Philipper

Predigthilfe vom 18.3.2007 – Philipper 4, 4-9

Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er…
Predigtthema: … mit Freude erfüllt

Bibelstelle: Philipper 4, 4-9

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkung
Der wahrscheinlich bekannteste Abschnitt des Briefes. V7 war wohl ein erster Briefschluss, dem ein ausführliches PS angehängt wurde.

Erklärungen und Tipps
V 4 Ein wiederholter Aufruf zur Freude. Luther- und Elberfelder Übersetzung titeln: „Mahnung zu …“.
Lassen sich Freude, Liebe, Friede, Sorglosigkeit u.a. aber einfach befehlen? Die Gründe müssten überzeugend sein: (1)
IM Herrn ist es möglich (Rö 6, 11.23; 8, 39; 15, 17; 16, 3; Phil 1, 1; 2, 5; 3, 14). (2)
Nicht meine, sondern SEINE Leistung weckt Freude ohne kurzes Verfallsdatum.
Die Wiederholung „abermals“ soll Gedächtnisstütze sein, erinnern. Vergesst nicht, was Gott getan hat (Ps 103, 1f).
Christliche Freude gründet sich nicht auf Erfahrungen sondern auf die Zuverlässigkeit und Nähe des Herrn. (3) Was Jesus TAT, zählt.

V 5 Christen erkennt man wegen ihre Güte und Milde Anderen gegenüber (Gal 6, 1f) – wirklich?
Luthers „Lindigkeit“ hängt zusammen mit einer damals verbreiteten Zubereitung der LINDENblüten, s. a. Lindenblütentee. Christen wirken lindernd, heilsam, beseitigen Spannungen. (4) Das ist eines ihrer „Aushängeschilder“.
Die Nähe des Herrn hat zwei Gründe: Zeitlich und räumlich. Der Herr kommt bald wieder und er ist seinen Leuten schon jetzt „näher als ihre eigene Halsschlagader“. Menschen sind gebunden an Raum und Zeit.
Sie können nur an EINEM Ort sein zu EINEM Zeitpunkt. Für Gott bilden Ort und Zeit keine Einschränkungen (Mt 28, 20b). (5)
Jesus kommt wieder, ist aber auch jetzt schon da verbindet Zeit und Raum und bildet(e) gleichzeitig eine der großen Spannungen unter Christen.

V 6 Jesus bleibt der Sorgeberechtigte. (6)
Die Nöte muss ich Gott nicht bekannt machen. Er weiß sie schon.
Paulus schlägt in einer kleinen Gebetsschule Abwechslung vor: Anbetung – Flehen mit gleichzeitiger Danksagung – Bitten. (7)
Anbetung lobt und preist Gott.
Bitten zeigt die Unvollkommenheit des Menschen auf. Wer bittet, hat nicht alles.
Flehen verstärkt das Bitten.
Danksagung freut sich frühzeitig aber nicht voreilig über Gottes hervorragende Hilfe. Mt 6, 8 „Der Vater weiß, ehe ihr ihn bittet…“
Wer verzagt, traut Gott nicht zu, mit seinen persönlichen Problemen fertig werden zu können.

V 7 Ursprünglich eventuell ein Briefschluss, s. Vorbemerkung.
Der „Friede Gottes“ war/ist nicht der Friede des römischen Reichs (pax romana).
Nicht die Kaiser, Könige, Präsidenten und Herren bringen der Welt den Frieden. Sie kennen den Weg zum Frieden gar nicht.
Eigentlich wollen ALLE Menschen Frieden, (8) aber sie finden den Weg nicht ohne Jesus, der der Friede ist (Eph 2, 14; Jer 6, 14). Der Grund dafür: Jes 59, 8.
Für diese Welt hat Gottes Wort keine allgemeine Friedensbotschaft parat. Erst wenn man „Ehre sei Gott in der Höhe“ singt, kommt der „Friede auf Erden“.
Der Ausdruck „bewahren“ kommt aus der Militärsprache: Schutz, Begleitung, Bewachung.

V 8 Um Spannungen, Zank und Streit in der Gemeinde zu überwinden, bleibt es beim bewährten Mittel: „Erneuert euch selbst durch … (Eph 4, 23; Kol 3, 10).

V 9 Handeln setzt Denken voraus, NACHSINNEN, privates und gemeinsames Meditieren über Gottes Wort. (9)
Lernen, Empfangen, Hören und Sehen gehören zu den Grundpraktiken eines Christen.
„Das tut“, im Griechischen: „das PRAKTIZIERT“.

Jeder Jesusnachfolger erhält hier Ratschläge und Weisungen – aber noch etwas deutlicher werden Verantwortliche in Leitungsfunktionen ihre Aufgaben neu erkennen und füllen.

Gliederungsvorschlag 1 (nach Dr. Paul Murdoch)
1. Der Kampf der Christen
2. Die Zuversicht der Christen
3. Die Verheißung des Gebets
Gliederungsvorschlag 2 (nach Prof. Gottfried Voigt)
Der Herr ist nahe. Deshalb
1. unter uns: Freude
2. nach draußen: Güte
3. nach oben: Vertrauen und Dank

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Fußnoten
(1) Freude, ein Stammwort zu FROH, eine Beglückung, eine helle Stimmung, ein Frohgefühl. In der Freude fühlt man sich wohl (zumindest eine begrenzte Zeit), es sind im Augenblick viele Bedürfnisse erfüllt.
Freude ist eine spontane, innere, emotionale Reaktion auf eine angenehme Situation, eine Person oder Erinnerung. Sehr verschiedene Formen und Stärken von angenehmen Gefühlen. Nach außen kann sie sich auf der ganzen Skala zwischen einem Lächeln und einem Freudenschrei äußern.
JEDER freut sich gern, aber worüber?
Die meisten weltlichen Witze gründen sich auf Schadenfreude. Beim Sündenfall ist auch die Freude kaputtgegangen.
Freuen hängt in dieser Welt eng zusammen mit: Ich habe, ich kann, ich bekomme.
Auch Schiller sieht Freude im HABEN: „eines Freundes Freund zu sein; wer ein holdes Weib errungen mische seinen Jubel ein; ja, wer auch nur eine Seele sein nennt auf dem Erdenrund…“ (Lied an die Freude).
(2) Man freut sich AM Sonnenschein, AM neuen Auto. Christen freuen sich zuerst IM Herrn.
Wohlstand kann ebenso gefährlich sein wie Armut (Spr 30, 8f).
(3) Warum wirken gerade die Aufmunterungen schwerkranker Jesusleute überzeugend?
Not lehrt zwar beten, aber auch Fluchen.
(4) Wie anders wurden in den neuen Bundesländern nach dem Mauerfall auffallend viele Christen in verantwortliche Bürgermeister- und Landratsämter berufen? Sie waren als Ausgleichende begabt, Spannungen abzubauen.
(5) Über Raum und Zeit im Volk Gottes s. Artikel von Hartmut Schmid (Bengelhaus) in
www.bengelhaus.de/zeitschrift.htm, Nr. 145, Seiten 9-11.
(6) Die Versuchung Jesu durch Satan (Jo 4) basierte auf dem teuflischen Wunsch, nur einmal Sorgeberechtigter sein zu dürfen für den Gottessohn. Jesus durchschaute diese Absicht sofort.
Sorgen belasten, können einen (sogar Kranke) aber auch wichtig machen.
Gott bietet sich als Müllzentrale an (Jes 53, 4f; 2. Ko 5, 21). Alle „schwarzen Peter“ unserer Gedankenwelt dürfen abgeliefert werden.
(7) Bitten kommt im Deutschen von „Binden“, d. h. Gott an seine Verheißungen binden (Ps 33, 4).
(8) Kinder sagen: „Lass mir MEINEN Frieden“ und hauen sich zur Bekräftigung Duplo-Steine auf den Kopf.
Slobodan Milosevic, der erste Regierungspräsident, der schon während seiner Amtszeit vom Kriegsverbrechertribunal angeklagt wurde, meinte 2005: „Die neuen Friedensgrenzen lassen sich nur mit dem Bajonett ziehen“.
Mao Tse Tung schrieb in seiner „Mao-Bibel“: „Streiten und Krieg werden in nicht allzu ferner Zukunft ausgemerzt sein. Doch der einzige Weg, den Krieg ganz aus der Welt zu schaffen, besteht darin, dem Kriege unseren Krieg entgegen zu setzen“.
(9) Nachsinnen, Meditieren über Gottes Wort ist ursprünglich ein Bild aus der Tierwelt.
Bei der Taubenfütterung trippeln diese Vögel erst einmal zufrieden um ihr Futter herum und genießen den Anblick aus verschiedenen Blickwinkeln.
Auch der Löwe im Tierpark verschlingt bei der Fütterung seine Mahlzeit nicht am Stück. Er verzieht sich damit in eine stille Ecke und genießt seine Mahlzeit von allen Seiten, indem er sie dreht und hier und da Happen abbeißt. Übertragen: Sinnieren über Gottes Wort.