Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er…
Predigtthema: … das Ende ankündigt
Bibelstelle: Markus 13, 1-13
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen
Mk 13 enthält die Endzeitrede auf dem Ölberg. Die Jünger brachten die angekündigte Tempelzerstörung mit dem Ende des gegenwärtigen Zeitalters in Verbindung (= Naherwartung). Jesus verbindet beides geschickt zu EINER einheitlichen Lehre. Der Untergang Jerusalems durch den römischen Kaiser Titus (70 nChr) ist der „Vorgeschmack“ auf das, was später noch kommt.
Jesus verband seine Prophezeiung a) mit der Warnung vor Irreführungen und b) mit der Ermahnung zu wachsamem Gehorsam in der Zwischenzeit, der Zeit der Mission, der Verfolgung und der sozialen und politischen Unruhen. So finden sich im Abschnitt V 5 – V 37 im Griechischen 19 Imperative, wobei mit Hinweisen auf die Zukunft jeweils eine Ermahnung verbunden wird.
Viermal taucht an wichtigen Stellen „Seht zu“ oder „Seht euch vor“ auf, Ermutigungen, in der Jetztzeit den Glauben standhaft und gehorsam zu bewahren.
Diese Rede auf dem Ölberg verbindet Jesu Auseinandersetzungen mit dem „religiösen Establishment“, das gegen ihn wirkte und selbst dem Gericht Gottes verfallen war, mit der eigentlichen Leidensgeschichte, die ihren Höhepunkt am Kreuz findet.
Paralleltexte in Mt 24, 1-14 und Lk 21, 5-19. In den Antiquitates
Erklärungen und Tipps:
V 1-3 Bis heute gilt der Blick vom Ölberg auf den Tempelplatz als „Non plus ultra“ für Jerusalembesucher, obwohl vom damaligen Tempel nur noch die westlichen Fundamente („Klagemauer“) übrig blieb (Lk 19, 43f).
Nicht einmal der Platz des damaligen Altars ist bekannt.
Das äußere Erscheinungsbild dieses Tempels beeindruckte alle, auch die Jünger. (1)
Die Zerstörung des Tempels bezeichnet Jesus als SIGNAL für weitere Ereignisse.
Diese besondere „Ölbergrede“ war nur an seine vier Vertrautesten gerichtet, nicht an das Volk, weil die Menge immer an spektakulären Vorhersagen interessiert war, ohne den lebendigen Gott dahinter zu suchen und zu sehen.
V 4 Diese beiden Fragen haben Jesusnachfolger immer brennend interessiert: WANN und WIE?
V 5 Der Anfang der Jesus-Antwort war eine Warnung (Jer 29, 8; Eph 5, 6). Auch die blieb seitdem aktuell, weil beide Fragen zu eigenmächtiger Suche nach Antworten verleiten. (2) Der Feind hat größtes Interesse daran, durch Verführung zu falschen (meistens gut gemeinten) Berechnungen vom Eigentlichen abzulenken. (3)
„Verführung ist für die Gemeinde schlimmer als Verfolgung!“ (Gerhard Maier).
Auch in den Paralleltexten (s. o.) steht die Warnung im Vordergrund. Vorzeichen kündigen das Ende an.
Die Verse 6-8 beschreiben Katastrophen in der WELT, V 9-13 GEMEINDEkatastrophen.
V 6 „Falsche Christusse“ gab es immer (V 22). (4) Sie hinterließen eher kurzfristige Eindrücke. Von Wichtigtuerei bis zur tatsächlichen Sektengründung war alles schon da. Die Wirkung der „Pseudo-Ich bin’s-Christusse“ war immens (Mt 24, 5). Lösungen für die Probleme der Welt boten die meisten führenden Politiker aller Zeiten an und viele glaubten sogar an ihre persönliche „göttliche Beauftragung“. Ihr Erfolg war u. a. deshalb groß, weil die Menschheit ihren „Rettern“, „Führern“ und „Heilanden“ immer gern die Lösung ihrer schwierigsten Probleme zutraute, (5) – aber die echten Weltkatastrophen konnte niemand abwenden.
V 7 ANGST ist zunehmend „in“. (6)
Kriege nehmen zu. (7) Die Menschheit KENNT den Weg zum Frieden seit dem Sündenfall nicht mehr, so lange sie Christus übersieht. (8) Nur wer eine Perspektive über diese Weltzeit hinaus hat, hat Hoffnung.
V 8 Die Zunahme von Erdbeben und Hungersnöten war nicht nur der Eindruck, weil Radio und Fernsehen umfassender berichten. Die „Klimakatastrophe“ ist dabei nur ein Zeichen für die Unmöglichkeit, diese Welt aus eigener Kraft heil zu machen. Die Menschen auf der von Gott erschaffenen Welt KÖNNTEN die Hungersnöte der Welt (Offb 6, 6; Mt 10, 17-22) beenden, aber auch im Überfluss bleibt fast jeder Nichtchrist sich selbst der Nächste. (9)
Hungersnöte und Erdbeben sind Zeichen (10) auf dem Weg zum Endgericht (Jes 8, 21; 13, 13; 19, 2; Hes 38, 19; Hag 2, 22; Offb 6, 4ff; 18, 8) und zum Ziel. Königreich gegen Königreich (2. Chr 15, 6; Jes 19, 2; Hag 2, 22; Offb 6, 4).
Die Verse 9-13 beschreiben GEMEINDEkatastrophen.
V 9 Gottes Zeichen sind wie Verkehrszeichen: Sie warnen, aber bestrafen selbst keinen Übertreter.
Deshalb: Vorsicht! Die weltweite Verfolgungsgeschichte beginnt.
Und wenn sich in Deutschland (West) seit über 60 Jahren Gemeinden frei entfalten können, gehört das weltweit historisch und zu den Ausnahmen. (11)
„Um meinetwillen“ beschreibt die Ursache der Verfolgungen (Mk 8, 35; Lk 21, 12; 2. Ko 1, 5; 4, 9). Nichtchristen wissen, dass es einen Gott gibt (Rö 1), aber sie wissen nicht, WER er ist. So entstanden unterschiedlichste Gottesbilder und Religionen.
Nirgends wird der Stolz des Menschen so zerstört, wie auf Golgatha, wo Gott auf jede menschliche Mithilfe verzichtet und die Erlösung ganz allein vollbringt. DAS verletzt den stolzen, „autonomen“ Selfmademan zutiefst. Wenn schon Erlösung, dann wählt er lieber Wege der sogenannten „Selbsterlösung“ – bis hin zu „Selbstmordattentätern“.
Verfolgung wird sogar in der EIGENEN GEMEINDE entstehen. Christen werden Christen verleumden und den weltlichen Gerichten ausliefern. (12)
Sogar IN der Synagoge wird geschlagen werden, d. h. Endzeitprobleme treffen die Gemeinde Jesu auch im Kern!
V 10 ZUERST MUSS das Evangelium zu ALLEN Völkern, DANN die letzten Ereignisse.
Mittlerweile wurde praktisch jede Nation der Welt erreicht. Die heutigen Möglichkeiten geben den Missionen die Chance, jeden Winkel der Erde zu erreichen. Ethnos (griech.) beschreibt das Volk mit gleichen sprachlichen und kulturellen Eigenschaften bzw. Merkmalen. Die Zahl dieser Gruppen stieg seit damals ständig an.
Weder das Aufgebot aller Sekten, weder der Islam noch der Dalai Lama können den letzten Sieg des Evangeliums verhindern. Christen müssen allerdings unterscheiden zwischen den Folgen von ihren Brüchen des aktuellen Rechts (z. B. „geblitzte“ Geschwindigkeitsübertretungen), den Ergebnissen aus auch selbst verletzten Verwandtschafts- und Nachbarschaftsverhältnissen und der wirklichen Verfolgungssituation als Jesusnachfolger.
V 11 Auch Christen sind nicht die Regisseure in Zeiten der Anfechtungen. (13)
Sogar ein „legales“ Verhaften und Abführen könnte ihnen passieren.
Durch den Heiligen Geist begleitet der Herr aber jeden Schritt seiner Leute.
V 12 Selbst Gemeinden werden Unfrieden erleben und spalten sich sogar. Auch Familienmitglieder ziehen ihre aktuellen Überzeugungen dem Familiendenken vor. Utopie? (14)
V 13 HASS ist das absolute Gegenteil von Liebe. Nirgends sonst ist GEDULD so nötig.
Geduld = griech. Drunterbleiben, aushalten.
Gott braucht tatsächlich KEINE HELDEN.
Aber Leute, die auf ihn sehen und ihm vertrauen (Hebr 12, 1f). Und die im Glauben bleiben trotz allem (Jes 28, 16; 2. Tim 4, 7f; Hebr 10, 35ff; Offb 2, 10).
Ausharren: “Trotz widriger Umstände bis zum Ende abwarten, aushalten.” (Großer Duden).
Gliederungsvorschlag (nach Dr. Gerhard Maier)
1. Ein wacher Christ beobachtet aufmerksam die Geschichte.
2. Ein wacher Christ bleibt nüchtern
3. Ein wacher Christ ist jederzeit bereit für die Wiederkunft Jesu
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Fußnoten:
(1) – Auch der Kämmerer aus Äthiopien (Apg 8, 26ff) kam, um in diesem Tempel anzubeten (Entfernung = ca. 2000 km).
– „Dieses Bauwerk war ja … das Wunderbarste! …“ (Josephus in „Jüdischer Krieg“).
– „ Wer den Tempelbau des Herodes nicht gesehen hat, der hat seiner Lebtage keinen schönen Bau gesehen…“ (babylon. Traktat Baba batra 4a).
Menschen sehen, trauen und glauben gern dem, was VOR AUGEN ist (1. Sam 16, 7). Prunkvolle Bauten vermitteln Glaubwürdigkeit. Nach Luthers Reformation wurden in der katholischen „Gegenreformation“ (= „Rekatholisierung“) besonders prachtvolle, üppige Kirchen gebaut. Beeindruckende Kirchengebäude („Höchster Kirchturm Deutschlands…, berühmtestes Altargemälde…, größte Glocke…, usw.) machten immer Eindruck und zogen Interessierte an.
(2) Die Liste der gutgemeinten, aber falschen Terminangaben für die Wiederkunft Jesu oder das Ende der Welt ist lang. Hier häufen sich die Irrlehren.
(3) Traurige Beispiele für verirrte Berechnungen gibt es mehr als genug. Eine Aufzählung in der Verkündigung kann interessant sein, weil die Fehler anderer immer Aufmerksamkeit erregen, wirkt aber wahrscheinlich nicht glaubensstärkend.
(4) In den vergangenen Jahrzehnten traten die meisten „Jesusse“ im amerikanischen Sprachraum auf, von der Mun-Sekte bis zum kollektiven Selbstmord der Jim Jones-Anhänger 1978.
Zahlreiche Beispiele in Gerhard Maier, Markus-Evangelium, Edition C, S. 545.
Rat: Nicht zu ausführlich darüber berichten.
(5) Typisch menschlich: Im Frühjahr 333 v. Chr. soll Alexander der Große den „gordischen Knoten“ einfach mit seinem Schwert durchschlagen und damit seinen darauffolgenden Siegeszug durch Asien eingeläutet haben. Achtung: Eine Traumvorstellung der „Allmacht“ großer Politiker!
(6) „Alle haben Angst…“ (Apothekerin über die starke Zunahme des Konsums von Beruhigungsmitteln und Drogen.)
(7) Der Friede in Deutschland seit 1945 ist Grund zum Danken, sollte aber den Blick für das weltweite Anwachsen von Gewalt bis zum Terrorismus nicht trüben.
(8) Jes 59, 8; Jer 6, 14.
„Die neuen serbischen Friedensgrenzen lassen sich nur mit dem Bajonett ziehen!“ (Slobodan Milosevic, ehem. Jugoslawischer Staatspräsident.)
„Streitigkeiten und Kriege werden ausgemerzt sein, – in nicht allzu ferner Zukunft. Doch der EINZIGE Weg, die Kriege aus der Welt zu schaffen, besteht darin, ihnen UNSEREN Krieg entgegen zu setzen. Wenn man will, dass es keine Gewehre mehr gibt, muss man das Gewehr in die Hand nehmen. Politische Macht kommt aus den Gewehrläufen.“ (Mao, 1893-1976, chines. Staatspräsident in seiner „Mao-Bibel“, 1967: Worte des Vorsitzenden Mao Tse-Tung).
(9) Schillers gute Meinung vom Menschen „Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt“ (Wilhelm Tell), wird ständig widerlegt. Der Volksmund hat die Betonung deshalb verändert: „Der brave Mann denkt an sich! Selbst zuletzt.“
(10) Zeichen sind nur wehrlose Hinweise – wie im Straßenverkehr. Sie können übersehen und missachtet werden.
(11) Aktuelle Beispiele finden sich noch und nöcher.
– Eva Hermann, die ehemalige, christlich orientierte TV-Tagesschausprecherin, wird für missverstandene Randbemerkungen erledigt. Die Journalistenzunft wehrte sich selten gegen die jeweiligen Zeitgeistströmungen. Die Ablehnung christlicher Werte funktioniert heute scheinbar synchron mit der Aufwertung z.B. islamischer Vorstellungen.
– Ein hessischer Oberkirchenrat kritisiert die Ehescheidung einer Landesbischöfin der hannoverschen Landeskirche. Folge: Beurlaubung von allen Aufgaben.
(12) Die Erfahrungen mancher Christen in der DDR-Zeit wurden zu Beispielen für die Diskriminierung „gleichberechtigter Staatsbürger“. Wer sein Christsein öffentlich lebte, musste sehr oft das „eingeschränkte Wohlwollen“ des Staates erfahren.
(13) Paul Gerhardt: „Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl.“ (Iwwd 447, V 7b); „Ihn, ihn lass tun und walten, er ist ein weiser Fürst…“ (V 8a).
(14) Nachfragen, was ältere Gemeindeglieder in den letzten Jahrzehnten geistlich am meisten „geschlaucht“ hat. Vor längerer Zeit litten die meisten Gemeinden unter dem unchristlichen Hitler-Regime. Familien zerbrachen, aber auch Gemeinden. „Väter und Mütter“ des Glaubens sind „Mangelware“ geworden. Heute mehren sich die Spaltungen, – oft leider eher aus persönlichen Gründen als durch Gehorsam gegenüber Gottes Wort.