Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er herausfordert…
Predigtthema: … zu einer eindeutigen Lebenseinstellung
Bibelstelle: 2.Korinther 6, 11- 7,1
Verfasser: Eckhard Löffler
Erklärungen und Tipps:
V 11-13 Nachdem Paulus um das Verständnis der Korinther für seine Lebensführung und die Herrlichkeit seines Dienstes geworben hat (ab 1, 3), fasst er zusammen. Im vorherigen Briefteil hat er kein Blatt vor den Mund genommen, hat sich ohne zu verletzen frei und offen ausgedrückt. (1)
Wer so redet, öffnet sein Herz und dadurch entsteht in der Regel Vertrauen. Beispiel: Jede Liebesbeziehung fängt so an.
Eventuell vermutete man in der Reiseplanänderung (2. Ko 1, 16.23) eine Geringschätzung der korinthischen Gemeinde. Seine herzliche Zuneigung könnte sich verengt haben. Oder hatte seine Kritik an unguten Verhältnissen (z.B. 1. Ko 8; 11, 17ff; u. a.) in Korinth (2) inneren Abstand bewirkt?
Die Korinther gehen engherzig bei der Beurteilung des Paulus vor. Für jeden Verkündiger ist es schwer, steigenden Ansprüchen der Gemeindeglieder zu genügen.
Die „Gabe“ der Kritikaster (nicht immer kompetente Nörgler) ist auch in christlichen Gemeinden leider nicht ganz unbekannt.
Dem Diener Paulus geht es nicht besser als seinem Herrn: keine Aufnahme (Jo 1, 11); kein Raum in der Herberge“ (Lk 2, 7). Jesusnachfolger bekommen es ebenfalls mit dem Kreuz zu tun (Mt 16, 24).
Trotzdem hat Paulus sich für die Korinther ein weites Herz bewahrt. (3)
Paulus WIRBT, um die Herzen der Korinther zu GEWINNEN (1. Ko 9, 19) und zu öffnen.
V 14ff Eine Bitte an die Gemeinde, sich ganz zu reinigen; wörtl.: „Seid nicht fremd zusammengejocht mit Ungläubigen“. (4)
Unter demselben Joch sollen nur „gleichgesonnene, gleichartige Tiere ziehen“. (5)
Gemeindeglieder, die sich auf engere Bindungen mit Ungläubigen (den Glauben an Jesus ablehnenden) einlassen, können nicht harmonieren. (6)
Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit können niemals harmonieren. Licht und Finsternis sind dafür deutliche Beispiele (siehe auch Offb 3, 15).
Kinder des Lichtes sollten die Werke der Finsternis nicht mehr übernehmen (Eph 5, 8.11; 1. Petr 2, 9).
Es gibt gute und notwendige Trennung. (7)
„Belial“ wurde der „Fürst dieser Welt“ genannt, zugleich eine Anlehnung an das Hebräische für „Schlechtigkeit und Bosheit“ (1. Sam 25, 25; 30, 22; Nah 2, 1), dann der Name für den Satan selbst.
„Von den Götzen zu Gott bekehrt“ (1. Th 1, 9) kann nicht das Einziehen der Götzen in Gottes Reich zulassen. Die Götzen des Anderen stillschweigend akzeptieren bedeutet, ihnen Wirkungskraft zu lassen.
Korinther hatten immer noch ein weites Herz gegenüber der Welt mitten in ihrer „weltmännisch geprägten“ Großstadt. (8) (9)
V 17f Zum Christsein gehören Entscheidungen und Scheidungen. Das ist trotzdem eine wichtige Seite des Evangeliums. Gottes Gnade ist nicht immer angenehm und süßlich, sie kann herb und hart auftreten, wenn Gott uns nicht anders helfen kann (z. B. 1. Mo 32, 26. 31f).
Er ist heilig. „Heilig“, d. h. abgesondert, war schon im Alten Testament alles, was Gott und der göttlichen Sphäre zugehört. (10)
Der größte Machthaber aller Zeiten will den Menschen Vater sein (Jes 52, 11; Hes 20, 41; 2. Sam 7, 14).
Keine Religion lässt sich mit dem Evangelium vergleichen.
7, V 1 „Geliebte“ sind die Korinther – trotz allem. „Verheißungen“ zählt Paulus auf, nicht Einengungen und Verbote.
Unser äußeres Leben ist seit dem Sündenfall von Natur aus nicht von makelloser Reinheit und wird immer neu Flecken annehmen. Deshalb ist die ständige, umfassende Reinigung von „Geist, Seele und Leib“ (1. Th 5, 23) lebensnotwendig.
„Wie diese Reinigung geschieht, hat Paulus hier nicht gesagt. Es ist aber aus 1. Jo 1, 7-9 und Offb 7, 14 und anderen Stellen des NT deutlich, dass dieses Reinigen nur durch die Kraft des Blutes Jesu geschehen kann. Aber sie geschieht nicht durch unseren Willen. Unsere Sache ist das ‚Bekennen’, das Hineintreten in das Licht des Herrn und das Ausliefern aller Flecken an den, der allein reinigen kann. Das Rat des Jakobus (5, 16) dabei gegenseitige, brüderliche Hilfe zu suchen, ist wichtig.“ (Werner den Boor)
Die väterliche Nähe des „Abba“ (Mk 14, 36; Rö 8, 15; Gal 4, 6) schließt die Ehrfurcht vor dem großen Gott nicht aus. Gotteskinder können Menschen werden, Gott/Götter aber nicht.
Gliederungsvorschlag (Thomas Richter)
Eine eindeutige Lebenseinstellung kommt aus einem
1) ‚weiten‘ Herz für die Gemeinde (6, 11-13)
2) ‚ungeteilten‘ Herz gegenüber der Welt (6, 14-16a)
3) ‚gehorsamen‘ Herz zum Herrn (6, 16b-7,1)
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Fußnoten
(1) Mt 12, 34 Jesus: „Wes das Herz voll ist, dem geht der Mund über“.
(2) Ein bekanntes Synonym für eine besonders ausschweifende Lebensweise war im Altertum das Verb „korinthiazestai“. In Korinth, der Welthafenstadt war Tempelprostitution in Verbindung mit der Göttin Aphrodite üblich, ca. 1000 „Priesterinnen“ sollen in Tempelnähe gewohnt haben. „Korinthisches Mädchen“ bezeichnete eine Frau mit anstößiger Lebensführung.
In dieser Umgebung hatten es korinthische Christen besonders schwer, weil sie die Sünden ihres alten Lebens ständig vor Augen hatten. Übersetzt: Eine Gemeinde in Hamburg – St. Pauli hat es sicher schwerer als im Württembergischen.
(3) Rektor Christian Dietrich, Gründer der Altpietisten: „Der Herr helfe mir zu einem Herz, groß und weit wie ein Scheunentor für alle, denen ich begegne.“
(4) Das Joch war das auf der Stirn oder dem Nacken aufliegende Geschirr bei Zugtieren. Es diente zur Führung der Tiere.
Ebenso war es ein Trageholz auf menschlicher Schulter, das auf beiden Seiten Lasten übernehmen konnte, z.B. Bilder von holländischen Wasserträgern.
Auch nannte man nach einer Schlacht die rechts und links am Wege aufgerichteten, vorgeneigten Speere der Sieger, die eine Gasse für die Verlierer bildeten, ein Joch.
Heute nur noch nach Trauungen von Kindern gehaltene Blumenbogen, die das Paar durchläuft. Ob man nur deshalb vom „JOCH der Ehe“ und in diesem Zusammenhang von „Jochgenossen“ spricht, wird nur vermutet.
Früher auch ein Gespann von 2 Ochsen oder Kühen (Lk 14, 19).
(5) Jeder Kutschenbesitzer spannt nur Pferde zusammen, die im Alter und im Charakter ähnlich sind.
(6) Liebesheiraten zwischen Gläubig und Ungläubig nehmen mächtige Reibungsverluste und Zündstoffe in Kauf, die echte Offenheit und Liebe unweigerlich zerstören werden.
(7) Die Annäherungsversuche (leider gerade evangelischer Kirchen) gegenüber den vielen muslimischen Religionsparteien sind nicht durch das Evangelium geprägt (Apg 4, 12).
Z.B. soll in London bis zur Olympiade 2012 die größte europäische Moschee für ca. 12.000 Besucher direkt neben dem geplanten Sportgelände errichtet werden. England war einmal christlich geprägt, die Londoner sehen sich als multikulturelle Weltstadt und haben bis heute nichts gegen die Moschee.
(8) Missionare kennen die Macht der früheren Religion und Kultur.
Einige Länder, die sich streng katholisch entwickelt haben wie Österreich, Spanien, Frankreich gelten nicht umsonst als „Missionarsgräber“. Die alten Bindungen sind stark.
(9) Neuere Beispiele sind bestimmte Nachtprogramme im Fernsehen für alle und Mordspiele speziell für junge PC-Freunde.
(10) Lexikon zur Bibel: „Heilig bezeichnet etwas vom Gewöhnlichen Getrenntes oder Ausgeschiedenes; geweiht, unverletzlich; abgegrenzt vom Kreaturhaften bei deutlichem Wesensunterschied. Ferner bezeichnet es den Besitz einer das Irdische überragenden Macht, die aber durch bestimmte Verbindung mit dem Heiligkeitsträger auch von Menschen erlangt werden kann. Daraus ergibt sich eine Erweiterung des Wortsinns und die Gleichsetzung von Heiligung mit Reinheit und Makellosigkeit vor Gott im Gegensatz zur Sündhaftigkeit…. Erst im NT haben wir den neuen, lebendigen Weg, der ins Allerheiligste führt (Hebr 9, 11-14). Jesus Christus hat sich durch sein Leiden und Sterben, durch seinen Gehorsam bis zum Tode am Kreuz selbst für uns geheiligt; nun erst können auch wir in der Wahrheit geheiligt werden (Jo 17, 19). So ist Christus uns von Gott zur Heiligung gemacht worden (1. Ko 1, 30) …
Heiligung ist ganz und gar GOTTES WERK: Sie ist die Gabe Gottes an alle, die sich durch den rechtfertigenden Glauben dem Evangelium erschließen. Gott wirkt im Gerechtfertigten nicht nur die Vergebung der Sünden um Christi willen, sondern eignet ihm auch Christi Heiligkeit zu (1. Ko 6, 11; Eph 4, 24; 5, 25ff). Dadurch wird der Gläubige von innen her erneuert, wiedergeboren (Jo 3, 1-16; 1. Petr 1, 3-5) durch die »Heiligung des Geistes« (Rö 1, 4; 15, 16; 1. Petr 1, 2)…
ZIEL der Heiligung ist die Vollendung und Verklärung der Gläubigen in das Bild des Christus (Rö 8, 17.28; 1. Ko 15, 35ff; Phil 3, 21; 1. Jo 3, 2), die Vollkommenheit in ihm (Kol 1, 28; 2, 10), wie sie der Herr selbst von seinen Jüngern gefordert und ihnen verheißen hat (Mt 5, 48). Das Anziehen dieser Vollkommenheit, des neuen Menschen (Eph 4, 24), ist unsere tägliche Aufgabe: »allezeit fröhlich – allezeit für alles dankbar – völlig in der Liebe« (1. Ko 14, 20; Phil 3, 15; 1. Petr 2, 9f; Hebr 5, 14).“