimische Buchstaben zu entdecken. Größer ist die Freude aber meistens, wenn ein Fisch-Aufkleber zu sehen ist. Das deutet auf denselben ERSTEN Wohnsitz hin.
(10) Griech. Philosophen trennten Leib und Geist des Menschen. Der Leib kann irdische Sehnsüchte ver- und erlangen, aber die „Seele“ bleibt davon unberührt.