2.Korinther

Predigthilfe vom 28.10.2007 – 2.Korinther 13,1-13

Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er herausfordert…
Predigtthema: … zu einer selbstkritischen Lebenseinordnung

Bibelstelle: 2.Korinther 13,1-13

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkungen
Nachdem Paulus die ersten neun Kapitel betont liebevoll formuliert hat, werden die letzten vier Kapitel im Ton schärfer. Man nannte sie auch den „Vierkapitelbrief“, obwohl der Zusammenhang von 2. Kor nicht in Frage gestellt wurde.

Erklärungen und Tipps:
V 1f Paulus besuchte die meisten Gemeinden zwei Mal. Für die Korinther braucht er drei.
Er deutet an, in der Gemeinde nach üblichem Rechtsverständnis Gericht halten zu müssen.
Deshalb „zwei oder drei Zeugen“, siehe Mt 18, 16 und 5. Mo 19, 15. Dadurch wurden persönliche Zwistigkeiten und Anklagen aus Rache möglichst vermieden.
Der erste Besuch dauerte 18 Monate, d. h. er kannte die Gemeindeglieder gut.
Ein Zwischenbesuch lief bedrückend ab (2, 1ff) und bewirkte den verschollenen, sog. „Tränenbrief“.
Die gleichen Gemeindeglieder, die Not verursacht hatten (12, 21), waren noch aktiv. Trotzdem ist davon die ganze Gemeinde betroffen und sollte sich auf Klärung vorbereiten.

V 3 Paulus hatte in dieser Gemeinde „auf weltstädtischem Niveau“ keinen großen Eindruck gemacht. (1)
Von eher kleiner Statur (griech.: Paulos = der Kleine), galt er als kein besonders begabter Redner (1. Ko 2, 4), schwach und nachgiebig (10, 1).
Die Korinther hatten selbst den Beweis dafür verlangt, dass Paulus im Namen des Christus redet, den sie als Herrn anerkannten.

V 4 Der „Widerspruch“ des äußerlich schwachen Christus am Kreuz, der aber gerade hier seine Macht zeigte, gilt auch für seine Nachfolger (12, 9.10). Wer das „Sterben Jesu“ am eigenen Leib erfährt, ist selbst ein Schwacher, Sterbender. (Mt 10, 38; Rö 6, 1-4).
Paulus Worte wiegen stark aus seiner Schwachheit heraus und die „Stärke, Weitherzigkeit und Großzügigkeit“ einiger Korinther beschreiben letztlich IHRE geistlich schwache Position. (2)
Äußere Überlegenheit, Wachstum und Stärke beweisen die Kraft Gottes nicht, – (zu) oft sind sie Indikatoren geistlicher Schwäche.

V 5 Selbsttests sind wieder in. Die Frage ist aber nicht, ob die Korinther „an Jesus glauben“, sonder IN JESUS sind (1, Ko 1, 2.30; 1, 21; 2, 14). „Christus in uns!“ – nicht zuerst „Wir für ihn!“. (3)
Thema möglichst jeden Gottesdienstes: Auch im „Wir für ihn“ bleibt das „Er für uns“ die treibende Kraft.

Dass die Gemeindeleiter einsichtig werden und sich aus „eigener“ Kraft von Sonderlehrern trennen, hält Paulus für möglich. (4)

V 6 Ob Paulus in Damaskus tatsächlich vom Herrn selbst GESANDT wurde und er deshalb im Namen des Christus reden und urteilen konnte, war eine Frage (s. Predigttipp Apg 9, 34-48, Fußnote 4).
Paulus geht davon aus, dass die Gemeinde selbst erkennen wird, ob er im Namen Jesu redet.

V 7 Lieber selbst als „untüchtig, nicht bewährt, klein und schwach, ohne mitreißende Redegabe“ da stehen, als die Korinther in ihrer Selbsttäuschung lassen.

V 8 Ziel, hoffentlich auch der Korinther, ist die WAHRHEIT. Für Paulus war klar, dass es die nicht ohne Christus gibt (Jo 8, 32; 14, 6; 2. Tim 2, 25; 1. Jo 3, 19; 4, 6).

V 9 Unzitiert bleibt hier die LIEBE das Hauptthema.
GEBETE für unvollkommene Verhältnisse bewirken mehr als Zurechtweisungen und Korrekturen, die eher “von oben herab“ empfunden werden. (5)

V10 Unwissenheit und Sorgen bleiben. (6) Die Lösung liegt in diesem Fall bei der Gemeinde.
Paulus ist weise und tritt nicht gleich mit „höchster Kompetenz“ als Apostel/Gesandter auf.

V 11 Paulus hilft, die gewichtigen Nebenschauplätze nicht Hauptthema werden zu lassen.
Streitthemen wären genug vorhanden, aber ihm ist das Ergehen der ganzen GEMEINDE wichtig.
Thema: „Kirchenzucht“. Auch über bedrückenden Tagesordnungspunkten steht „Freut euch!“ (Lk 10, 20; Rö 12, 15; Phil 4, 4).
Und auch hier muss die Gemeindezucht, die Ermahnung (Apg 20, 31) immer das Ziel haben, wieder ZURECHTZUBRINGEN (Gal 6, 1; Jak 5, 19f), doch darf die Gemeinde nicht vor der Anwendung des äußersten Mittels zurückschrecken, vor dem Ausschluss des Unbelehrbaren (Mt 18, 15-18; 1. Kor 5, 3 – 5.13; 2. Ko 6, 14-17; 1.Tim 1, 20; 2. Tim 3, 5; Tit 3, 10)“ (Rienecker, Lexikon zur Bibel).
„Seid eines Sinnes“ bekräftigt seinen Rat in Jo 6, 14. (7) Auch Phil 2, 5: „Ein jeder sei gesinnt wie Jesus Christus auch war“.
Haltet Frieden: Christen sind nicht einfach friedliche Leute. Friedlich können auch Weltmenschen sein.
Jesusleute sind Friedensstifter, Frieden machende (Mt 5, 9). Die Initiative zu Friedensschlüssen wird von ihnen ausgehen, weil sie selbst Frieden haben.

V 12 Zu den Bedeutungen des brüderlichen Kusses siehe Rienecker-Lexikon zur Bibel: „Kuss“.
Er bedeutet „von Herzen zusammengehören, wesenseins sein, unter einer Decke stecken, am gleichen Strang ziehen“. So waren die Eindrücke, wenn man im Orient mit Anderen engere Kontakte aufnahm.
„Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern?“ (Mk 9, 11; Mk 2, 16; Lk 5, 30).
Das HERZLICHE Grüßen wird gegenseitig als echt empfunden, beiderseitiges Bedürfnis, kein Auswahlunternehmen. (8)

V 13 Ein bekannter Kanzelgruß. Die TRINITÄT ist das Thema: Der Vater, der Sohn und der heilige Geist sind eins.
Paulus hat selbst keine Trinitätstheologie entwickelt, aber er möchte hier evtl. auch die pneumatisch orientierten Leute (= die Wirkungen des Heiligen Geistes besonders bewertenden) ansprechen.
„Mit ihnen allen“: Das weite Herz des Paulus.

Gliederungsvorschlag (nach Dr. H. Krimmer)
1. Die Gnade ergreifen
2. Die Liebe erfahren
3. Die Gemeinschaft erleben
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Fußnoten
(1) Korinth befindet sich auf einer Landenge zwischen zwei Meeresbereichen. Den sehr weiten Umweg umgingen die Seeleute, wenn sie durch korinthische Firmen ihre Schiffe samt Ladung auf dem Landweg über den Isthmus transportieren lassen konnten (Lexikon: „Diolkos“). Das sparte den Seefahrern viel Zeit und brachte den Korinthern großen Reichtum. Nicht nur die Seeleute brachten Korinth auf Weltstadtniveau, auch der Aphrodite-Tempel mit ca. 1000(!) Tempelprostituierten erzeugte „Hamburger Reeperbahnzustände“. Diese Umwelt hatte auch die christlichen Einwohner nicht unberührt gelassen.
Im Altertum war ein bekanntes Synonym für eine besonders ausschweifende Lebensweise das Verb „korinthiazestai“.
(2) Auch Gemeinden leben in der Gefahr, ihre Hauptziele auf Programmvielfalt, Besucherzahl und Ansehen auszurichten. Auch wenn unsere Umwelt heute wieder korinthische Zustände aufweist (ein jüngerer [!] Bruder: „Korinth ist heute auch in meiner Gemeinde!“), holt Paulus die Gemeinden wieder auf den Boden der Tatsachen innerhalb der wirklichen Gemeinde Jesu zurück.
(3) Hervorragende Literatur der Fackelträger: Christus in euch.
Major Ian Thomas (1916-2007) war Gründer und Leiter der Fackelträger. Wikipedia: „Frustriert von seinem Versagen, durch eigenes Bemühen ein erfolgreiches christliches Leben zu führen, erkannte er mit 19 Jahren, dass allein die Kraft Gottes in ihm das bewirken konnte, wonach er sich sehnte. Seit der Zeit war seine zentrale Botschaft: ‚Christus in euch – Dynamik des Lebens’ (Hänssler-Verlag).
(4) In der Praxis finden Sonderlehrer oft zu lange Gehör in „ihren“ Gemeinden. Sie haben sich „verdient gemacht“, spenden oft großzügig, haben eine Nachfolgergruppe gewonnen und werden von zurückhaltenderen Gemeindegliedern nicht öffentlich in Frage gestellt.
(5) Dekan Walter Tlach, Gründer des Albrecht Bengel-Hauses in Tübingen: „Gebete sind die größtmöglichsten Krafteinwirkungen der Gläubigen.“
(6) Die weitaus meisten Zuschauer der TV-Programme (Astra = Astrologische Ratschläge, u. ä.) schalten ein, weil sie Angst haben, sich zersorgen und um „Weisung“ bitten. Nichts Neues.
THORA, das Wort und Gebot Gottes, bedeutet „Weisung“. Der suchende Mensch weiß, DASS es einen Gott gibt, nur nicht, WER das ist (Rö 1, 19ff). Er sucht, auch der Atheist.
Heinrich Böll: „Das Langweiligste an den Atheisten ist, dass sie ständig von Gott reden müssen.“
(7) siehe auch Fußnoten (4) und (5) zu 2. Ko 6, 11ff.
(8) UNTERSCHIEDLICHE Begrüßungen und Verabschiedungen vor und nach Gottesdiensten wie „Bruder…“ oder „Herr…“ disqualifizieren.
Praktisch: Freundschaftliche Umarmungen wurden auch in Gemeinden „gesellschaftsfähig“.
Eine Auswahl kann aber den „Nicht-Erwählten“ weh tun.
Jesus war EINER VON IHNEN.