Markus

Predigthilfe vom 11.11.2007 – Markus 13, 14-23

Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er…
Predigtthema: … die Bedrängnis begrenzt

Bibelstelle: Markus 13, 14-23

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkungen
Nach den vorwarnenden Sätzen (V 1-23) beantwortet Jesus die Frage der Jünger nach einem „ZEICHEN“ für den Beginn der Endzeit (Mk 13, 4b) nun auch inhaltlich. Manche Ausleger deuten die Ankündigungen in diesem Text auf die furchtbaren Wirren um die Zerstörung Jerusalems durch Titus (66-70 nChr). Andere sehen hier Hinweise auf die letzte Zeit vor der Wiederkunft Jesu. Wahrscheinlich meint Jesus beides (Mt 24, 15f; 29ff; Lk 21, 20ff).
Chronologisch liegen die Ereignisse (Zerstörung Jerusalems und Jesu Wiederkunft) auseinander, aber theologisch gibt es wichtige Verbindungen (Dan 9, 26f; Lk 21, 24). Die nahe bevorstehende Not Jerusalems wird zum Beispiel für die Zeit der Trübsal vor Jesu Kommen.

Erklärungen und Tipps:
V 14 „All das“ steht nahe bevor. Die „Greuel der Verwüstung“ (Dan 9, 27; 11, 31; 12, 11; Mt 24, 15) werden ausgerechnet im Tempelzentrum, dem Allerheiligsten (Umschreibung: „wo er nicht sollte“) zu finden sein.
Aber auch Christen gingen einer Verfolgung entgegen, deshalb „Merke auf!“. Der Zusammenhang mit Dan 9, 27ff, Juden geläufig, sollte bedacht werden.
„Greuelbild“, ein Synonym für den heidnischen Götzendienst, der BILDER brauchte (5. Mo 29, 16ff; 2. Kön 16, 3ff; 23, 12ff; Hes 8, 9ff; Dan 9, 27). Fremde Götter im Allerheiligsten trieben die Gläubigen aus dem Tempel. Historisch geschah die Entweihung des Tempels (Dan 11, 31f) durch den syrischen Herrscher Antiochus Epiphanes (1. Makk 1, 57; 6, 7). (1)
Jesus sah aber in der furchtbaren Epiphanes-Tat noch nicht die letzte Zerstörung des Tempels, die erst 70 nChr durch Titus geschah. Das haben einige Jünger noch miterlebt, deshalb „Seht!“. (2)
Die gewohnt übliche Zuflucht Israels waren die Mauern Jerusalems. Die sollten aber nicht mehr lange stehen. Flucht muss nicht Feigheit sein. Dieses Jesuswort bewahrte die Christengemeinde davor, mit den nationalistischen Juden gegen die Römer zu kämpfen, was sicher keine Sympathien auslöste (s. Bibellexikon: Makkabäer, Zeloten, Masada).

V 15 Die meisten Häuser hatten Flachdächer mit Außengeländer und -treppe, wo sich das tägliche Leben abspielte (Lk 5, 19). Die Not wird so plötzlich kommen, dass nur noch eine Flucht über die Außentreppe retten kann (Lk 17, 31).

V 16 Das Obergewand wurde bei der Feldarbeit abgelegt. Auf Reisen brauchte man es, aber in diesem Fall war besondere Eile angesagt. Gott wird das ungehorsame Jerusalem (Mt 23, 37; Lk 13, 34) so überraschend richten wie Sodom (1. Mo 19, 15ff).

V 17f Seelsorgerliche Worte mitten in einer Gerichtsankündigung. Tatsächlich traf es Schwangere und junge Mütter besonders katastrophal. (3) Die Winter sind in Israel besonders in Höhenlagen kalt. Alle paar Jahre ist Schnee in Jerusalem üblich (siehe auch Mt 24, 20).

V 19 Jesus sieht nun beide Bedrängnisse gleichzeitig: Die kommende Not in Jerusalem und die Bedingungen der letzten Tage in der endzeitlichen Trübsal. (Dan 12, 1; Joel 2, 2; Offb 16, 18).

V 20 Aber Gott steht immer noch über allem. (4) Verzweiflung hat ihre Wurzeln meistens im vermeintlichen Alleinsein (Ps 103, 2; Jes 49, 15; Jer 3, 21; Lk 12, 6). Vergessen dürfen wir Anderes (Phil 3, 13).
KEIN EINZIGER würde durchhalten, wenn Gott nicht seinen schon bestehenden Plan um der Menschen willen geändert hätte (siehe auch Jona 3, 10). Sein Heilsplan bestand von Anfang an (Eph 1, 4ff; Rö 8, 28ff).
Eventuell deutet sich dies Verkürzung um seiner Leute willen schon an in Dan 7, 25: „Eine Zeit und zwei Zeiten und eine HALBE Zeit“. (Offb 12, 14; 13, 5).

V 21 Verführung war immer schlimmer als Verfolgung. Durch Zeichen und Wunder lässt Gott sich nicht beweisen. Jeder „Zauberer“ und „Illusionist“ in Kabaretts kann den menschlichen Augenschein betrügen.
Der Mensch glaubt dem, was vor Augen ist (1. Sam 16, 7). Plötzliche „Krankenheilungen“ bis hin zu „Totenauferstehungen“ beweisen nicht die Urheberschaft Gottes.

V 22 Falsche Christusse sind immer wieder aufgetreten und fanden Anhänger. Die Kette der falschen Christusse wird im Kommen DES falschen Christus, des ANTICHRISTUS gipfeln (Mt 24, 25-27; Offb 13).
Der wahre Christus kommt in Macht und Herrlichkeit – für die ganze Welt sichtbar – in einem Augenblick wieder: „Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden kommen sehen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit“ (Mt 24,30).

V 23 Eine weitere Ermahnung, weil für Jesusleute nicht auf rosige Zeiten warten dürfen. (zB. „Die Entrückung kommt sicher VOR der Trübsal!“ ist ein Trost auf schwachen Füßen. [FALLS es doch so käme, freuen sich alle mit…]). Die Warnungen Jesu klingen allerdings nicht nach frühzeitiger Rettung.

Alles, was wir über die künftige Trübsal wissen müssen, hat der Gottessohn gesagt. Falsche Entwicklungen können erkannt werden, falsche Christusse und Propheten entlarvt.
Gerhard Maier „Nur Gott kann die Zukunft richtig voraussagen. (Jes 40, 21; 41, 22f; 43, 9ff; 44, 7; 46, 10; Jo 13, 19; 14, 29; 16, 1.4; 2. Petr 3, 17; Jud 17)“.

Gliederungsvorschlag
1. Durchblicken, auch wenn es schlimm kommt
2. Wegsehen von falschen Christussen
3. Hinschauen auf Jesus
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Fußnoten
(1) Er errichtete dem heidnischen Zeus einen Altar direkt über dem Brandopferaltar und opferte Schweine.
(vgl. 1. Makk 1, 41-64; 6, 7) und Josephus in „Jüdische Altertümer“.

(2) Josephus in „Jüdischer Krieg“, 6. Buch: „Als der Tempel selbst sowie alle umliegenden Gebäude in Flammen standen, trugen die Römer ihre Feldzeichen in den heiligen Bezirk und stellten sie dem östlichen Tor gegenüber auf. Eben an dieser Stelle brachten sie ihnen dann Opfer dar.“

(3) Josephus in „Jüdischer Krieg“, 6. Buch, Kap. 3: „Die Not machte für sie alles essbar; was selbst die widerlichen unter den vernunftlosen Tieren verschmähen, das nahmen sie an sich, um es bedenkenlos aufzuessen. Sogar Gürtel und Schuhe verschonten sie nicht und zerkauten sie genauso wie das Leder, das sie von den Schilden abrissen. … Kap. 4: Eine reiche Frau von bester Abkunft … übermannte der Hunger, noch mehr aber der Zorn, und sie tat nun etwas Widernatürliches, fasste ihr Kind – es war noch ein Säugling – und sprach: ‚Armes Kind, in all dieser Kriegs- und Hungersnot, mitten im Aufruhr, wofür soll ich da dein Leben erhalten? Was wir von den Römern zu erwarten haben, falls sie uns überhaupt noch leben lassen, ist die Knechtschaft. Vor der Knechtschaft hat sich schon der Hunger eingestellt und die Rebellen wüten noch entsetzlicher als diese beiden Übel.’ Sprach´s und schlachtete das Kind, briet es und aß die eine Hälfte auf.“

(4) Am 9. Dezember 1968, dem Abend vor seinem Tod, telefonierte der evangelische Theologe Karl Barth mit seinem Freund Eduard Thurneysen und gab ihm als Vermächtnis mit: „Ja, die Welt ist dunkel…… Nur ja die Ohren nicht hängen lassen! Nie! Denn es wird regiert, nicht nur in Moskau oder in Washington oder in Peking, sondern es wird regiert, und zwar hier auf Erden, aber ganz von oben, vom Himmel her! Gott sitzt im Regimente! Darum fürchte ich mich nicht. Bleiben wir doch zuversichtlich auch in den dunkelsten Augenblicken! Lassen wir die Hoffnung nicht sinken, die Hoffnung für alle Menschen, für die ganze Völkerwelt! Gott lässt uns nicht fallen, keinen einzigen von uns und uns alle miteinander nicht! – Es wird regiert!“
Barth war kein Freund der Pietisten, suchte aber zunehmend den Kontakt mit Pfr. Christoph Friedrich Blumhardt (1842-1919), dem Sohn des berühmten Johann Christoph Blumhardt, Möttlingen (1805-80).

(5) Weil somit Jesus Christus nicht mehr in menschlicher Gestalt und Niedrigkeit auf dieser Erde erscheint, sondern auf den Wolken des Himmels in Herrlichkeit, sind alle Menschen, die unter uns leben, gelebt haben oder noch leben werden und behaupten, der wiedergekommene Christus zu sein, eindeutig als falsche Christusse zu entlarven. Auch der Antichrist lässt sich daran sowie an dem Zahlenwert seines Namens (> 666) erkennen (Offb 13,18).
Falsche Christusse gab es von der Zeit der Urkirche bis heute, doch erleben wir jetzt eine Häufung in weltweitem Maßstab und ein Wachstum ihrer Anhängerschaft wie nie zuvor. Als Beispiele seien genannt: Abd-ru-shin (= 0skar Ernst Bernhardt; 1875-1941), ein Deutscher, sah das Werk Jesu Christi als gescheitert an und verkündigte sich selbst als den „wahren Christus“, welcher der Menschheit die rettende „Gralsbotschaft“ übermittelt. Jiddu >Krishnamurti (1895-1986), ein Hinduknabe, wurde seit 1910 von Annie Besant, der Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft, als wiedergekommener „Messias“, „Lord Maitreya“ und „Weltenlehrer“ propagiert.
Father Divine (= George Baker, gestorben 1965) ein Schwarzer aus Süd-Georgia/USA, betrachtete sich als die zweite Fleischwerdung Gottes (= Vaterstufe) nach der Sohnesstufe (= Christus). Sein Tod wird von seinen Anhängern als Sühneopfer für ihre Sünden gewertet. San Myung Mun (geb. 1920), ein Koreaner, behauptet, der „Sohn Gottes“ und „Besieger Satans“ zu sein. Sein vierter Eheschluss im März 1960 sei die „Hochzeit des Lammes“ nach Offenbarung 19 gewesen (Vereinigungskirche). „Der Christus des Neuen Zeitalters (New Age)“, der noch anonym ist, soll der Welt Frieden und Sicherheit bringen und identisch sein mit den erwarteten Heilsgestalten anderer Religionen (z.B. mit dem Maitreya-Buddha der Buddhisten, dem Imam Mahdi der Moslems und dem Krishna der Hindus). Diese Ansicht hat weit über das Lager der Theosophischen Gesellschaft und New-Age-Bewegung hinaus, durch die sie zuerst propagiert wurde, Verbreitung gefunden. Sie trägt Kennzeichen des in der Bibel vorhergesagten Antichristus.